Die Kriegsverbrechen der Vereinigten Staaten umfassen alle Verletzungen des Kriegsvölkerrechts durch Angehörige der US-Streitkräfte oder auch des US-amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes CIA nach der Unterzeichnung des Haager Abkommens von 1907 und der Genfer Konventionen von 1949. Darunter fallen unter anderem Exekutionen von gefangenen feindlichen Soldaten, die Misshandlung von Gefangenen während der Vernehmung, die Anwendung von Folter und die Anwendung von Gewalt gegen Zivilisten.

Rechtsstatuten Da die USA das Rom-Statut über den Internationalen Strafgerichtshof nicht ratifiziert haben,FACT SHEET: United States Policy on the International Criminal Court. Dieser Artikel enthält Material des Außenministeriums der Vereinigten Staaten. können von den USA begangene Kriegsverbrechen dort nicht angeklagt werden. Auch wenn die USA kein Mitglied beim IStGH sind, kann deren Bürgern Strafverfolgung drohen, wenn sie Verbrechen in einem Land begangen haben, das dem Strafgerichtshof angehört. Die Ablehnung des internationalen Strafgerichtshofs durch US-Regierungen erklärt sich aus dem großen globalen eigenen Engagement in sicherheitspolitischen Themen. US-Amerikaner sind dadurch stets von Anklage bedroht, anders als Länder, die gar keine internationalen Verpflichtungen eingehen und folglich wenig zu riskieren haben.

Kriegsverbrechen in oder außerhalb der USA gegen Angehörige der Streitkräfte sowie zivile US-Staatsbürger können nach dem War Crimes Act von 1996 verfolgt werden.War Crimes Act of 1996 Kongress der Vereinigten Staaten, abgerufen am 2. April 2020 (englisch).18 U.S. Code § 2441.War crimes Cornell Law School, abgerufen am 2. April 2020 (englisch).

Der Beginn des Gesetzes lautet:

Der Uniform Code of Military Justice (UCMJ) enthält das US-amerikanische Wehrstrafrecht für Soldaten in In- und Ausland.Michael Scott Bryant: American Military Justice from the Revolution to the UCMJ: The hard Journey from Command Authority to due Process Creighton International and Comparative Law Journal 2013, S. 1–14 (englisch).

Zuständig für die Verfolgung von militärstrafrechtlichen Vergehen ist das Judge Advocate General’s Corps, eine Behörde mit mehr als 730 Militärjuristen (judge advocates), 30 Offizieren, die auf Recht spezialisiert sind, 630 Unteroffizieren und nahezu 275 zivilen Angestellten.

Kriege Vorgeschichte bis zum Ersten Weltkrieg mini|Erhängung von philippinischen Rebellen durch amerikanische Soldaten Grenzüberschreitungen humaner und professioneller Kriegsführung durch legalisierte staatliche Kombattanten der USA fanden bereits im 19. Jahrhundert, vor allem in den Indianerkriegen oder dem Sezessionskrieg statt. Solche Beispiele waren das Massaker von Wounded Knee, das Sand-Creek-Massaker, das Massaker am Washita. In den Kriegen waren die Übergänge zwischen Verbrechen, legitimer militärischer Aktion und Kriegsverbrechen fließend. Die Massaker waren eher symbolische Akte. Es ging um Abschreckung durch wahllose Gewalt. Die Durchführung folgte fast einer rituellen Logik, die der Wiederherstellung der eigenen Überlegenheit diente und damit offensiv angedacht war. Zudem waren sie Bestandteil einer ideologie- und interessengeleiteten Vernichtungsstrategie, die den Indianern fremd war. Der exterminatorisch ausgerichtete Dauerkonflikt mit den Ureinwohnern vollzog sich in einem demokratischen Rahmen.Thoralf Klein, Frank Schumacher: Kolonialkriege: Militärische Gewalt im Zeichen des Imperialismus, Hamburger Edition HIS, 2012, S. 76f Eine kulturelle Verarbeitung der gewaltsamen Landnahme gegenüber den Eingeborenen durch öffentliche Stellen fand erst 80 Jahre später statt. Bis dahin herrschte für einige Jahrzehnte ein paternalistischer-assimilatorischer hegemonialer Diskurs. Dieser billigte die eliminatorischen Handlungen.Thoralf Klein, Frank Schumacher: Kolonialkriege: Militärische Gewalt im Zeichen des Imperialismus, Hamburger Edition HIS, 2012, S. 78. Mit Filmen wie Broken Arrow oder Devil’s Doorway aus dem Jahr 1950 wurden die Indianer erstmals ausführlich als Opfer weißer Aggression gewürdigt.Thoralf Klein, Frank Schumacher: Kolonialkriege: Militärische Gewalt im Zeichen des Imperialismus, Hamburger Edition HIS, 2012, S. 79.

