Ubu Rex ist eine satirische Oper von Krzysztof Penderecki nach einem deutschsprachigen Libretto des Komponisten und Jerzy Jarocki (1929–2012) nach Alfred Jarrys Stück Ubu Roi von 1896.

Ubu Rex gliedert sich in zwei Akte zu jeweils fünf Szenen und beruht, ebenso wie auch Pendereckis vorherige Opern Die Teufel von Loudun, Paradise Lost und Die schwarze Maske, auf einer literarischen Vorlage. Ubu Rex ist somit der Gattung der „Literaturoper“ zuzuordnen.

Die Oper wurde am 6. Juli 1991 von der Bayerischen Staatsoper zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele unter der Leitung von Michael Boder uraufgeführt.Ubu Rex. Details zum Libretto mit Besetzungsangaben und Orchesterbesetzung. Offizielle Internetpräsenz Schott Music. Abgerufen am 8. April 2020.

Handlung Die Oper ist eine weitgehend werktreue Adaption des Stücks Ubu Roi von Jarry, das selbst eine Parodie auf die Tragödien von William Shakespeare (insbesondere Macbeth, Hamlet und King Lear) darstellt, die das Thema blutiger Machtkämpfe mit komödiantischen und absurden Elementen verbinden.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Titelheld Ubu, ein „dummer, feiger, geldgieriger und verfressener“Werk der Woche – Krzysztof Penderecki: Ubu Rex. Schott Music. Beitrag vom 15. Juni 2015. Abgerufen am 8. April 2020.Anmerkung: Die Handlung folgt den Handlungszusammenfassungen in den Opernlexika von Bertelsmann und Heinz Wagner und der Darstellung bei Schott Music in der Rubrik „Werk der Woche“. Außerdem wurden einige Passagen der Handlungsbeschreibung der englischsprachigen Wikipedia-Fassung ins Deutsche übersetzt und übernommen., aber ehrgeiziger Hauptmann des polnischen Königs Wenzel, der aufgrund eines glücklosen Krieges zwischen Polen und Russland beim Volk zutiefst unbeliebt ist.

Erster Akt Prolog: Ein Segelschiff mit Vater Ubu, Mutter Ubu, Bordure und den Rüpeln an Bord nähert sich Polen.

Erste Szene: Großes Ehebett von Vater und Mutter Ubu. Vater und Mutter Ubu liegen in ihrem großen Ehebett und werden von Alpträumen geplagt. Ubu, Dragonerhauptmann, Adjutant König Wenzels und Ex-König von Aragon, der so gerne „Schreiße!“ brüllt, erwacht stöhnend aus seinem Alptraum, nachdem ihn seine Frau mit einer Trillerpfeife geweckt hat. Mutter Ubu stachelt den machthungrigen und amoralischen Ubu an, König Wenzel zu ermorden und sich selbst auf den Thron zu setzen.

Zweite Szene: Das große Fressen. Ubu lädt zu einem Großen Fressen ein. Er stellt einen riesigen Trog auf, in den die Gäste aus lauter Gier sogar allesamt hineinklettern. Einen Teil der Gäste vergiftet er, den Rest verpflichtet er zur Teilnahme an der Verschwörung. Seinen Kollegen, den Hauptmann Bordure, zieht er auf seine Seite, indem er ihm verspricht, ihn zum Herzog von Litauen zu machen. Ein Bote erscheint und befiehlt Ubu, der befürchtet, seine Verschwörung sei entdeckt worden, zum König.

Dritte Szene: Beim König. König Wenzel will seinem treuen Untertan Ubu danken, ernennt ihn zum Grafen von Sandomir und lädt ihn zur morgigen Parade ein. Königin Rosamunde, von düsteren Vorahnungen gequält, misstraut Ubu, und warnt ihren Gatten vor ihm. Ihrem Sohn, Prinz Bougrelas, schärft sie ein, niemals auf seine Rechte als Thronfolger zu verzichten.

Vierte Szene: Verschwörung. Vater und Mutter Ubu, Bordure und die Rüpel planen die Verschwörung. Bei der morgigen Parade soll Vater Ubu dem König auf die Füße steigen und die Losung „Schreiße!“ rufen. Anschließend sollen alle gemeinsam den König erschlagen. Die Verschwörung wird durch einen Schwur besiegelt, bei dem alle ihre Hände „auf einen gewissen Körperteil“ von Mutter Ubu, die als Priester fungiert, legen.

