Die Schlacht von Hamel fand im Ersten Weltkrieg am 4. Juli 1918 an der Westfront im Somme-Abschnitt östlich von Amiens statt. Dabei gelang es den Alliierten nach einem kombinierten Artillerie- und Infanterie-Angriff mit Tank- und Luftunterstützung den deutschen Truppen die Ortschaft Hamel innerhalb von 93 Minuten zu entreißen. Die neu angewandte Taktik wurde von General John Monash konzipiert und von australischen Infanteristen zusammen mit US-amerikanischen Truppen ausgeführt; Unterstützung leistete die britische 5. Tank-Brigade. Bei den bisher üblichen Angriffsverfahren an der Westfront hätte der Weg zum Erfolg mehrere Wochen gedauert und hätte das Vierfache an Opfern gefordert.

Vorgeschichte mini|hochkant|Australier im Schützengraben bei Morlancourt mini|hochkant|Kämpfe bei Morlancourt, 4. bis 9. Mai 1918

Nach dem Scheitern der ersten Phase der deutschen Frühjahrsoffensive trat am Somme-Abschnitt eine kurze ruhige Kampfpause ein. Beim deutschen Vorstoß auf Amiens Ende März 1918 war die australische 11. Brigade (Brig.-Gen. J. H. Cannan) unter den ersten Einheiten, die deutschen Vorstöße stoppten und den Angriff bei Morlancourt abschlagen konnten. Am 4. April besetzten die deutschen Truppen Le Hamel und rückten weiter auf Villers-Bretonneux vor.

In der zweiten Schlacht von Villers-Bretonneux (24. bis 27. April 1918) gelang es der australischen 13. Brigade (Brig. Gen. T. W. Glasgow) und der 15. Brigade (Brig. Gen. H. E. Elliott) die Stadt Villers-Bretonneux zurückzunehmen, nachdem die Deutschen die britische 8. Division (Generalleutnant William Heneker) daraus verdrängt hatten. Der Abschnitt wurde der 3rd Australian Division (Major General John Monash) übertragen, die im Verband der britischen 4. Armee den Schutz der Frontlinie nordöstlich von Villers-Bretonneux einnahm, wo sie gegenüber den Deutschen schon ab April die Taktik der „weichen Infiltration“ anwandten. Die Essenz der neuen Taktik bestand darin, die Truppen samt Ausrüstung im Schutz der Dunkelheit nahe genug an der gegnerischen Linie zu infiltrieren, um schwere Waffen gegen die Zielgebiete in Stellung zu bringen und dann Panzer als Deckung für die schlagartig angreifende Infanterie einzusetzen. Zwischen dem 4. und 9. Mai versuchte die australische 9. Brigade (Brig. Gen. Rosenthal) in die deutschen Stellungen bei Morlancourt einzubrechen, die vom Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 237 der 199. Infanterie-Division gehalten wurde. Dabei sicherte die 10. Brigade (Brigadier General Walter McNicoll) den linken Flügel und die 8. Brigade (Col. Edwin Tivey) der australischen 5. Division die rechte Flanke. Es kam zu Geländegewinnen aber der Durchbruch zur Straße Bray-Corbie war nicht gelungen. Am 11. Mai wurden die Stellungen um Morlancourt der australischen 5. Brigade (Brig. Gen. E. F. Martin) zugewiesen, welche aus dem 17., 18., 19. und 20. Bataillon bestand. Anschließend starteten die Deutschen am 13. Mai mit 200 Mann einen Teilangriff gegen die 5. Brigade, um die verlorenen Positionen zurückzugewinnen, wurden aber bis 14. Mai zurückgeschlagen. Nach dem gescheiterten Gegenangriff brachten die Deutschen die 107. Infanterie-Division als Ablösung nach vorne und begannen am 15. Mai ein schweres Bombardement gegen die australischen Linien. Am 10. Juni fanden um Morlancourt weitere Kämpfe statt. Dabei konnte die australische 7. Brigade (Brig.-Gen. E. A. Wisdom) den Morlancourt – Frontvorsprung stürmen, der bisher das Dorf Sailly-Laurette beherrschte.

Als sich die allgemeine deutsche Offensive im Juni 1918 an den Mittelabschnitt der Westfront verlagerte, stellten sich die Alliierten im Abschnitt der Somme nicht mehr die Frage, wo die Deutschen als Nächstes angreifen würden, sondern bereiteten eine eigene Gegenoffensive vor, die letztendlich den Krieg beenden sollte.

