Der Freiheitskampf (kurz auch Freiheitskampf) war eine nationalsozialistische Tageszeitung und gleichzeitig amtliche Zeitung der NSDAP im Gau Sachsen. Sie erschien vom 1. August 1930 bis zum 8. Mai 1945 nahezu täglich, zunächst im Verlag Der Freiheitskampf GmbH,Impressum der ersten Ausgabe vom 1. August 1930, S. 5. ab 1. August 1931 im NS-Gauverlag Sachsen GmbH.Markus Fischer: Neue Perspektiven auf die sächsische NS-Presse. Das NSDAP-Organ „Der Freiheitskampf“ als historische Quelle. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte, Band 84 (2013), S. 275–294, hier S. 285. Herausgeber war seit dem 17. November 1930 der sächsische Gauleiter der NSDAP, Martin Mutschmann.Markus Fischer: Neue Perspektiven auf die sächsische NS-Presse. Das NSDAP-Organ „Der Freiheitskampf“ als historische Quelle. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte, Band 84 (2013), S. 275–294, hier S. 283 (Fußnote 33). Verlagsgeschäftsführer war von 1931 bis 1945 Hans Hornauer.

Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte sind die fast vollständig erhaltenen Ausgaben durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) im Umfang von etwa 66.000 Seiten mikroverfilmt und digitalisiert worden. Sie sind seit November 2021 für wissenschaftliche Zwecke vollständig über das Internet einsehbar.Martin Munke: NS-Geschichte digital erforschen: Tageszeitung "Der Freiheitskampf" jetzt online verfügbar, SLUBlog vom 4. November 2021, abgerufen am 16. Januar 2023.

„Der Freiheitskampf“ war seit 2017 Gegenstand eines vom Freistaat Sachsen geförderten umfassenden Forschungsprojektes am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT), was von diesem inzwischen eigenständig fortgeführt wird: Mit Hilfe einer orts-, sach- und personenbezogenen Datenbank sollen unter anderem die vielfältigen (auch gegenseitigen) Abhängigkeiten im NS-Staat (Partei, Behörden, Bevölkerung) anhand dessen eigener und kontrollierter Veröffentlichungen abgebildet werden.

Geschichte Umfang Die 15 Jahre währende Geschichte der NS-Zeitung führte von einem zunächst „flugblattähnlichen Kampfblatt“ der NSDAP bis 1933 zu einer bis zu über 40 Seiten umfassenden und lokal differenzierten Zeitung. Regelmäßig erscheinende regionale Ausgaben gab es für die Kreishauptmannschaften Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau. Darüber hinaus gab es regelmäßig Beilagen. Diese richteten sich an verschiedene Gruppen, z. B. Hitlerjugend, Frauen oder Verwaltungsangestellte, und wurden wiederkehrend eingefügt. Zudem erschienen wöchentliche Beilagen: „Sächsischer Sonntag“ und „Unser Reich“.Christiane Steigel, Manja Pressler: Einführung in die Nutzung der Datenbank auf hait.tu-dresden.de, abgerufen am 1. April 2020. Im späteren Kriegsverlauf wurde sein Umfang wieder eingeschränkt, 1943 wurden die traditionsreichen Dresdner Nachrichten auf ihn verschmolzen. In den letzten Kriegswochen des Zweiten Weltkrieges waren es erneut nur vier oder sogar nur zwei Seiten, wobei ab 16. Februar 1945 auch die Dresdner Zeitung stillschweigend übernommen wurde, so dass „Der Freiheitskampf“ bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges die einzige noch erscheinende Tageszeitung in Dresden war.

Inhalte „Der Freiheitskampf“ hatte im Verlauf seiner 15-jährigen Herausgabe nicht nur Veränderungen hinsichtlich des Umfangs, sondern auch hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung. Während bis 1933 massive (polemische und häufig bösartige) Kritik an regionalen Verwaltungsstrukturen und Persönlichkeiten der sogenannten „Systemzeit“ der Weimarer Republik geübt wurde, markierten die folgenden Jahre einen deutlichen Wendepunkt in der Berichterstattung der Tageszeitung: Dabei wurde auf die bis dato ausgesprochen aggressive Wortwahl zugunsten einer verhältnismäßigeren Rhetorik verzichtet – wenngleich aus heutiger Sicht sie unvermindert provokativ blieb. Auf dieser Basis konnte „Der Freiheitskampf“ selbst bürgerliche Kreise der Großstädte erreichen.