Fünfte Szene: Die große Parade. Ermordung der königlichen Familie. Die Verschwörung gelingt. Der König wird von den Verschwörern erschlagen. Der Königin und dem Königssohn, Kronprinz Bougrelas, gelingt die Flucht an den russischen Zarenhof. Beide schwören Ubu Rache. Ubu entreißt dem toten König die Königskrone und lässt, auf Betreiben von Mutter Ubu und Bordure, widerwillig Fleisch und Gold an das Volk verteilen, um als König akzeptiert zu werden (Regieanweisung: „Alle tanzen und fressen. Großes Volksfest“).

Zweiter Akt Erste Szene: Schlosshof. Enthirnung. König Ubu veranstaltet ein großes Wettrennen um eine Kiste Gold, um sich der Gunst des Volkes zu versichern. Bordure, der ihm nach der Machtergreifung nicht mehr nützlich ist, lässt er verhaften und in den Kerker werfen. Anschließend macht er sich daran, sich die vollständige Kontrolle über den Staat zu sichern. Er lässt die Adligen, die Richter und die Finanzverwalter in einer „Enthirnungsmaschine“ massakrieren und ermorden. Das Volk jubelt über den Gehirnschlamm.

Zweite Szene: Beim Zaren. Bordure, dem die Flucht nach Moskau gelungen ist, bietet dem Zaren seine Dienste an. Dieser geht darauf ein und ernennt Bordure zum Leutnant im 10. Kosakenregiment.

Dritte Szene: Das Bauernhaus und die Steuerpresse. Ubus Politik erschöpft sich nunmehr in dem Anhäufen eines gewaltigen Vermögens, indem er beginnt, dem einfachen Volk maßlose Steuern aufzuerlegen, um sein Bedürfnis nach Wohlstand und Macht zu befriedigen. In der Zwischenzeit, so erfährt Ubu durch einen Brief Bordures, hat der Zar sich auf Betreiben Bordures bereit erklärt, seine Armee einzusetzen, um Kronprinz Bougrelas wieder an die Macht zu bringen. Ubu beschließt, trotz seiner Angst und Feigheit in den Krieg gegen Russland zu ziehen.

Intermezzo. Vierte Szene: Der Krieg. Die feindlichen Armeen stehen sich in der Schlacht gegenüber, aber Ubu zögert zunächst noch mit dem Angriff. Ein Bote berichtet, Bougrelas sei nach Polen zurückgekehrt und habe einen Aufstand gegen den jetzt zutiefst unpopulären Ubu angezettelt. Mutter Ubu sei auf der Flucht in die Berge. Die Schlacht beginnt. Im Kampf trifft Ubu auf seinen alten Gefährten Bordure und erschießt ihn. Schließlich treffen Ubu und der Zar direkt aufeinander. Der Zar verfolgt Ubu, fällt aber in einen Graben. Die polnische Armee stürzt sich auf den Zaren und will ihn töten. Russische Dragoner machen jedoch einen Vorstoß und befreien den Zaren. In der Zwischenzeit kämpfen Ubu und seine verbliebenen Offiziere gegen die Armee des Zaren. Die Reste der polnischen Armee werden schließlich von den Russen vertrieben.

Fünfte Szene: Die Flucht. Ubu ist mit seinen letzten Getreuen auf der Flucht. Auf einem Feld in Litauen finden sich Vater und Mutter Ubu nachts wieder. Mutter Ubu wurde von den Polen verjagt und konnte entkommen. Es gelang ihr aber, vor ihrer Flucht einen Teil des Staatsschatzes an sich zu bringen.

Epilog: Auf hoher See – Suche nach einem neuen Land. Vater Ubu, Mutter Ubu und die verbliebenen Rüpel fliehen mit einem Segelschiff über die Ostsee, vorbei an Schloss Helsingör. Sie segeln einem neuen, „außergewöhnlichen“ Land zu, das, wie sie singen, „würdig genug ist, uns aufzunehmen“.

Hintergrund Die Oper basiert auf dem Schauspiel Ubu Roi (1896) des damals 23-jährigen Autors Alfred Jarry und gilt als eines der ersten Stücke des „Absurden Theaters“. Die Uraufführung des Stücks, das mit dem Ausruf des französischen Phantasieworts „Merdre“ (angelehnt an frz. „merde“ = „Scheiße“) beginnt, löste seinerzeit in Paris einen Theaterskandal aus.

