alt=Karolin Preisler|mini|Karoline Preisler, 2020 Karoline M. Preisler (* 3. Juli 1971 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Aktivistin und Politikerin (FDP). Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Juristin durch ihr „Corona-Tagebuch“ während der COVID-19-Pandemie bekannt, sowie durch ihr zivilgesellschaftliches Engagement, das sich zumeist im Kontext von politischen Versammlungen bewegt und sich unter anderem gegen Antisemitismus während des Krieges in Israel und Gaza richtet. Sie ist auch als Autorin aktiv.
Leben Preislers Großvater war der Magdeburger Kirchenjurist und Oberkonsistorialrat Karl Preisler (1903–1980).„WIR ALLE MÜSSEN WACHSAM SEIN“ [Interview mit Karoline Preisler], in: Liberale Perspektiven, Dezember 2022, abrufbar unter liberale-akademiker.de, S. 19.
Preisler wuchs protestantisch auf und besuchte bis 1988 eine Polytechnische Oberschule in Ost-Berlin. Anschließend begann sie eine Ausbildung in der Verwaltung.Karoline Preisler: „Mir liegt Barth am Herzen“ In: Ostsee-Zeitung. 10. Oktober 2018, abgerufen am 6. Januar 2021. Sie stand nach eigenen Angaben der Kirche von Unten nah. Von 1991 bis 1993 absolvierte sie eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Ab 1997 studierte sie Rechtswissenschaften an der Universität Potsdam, schloss im Jahr 2002 ihr Erstes Staatsexamen in Potsdam und ihr Zweites Staatsexamen 2004 in Berlin ab. Von 2004 bis 2012 war sie als Juristin in Berlin, ab 2012 in Barth tätig. Ende 2022 zog sie erneut nach Berlin.www.ostsee-zeitung.de, FDP-Politikerin aus Barth verzichtet wegen Ex-Pornostar auf Richteramt: „Kein Amt ohne Würde“, 8. Dezember 2022, abgerufen am 8. Mai 2025
Preisler war 16 Jahre lang mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hagen Reinhold (FDP) liiert (bis 2022) und hat vier Kinder.
Parteiaktivitäten Preisler trat 2013 in die FDP ein und war zunächst kommunalpolitisch aktiv. 2018 kandidierte sie ohne Mandat ihrer Partei für das Bürgermeisteramt ihrer Gemeinde.Barth hat einen neuen Bürgermeister. In: Ostsee-Zeitung. 11. November 2018, abgerufen am 15. Oktober 2020. Im selben Jahr löste sich durch einen Streit mit ihr die FDP-Fraktion in der Stadtvertretung von Barth auf, nachdem Stadtverordnete auch wegen Preislers Bürgermeisterkandidatur aus der FDP ausgetreten waren.www.ostsee-zeitung.de, FDP-Fraktion tritt aus Partei aus, 30. November 2018, abgerufen am 5. Mai 2025 Preisler wurde aus dem Ausschuss für Schule und Soziales und aus dem Aufsichtsrat der Stadtwerke abberufen.Karoline Preisler aus Ausschuss abgewählt. In: Ostsee-Zeitung. 14. Dezember 2018, abgerufen am 15. Oktober 2020. Im Mai 2019 erhielt sie bei der Wahl der Gemeindevertretung 18 Stimmen (0,7 %)rathaus.stadt-barth.de, Wahl der Gemeindevertretung in der Gemeinde Barth, Stadtam 26. Mai 2019, abgerufen am 14. Mai 2025 und 28 Stimmen (1,8 %) bei der Wahl der Kreistage der Landkreise.rathaus.stadt-barth.de, Wahl der Kreistage der Landkreise sowie der Stadtvertretung Schwerin und der Bürgerschaft Rostock in Mecklenburg-Vorpommern am 26. Mai 2019, abgerufen am 14. Mai 2025 Auch trat sie als FDP-Spitzenkandidatin für Mecklenburg-Vorpommern auf Listenplatz 19 der Bundesliste ihrer Partei zur Europawahl 2019 an.
Im Oktober 2022 schlug der Landesvorstand der FDP Brandenburg Preisler als Verfassungsrichterin für das Verfassungsgericht des Landes Brandenburg in Potsdam vor.Als Nachfolgerin von Andreas Dresen: FDP schlägt Politikerin aus Mecklenburg-Vorpommern als Verfassungsrichterin vor. In: Tagesspiegel, 4. Oktober 2022. Im Dezember 2022 zog Preisler ihre Kandidatur zurück. Nachdem Ereignisse in ihrem Privatleben für Schlagzeilen gesorgt hatten, habe sie „Schaden von der Würde des Amtes einer Verfassungsrichterin“ abwenden wollen.Wegen Berichten über ihr Privatleben. FDP-Politikerin Karoline Preisler gibt Kandidatur als Verfassungsrichterin auf. RND, 8. Dezember 2022 Zuvor hatte sich bereits abgezeichnet, dass sie die erforderliche Zweidrittelmehrheit im Landtag Brandenburg nicht erhalten würde.Verfassungsgericht Brandenburg: FDP-Kandidatin Preisler zieht zurück. In: Tagesspiegel, 8. Dezember 2022.
