Der Sport-Verein von 1912 Sodingen ist ein Fußballverein aus dem Herner Stadtteil Sodingen, der in den 1950er Jahren in der Oberliga West erstklassig spielte. Die Vereinsfarben sind Grün-Weiß. Er gehörte zu dieser Zeit (wie z. B. auch die SpVgg Erkenschwick, die Sportfreunde Katernberg oder die SpVgg Herten) zu den Bergarbeitervereinen, denen man nachsagte, beim reputierlichen DFB nicht sonderlich wohl gelitten zu sein.
Bis 1952 war die Glück-Auf-Kampfbahn die Spielstätte, die 1975 abgerissen wurde, weil sie einer Umgehungsstraße weichen musste. Seit 1952 trägt der Verein die Heimspiele im Glück-Auf-Stadion aus, das anlässlich des damaligen Oberligaaufstiegs neu errichtet worden war. 2021 erfolgte die Umbenennung des Stadions zu Ehren des langjährigen Vereinsvorsitzenden in Dr.-Jovanovic-Glück-Auf-Stadion. Seit 2025 trägt das Stadion die Bezeichnung EDEKA Ziob Glück-Auf-Stadion. Nach dem Abstieg in der Saison 2024/25 aus der sechstklassigen Westfalenliga spielt der Verein seitdem in der Landesliga Westfalen.
Geschichte Entstehung Gegründet wurde der Verein am 14. September 1912 in dem Bergbaustädtchen Sodingen, das 1928 nach Herne eingemeindet wurde. 1913 wurde der SV Sodingen in den DFB aufgenommen und nahm an den Meisterschaftsspielen im Bezirk Bochum-Gelsenkirchen teil. Gleich im ersten Spiel schlug man den VfL Bochum (damals TV Bochum) mit 3:0. 1922 wurde der SVS Meister der B-Klasse, nachdem der Verein 63 Siege in Folge erzielte. Aufgrund einer Spielklassenreform verblieb der Verein jedoch in der B-Klasse. 1937 – zum 25-jährigen Jubiläum – spielte der Verein in der 1. Kreisklasse. Die erfolgreiche Jugendarbeit der 1930er Jahre ermöglichte dem SVS aber den sportlichen Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die „große Zeit“ mini|Dr.-Jovanovic-Glück-Auf-Stadion 1941 gelang dem SV Sodingen der Aufstieg in die Bezirksklasse. 1947 wurde der SVS Meister der Bezirksklasse, aber der Aufstieg in die Landesliga misslang, weil man in der Aufstiegsrunde unter anderem gegen den SC Hörde patzte. Doch 1949 gelang der Aufstieg in die Landesliga, der damals höchsten Amateurliga. 1950 wurde der Verein Vizemeister der Landesliga und stieg in die 2.Liga West auf, wodurch in Sodingen die Vertragsspielerzeit begann. 1952 gelang zum vierzigjährigen Bestehen der Aufstieg in die Oberliga West – der SVS befand sich plötzlich in der höchsten Spielklasse. Siegfried Geesmann, Alfred Schmidt, „Hännes“ Adamik, und Leo Konopczynski waren die Leistungsträger dieser Mannschaft und seit 1949 an jedem Aufstieg beteiligt. Dieser steile Aufstieg brachte dem Verein die Bezeichnung „Komet des Westens“ ein. Dieser an die frühere Schalker Entwicklung erinnernde Aufstieg trug ebenso dazu bei, dass der Verein nicht nur im Ruhrgebiet außerordentlich beliebt wurde, wie die Tatsache, dass sich hier ein „David“ anschickte, nach den Sternen zu greifen. Praktisch sämtliche Spieler arbeiteten auf der Zeche Mont Cenis und stammten ausnahmslos aus der näheren Umgebung. Auch die Konkurrenz zum „bürgerlichen“ Lokalrivalen Westfalia Herne nährte das Bild vom „Sodinger Underdog“ – und zumindest in den 1950er Jahren hatte dieser auch tatsächlich die Nase vorn. Die Mannschaft spielte einen kompromisslosen Kick-and-Rush-Stil, gepaart mit unbedingtem Einsatzwillen aller Akteure, verfügte dabei durchaus über technische Qualitäten, was den Bundestrainer Sepp Herberger zu der Aussage veranlasst haben soll, Sodingen sei „die einzige deutsche Elf, die englisch spielt“.Baroth, S. 81
Am Ende der Saison 1954/55 belegten die Schützlinge von Trainer Ludwig Tretter den 2. Platz in der Oberliga West und qualifizierten sich damit für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft, wo sie zunächst den SSV Reutlingen 05 in einem Ausscheidungsspiel mit 3:0 besiegten und dann in den Gruppenspielen auf den 1. FC Kaiserslautern, den Hamburger SV und den zweifachen Deutschen Meister Viktoria 89 Berlin trafen. Die einzige Niederlage wurde am ersten Spieltag gegen Hamburg durch ein Tor von Günter Schlegel besiegelt. Das 1:1 beim Rückspiel, bei dem Uwe Seeler die Hamburger in Führung brachte und Willi Demski den Ausgleich erzielte, sorgte mit dafür, dass nicht Hamburg, sondern Kaiserslautern in das Endspiel der Deutschen Meisterschaft einzog.
