mini|Ehemaliges (fünftes) Logo ab 2001 bis Folge 487 vom 29. Oktober 2014 mini|Logo der Sendung von 2014 bis 2022 Aktenzeichen XY … ungelöst (auch nur Aktenzeichen XY, Aktenzeichen oder XY) ist der Titel einer von Eduard Zimmermann konzipierten Fernsehreihe im ZDF. Sie wurde von 1967 bis 1997 von ihm produziert und moderiert, danach wurde die Produktionsleitung bis 2011 von seiner Tochter Sabine übernommen, die die Sendung zudem bis 2001 moderierte. Von 1968 bis 2003 entstand die Sendereihe in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Fernsehen ORF und ab 1969 zudem mit dem Schweizer Fernsehen SRF als Eurovisionssendung. Ziel der Sendung ist die Aufklärung realer Verbrechen. Ab der Erstausstrahlung 1967 hat sich die Sendung mit über 5000 Kriminalfällen beschäftigt, wovon rund 39 % aufgeklärt werden konnten. Die Sendung ist eines der ältesten Sendeformate des ZDF.

Format Konzept Mit Hilfe von Zuschauerhinweisen sollen ungeklärte Straftaten im Rahmen der Öffentlichkeitsfahndung aufgeklärt werden. Dazu werden den Zuschauern in jeder Sendung drei bis sechs ungelöste Kriminalfälle in Form von etwa zehnminütigen filmischen Rekonstruktionen (Filmfälle) vorgestellt, in denen die polizeilich ermittelten Fakten veranschaulicht werden. Des Weiteren werden Fälle behandelt, bei denen anhand von eingeblendeten Personenfotos, Phantombildern oder Abbildungen markanter Gegenstände nach Verbrechern oder der Identität unbekannter Toter gefahndet wird (Studiofälle). Zuschauerhinweise können per Telefon oder Internet gegeben werden. Nach Angaben der Redaktion werden im Durchschnitt etwa 40 Prozent der ausgestrahlten Fälle aufgeklärt.

Bedingung für die Behandlung eines Falls in der Sendung ist fehlender Erfolg der Strafverfolgungsbehörden bei dessen Aufklärung – ausschließlich bei schweren Delikten wie Mord, Raub oder Vergewaltigung. Ein solcher Fall wird nach einem richterlichen Beschluss an die Öffentlichkeitsfahndung weitergegeben. Ein Redakteur der Sendung kann sich dann mit der Tat befassen und stellt zusammen mit den Ermittlern die Informationen zusammen, die in der Sendung vorgestellt werden sollen. Gleichermaßen kann die Redaktion bei Fällen, die in der Öffentlichkeit auf große Aufmerksamkeit und Bedeutung stoßen, auf die zuständigen Behörden zugehen. Ebenfalls kam es schon vor, dass sich eine Privatperson zu einem Fall, der einen Vermissten betraf, bei der Redaktion meldete und diese dann die zuständige Ermittlungsbehörde kontaktierte, wodurch der Sachverhalt in einer Sendung behandelt werden konnte.

Eine große Rolle speziell bei Filmfällen spielt die Nähe der Darstellung zu den Umständen der Tat in der Realität. In einen in der Sendung gezeigten Fall fließen zudem nur die Aspekte ein, die für das Verständnis des Dargestellten wichtig sind, die gemäß der Akten verwertet werden dürfen und die den Ermittlern bei der Aufklärung helfen können.

Die allgemeine Bekanntheit der Sendung und ihrer charakteristischen Merkmale führte dazu, dass sie wiederholt Gegenstand von Parodien wurde, beispielsweise von Loriot oder von der heute-show.

Rubriken Neben dem Hauptzweck, sich mit ungeklärten Kriminalfällen auseinanderzusetzen, gliedert sich die Sendung zusätzlich in kleinere Teilrubriken:

Aktenzeichen XY … gelöst – Es werden Fälle aus vorherigen Sendungen thematisiert, die von der Polizei aufgeklärt wurden. In der Regel wird zur Veranschaulichung ein kurzer Einspieler aus zusammengeschnittenen Szenen der betreffenden Folge gezeigt. Es wird zudem erläutert, wie es zur Aufklärung gekommen ist und was die polizeilichen Ermittlungen ergeben haben. Aktenzeichen XY … update – Die Zuschauer werden in dieser Rubrik auf den neuesten Stand der Ermittlungen in bereits behandelten Fällen gebracht. Diese sind zwar noch ungelöst, jedoch haben sich entscheidende Veränderungen in den Ermittlungen ergeben. So werden z. B. falsche Ermittlungsansätze ausgeschlossen oder neue werden aufgegriffen. Aktenzeichen XY … Top-Fahndung – Es wird nach Personen gefahndet (meist Betrüger oder pädophile Sexualstraftäter). In dieser Rubrik werden für die Fahndungen keine filmischen Rekonstruktionen vorbereitet. Aktenzeichen XY … international – In dieser Rubrik kooperiert die XY-Redaktion mit ausländischen Polizeidienststellen. Es werden Kriminalfälle gezeigt, die im Ausland geschehen sind. Meist haben diese jedoch einen Bezug zu Deutschland. Aktenzeichen XY … Prävention – Die Zuschauer werden über aktuelle Handlungsweisen von Verbrechern informiert und darüber, wie man sich vor ihnen schützen kann. Aktenzeichen XY … Abfrage – Diese Rubrik erscheint am Ende und oftmals zusätzlich in der Mitte der Sendezeit. Hierbei wird in Bezug zu den eingegangenen Zuschauerhinweisen eine erste Bilanz durch Fabian Puchelt oder Stephanie Wossilus vom LKA Bayern gezogen. Von 1986 bis 2023 übernahm diese Aufgabe Alfred Hettmer als langjähriger Leiter des Aufnahmestudios.

Spezialausgaben Während die Sendung üblicherweise ganz unterschiedliche Kriminalfälle behandelt, wurde seit den 2010er Jahren begonnen, in unregelmäßigen Abständen Spezialsendungen auszustrahlen, die thematisch ausgerichtet sind und etwa Fälle aus einem bestimmten Gebiet behandeln und/oder sich dabei besonders der Prävention widmen.

Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Wo ist mein Kind? bzw. Vermisst Von 2011 bis 2019 wurde ein- bis zweimal pro Jahr eine Spezialausgabe mit dem Titel Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Wo ist mein Kind? ausgestrahlt, die sich ausschließlich mit Fällen beschäftigte, in denen Minderjährige oder junge Erwachsene als vermisst gemeldet sind. Seit 2022 heißt die Spezialsendung Aktenzeichen XY … Vermisst und widmet sich verschwundenen Personen jeden Alters.

Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Vorsicht, Betrug! Am 26. Oktober 2016 beschäftigte sich erstmals eine Spezialausgabe mit dem Titel Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Vorsicht, Betrug! ausschließlich mit Fällen, die dem Thema Prävention zuzuordnen sind.

Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Vorsicht, Urlaubsfalle! Am 30. Mai 2018 beschäftigte sich erstmals eine Spezialausgabe mit dem Titel Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Vorsicht, Urlaubsfalle! ausschließlich mit Fällen, die dem Thema Prävention für Urlaub und Reise zuzuordnen sind.

Aktenzeichen XY … gelöst Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Sendung gab es am 15. November 2017 eine erste Spezialausgabe mit dem Titel Aktenzeichen XY … gelöst. Die Sendung widmete sich wie die gleichnamige Teilrubrik ausschließlich aufgeklärten Fällen aus 50 Jahren. Weitere Spezialausgaben mit diesem Titel wurden am 28. November 2018, am 15. Juli 2020, am 30. Juni 2021, am 9. Februar 2022 und am 6. März 2024 ausgestrahlt. In allen Sendungen war die Kriminalpsychologin Lydia Benecke zu Gast und analysierte gemeinsam mit Rudi Cerne die gelösten Kriminalfälle aus wissenschaftlicher und psychologischer Perspektive. Daraus ging das eigenständige 45-minütige Format XY gelöst hervor, das von Sven Voss moderiert wird. Darin rekonstruiert der Moderator gemeinsam mit den damals zuständigen Ermittlern und Staatsanwälten sowie Experten, teilweise an den Originalschauplätzen, die Aufklärung der jeweiligen Fälle. Die erste Ausgabe wurde am 5. August 2022 ausgestrahlt.

Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Cold Cases Am 4. November 2020 beschäftigte sich erstmals eine Spezialausgabe mit dem Titel Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial – Cold Cases ausschließlich mit Cold Cases, also zurückliegenden Mordfällen, in denen alle Spuren abgearbeitet sind. Die Polizei wendete sich mit vier Fällen, darunter zwei Tötungsverbrechen an Kindern, an die Zuschauer. Das Format fand großes Interesse beim Publikum und wurde von 5,72 Millionen Zuschauern (17,3 % MA) verfolgt.