Planung

mini|Tank Mark V

Ende Juni begann die britische 4. Armee von General Sir Henry S. Rawlinson mit der Planung einer Reihe begrenzter Gegenangriffe, um ihre Position zu verbessern und sich auf die für Spätsommer geplante Gegenoffensive (Hunderttageoffensive) vorzubereiten. Ein offensichtliches erstes Ziel war der deutsche Frontvorsprung westlich von Hamel. Die Lage des Dorfes auf einer Anhöhe fast zwanzig Kilometer östlich von Amiens ermöglichte es deutschen Artillerie-Beobachtern, das Feuer auf die britischen Nachschubwege in der Stadt zu richten. Die Eroberung von Hamel und Umgebung würde auch die Verteidigung auf dem Hügel 104 – dem höchsten Punkt des Plateaus bei Villers-Bretonneux absichern.

John Monash, seit 1. Juni 1918 Generalleutnant und Kommandeur des Australian Corps sowie vormaliger Ingenieur aus Melbourne war Befürworter des Einsatzes kombinierter Waffengattungen, einschließlich der Beteiligung von Panzern. Die Tank-Waffe befanden sich jedoch noch immer in einem frühen Entwicklungsstadium. Viele Besatzungen waren ungeschult und ihre Fahrkünste war zumeist ungeschickt geblieben. Die frühen Tank-Modelle brachten in den bisherigen Schlacht nur enttäuschende Ergebnisse. Im Sommer 1918 versprach die Einführung des neuen Mark V-Tank – eines schneller wendbaren und besser bewaffneten Typs, im Gegensatz zum Mark IV – die Möglichkeit eines weniger verlustreichen Erfolges. Die vielen Toten der Schlachten, eine tödliche Influenza-Epidemie und ein Rückgang der Rekrutierungsraten brachten auch den Infanterie-Ersatz an der Westfront zum Erliegen. Monash setzte auf eine Strategie, bei der die Truppen nur mehr sparsam dem gegnerischen Feuer ausgesetzt wurde. Am 21. Juni unterbreitete er seinem Vorgesetzten, General Rawlinson, einen akribisch ausgearbeiteten Plan um im Abschnitt Hamel im Morgengrauen einen begrenzten Angriff anzusetzen. General Rawlinson stimmte dem Ansuchen sofort zu und teilte am 27. Juni dem in seinem Befehlsbereich liegenden II. US-Corps (Generalmajor George Windle Read) mit, dass die Teilnahme amerikanischer Soldaten am Angriff bei Hamel als gewünscht wird. Zunächst waren zwei Brigaden der australischen 3. und 4. Division ausgewählt, um den Angriff von Hamel zu führen und zwei weitere als Reserve von der australischen 2. Division bereitgestellt. Vom American Expeditionary Forces wurden vier Kompanien ausgewählt, welche der 33. Division (Maj. Gen. George Bell) entliehen wurden. Große Teile der 26. US-Infanterie-Brigade (131. und 132. Infanterieregiment) wurden erstmals an der vordersten Front eingesetzt. Am frühen 30. Juni, einen Monat nach ihrer Ankunft in Frankreich, trat die C-Kompanie des 131. US-Infanterie-Regiments (Oberst Joseph B. Sanborn) dem australischen 42. Bataillon aus Queensland bei, während die E-Kompanie das südaustralische 43. Bataillon verstärkte. Die Kompanien A und G des 132. Infanterie-Regiments (Oberst Abel Davis) hatten sich beim 13. Bataillon aus New South Wales und beim 15. Bataillon von Queensland zu melden.

mini|hochkant|General der Artillerie Viktor Kühne mini|Generalstab der deutschen 13. Infanterie-Division (1918), Generalmajor von Borries in der Mitte mini|General John Monash mit seinem Stab in Saint-Gratien (31. Mai 1918), von links nach rechts: die Brigadiers C. H. Foot, R. A. Carruthers, T. A. Blamey, L. D. Fraser und W. A. Coxen

Der geplante Durchbruch der Stellungen des deutschen XI. Armee-Korps (Gruppe Kühne) sollte mit dem üblichen Infanterieangriff erfolgen, jedoch mit erheblicher Unterstützung von Panzern. Die deutsche 13. Division war erst kürzlich nach Hamel verlegt worden, nachdem sie einen Monat ausgeruht hatte, während die 43. Reserve-Division zwei Wochen zuvor in und nördlich Hamel Stellung bezogen hatte. Das 202. Reserve-Infanterieregiment hielt Hamel selbst, während das 201. und das 203. RIR die Linie nach Norden verlängerten. Im Abschnitt der 13. Division hielt das Infanterieregiment Nr. 55 den „Birnengraben“ und einen Teil des Bois de Vaire, das Infanterieregiment Nr. 13 den Rest des Waldes von Vaire nach Süden, wo das Infanterieregiment Nr. 15 weiter südlich bis zur Römerstraße in Stellung lag.