mini|Ehrentafel der Mannschaft von 1954/55
Die Ergebnisse dieser Spiele:
gegen Kaiserslautern 2:2 und 2:2 gegen Hamburg 0:1 und 1:1 gegen Berlin 5:1 und 3:2
Insbesondere das Heimspiel gegen die mit all ihren „Berner Weltmeistern“ antretenden Lauterer am 22. Mai 1955 zeigt, wie stark die Unterstützung für diesen Stadtteilverein war – auch wenn Sodingen von Ortsfremden gelegentlich mit Solingen verwechselt wurde und noch heute wird. Wegen des erwarteten Besucheransturms war das Heimspiel in die Schalker Glückauf-Kampfbahn verlegt worden, wo es schon Stunden vor Spielbeginn zu chaotischen Zuständen kam, weil etwa 80.000 Menschen in das nur 40.000 Plätze bietende Stadion drängten. Am Ende waren es etwa 55.000, die Einlass gefunden hatten, und das Spiel musste mehrfach unterbrochen werden, weil die Zuschauermassen meterweit auf dem Spielfeld standen.
Der Kicker schrieb anschließend: „Wir sahen heute eines der packendsten und schönsten Spiele seit langem, würdig einem Endspiel. Ohne Fritz Walters Spielgenie wäre Lautern von den Sturmfluten der offensiven Westfalenelf überwältigt worden.“Piorr, Band 1, S. 257 Nach Abschluss der Runde war Sodingen mit 7:5 Punkten hinter dem 1. FCK (9:3) und dem HSV (8:4) achtbarer Gruppendritter geworden. In der Folgesaison erreichte der SV Sodingen, der auch mehrere Nationalspieler in seinen Reihen hatte, nochmals einen einstelligen Tabellenplatz.
In dieser Zeit war Sodingen auch die erste westdeutsche Mannschaft, die nach dem Krieg in der DDR zu Freundschaftsspielen in Magdeburg, Babelsberg und Eberswalde antrat. Daneben gab es Spiele in Tunis, Enschede und Eindhoven. Der SV Sodingen gastierte auch zu einem torlosen Freundschaftsspiel gegen FC Everton im Goodison Park und empfing Sheffield United im heimischen Glück-Auf-Stadion.
1956/57 entging man dem Abstieg nur knapp: wegen unerlaubter Bargeldzahlungen an die Spieler wurden dem SV Sodingen sechs Punkte abgezogen. Der Verein hatte seinen Zenit überschritten und jedes Jahr verließen Leistungsträger den Verein. Bis 1962 gelang es dem SVS noch, sich mit Talenten aus der eigenen Jugend im Vertragsspielerfußball zu halten, aber auf Dauer war die Mannschaft in der höchsten Spielklasse nicht mehr konkurrenzfähig.
Von 1962 bis 1987: Absturz und Neubeginn Dem Abstieg aus der Oberliga 1962 folgte ein Jahr später auch der Fall in die Verbandsliga, da sich der SVS als Neunter der Zweiten Liga West nicht für die (nach Gründung der Bundesliga) neugeschaffene Regionalliga West qualifizierte. Ein Jahr später, 1964, bedeutete die 4:5-Niederlage beim VfL Hörde auch den Sturz aus der Verbands- in die Landesliga. Hintergrund dieses sportlichen Abgesangs war die aufkommende Kommerzialisierung des Fußballs einerseits, in dem Vereinswechsel erleichtert und guten Spielern höhere Summen gezahlt wurden, sowie die Krise des Bergbaus andererseits. Der Niedergang des Vereins ging einher mit dem der heimischen Zeche Mont Centis, die zunächst 1967 und 1973 mit benachbarten Zechen zusammengelegt und 1978 stillgelegt wurde. Sie konnte daher den SVS nicht mehr unterstützen und der Verein hatte kein Geld, um gute Spieler zu holen bzw. zu halten.