Die Kritik an regionaler Verwaltungsarbeit wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunehmend von Artikeln über internationale und nationale Politik abgelöst, wobei Ausführungen zu gesamtgesellschaftlichen Veränderungsstrategien deutlich in den Vordergrund rückten und so – neben einem umfangreichen Anzeigenteil – ein breites Informationsspektrum boten. Insbesondere an jenen Stellen, wo die nationalsozialistische Ideologie in regionale Machtstrukturen diffundieren sollte, wird das Potential des Regionalblattes deutlich: Während Verbote konkurrierender Presseerzeugnisse unmittelbar nach der Machtübernahme und die Funktion als Amtsblatt begünstigend auf die Etablierung des „Freiheitskampfes“ als führende Tageszeitung in Sachsen wirkte, fand zugleich eine sukzessive Erweiterung des Leserkreises über die bisherige Zielgruppe der überzeugten Nationalsozialisten hinaus statt. Die Veränderung der Klientel hinterließ deutliche Spuren in der Berichterstattung. Das machte sich auch auflagenseitig bemerkbar, „Der Freiheitskampf“ überflügelte in Dresden schließlich auch die bis dahin auflagenstärkste Dresdner Tageszeitung, die „Dresdner Neueste Nachrichten“.

Dabei blieb die Tageszeitung offensichtlich und primär ein Propagandablatt, dennoch, so das Forschungsprojekt des HAIT, schimmern in der Wortwahl der jeweiligen Artikel tatsächlich immer wieder öffentlich geführte Kontroversen durch: „Die nationalsozialistische Ideologie war – trotz Verfolgung und Ausschaltung politischer Gegner – nicht widerspruchslos, quasi automatisiert in der Gesamtbevölkerung zu etablieren.“ Dabei wurden Kontroversen nicht nur in Hinblick auf ideologische Aspekte deutlich, sondern ebenso anhand anderer staatlicher Eingriffe in das Alltagsgeschehen.

Der Historiker Thomas Widera zeigte in einem Vortrag die Durchsetzung von Rassismus und Antisemitismus am Beispiel von Ausgaben des „Freiheitskampfes“ von 1935 auf:

Die Ausrichtung der Wirtschaft auf die Erfordernisse des künftigen Krieges, die ideologische Indoktrination der Bevölkerung und der Beginn des Zweiten Weltkrieges führten zu einer weiteren Veränderung: Neben die ausdrückliche Kriegsberichterstattung trat eine auf Frauen bezogene Verstärkung und Überformung von Prämissen der nationalsozialistischen Ideologie. „Der Freiheitskampf“ richtete sich explizit an seine Leserinnen und orientierte sich verstärkt an ihren Interessen.

Der sich weiter ausweitende Luftkrieg über Deutschland, die ersten Luftangriffe auf Dresden 1944 und Anfang 1945 und auch besorgte Überlegungen hinsichtlich des Luftschutzes in Dresden führten allerdings auch zu folgendem Zitat in „Der Freiheitskampf“:

Genau diese Ausgabe des Freiheitskampfes vom 14. Februar 1945 allerdings, in der ein beschwichtigender Artikel erscheinen sollte, aus dem dieses Zitat entnommen wurde, ist (und konnte) nicht ausgeliefert worden: In der der Auslieferung vorhergehenden Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 war das historische Dresden im Feuersturm untergegangen. Gerade auf Grund völlig unzureichender Luftschutzmaßnahmen verloren in dieser Nacht mehrere Tausend Dresdner ihr Leben.

Zäsur nach den Luftangriffen auf Dresden am 13.–15. Februar 1945 Nach dem 16. Februar ging allerdings „Der Freiheitskampf“ bei weiterer Reduktion seiner Druckseiten (wie in seinen Anfangsjahren) erneut zur (extremen) Propaganda über, in dem er beispielsweise offen zur Denunziation und, wie in seinen Anfangsjahren, zur körperlichen Vernichtung nunmehr aller (inneren) Gegner des NS-Regimes (vorrangig bezeichnet als „Schwätzer“, „Defätisten“ und „Deserteure“) aufforderte. So in der Ausgabe am 19. Februar 1945: . Am 16. April 1945 wurde Dresden zur Festung erklärt und noch am 2. Mai 1945 (Adolf Hitler und Joseph Goebbels hatten bereits Suizid begangen) schrieb „Der Freiheitskampf“: Zitiert nach: Walter Weidauer: Inferno Dresden. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage, Dietz, Berlin 1965, S. 177, 180.