Darüber hinaus werden aus der Hauptsendung bekannte Fälle und deren kriminalistische Gattung seit dem Jahr 2026 in der Sendereihe XY Spuren des Verbrechens näher beleuchtet. Für dieses eigenständige Format wurde bislang eine Staffel mit sechs Folgen in einer Länge von 45 Minuten produziert. Die Ausstrahlung erfolgte ab dem 6. Mai 2026 wöchentlich im Vorabendprogramm des ZDF um 19:25 Uhr. Moderiert wird diese Reihe von der Journalistin Helene Reiner, die dabei u. a. von Fabian Puchelt vom LKA Bayern unterstützt wird, der aus der Hauptsendung bekannt ist.

Geschichte Moderatoren Die Sendung begann am 20. Oktober 1967. Erfinder und Produzent des Formats sowie 30 Jahre ihr erster Moderator war Eduard Zimmermann. Er gründete dafür als Produktionsfirma die Securitel-Film- und Fernsehproduktions- und Verlagsgesellschaft und als Dienstleister für die Aufbereitung der Kriminalfälle die Deutsche Kriminal-Fachredaktion. In der 300. Sendung am 24. Oktober 1997 gab er die Leitung an seine Adoptivtochter Sabine Zimmermann ab, die bereits seit der 200. XY-Folge (6. November 1987) im Unterföhringer Studio neben ihm die Fahndungen präsentierte und bis 2011 auch als Produktionsleiterin agierte. Ihr zur Seite stand bis Dezember 2001 Butz Peters. Seit dem 18. Januar 2002 moderiert Rudi Cerne die Sendung.

Sendung Mit Aktenzeichen XY … ungelöst schuf Eduard Zimmermann in Zusammenarbeit mit dem ZDF 1967 eine Weltneuheit.vgl. Ummenhofer/Thaidigsmann, S. 17 f. Zwar war schon vorher in Nachrichtensendungen mit Fotos und Phantombildern nach Tätern gefahndet worden; die erste Fahndung dieser Art hatte es beim Fernsehsender Paul Nipkow 1938 gegeben, wo der von einem Mörder zurückgelassene Mantel gezeigt wurde. Als eigenständiges Sendungsformat waren Fahndungen aber noch unbekannt.

Die Idee zur Sendung kam Zimmermann bei der Arbeit an seiner 1964 gestarteten Sendereihe Vorsicht Falle!, in der er die Zuschauer mit nachgespielten Szenen vor aktuellen Betrugsmaschen (Untertitel: Nepper-Schlepper-Bauernfänger) warnte und von den Zuschauern daraufhin oft entsprechende Personenbeschreibungen und Informationen über Betrüger bekam. Das brachte ihn auf den Gedanken, in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei unaufgeklärte Verbrechen in einer eigenen Sendung zu behandeln; in den Vorsicht Falle!-Sendungen der ersten Jahre wurden dann tatsächlich – bis zur Einführung von Aktenzeichen XY – vereinzelt konkrete Täter mit Fotos und Namen gesucht. Auch bekannte Eduard Zimmermann, einmal selbst Opfer eines Betrügers geworden zu sein und daraus seine Motivation für diese Sendungen geschöpft zu haben.1962 hatte Zimmermann nach eigenen Aussagen ein Fertighaus bestellt, das jedoch dann ohne Dach geliefert wurde, und war auf dem Schaden sitzengeblieben. Vgl. Ummenhofer/Thaidigsmann, S. 17 und Gespräch im ZDF mit Frank Elstner am 18. Oktober 1997. Zum ersten Mal wurde am 7. Juni 1968 ein Mordfall mit Zuschauerhilfe aufgeklärt, der Mord an dem Verleger Bernhard Boll. Schon zwölf Stunden nach Ausstrahlung von XY erfolgte die Festnahme des bis dahin unbekannten Täters.

Ab der vierten Ausgabe (15. März 1968) beteiligte sich der ORF, ab der 13. (24. Januar 1969) auch das Schweizer Fernsehen (SRG, später SF DRS), an der Produktion und Ausstrahlung der Sendung. So wurde XY zum ersten Mal als Eurovisionssendung ausgestrahlt. Seit dem 17. Januar 1975 wird die Sendung in Farbe ausgestrahlt. Zu diesem Anlass wurde ein neuer Titel-Vorspann und eine neue Dekoration eingeführt. Auch in den folgenden Jahren wurden allerdings die Farben von Beweisstücken oder anderen zu Fahndungszwecken gezeigten Gegenständen durch den Moderator noch sehr genau beschrieben, da in vielen Haushalten nach wie vor Schwarz-Weiß-Fernseher in Gebrauch waren.