mini|Karte der Ölkonzesionen in Südsudan Block 5A ist eine Erdöl-Konzession in Südsudan. Das Gebiet liegt direkt an der Grenze von Sudan und Südsudan und war lange Zeit heftig umkämpft.
Geographie Die Konzession Block 5A umfasst den zentralen Teil des Bundesstaates Unity im Westen des Weißen Nils und erstreckt sich im Westen bis in den Bundesstaat Warrap und östlich bis in den Bundesstaat Jonglei, östlich des Nils.ECOS report blames Sweden’s Lundin Petroleum for Sudan war crimes. In: energy-pedia.com, 8. Juni 2010. Block 5A ist Teil einer großen, fruchtbaren Schwemmlandebene, die von Flüssen aus dem Kongo, Uganda, Kenia und Äthiopien gespeist wird. In der Trockenzeit dörrt das Land aus. Die Einwohner, die hauptsächlich von Weidewirtschaft leben, ziehen mit ihren Herden entlang der Flüsse zu den Weidegebieten. In der Regenzeit sind die tiefliegenden Gebiete überflutet und die Hirten ziehen in höherliegende Gebiete.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 102–103. ISBN 1-56432-291-2 Die Region wird bewohnt von Nuer der Sippen der Thiang, Bul, Leek, Jagei, Westlichen Jikany und Dok. Die Stadt Leer, im Gebiet der Dok Nuer, nimmt in der Region eine Schlüsselposition ein. Östlich des Nils im südlichen Teil von Zeraf Island liegt Block 5a.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 113. ISBN 1-56432-291-2
Geologisch gehören die ölführenden Schichten zum Muglad Basin, welches sich von Südsudan nach Norden in den Sudan zieht.Geological Survey (U.S.): Minerals Yearbook, 2006, V. 3, Area Reports, International, Africa and the Middle East. Government Printing Office 2009: S. 23–39. ISBN 1-4113-2174-X Das Tharjiath field in Block 5A erstreckt sich über eine Fläche von 54 km².Petronas Begins Production at Block 5a in Sudan. In: Rigzone, 28. Juni 2006. Man schätzt die Öl-Reserven in diesem Bereich auf 250 Mio. Barrel. Das Mala field in dem 2007 die Produktion begann, lieferte anfangs 10.000 Barrel/Tag und konnte die Produktion bereits 2008 auf 20.000 Barrel/T steigern.Petroleum Africa. ONGC’s Sudan Block 5A Allotment 27. September 2006. Archivlink. Für Mala werden 44 Mio. Barrel Reserven geschätzt.ONGC Videsh Limited’s activities in Sudan Project (Africa). Infraline. Weitere Ölfunde wurden in Jarayan field gemacht. In: The Economic Times 24. August 2003.
Geschichte Nachdem der Ausbau des Ölfelds während des Zweiten Sudanesischen Bürgerkrieges begonnen hatte, war Block 5A Schauplatz von heftigen Kämpfen, als rivalisierende Milizen versuchten, die Kontrolle zu gewinnen. Die Ölproduktion begann 2006. Von ursprünglich 240.000 Einwohnern wurden geschätzt 12.000 getötet oder starben an Hunger und 160.000 wurden gewaltsam vertrieben.Lisa Abend: In: Time Magazine 4. Juli 2010: S. 1.
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass die wertvollen Feuchtgebiete entlang des Nils unter Verschmutzung leiden.Herve Bar: Google News: Sudan’s White Nile marshes threatened by oil pollution. AFP vom 16. November 2009. Europäische Erdölfirmen wurden beschuldigt, an den Vertreibungen der Bevölkerung (clearances) Mitschuld zu tragen.