Letztmals erschien „Der Freiheitskampf“ am 8. Mai 1945. Auf der Titelseite erschien ein Aufruf von Gauleiter Martin Mutschmann, die Teilkapitulationen in Reims und in Norditalien zu ignorieren und weiterzukämpfen. Soweit in der zerstörten Stadt das Blatt noch Abonnenten erreichte: Am 7. Mai 1945 abends war die Rote Armee in den Norden Dresdens vorgedrungen, setzte in der Nacht zum 8. Mai 1945 über die Elbe und besetzte Dresdens Altstadt am 8. Mai 1945 gegen 11.00 Uhr.Wolfgang Welkerling: Dresden und die Besatzungsmacht – Impressionen zur Zeitgeschichte nach 1945. In: Dresdner Geschichtsverein (Hrsg.): Rußland und Sachsen in der Geschichte (= Dresdner Hefte – Beiträge zur Kulturgeschichte. Nr. 74, 2/2003). Dresden 2003, ISBN 3-910055-67-2, S. 92–97, hier S. 92.

Chefredakteure („Hauptschriftleiter“) Erster verantwortlicher Schriftleiter war 1930 Heinrich Bennecke, der zuvor bereits die Schriftleitung des Sächsischen Beobachters innehatte, einer Wochenzeitung aus dem Kampfverlag von Gregor und Otto Strasser.Andreas Peschel (Hrsg.): Die SA in Sachsen vor der „Machtübernahme“. Nachgelassenes von Heinrich Bennecke (1902–1972). Sax, Beucha/Markkleeberg 2012, ISBN 978-3-86729-092-0, S. 45–46, 48. Danach war vom 1. November 1930 bis zum 11. Dezember 1931 Arno Franke Hauptschriftleiter des Freiheitskampfes.Markus Fischer: Neue Perspektiven auf die sächsische NS-Presse. Das NSDAP-Organ „Der Freiheitskampf“ als historische Quelle. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte, Band 84 (2013), S. 275–294, hier S. 283 und 285. Nach erbitterten innerparteilichen Querelen trat er im Frühjahr 1932 öffentlichkeitswirksam aus der NSDAP aus und veröffentlichte kurz vor der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 unter dem Titel Das Doppelgesicht der NSDAP eine scharfe Abrechnung mit seiner ehemaligen Partei.Clemens Vollnhals: Der gespaltene Freistaat: Der Aufstieg der NSDAP in Sachsen. In: ders. (Hrsg.): Sachsen in der NS-Zeit. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig 2002, S. 9–40, hier S. 39.

Ihm folgte als Hauptschriftleiter bis 1945 Kurt HoffmeisterInstitut für Zeitungswissenschaft an der Universität Berlin (Hrsg.): Handbuch der deutschen Tagespresse. Armanen-Verlag, Leipzig 1944 (7. Aufl.), S. 185., der nach Angaben von Walter Weidauer engster Vertrauter von Gauleiter Martin Mutschmann war. Hoffmeister gelang es, so Weidauer, sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in die Westzonen abzusetzen, und er soll nach seinen Angaben in den späten 1940er und 1950er Jahren maßgebliche Positionen, u. a. als „verantwortlicher Schriftleiter für den politischen Teil des ‚Wiesbadener Kurier‘“ innegehabt haben.Walter Weidauer: Inferno Dresden. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage, Dietz, Berlin 1965, S. 181. Mit Hinweis, dass auf seine „Mordhetze“ (Weidauer) hin er „mehrere Hunderte Morde“ auf dem Gewissen habe.

Forschungsprojekt des „Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung“ Zunächst ab 2017 im Rahmen eines Verbundprojektes, das von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften unter dem Titel Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung koordiniert wurde, und das am 31. Januar 2020 endete,Projekt „Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung“ auf saw-leipzig.de, abgerufen am 1. April 2020. brachte sich das „Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V.“ (HAIT) mit seinem Projekt ein.

Ausgangspunkte