Monash wollte so früh wie möglich angreifen, um das Tageslicht zu vermeiden und auch die Sicht des Feindes zu verringern und dadurch die eigenen Truppen so lange wie möglich vor dem feindlichen Abwehrfeuer zu schützen. Infanterie, Artillerie, Panzer und Flugzeuge hatten auf einen über 2 Kilometer tiefen Angriffsabschnitt eng zusammenzuarbeiten. Während der Vorbereitung ließ Monash die Soldaten aus den verschiedenen Panzer- und Infanteriedivisionen mischen und Freundschaften schließen, jedes Infanteriebataillon malte seine Insignien auf die ihnen zugeteilten Panzer. Dies förderte nicht nur die Kameradschaft, sondern erleichterte später auch die Bewegungen, da jedes Bataillon farblich gekennzeichnet besser gemeinsam vorrücken würden. Monash bat auch um weitere 18 Flugzeuge, um Hamel zu bombardieren, sowie um ältere Flugmaschinen mit lauten Motoren, um die Aufmerksamkeit vom Lärm der vorgehenden Tanks abzulenken.

Die alliierte Planung bei der britischen 4. Armee erfolgte unter strenger Geheimhaltung. Zwei Tage vor Beginn der Gegenoffensive veranlasste Monash den Besuch des australischen Premierminister Billy Hughes zu verschieben, dass die Vorbereitungen für den kommenden Angriff nicht gestört würde. Während eines Besuchs im Hauptquartier des II. US-Corps erfuhr der Kommandeur der American Expeditionary Forces, General John J. Pershing, von der Anweisung Rawlinsons amerikanische Truppen für den Angriff auf Hamel einzusetzen. Er riet General Read sofort davon ab, am Unternehmen teilzunehmen. Pershing glaubte, es sei besser, wenn amerikanische Truppen zusammen blieben und nicht als verstreute Einheiten unter den alliierten Armeen kämpften. Am Morgen des 3. Juli erreichte Pershings Befehl zum Rückzug der amerikanischen Verbände sechs der zehn Kompanien, die dem australischen Korps verpflichtet worden waren. Die amerikanischen Truppen reagierten zumeist mit Enttäuschung, der Großteil gehorchte dem Befehl pflichtbewusst. Der Abzug der Amerikaner an diesem späten Zeitpunkt zerstörte den akribischen Plan von Monash, da die Reduktion der australischen Einheiten eine Verschiebung des Angriffs überhaupt bedeutete hätte. Dadurch wäre die Stärke des 16. Bataillons halbiert worden und auch die Mannschaft der 11. Brigade wären von 3.000 auf 2.200 Soldaten gesunken.

Verlauf Am Vortag des Angriffs mini|hochkant|General Ewen George Sinclair-Maclagan, Kommandeur der australischen 4. Division mini|hochkant|Angriffs-Vorbereitung bei einer australischen Brigade

Am Tag vor der Schlacht, um 16.00 Uhr, erhielt Monash aus dem Hauptquartier der 4. Armee den Befehl, die Abgabe aller Amerikaner aus seinem Kommandobereich der australischen 4. Division zu erteilen. Um 17.00 Uhr bestand Monash aber darauf, dass die verbleibenden vier Kompanien für den Angriff unerlässlich waren. Wenn Rawlinson nicht darauf beharrte, Pershings Befehl zu entsprechen – nämlich alle Amerikaner bis 18:30 Uhr abzuziehen, beabsichtigte er ohne Änderungen des Planes mit den Vorbereitungen fortzufahren. Monash meinte: „Es wäre wichtiger, das Vertrauen der Amerikaner und Australier untereinander zu wahren, als einen Armeekommandanten im Kommando zu bewahren.“ Rawlinson wusste, dass Monash ein talentierter Offizier war und beschloss, seinem Korpsführer zu decken, falls nicht Feldmarschall Douglas Haig selbst, die Entscheidung bis 19.00 Uhr annullieren würde. Der in die Kontroverse eingeweihte Haig rief kurz vor 19.00 Uhr an und löste die Angelegenheit mit einem lakonischen Satz: „Der Angriff muss wie vorbereitet gestartet werden, auch wenn einige amerikanische Abteilungen vor Angriffsbeginn 0:00 Uhr aussteigen würden.“