Victorine von Gonzenbach (* 29. April 1921 in Zürich; † 10. Februar 2016 in Fiesch) war eine Schweizer Klassische Archäologin.

Leben Die Tochter des Mediziners Wilhelm von Gonzenbach studierte zunächst Medizin an der Universität Genf. Nach kurzer Zeit wechselte sie jedoch zu den Fächern Klassische Archäologie bei Waldemar Deonna, Alte Geschichte bei Paul Collart, Anthropologie bei Eugène Pittard sowie Klassische Philologie, Papyrologie und Sanskrit. Ab 1942 führte sie ihre Studien an der Universität Zürich bei Arnold von Salis (Klassische Archäologie), Emil Vogt (Urgeschichte), Ernst Howald (Griechisch) und Ernst Meyer (Alte Geschichte) weiter. Später setzte sie das Studium der Klassischen Archäologie bei Karl Schefold an der Universität Basel und wieder bei Arnold von Salis in Zürich fort. Bei Emil Vogt wurde sie in Zürich mit einer Arbeit zur Cortaillod-Kultur promoviert. Es folgten abwechselnd kurze Tätigkeiten als wissenschaftliche Assistentin bei Rudolf Laur-Belart in Basel (1947 und 1948) sowie Studienaufenthalte in Rom (1947–1948 und 1948–1949). Von 1949 bis 1951 war sie stellvertretende Leiterin des Vindonissa-Museums, wo sie unter anderem die Sammlung und die Fundbearbeitung betreute und auch die 1950–1952 stattfindenden Ausgrabungen am „Schutthügel“ leitete. In den Jahren ab 1951 besorgte von Gonzenbach im Rahmen von Aufträgen 1952–1954 die Aufarbeitung der Keramik aus den Ausgrabungen auf der Berner Engehalbinsel, arbeitete mit finanzieller Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds an einer Arbeit über die römischen Mosaiken der Schweiz und übernahm 1956 bis 1958 die Neugestaltung der Dauerausstellung des Römischen Museums in Avenches. 1957 habilitierte sie sich an der Universität Zürich und lehrte dort von 1957 bis 1963 als Privatdozentin.

1959 heiratete sie den Archäologen Christoph W. Clairmont und ging mit diesem in die USA. Sie erhielt für die Jahre von 1965 bis 1967 eine Einladung als Visiting scholar an das Institute for Advanced Study nach Princeton. Da Christoph W. Clairmont an die Rutgers University berufen wurde, blieben die beiden bis 1985 in den Vereinigten Staaten. In dieser Zeit arbeitete Victorine von Gonzenbach als freischaffende Archäologin und publizierte verschiedene Forschungsarbeiten. Das Ehepaar lebte zuletzt in Ernen (Kanton Wallis), wo Christoph W. Clairmont 2004 verstarb; Victorine von Gonzenbach verbrachte ihre letzten Lebensjahr im Seniorenheim St. Theodul in Fiesch (Kanton Wallis).

Schriften (Auswahl) Die Cortaillodkultur in der Schweiz (= Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz. Bd. 7). Birkhäuser, Basel 1949 (= Dissertation). Untersuchungen zu den Knabenweihen im Isiskult der römischen Kaiserzeit (= Antiquitas. Reihe 1, Band 4). Habelt, Bonn 1957 (= Habilitationsschrift). Die römischen Mosaiken der Schweiz (= Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz. Bd. 13). Birkhäuser, Basel 1961. Achillesplatte. In: Herbert A. Cahn, Annemarie Kaufmann-Heinimann (Hrsg.): Der spätrömische Silberschatz von Kaiseraugst (= Basler Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte. Band 9). Habegger, Derendingen 1984, ISBN 3-85723-201-3, S. 225–315. Die römischen Terracotten in der Schweiz (= Handbuch der Schweiz zur Römer- und Merowingerzeit.). 2 Bände. Francke, Tübingen/Basel 1986–1995, ISBN 3-317-01633-7, ISBN 3-7720-1632-4. Schriften zu Vindonissa und seinen Truppen (= Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa. Bd. 10). Brugg 1991, (online).

Literatur Pierre Durcrey: Victorine von Gonzenbach Clairmont (1921–2016). In: Aventicum. Nouvelles de l’Association Pro Aventico. Band 29, 2016, S. 3 (PDF). Pierre Durcrey: Victorine von Gonzenbach Clairmont (1921–2016). In: Antike Kunst. Band 59, 2016, S. 104. Anne de Pury-Gysel: Victorine von Gonzenbach. In: Jahrbuch Archäologie Schweiz. Band 99, 2016, S. 270 (Digitalisat). Regine Fellmann Brogli, Christine Meyer Freuler: Forschende Frauen und Vindonissa (= Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa. Band 31). Kantonsarchäologie Aargau, Brugg 2025, ISBN 978-3-907662-01-4, besonders S. 70–87 (online; nutzt Wikipedia als Beleg und ist daher nur bedingt als Fachliteratur geeignet).

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