Klimaliste ist der Name einer deutschen Kleinpartei sowie einiger davon unabhängiger Wählergruppen und Landesparteien, die sich für Klimaschutzmaßnahmen zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels einsetzen. Sie sehen sich als Graswurzelbewegung.
In den Jahren 2020 und 2021 gewannen Klimalisten Mandate bei Kommunalwahlen. Bundesweite bis internationale Aufmerksamkeit erhielten sie durch die Teilnahme an den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März 2021. Ein Vierteljahr später gründete sich die heutige Bundespartei. Seit 2024 arbeitet die Bundespartei an einer Kooperation mit der Tierschutzpartei, 2025 wurden in beiden Parteien Vorbereitungen für eine Fusion beschlossen, die im Sommer 2026 finalisiert werden soll.https://klimaliste.org/pressemitteilungen/bundesparteitag-der-klimaliste-deutschland-2025-in-berlin/https://www.tierschutzpartei.de/tierschutzpartei-beschliesst-neuen-namen-und-bereitet-fusion-mit-der-klimaliste-vor/
Übersicht Bundesebene In gegenseitiger Distanzierung existieren eine Partei und ein älterer Verein mit dem gleichen Namen „Klimaliste Deutschland“.
Partei BundesvorsitzendeBirgit Brennecke, Cyrus MobasheriBundesschatzmeisterArne TheisBeisitzerMitja Stachowiak, Jan Tovar, Lasse Kröger, Patrizia Mende
Die Bundespartei wurde am 19. Juni 2021 gegründet, um an Bundestags- und Europawahlen teilnehmen zu können. Zur darauffolgenden Bundestagswahl und den Landtagswahlen 2022 kandidierte die Partei nicht, jedoch traten viele Mitglieder der Bundespartei oder lokalen Gruppen der Klimaliste als Direktkandidierende in einzelnen Wahlkreisen an. Nicht alle konnten das Kennwort KLIMALISTE verwenden, da die damalig eigenständige Partei Klimaliste Baden-Württemberg die Kandidierenden dort über die Partei aufgestellt hatte und einige Kreiswahlausschüsse eine Verwechslungsgefahr sahen.
2023 stellte die Partei weitere 7 Kandidierende zur Landtagswahl in Hessen auf. Am 26. August stellte die Partei eine Liste aller Länder zur Europawahl im Folgejahr auf. Sie erreichte 0,1 %.
Die Partei fordert u. a. eine CO2-Steuer von 195 Euro pro Tonne und einen sozialen Ausgleich über ein „Klimageld“, das an alle ausbezahlt wird. Weiterhin soll Deutschland so früh wie möglich, aber spätestens 2031 CO2-neutral sein. Nach dem Gründungsprogramm der Partei soll dies u. a. durch einen fünf- bis siebenfach schnelleren Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, eine Wärmewende und eine Verkehrswende passieren.
Verein Der eingetragene Verein Klimaliste Deutschland e. V. wurde am 16. Oktober 2020 in Erlangen gegründet und unterstützt nach eigenen Angaben als überregionaler Verein die Klimalisten, die sich als unabhängige Wählervereinigungen gründen und im Rahmen von Kommunalwahlen antreten, um engagierten Klimaschutz in die Kommunalparlamente einzubringen.
Landes- und Kommunalebene
Baden-Württemberg
Die Klimaliste Baden-Württemberg (KlimalisteBW) gründete sich im September 2020 in Freiburg als erste Klimaliste mit Parteistatus, um zur Landtagswahl am 14. März 2021 anzutreten. Das politische Ziel war es, die Klimaziele von Paris wissenschaftsbasiert und sozial gerecht umzusetzen. Mitte Januar 2021 traten zwei der sechs Vorstandsmitglieder zurück und verzichteten auf ihre Landtagskandidaturen. Zwei weitere kündigten ihren Rücktritt für den Parteitag im Februar an, kandidierten aber weiterhin. Die KlimalisteBW trat in 67 der 70 Wahlkreise an und erreichte 0,9 %. Sie wurde zur Bundestagswahl 2021 zugelassen,Niederschrift über die 1. Sitzung des Bundeswahlausschusses für die Bundestagswahl 2021 im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen Bundestages am 8. und 9. Juli 2021 in Berlin trat jedoch nur mit Direktkandidaten an. Sie erreichte insgesamt 3.967 der Erststimmen (0,0 %). In einer Urabstimmung entschieden die Mitglieder im Dezember 2021, die Partei zum 31. Dezember 2021 aufzulösen. Bisherige Mitglieder sollten der Klimaliste Deutschland beitreten, um einen Landesverband zu gründen, der den Namen übernahmSatzung des Landesverbandes Baden-Württemberg der Klimaliste Deutschland (PDF), abgerufen am 7. März 2026.. Bekannte Personen der Landespartei waren Werner Winkler (ehemals Bündnis 90/Die Grünen) und der Schachspieler Günther Beikert.
