Retzow ist eine Gemeinde im Landkreis Havelland in Brandenburg (Deutschland). Sie gehört zum Amt Friesack mit Sitz in der Stadt Friesack.

Geografie Retzow liegt etwa 13 Kilometer westlich von Nauen und 23 Kilometer östlich von Rathenow im Havelländischen Luch und am Nordrand der Ribbecker Heide.

Gemeindegliederung Retzow hat keine amtlich ausgewiesenen Ortsteile, bewohnten Gemeindeteile oder Wohnplätze.Gemeinde Retzow. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg.

Geschichte Retzow, im Jahre 1289 noch Vresowa geschrieben, wird slawischem Ursprung zugeordnet.

Die erste nachweisliche schriftliche Erwähnung von Retzow stammt vom 17. Februar 1269Codex diplomaticus Brandenburgensis. Teil 1, Band 8, S. 168/169, von 1847 als Rizzowe.Wolfgang Schößler: Regesten der Urkunden und Aufzeichnungen im Domstiftsarchiv Brandenburg. Teil 1: 948–1487. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8305-0189-7 Bei Moritz Wilhelm Heffter 1840Moritz W. Heffter: Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten. Verlag von Ferdinand Riegel, Potsdam 1840, S. 197. wird die Erwähnung Rizzowe dem »Dorfe Riez« zugeordnet, was jedoch andere Werke widerlegen.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil 3: Havelland. Weimar 1972 (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Band 11). Bei der bei Heffter erwähnten Urkunde (Copiar. antiq. p. 35 sq.) handelt es sich jedoch um die Urkunde, welche dem Domstiftsarchiv Brandenburg in zwei verschiedenen Ausführungen vorliegt. Die erste Urkunde vom 17. Februar 1269 findet man im Codex diplomaticus Brandenburgensis – Teil 1, Band 8 und die zweite Ausführung (U. 653) enthält neben der Erwähnung der Pfarre des Dorfes Retzow (Rizzowe) noch die Erwähnung der Filiale Pessin und Selbelang (Selewelanc).

Die gleichnamige Familie von Retzow hatte mindestens von 1375 bis 1791/1794 Besitzungen im Ort. Im geschichtlichen Verlauf entstanden weitere Güter in Retzow. So vermag es die Familie von Sehlen anteilig im Ort Besitztum gebildet zu haben, etwa von 1450 bis 1620. Aus dem Konkurs des Friedrich von Sehlen erstand dann Christoph von Kröcher den Besitz, konnte den aber auch nicht lange halten und führte für 4450 Taler einen Rückkauf an Joachim von Sehlen durch. Von 1660 bis 1776 hielt die Familie von Fahrenholz in Retzow. Die Nachfolgeschaft trat bald die alte Familie von Bredow an. Ihr erster Vertreter scheint offiziell der Leutnant Filip Heinrich Ludwig Karl von Bredow-Haage (1781–1827) gewesen zu sein. Ihm folgte sein jüngerer Bruder Lippold Friedemann von Bredow, Hauptmann a. D. auf Haage und Retzow. Nähere Daten liegen nicht vor, welche Teile von Retzow konkret übernommen wurden. Der Landwehr-Offizier war verheiratet mit Charlotte du Trossel und vererbte Haage und Retzow dem dritten Sohn Maximillian (Max) von Bredow (1816–1883).

Retzow gehörte politisch schon seit 1817 zum Kreis Westhavelland in der preußischen Provinz Brandenburg. Um 1880 existierten insgesamt vier Rittergüter am Ort. Anteile von Retzow I, die Rittergüter III und IV besaß die Familie von Erxleben-Selbelang. Das Generaladressbuch des brandenburgischen Gutsbesitz gibt in der Gesamtheit dazu 722 ha an. Ein Anteil des Rittergutes Retzow II mit 480 ha gehörte dem oben genannten Max von Bredow. Ausgangs des 19. Jahrhunderts fiel Retzow dem Landrat Ernst von Bredow (1834–1900) auf Buschow zu, der das Gut seinem gleichnamigen Sohn Ernst (1865–1909) übergab. Ernst jun. von Bredow war verheiratet mit Maria von Ohlen und Adlerscron. Beide hinterließen als Zeichen des Patronats ihr Wappen im Gutshaus. Um 1930 war ihr Sohn Wolf von Bredow Eigentümer vom Rittergut Retzow II A mit 481 ha. Im Ort sind noch Güter von Friedrich Bree mit 103 ha, A. Buge mit 138 ha sowie Albert Krause mit 89 ha. Bredow lebte nach dem Krieg mit seiner Familie in Niedersachsen.