Sie war von 2014 bis 2023 Vorsitzende der 2009 gegründeten Arno-Esch-Stiftung, einer parteinahen Stiftung der FDP Mecklenburg-Vorpommern.
Nach eigenen Angaben erfuhr sie im Sommer 2019, dass ihr Name auf einer Nordkreuz-Feindesliste stand. Bei einem im Februar 2020 von ihr vermuteten Böller-Angriff mit Feuerwerkskörpern auf sie und ihre Tochter handelte es sich laut Ermittlungen des Staatsschutzes um spielende Kinder und Jugendliche.Böllerangriff auf Preisler (FDP) war nur Zufall. In: nordkurier.de. 13. Februar 2020, abgerufen am 17. April 2025.Die Polizei stellt klar: Böllerangriff auf FDP-Politikerin doch nicht politisch motiviert. In: tagesspiegel.de. 14. Februar 2020, abgerufen am 15. August 2024.
Für die Wahl zum Abgeordnetenhaus 2026 tritt Preisler für die FDP Berlin auf Platz 8 der Landesliste an.
Positionen COVID-19-Pandemie Im März 2020 steckte sich Preisler mit dem Corona-Virus an, nachdem sich ihr Partner mit dem Virus in Ischgl im Skiurlaub infiziert hatte. Sie war zunächst mit ihren Kindern zu Hause in Quarantäne und wurde dann in einer Klinik in Stralsund behandelt. Über den Krankheitsverlauf und die Begleiterscheinungen berichtete sie via Twitter in einem „Corona-Tagebuch“. Durch den offenen Umgang mit der Erkrankung erhielt Preisler Aufmerksamkeit bei Twitter, in nationalen und internationalen Medien.Frank Miles: German mom infected with coronavirus uses Twitter diary to update world on her condition. In: Fox News. 17. März 2020, abgerufen am 15. Oktober 2020 (englisch).Kirsten Grieshaber: German lawyer with COVID-19 live tweets from hospital. In: CP24. 17. März 2020, abgerufen am 15. Oktober 2020 (englisch).Dear Corona Diary: German patient gives updates on Twitter. In: dailyherald.com. 17. März 2020, abgerufen am 15. Oktober 2020 (englisch). Sie wurde in Talkshows wie maischberger. die woche und Markus LanzCorona-erkrankte FDP-Frau aus Barth bei Markus Lanz. In: nordkurier.de. 2. April 2020, abgerufen am 15. Oktober 2020.Dominik Göttker: In: derwesten.de. 3. April 2020, abgerufen am 15. Oktober 2020. eingeladen. Laut der Ostsee-Zeitung äußerte Preisler 2022 in einem Interview, man habe in der Pandemiezeit in der Barther „Stadtvertretung darüber diskutiert, die Häuser von Infizierten mit Zeichen zu versehen“,www.ostsee-zeitung.de, Nach Corona-Aussagen: Stadtvertreter in Barth wollen gegen Karoline Preisler vorgehen, 21. Oktober 2022, abgerufen am 17. April 2025 sie selbst sei als „Hexe, die die Seuche nach Barth eingeschleppt hat“, bezeichnet worden.www.ostsee-zeitung.de, Corona-Patientin aus Barth: „Ich dachte, ich sehe die Kinder nie wieder“, 17. Oktober 2022, abgerufen am 17. April 2025 Ein daraus resultierendes Verfahren gegen sie wurde Ende 2023 eingestellt; Preislers Verhalten habe zwar den strafrechtlichen Tatbestand der üblen Nachrede erfüllt, so Staatsanwaltschaft und Gericht, die Schuld sei aber als gering anzusehen und es bestehe kein öffentliches Interesse an der Verfolgung. Preisler gab an, es handele sich um eine in den Medien ihr zugeschriebene Äußerung, die sie nicht getätigt habe.