Penderecki war lange Zeit an einer Oper nach Alfred Jarrys surrealistischem Theaterstück Ubu Roi interessiert; er erkannte aber, dass das Thema der Satire von Macht und Korruption in dem politischen Umfeld, in dem er damals lebte, nicht unbedingt willkommen war.Arnold Whittall: Penderecki Ubu rex. In: Gramophone (2005). Abgerufen am 9. April 2020. Mit dem Ubu Rex-Stoff kam Penderecki erstmals Mitte der Fünfziger Jahre in Verbindung, als er selbst in einer Studentenaufführung des Theaterstücks mitwirkte. Anfang der Sechziger Jahre schrieb er zum Ubu die Musik für ein Marionettentheater in Stockholm.Eine neue Sprache für die Opera buffa. Kryzstof Penderecki im Gespräch mit Berhard [sic!] Schulz zur Uraufführung seines «Ubu Rex» in München. In: Orpheus. Festivalsonderausgabe Oktober/November 1991. Seite 69–70. Hinweis: Das Gespräch datiert die Komposition für die Musik zum Marionettentheater auf das Jahr 1952. Hierbei dürfte es sich jedoch um einen Druckfehler handeln. Gemeint ist wohl 1962. Dies stimmt auch mit der Darstellung im The Viking Opera Guide überein, der 1963 als Jahreszahl angibt.Amanda Holden (Hrsg.): The Viking Opera Guide. Viking, London/New York 1993, Seite 762. ISBN 0-670-81292-7. Mehr als zwei Jahrzehnte wurde die Uraufführung des Ubu Rex immer wieder bekannt gegeben, aber immer wieder auch abgesagt.John Rockwell: Review/Opera; Long-Delayed Munich Premiere: 'Ubu Rex' From Penderecki. In: New York Times vom 8. Juli 1991. Abgerufen am 9. April 2020.

Penderecki schrieb das Libretto in deutscher Sprache zusammen mit dem polnischen Regisseur Jerzy Jarocki, mit dem ihm seit vielen Jahren auch eine private Freundschaft verband. Die ersten Anfänge der gemeinsamen Arbeit gehen ebenfalls bis in die 1960er Jahre zurück.

Das Libretto ist eine „verdichtete“ und werktreue Version des Theaterstücks, enthält jedoch einige Ergänzungen, so hinsichtlich der sieben Rüpel im Sinne Shakespeares.Wolf-Eberhard von Lewinski: Von der Schwierigkeit, heitere, moderne Musik zu schreiben. Gespräch mit Krzysztof Penderecki anläßlich der Uraufführung seiner Opera buffa Ubu Rex in München. In: Opernwelt. Ausgabe September 1991, Seite 9–10. Ein für Penderecki „wichtiger, charakteristischer Anknüpfungspunkt“ des Librettos war dabei die Tatsache, dass Jarrys Titelheld auf der Suche nach einem Land ist, in dem er Revolution machen könne, und dies zu einem Zeitpunkt, in der es Polen als Staat überhaupt nicht gab. Penderecki faszinierten insbesondere der Titelheld, „eine Figur, die immer existiert“, und die skurrile Atmosphäre des Stücks.

Penderecki bezeichnete seine Komposition als „Opera buffa“. Es ist seine erste und einzige komische und satirische Oper und verwendet, in „eklektizistischer“ Form, musikalische Anklänge und Vorbilder von Jacques Offenbach, Gioachino Rossini, Dmitri Schostakowitsch und Alfred Schnittke. Penderecki wollte jedoch, eigenen Aussagen zufolge, keine „richtige Parodie“ schreiben, da man von den lebenden Komponisten keinen „per Zitat auf die Schippe nehmen könnte“. Er verwendete daher „keine Zitate, sondern nur charakteristische Elemente“, wobei „Mozart und Rossini als Vorbilder unausweichlich“ für ihn waren, insbesondere hinsichtlich schneller Wortwiederholungen oder Ensemblesätzen nach der Art von Rossini. Auch eine politische Oper, so Penderecki, habe er, im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen er aus dem Stoff vielleicht eine politische Groteske gemacht hätte, nicht schreiben wollen. Auch beinhalte die Oper keine Anspielungen auf das zeitgenössische Polen.

Nach Aussage des Musikdramaturgen und Casting-Direktors Christian Carlstedt im Bertelsmann Opernführer „verweist die entwaffnende Harmlosigkeit der Musik aus dem Geiste Rossinis auf die gefährliche Personalunion von Banalität und Bosheit“.Christian Carlstedt: Ubu Rex. In: Curt A. Roesler und Siegmar Hohl: Bertelsmann Opernfüher. Werke und Komponisten. Bertelsmann Lexikon Verlag Gütersloh/München 1995. Seite 397. ISBN 3-577-10522-4.

Penderecki selbst schrieb hierzu: „Um eine komische Oper zu komponieren, muss man wirklich viel erlebt und zu dem Erlebten Abstand haben. Man muss über sich selbst lachen können, was man mit 30 Jahren noch nicht kann.“

Entstehung und Komposition