Ab 1952 gehörte die Ortschaft zum Kreis Nauen im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Havelland.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 537 1890 540 1910 562 1925 642 1933 573 1939 503 Jahr Einwohner 1946 1000 1950 966 1964 696 1971 675 1981 554 1985 573 Jahr Einwohner 1990 563 1995 588 2000 586 2005 585 2010 568 2015 518 Jahr Einwohner 2020 521 2021 521 2022 511 2023 499 2024 516 2025 495 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland (PDF) S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Retzow besteht aus acht Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019

Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Ländliche Wählergemeinschaft 100 % 8

Bürgermeister 1998–2003: Walter Runge (SPD) 2003–2021: Heinrich Stumpp (Ländliche Wählergemeinschaft) 2021–2022: Achim Doberenz seit 2022: Christian Link

Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 wurde Link ohne Gegenkandidat mit 92,2 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtsperiode von fünf Jahren gewählt.Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Wappen

Flagge Die Flagge ist Rot-Weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.Jörg Mantzsch: Die Flagge der Gemeinde Retzow, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt beim Amt Friesack 2014 (Gutachten: Brandenburgisches Landeshauptarchiv)

Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Retzow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale. Spätgotische Dorfkirche Retzow, ein um 1500 in zwei Abschnitten entstandener Backsteinbau Bredowsches Gutshaus, im Landhausstil erbaut mini|links|Gutshaus derer von Bredow mini|hochkant=2|Blick auf Retzow

Das heutige „herrschaftliche Wohnhaus“ wurde 1870 als Neubau anstelle des Vorgängerhauses vom Landrat des Landkreises Westhavelland genehmigt.

Das Herrenhaus wurde in der Tradition des spätklassizistischen Baustils als schlichter zweigeschossiger Putzbau mit Satteldach errichtet.

Im Zeitraum von 1900 bis 1909 ließ der damalige Besitzer Ernst von Bredow (1865–1909) das Haus an der Straßenfront in Stilformen des Historismus mit neobarocken Elementen erweitern. Die Mitte der Fassade erhielt einen turmartigen Vorbau mit genutetem Sockel, der sich über zwei Geschosse erstreckte und seinen krönenden Abschluss in einem überdimensionierten Helm mit Laterne fand.

In den Folgejahren verwandelte sich das Herrenhaus erneut, und zwar in seiner baulichen Struktur und seiner Nutzung. So wurde der turmartige Vorbau mit seinem Dachaufbau entfernt und erhielt somit annähernd seine Ursprungsform aus dem Jahre 1870 zurück. Seine Nutzung änderte sich vom Wohn- zum Schulhaus, heute schläft es einen Dornröschenschlaf und wartet auf seine Weiternutzung.

Verkehr Durch das Gemeindegebiet verläuft die Landesstraße 99 zwischen der Bundesstraße 5 und Brandenburg an der Havel.

Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Paulinenaue an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg (Regional-Express-Linie RE 2 Wismar–Berlin–Cottbus) und Buschow an der Bahnstrecke Berlin–Stendal (RE 4 Rathenow–Berlin–Jüterbog).

Vom 20. September 1901 bis zum 1. April 1961 war Retzow ein Haltepunkt an der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen.

Literatur Retzow. In: Almut Andreae, Udo Geiseler: Die Herrenhäuser des Havellandes. Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis zur Gegenwart. Lukas-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931836-59-2, S. 246–249.

Weblinks

Gemeinde Retzow beim Amt Friesack kircheribbeck.de von-bredow-familiengeschichte.de (PDF; 21 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Havelland

Kategorie:Ersterwähnung 1289