Die Kriegsregeln wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts schriftlich fixiert, führten aber unter keinen Kriegsteilnehmern der Zeit zur Reduktion oder Einschränkung solcher verbotenen Handlungen in Kriegszonen. Um 1900 hatte sich das außenpolitische Klima immer weiter angeheizt und starke revisionistische, maskuline und imperiale Strömungen formten in Europa (vgl. Militarismus in Deutschland) aber auch den USA Denken und Handlungsweisen einer ganzen heranwachsenden Generation junger Männer. Das gesellschaftliche Gewaltpotential und Xenophobie von jungen Männern zu dieser Zeit war insgesamt prägnant.

Während der amerikanischen Herrschaft auf den Philippinen kam es zu Aufstandsbewegungen, den Philippinisch-Amerikanischen Krieg, der durch rücksichtslose Gefangenentötungen auf Anordnung amerikanischer Oberbefehlshaber geführt wurde. Auch die Totalität des Krieges wurde forciert, indem der Zivilsektor in die Kampfhandlungen einbezogen wurde. Es kam zur Bildung von Konzentrationslagern, die Versorgungslinien wurden unterbrochen. Hunger und Seuchen entstanden dadurch. Dörfer wurden planmäßig niedergebrannt. Es kam zu Tötungen von Zivilisten. Dies führte zum Tod von 8.350 Menschen in den Lagern bei einer Bevölkerung von 298.000 Internierten. Das passierte aufgrund offizieller Anordnungen durch das US-Kommando.Charles Quince: Resistance to the Spanish-American and Philippine Wars: Anti-Imperialism and the Role of the Press, 1895–1902, McFarland, 2017, ISBN 978-1-4766-2954-4, S. 144.Stuart Creighton Miller, Benevolent Assimilation: The American Conquest of the Philippines, 1899–1903, 1982 p.244.

Bekannt wurde die Anweisung von Brigadiergeneral Jacob H. Smith beim Balangiga-Massaker, bekannt als Kill and Burn Order:

Erster Weltkrieg Laut dem Historiker Richard Rubin haben amerikanische Doughboy während der Maas-Argonnen-Offensive einen starken Hass gegen alle Soldaten des Deutschen Heeres entwickelt. Gleiches galt auch für die Soldaten der anderen Kriegsnationen. Dazu kamen Unsicherheit, Gewalt und allgemeine Furcht, die durch Erzählungen von Gräueltaten des Gegners noch verstärkt wurden. Insbesondere Scharfschützen und Maschinengewehrträger nebst anderen wurden als prägnanteste Hassgruppe von lebenden Gefangennahmen zumeist ausgeschlossen und an Ort und Stelle getötet.

Lediglich 48.000 deutsche Soldaten gerieten lebend in amerikanische Gefangenschaft, trotz großformatigen Bewegungskriegs gegen ein zurückweichendes, sich auflösendes deutsches Heer in den letzten Kriegsmonaten. Private May schilderte in seinem Tagebuch Gefangenenerschießungen seiner Einheit bei einem Vorstoß am 30. September 1918:

Zweiter Weltkrieg

Während die Kriegsverbrechen der Roten Armee, aber auch der Wehrmacht gut aufgearbeitet wurden, ist dies bei alliierten Kriegsverbrechen in der Zahl der Publikationen und ihrer Stellung in den fachlichen Diskursen ein Randthema geblieben. Auch das Verhalten amerikanischer Soldaten während der Besatzungszeit im besetzten Gebiet zu den ehemaligen Kriegsgegnern, war bisher kaum Gegenstand der Geschichtsforschung.Franz Rohleder: ZDF-Doku: US-Soldaten vergewaltigten in Bayern tausende Frauen 5. Mai 2015.

Nur ein Bruchteil der Straftaten, die GIs in Deutschland begingen, wurde von US-Gerichten geahndet. 3,5 Millionen US-Soldaten waren im Zweiten Weltkrieg in Europa im Einsatz. Allerdings gab es lediglich zwei Kriegsgerichtsverfahren der US-Militärjustiz gegen GIs. Verurteilt wurde kein einziger.