Bei den Kommunalwahlen 2024 traten in Mannheim, Stuttgart, Tübingen und Ulm und teilweise auf übergeordneten Ebenen Klimalisten an. In Tübingen wurden zwei Mandate auf Stadtebene und ein Mandat auf Kreisebene erreicht. Die anderen Klimalisten erhielten je ein Mandat in ihrer Stadt. Bei der Wahl zur Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart wurde kein Mandat erreicht.
Der Landesverband trat zur an Landtagswahl 2026 an.
Bayern Erlangen: Die Klimaliste Erlangen gründete sich am 11. Juli 2019 und ist Namensgeber der Bewegung. Erklärtes Ziel ist die Umsetzung einer konsequenten Klimapolitik auf kommunaler Ebene.Klimaliste Erlangen Bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 erhielt sie 3,9 % der Stimmen bzw. zwei Sitze im Erlanger Stadtrat. Der bundesweite Verein gründete sich vor Ort. Zur Bundestagswahl 2021 wurde im Bundestagswahlkreis Erlangen eine Direktkandidatin aufgestellt. Kempten: Die Wählergemeinschaft FutureforKempten (FFK) gründete sich ebenfalls im Juli 2019. Bei der Stadtratswahl am 15. März 2020 erreichte sie 5,1 % der abgegebenen Stimmen und erhielt somit zwei Sitze. Dominik Tartler bekleidet als jüngster Stadtrat der Stadtgeschichte das Amt des Jugendbeauftragten.
Berlin mini|alt=ca. 40 Mitglieder mit Pappschildern und Masken auf Holztribüne|Gründungsparteitag der Klimaliste Berlin als radikal:klima, 9. August 2020 Die Klimaliste Berlin (ursprünglich radikal:klima) ging 2020 aus der Volksinitiative „Klimanotstand Berlin“ hervor. Im November wechselte ein abgeordneter Pirat im Bezirk Mitte zu der neuen Partei. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2021 erreichte die Klimaliste Berlin 0,4 % der Zweitstimmen. Sie stellte Kandidaten für acht der zwölf Bezirksverordnetenversammlungen. Ende Juli 2021 hatte die Partei 120 Mitglieder, darunter Klaus Farin (ehemals Bündnis 90/Die Grünen). Bei der Wiederholungswahl 2023 erreichte die Partei 0,3 % der Zweitstimmen. Im Dezember 2023 hat sich die eigenständige Partei Klimaliste Berlin aufgelöst. Am 29. Februar 2024 wurde die Klimaliste Berlin als Landesverband der Klimaliste Deutschland neu gegründet.Gründung Klimaliste Landesverband Berlin Website der Klimaliste Berlin. Abgerufen am 2. März 2024
Kernforderung ist die konsequente Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Daraus folgend soll die Stadt bis spätestens 2030 emissionsfrei („klimapositiv“) sein. Die Klimaliste Berlin sieht sich selbst nicht als Ein-Themen-Partei, weil sich das Klimathema auf viele Bereiche erstrecke. Die allgemeine Vision orientiert sich an den Konzepten der Klimagerechtigkeit und der Donut-Ökonomie. Neben dem Wahlprogramm existiert ein 300-seitiger „Klimaplan“.Klimaplan Berlin. Plan für ein klimagerechtes Berlin bis 2030 (Version 1.0, Stand vom 6. Mai 2021) Generell wird das Programm als sehr weitgehend rezipiert.
Die eigenständige Partei Klimaliste Berlin löste sich zum Jahresende 2023 auf und am 29. Februar 2024 gründete sich unter gleichem Namen ein Landesverband der Bundespartei.
Anfang 2025 beschloss die Klimaliste Berlin, im neu gegründeten Bündnis #GemeinsamProgressiv zusammen mit der Partei Mensch Klima Tierschutz (Tierschutzpartei) zu den Berlin-Wahlen 2026 anzutreten. Am 14. März 2026 wurde die Landesliste der Tierschutzpartei Berlin für die Berlin-Wahlen aufgestellt, auf welcher im Rahmen des Bündnisses unter anderem die Landesvorsitzenden der Klimaliste Berlin, Jan Tovar und Friederike Wenderoth, auf Plätzen 4 und 7 kandidieren.
Hessen Am 24. Oktober 2020 gründete sich der Verein Klimaliste Hessen e. V. in Bad Vilbel mit Sitz in Darmstadt. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 erzielten Wählergruppen, die durch den Verein unterstützt wurden, elf Mandate in sechs Parlamenten. In Marburg wurde mit 6,4 % das bis dahin beste Ergebnis erreicht. Dort bildeten die vier Mandatsträger mit Grünen, SPD und anfangs auch den Linken eine Koalition. Zur Bundestagswahl 2021 wurden in zwei hessischen Wahlkreisen Direktkandidaturen unterstützt.