Dem Abstieg in die Bezirksliga 1967 wäre um ein Haar sogar der Sturz in die Kreisliga 1973 gefolgt – erst in einer Abstiegsrunde gegen Westfalia Gelsenkirchen (2:2) und Union Günnigfeld (3:1) konnten die Grün-Weißen sich retten. In den Folgejahren gehörte Sodingen wieder zu den Spitzenteams der Bezirksliga, schaffte aber erst 1981 die Rückkehr in die Landesliga durch ein 3:0 über TuS Eving-Lindenhorst. Zwei Jahre später scheiterte der Verbandsliga-Aufstieg gegen die Amateure von Borussia Dortmund: Das Entscheidungsspiel in Bochum-Langendreer vor 5000 Zuschauern ging 0:2 verloren. Nach zwei weiteren Jahren aber gelang der Aufstieg zur Verbandsliga in einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den Lokalrivalen VfB Börnig. In dieser Verbandsliga ist Sodingen (abzüglich einiger Jahre in der Landesliga) bis heute aktiv.
Seit 1987 Zum Saisonbeginn 1987/88 startete der SV Sodingen mit einer neuformierten Mannschaft, die überwiegend aus jungen Spielern bestand. Nach dem Verbandsligaaufstieg 1985 hatte sich der Verein in der ersten Saison im oberen Tabellendrittel platziert. Zur Saison 1986/87 peilte der SVS sogar den Aufstieg in die Oberliga an und verpflichtete unter anderem den ehemaligen Zweitligaspieler Eckehard Eigenwillig. Trotz der Verstärkung mit Spielern, die bereits höherklassig gespielt hatten, konnte dieses Vorhaben nicht realisiert werden.
Anfang der 1990er Jahre war der SV Sodingen fester Bestandteil der Verbandsliga geworden. Mit dem ehemaligen Profi Frank Benatelli als Trainer gelang dem Verein stets eine Platzierung im gesicherten Mittelfeld. Nach dessen Weggang holte der SV Sodingen zur Saison 1997/98 Hans Werner Moser als neuen Trainer. Die mit den ehemaligen Bundesligaspielern Eduard Buckmaier und Harald Kügler neuformierte Mannschaft hatte jedoch keinen Erfolg, so dass der Verein 1998 nach 13 Jahren aus der Verbandsliga abstieg. Der direkte Wiederaufstieg mit neuem Trainer ein Jahr später misslang, weil der VfB Westhofen, der sich mit Spielern aus höherklassigen Ligen verstärkt hatte, sich als überlegener Konkurrent erwies. Der SVS wurde nur Zweiter.
2002 gelang der Wiederaufstieg in die Verbandsliga, aber trotz der Neuverpflichtung einiger routinierter Spieler – darunter der ehemalige Jugend- und Zweitligaspieler Christos Orkas – konnte der Abstieg ein Jahr später nicht verhindert werden.
Nach dem Wiederaufstieg 2004 fand am ersten Spieltag das Lokalderby gegen Westfalia Herne statt, das 2:2 endete. Nach dem erneuten Abstieg holte der SVS zur Landesligasaison 2007/08 den Bundesligaprofi Michael Esser vom damaligen Bezirksligisten SV Wacker Obercastrop als neuen Stammtorhüter. Nach einer überragenden Saison wechselte Michael Esser ein Jahr später zum VfL Bochum.
2012 erschien zum hundertjährigen Bestehen das Buch.Der Komet des Westens – Die Geschichte des SV Sodingen, das von Ralf Piorr herausgegeben wurde. Dettmar Cramer, der den SVS aus seiner Zeit als Trainer des Westdeutschen Fußballverbandes bestens kannte, schrieb darin als Gastautor : „Der SV Sodingen ist der letzte Kumpelverein, der es fast bis zur Deutschen Meisterschaft gebracht hat. Dieser Mythos ist eingetragen in das Goldene Buch des deutschen Fußball und damit unvergänglich, solange der Ball rollt“. Die gelungene Jubiläumsfeier fand unter großer Resonanz der Bevölkerung und Medien in der Akademie Mont-Cenis in Sodingen statt, an der unter anderem die ehemaligen Spieler Harry Linka und Lothar Hensel teilnahmen. Gast der Feier war auch Hans Tilkowski, ehemaliger Nationaltorwart des SC Westfalia Herne zu Zeiten der Fußball-Oberliga West, der in zahlreichen Lokalderbys gegen den SV Sodingen gespielt hatte.