Europa Bei Kapitulation von Feindkräften im Gefechtsverlauf, waren die ersten ein bis zwei Stunden nach Gefangennahme von erhöhter Todesbedrohung unter allen Kriegsteilnehmern aller Seiten begleitet. Im frontnahen Bereich waren die Kämpfer der vordersten Kontaktlinie häufig dazu bereit, sich ergebende oder erst kürzlich gefangen genommene Feindkräfte zu liquidieren, wozu verschiedene Motive und Ursachen führen konnten.

Der Historiker Stephen Ambrose gab an, dass von den 1000 von ihm interviewten US-Veteranen des Zweiten Weltkrieges nur einer angab, einen Gefangenen getötet zu haben. Dennoch hätten ungefähr ein Drittel geschildert, dass sie andere US-Soldaten gesehen haben, die unbewaffnete deutsche Gefangene mit erhobenen Händen erschossen haben. Solche Fälle von Erschießungen Gefangener im frontnahen Bereich kurz nach Gefangennahme, noch vor der Einbringung in die Sammelstellen, wurden nicht gesamthaft dokumentiert und wurden nicht gezählt. Sie zählten im Zweifel als zulässige Gefechtshandlung.

Beispiel für örtlich und zeitlich separierte Einzelereignisse US-amerikanischer Kriegsverbrechen sind (nicht abschließend):

Das Massaker von Canicattì: Amerikanische Soldaten hatten die Stadt erobert und erschossen nach der Eroberung acht unbewaffnete italienische Zivilisten. Lieutenant Colonel Herbert McCaffrey, Militärgouverneur von Palermo hatte erfahren, dass Zivilisten eine Fabrik plündern wollten. Er fuhr mit einer Streife der Militärpolizei zur Fabrik und feuerte in die Menge, als diese sich weigerte, sich aufzulösen.Giovanni Bartolone: Le altre stragi: Le stragi alleate e tedesche nella Sicilia del 1943–1944.Ezio Costanzo, George Lawrence, The Mafia and the Allies: Sicily 1943 and the Return of the Mafia, Enigma, 2007, S. 119. Das Biscari-Massaker war ein Kriegsverbrechen im Rahmen der alliierten Operation Husky, der Eroberung Siziliens, bei dem im Juli und August 1943 76 wehrlose italienische und deutsche Kriegsgefangene (74 italienische und 2 deutsche) bei Biscari in Sizilien getötet wurden. In der Nähe des französischen Dorfes Audouville-la-Hubert wurden 30 gefangene Wehrmachtsoldaten von US-Fallschirmjägern massakriert. Unter „Operation Teardrop“ wurden unter anderem acht Besatzungsmänner des deutschen U-Bootes U 546 von US-Soldaten gefoltert, weil die US-Militärs einen von U-Boot aus gesteuerten Angriff mit V1-Marschflugkörpern (Fieseler Fi 103) oder Raketen auf Küstenstädte der USA fürchteten und die Gefangenen bereits gemäß der Genfer Konvention vorgeschriebenen Angaben keine Aussagen getätigt haben.Lundeberg (1994), S. 224f. In Vergeltung des deutschen Malmedy-Massakers an US-amerikanischen Kriegsgefangenen töteten die US-Streitkräfte im Dezember 1944 bereits entwaffnete SS-Angehörige und Fallschirmjäger. Die Erschießung von SS-Männern bei der Befreiung des KZ Dachau wurde am 29. April 1945 durch US-Soldaten an Angehörigen der SS-Wachmannschaft verübt. Der Hintergrund dazu ist, dass die erobernde alliierte US-Armee kurz vor der Befreiung des KZ Dachau auf den Todeszug aus Buchenwald mit tausenden darin vorgefundenen Leichen traf, was unter den amerikanischen Soldaten und Offizieren spontan große Wut und Rachegelüste ausgelöst hatte.

Geheime Kriegsunterlagen, die 2006 öffentlich zugänglich gemacht wurden, zeigen, dass amerikanische Soldaten 400 Sexualstraftaten in Europa zwischen 1942 und 1945 begangen, einschließlich 126 Vergewaltigungen in England. Eine Studie von Robert J. Lilly schätzte, dass insgesamt 14.000 zivile Frauen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland von amerikanischen Soldaten während des Krieges vergewaltigt worden seien. Die Zahlen variieren jedoch so stark, dass die Historikerin Miriam Gebhardt allein die Anzahl der von US-Soldaten vergewaltigten deutschen Frauen auf 190.000 schätzt.

Gefangenenerschießungen