Machtkämpfe Der Sudan war seit den Jahren nach der Unabhängigwerdung 1956 fast unablässig im Kriegszustand, ausgenommen eine temporäre Waffenruhe zwischen 1972 und 1983.Corporate Social Responsibility Report 2000 Sudan Operations. Talisman Energy Inc. Archivlink. Im März 1986 eroberte die Sudan People’s Liberation Movement/Army (SPLM/A) die Stadt Leer von der Regierung und die Stadt entwickelte sich zu einem Hauptsitz von Rebellenkommandant Riek Machar, der auch dort geboren worden war.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 194–195. ISBN 1-56432-291-2 Im August 1991 sagte sich Riek Machar vom Hauptarm der SPLM/A unter John Garang los.Douglas Hamilton Johnson: The root causes of Sudan’s civil wars. Indiana University Press 2003: S. 203. ISBN 0-253-21584-6 Machars Miliz bezeichnete sich zunächst als SPLM/A-Nasir faction (1991–1993) und später als South Sudan Independence Army (SSIA, 1994–1997).Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 8–9. ISBN 1-56432-291-2 1996 unterzeichnete Riek eine politische Charta und 1997 das Khartoum Peace Agreement mit der Regierung.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 16. ISBN 1-56432-291-2 Riek wurde zum Commander in Chief der South Sudan Defense Force (SSDF, später Streitkräfte des Südsudan). In dieser Truppe wurden die meisten der Ex-Rebellen untergebracht, die das Khartoum Agreement akzeptiert hatten. Seine Truppen kontrollierten den Block 5A.
Das sumpfige und schwer zugängliche Gebiet hatte für die Regierung in Khartum zunächst keinen strategischen Nutzen. Das änderte sich erst, als die Pipeline von Port Sudan am Roten Meer nach Heglig gebaut wurde.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 185. ISBN 1-56432-291-2 Die unterirdische Pipeline mit einer Länge von 1540 km eröffnete 1999. 1998 begann die Ölsuche in Block 5A und Paulino Matieps South Sudan Unity Movement (SSUM) begann mit der Vertreibung der Zivilisten. In dieser Zeit entwickelten sich auch Spannungen zwischen Riek Machars SSDF und Paulino Matips SSUM. Beide Gruppen spekulierten auf Belohnungen der Ölfirmen für Sicherheitsdienste.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 190. ISBN 1-56432-291-2 1998 bis 1999 gerieten die Einheiten von Paulino und Regierungstruppen mehrmals mit Rieks Truppen aneinander im Kampf um die Ölfelder des Unity State.Peace from within. Sudan Update. Peter Gadet führte Paulino Matieps Miliz in einem Zerstörungsfeldzug durch Block 5A Anfang 1999.Oil-caused Realignment of Southern Rebel Forces and Escalation of War, late 1999. Human Rights Watch vom 24. November 2003. Seine Kämpfer zwangen Tito Biel, einen hochrangigen Kommandanten der SSDF, Leer zu evakuieren.
Im April 1999 arbeiteten Tito Biels SSDF-Truppen in Western Upper Nile mit der Sudan People’s Liberation Army (SPLA) in Bahr al-Ghazal zusammen, die Waffen lieferten.John Ashworth: Five years of Sudan Focal Point briefings. Sudan Focal Point 2004. Bei der Ankunft in Yirol Anfang Mai 1999 erklärte Tito formell, dass er zur SPLA übergetreten sei, zusammen mit seinen Offizieren und Männern. Im September 1999 meuterte Peter Gadet ebenfalls und wechselte zur SPLA. Am 29. September 1999 bombardierte Gadet Matieps Basis in Mayom, woraufhin viele Zivilisten in den Block 5A nach Osten flohen.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 318–319. ISBN 1-56432-291-2 Ab September 1999 stimmte sich Tito mehrere Monate lang mit Gadet ab und attackierte verschiedene Ziele im Unity State, die in Beziehung zum Erdölgeschäft standen.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 14. ISBN 1-56432-291-2
Mit dem Ende des Bürgerkrieges im Januar 2005 ebbten die Kämpfe ab, trotzdem bestehen weiterhin Sicherheitsprobleme. Nach den Wahlen im April 2010 war Colonel Gatluak Gai aus dem Koch County in Block 5A unzufrieden mit den Ergebnissen und begann eine Rebellion. Er schloss letztlich im Juli 2011 Frieden mit der SPLA, wurde jedoch drei Tage später getötet. Am 11. April 2011 veröffentlichte Gatluak Gais Schwiegersohn, Major General Peter Gadet, der nun zur „South Sudan Liberation Army“ gehörte, die „Mayom Declaration“. Darin wandte er sich gegen die „gegenwärtigen korrupten Gangs in Juba“ (current corrupt gangs in Juba) und rief zu einer Regierung des Südsudan auf, die durch eine nationale Übergangsregierung auf breiter Basis gestaltet werden solle.Peter Gadet Yak: The Mayom Declaration. Sudan Tribune vom 18. April 2011. Gadet begann einen Angriff auf die SPLA im Unity State, wobei mindestens 45 Personen getötet wurden.South Sudan clashes between army and militia kill 57. BBCnews.com, bbc.com vom 24. April 2011. Laut Angaben des Militärs waren 20 der Opfer Soldaten der Southern Army.Dozens killed in South Sudan clash. Aljazeera.net April 2011.