Buch Demokratie aushalten! (2021) 2021 veröffentlichte sie ihr Sachbuch Demokratie aushalten! Über das Streiten in der Empörungsgesellschaft, in dem sie laut Deutschlandfunk für „offenere Debatten“ wirbt, „nicht nur, aber auch im Ringen um die richtige Anti-Corona-Politik“.„Demokratie kann eine große Zumutung sein“. Karoline M. Preisler im Gespräch mit Christian Rabhansl. Deutschlandradio Kultur, 20. November 2021. Preisler beschreibt die Erfahrungen der eigenen Corona-Erkrankung und der gesellschaftlichen Folgen. Sie schrieb das Buch laut Amos-Preis-Jury „für die Mitmenschen, die sie und ihre Familie während ihrer Krankheit angegriffen hatten und sagten, sie lebten in einer ‚Corona-Diktatur‘“.www.offene-kirche.de, Preisverleihung des Amospreises am 13. März 2022, abgerufen am 14. Mai 2025
Engagement bei Demonstrationen Preisler geht nach eigenen Angaben zu Demonstrationen, deren Ziele sie nicht teilt, um den direkten Kontakt mit Demonstranten zu suchen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Laut Taz wurde sie zur „Zielscheibe für Querdenker, Reichsbürger und Islamisten“.Tilman Baumgärtel: FDP-Politikerin über Demo-Aktivismus. „Manchmal gibt es viele Gespräche“. Taz, 15. Juli 2024. Laut dem Berliner Tagesspiegel sind „Blumenstrauß, Pappschilder und grelle Mantelfarben“ ihr „Markenzeichen“ bei den Demonstrationen. Dabei protestiert sie allein und steht meist am Rand. Ihr Ziel sei es, „mit den pro-palästinensischen Demonstranten ins Gespräch zu kommen, den kleinsten gemeinsamen Nenner auszuloten, bei allen Kontroversen auch Gemeinsamkeiten zu erforschen“. Für diese Art zu protestieren habe sie sich in Folge einer NPD-Versammlung gegen eine Asylunterkunft „vor langer Zeit“ entschieden, so Preisler 2024.Julius Geiler: „Ich bin die Mücke im Schlafzimmer“: Das treibt Dauer-Demonstrantin Karoline Preisler an, Tagesspiegel, 8. Dezember 2024
COVID-19-Pandemie mini|Karoline Preisler am 28. September 2024 mit Blumenstrauß und einem Schild mit Fotos der israelischen Geiseln am Rande einer Demonstration auf der Müllerstraße in Berlin-Wedding (2024) mini|Preisler spricht am 8. Dezember 2024 auf der „14 Monate sind vergangen. Bringt die israelischen Geiseln zurück nach Hause. Stoppt den wachsenden Antisemitismus. Stoppt den Terror gegen Israel“-Demonstration Ende August 2020 suchte sie auf einer Berliner Großdemonstration die Sachdiskussion mit Gegnern der staatlichen Einschränkungen im Zuge der COVID-19-Pandemie und bemühte sich um Deeskalation,Christopher Schulze: Corona-Demo in Berlin: „Die wollten Kriegsgerichte und Galgen für Merkel und Drosten“ In: Der Tagesspiegel. 31. August 2020, abgerufen am 7. Mai 2025. erneut Anfang Oktober bei einer Kundgebung in Konstanz. Zu dieser Zeit litt sie weiterhin unter Folgen ihrer COVID-19-Erkrankung wie Luftnot. Auf den Demonstrationen führte sie ein Schild mit der Aufschrift „Ich hatte Covid-19 und mache mir Sorgen um euch“ mit.www.taz.de, „Das war der Horror“, 12. November 2020, abgerufen am 7. Mai 2025
Krieg in Israel und Gaza Bei palästinabezogenen Demonstrationen in Berlin in der Folge des Gaza-Krieges protestierte Preisler mit Schildern, die die geschlechtsspezifische und sexuelle Gewalt durch die Hamas während des Terrorangriffs am 7. Oktober 2023 thematisieren. So zeigte sie regelmäßig ein Schild mit der Aufschrift „Rape is not resistance“ („Vergewaltigung ist kein Widerstand“), „Believe Israeli Women“ („Glaubt den israelischen Frauen“) und Fotos der beim Terrorangriff der Hamas verschleppten, geschändeten und getöteten Deutsch-Israelin Shani Louk. Sie wurde dabei angefeindet, bedroht, bespuckt, bedrängt, geschlagen, an der Hand verletzt sowie mit einer Fahnenstange aus Holz geschlagen und verletzt. Sie muss daher von der Polizei geschützt werden.
Gegen Rechts Bei einer Neonazi-Demonstration aus dem Umfeld der Deutsche Jugend Voran durch Berlin-Mitte im Februar 2025 stellte sich Preisler vor einen Neonazi und hielt ein Schild hoch mit der Parole „Gegen Antisemitismus“, in der anderen Hand hielt sie einen Blumenstrauß.
Kontroversen Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day 2026 teilte der frühere AfD-Funktionär Reimond Hoffmann Videos eines Content-Creators, der darin wahrheitswidrig behauptet, in die Türkei abgeschoben worden zu sein und nun wieder nach Deutschland einzureisen. Einen Bezug zu Berlin, dem CSD oder einem Anschlag enthielten die Videos jedoch nicht. Die Videos kursierten danach im Netz. Auch Preisler teilte und kommentierte sie und brachte den Content Creator mit dem gesuchten Täter in Verbindung. Ihre Beiträge verstärkten die Spekulationen über seine Täterschaft. Der Mann erklärte anschließend, wegen der Falschverdächtigung bedroht zu werden und um sein Leben zu fürchten.
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