Am 12. Juni 2022 gründete sich in Reinheim ein hessischer Landesverband der Bundespartei, der am Parteitag vom 17. Juli 2022 als Gebietsuntergliederung durch die Bundespartei anerkannt wurde.
Sowohl die Klimaliste Hessen e. V. als auch der Landesverband der Bundespartei kündigten an, an der Landtagswahl 2023 teilzunehmen. Die Partei stellte über ihren Landesverband 7 Kreiswahlvorschläge, aber keine Landesliste auf. Im Wahlkreis 36 waren 23 der 62 gesammelten Unterschriften ungültig, sodass nur 6 Wahlvorschläge zugelassen wurden. Gegen die Ablehnung des Wahlvorschlags in Frankfurt legte die Partei Widerspruch ein, um auf die praktisch schwierige Anwendbarkeit der Informationen des Landeswahlleiters über die Grenzen der Wahlkreise aufmerksam zu machen. Für die Zweitstimme nennt die Partei die Listen anderer Parteien als Anregung. Gleichzeitig trat die parteiunabhängige Wählerliste Klimaliste Hessen zur Wahl an und stellte eine Landesliste auf, jedoch keinen Kreiswahlvorschlag. Sie erhielt 0,2 % der gültigen Zweitstimmen, die Kandidierenden der Bundespartei erhielten in ihren Wahlkreisen zwischen 0,2 und 0,6 % der gültigen Erststimmen.
Niedersachsen In Niedersachsen traten voneinander unabhängige Klimalisten zu den Kommunalwahlen im September 2021 an: Göttingen: Klimaliste Göttingen e. V. (KLG) erhielt zur Stadtratswahl 0,8 % und keinen Sitz. Hannover: Klimabündnis Hannover – Unabhängige Wähler*innengemeinschaft erhielt 0,7 % und keinen Sitz. Landkreis Rotenburg (Wümme): Die Bürgerliste „Klima, Gesundheit, Soziales“ (BLKGS) trat für den Kreistag (0 Mandate), in der Samtgemeinde Bothel (1) und den darin enthaltenen Gemeinden Bothel (1)Gemeinde Bothel – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2021, abgerufen am 20. November 2021. und Hemslingen (1) sowie in Scheeßel (0) an. Im Anschluss gründete sich ein Landesverband der Bundespartei.
Nordrhein-Westfalen mini|alt=Weiße Frau und Schwarzer Mann sitzen in einem Parlament. Vor ihnen ein Pappschild mit dem gemalten Schriftzug: #KLIMA-Gerechtigkeit. Durchsichtige Trennwände zwischen den Plätzen.|Nicolin Gabrysch und John Akude als Klima Freunde in der konstituierenden Sitzung des Rates der Stadt Köln 2020 Zu den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2020 traten voneinander unabhängige Klimalisten an: Düsseldorf: Der am 3. März 2020 gegründete, eingetragene Verein Klimaliste Düsseldorf erreichte mit 0,9 % einen Sitz im Stadtrat.Endgültiges Wahlergebnis, duesseldorf.de, 18. September 2020 Dort bildet sie mit der PARTEI eine Fraktion. Köln: Die Klima Freunde traten zu allen lokalen Kommunalwahlen an und erreichte mit 2,0 % der Stimmen zwei Sitze im Stadtrat und weitere in Bezirksvertretungen. Leverkusen: In Leverkusen erreichte Büfo – Klimaliste 1,5 % der Stimmen und einen Sitz im Stadtrat. Nottuln: In der ersten Jahreshälfte 2018 traten zwei Mitglieder aus der lokalen Fraktion und der Partei Bündnis 90/Die Grünen aus und bildeten die neue Fraktion Ökologische Liste Nottuln (ÖliN) In der folgenden Kommunalwahl traten sie mit anderen als Klimaliste an. Mit 4,2 % der Stimmen blieb ein Sitz im Gemeinderat erhalten. Am 27. November 2021 wurde der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Partei Klimaliste Deutschland bestätigt. Bei der Landtagswahl 2022 kooperiert der Verband mit Die Linke Nordrhein-Westfalen und unterstützt die Kandidatur der Kölner Stadträtin Nicolin Gabrysch. Diese trat für die Kandidatur aus der Bundespartei aus und wurde auf Platz 5 der Landesliste der Linkspartei gewählt. Der Verein Klimaliste Deutschland distanzierte sich von dieser Entscheidung, weil er sich als überparteilich betrachtet.