Ausbau des Ölfelds und Ölproduktion Die Chevron Corporation suchte nach Öl in Block 5A und fand 1982 Ölvorkommen in einer Entfernung von etwa vier Gehstunden nordwestlich von Koch. Die Exploration wurde jedoch aufgegeben, nachdem drei Mitarbeiter im Februar 1984 von Rebellen getötet worden waren.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 183. ISBN 1-56432-291-2
Nach der Wiederaufnahme der Exploration und ersten Bauarbeiten verpachtete die Regierung des Sudan am 6. Februar 1997 die Block 5A Concession an ein Konsortium von Lundin Oil (Schweden), OMV (Österreich), Petronas (Malaysia) und Sudapet (Sudan).Ismail S.H. Ziada: sudantribune.com (PDF) 27. Januar 2007. Lundins Anteile im Umfang von 40.375% wurden von der kanadischen Tochtergesellschaft International Petroleum Corporation (IPC) gehalten.Lundin Oil Spuds First Well in Sudan. BusinessWire. 8. April 1999. OMV stimmte einem Kauf von Anteilen in Höhe von 27,5 % im Block 5A Project am 3. Juni 1997 zu. Petronas hatte zu der Zeit schon einen ausstehenden Auftrag über 30 % der Anteile. Alexander’s Gas and Oil Connections, gasandoil.com. 17. Juni 1997. 2002 tauschten Lundin und Talisman Energy einige ihrer Anlagen, aber die Lundin-Firmenfamilie behielt insgesamt die Kontrolle über die Anlagen in Block 5A.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 184. ISBN 1-56432-291-2 Block 5A war auch die Hauptanlage von Lundin Oils Nachfolgegesellschaft Lundin Petroleum 2001 bis 2003.Lundin Annual Report 2006. (PDF). Lundin Petroleum. S. 20.
1998 errichtete das Konsortium eine Bohranlage in Ryer, im Territorium der Jagei Nuer, in der Nähe des Hafens Thar Jath am Nil. Im selben Jahr wurde auch eine unbefestigte Straße von Bentiu nach Norden angelegt via Duar und Guk nach Ryer und Thar Jath. Dabei wurde die Arbeit vor allem an hunderte arabische und chinesische Arbeiter vergeben. Das Konsortium ließ seismologische Untersuchungen durchführen und bis Oktober 2000 wurden mehr als 1485 km Datenaufzeichnungen erstellt.Jemera Rone: Sudan, oil, and human rights. Human Rights Watch 2003: S. 188–189. ISBN 1-56432-291-2
Im Mai 2000 unterbrach Lundin die Arbeiten, nachdem Rebellen die Anlage Thar Jath Rig angegriffen hatten und drei Regierungsarbeiter getötet hatten. Im März 2001 wurde die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem die lokale Bevölkerung mit Gewalt vertrieben worden war. Im Januar 2002 kam es dann erneut zu einem Baustopp.Matthias Muindi: Oil firm’s exit: The first crack? News from Africa, newsfromafrica.org 2002. Archivlink In einem Report von Lundin heißt es: „im Hinblick auf wachsende Instabilität in dem Gebiet, um maximale Sicherheit für das Personal und die Arbeiten zu gewähren, entschied das Konsortium seismische und Bohr-Aktivitäten in Block 5A als Vorsichtsmaßnahme.“„... in view of increasing instability in the area, to ensure maximum security for its personnel and operations, the Consortium decided to suspend seismic and drilling activities on Block 5A as a precautionary measure“. Community Development & Humanitarian Assistance Program (CDHAP) Block 5A, Unity State, Sudan" (PDF). Lundin Petroleum AB. September 2002. Im März 2003 sprach Lundin davon, dass es „positive Entwicklungen im Friedensprozess gegeben habe und im Konzessionsgebiet verbesserte Bedingungen“ gäbe und, dass geplant sei, zunächst Infrastrukturarbeiten zu unternehmen „als erster Schritt auf eine eventuelle Wiederaufnahme der Aktivitäten.“„positive developments in the peace process and the improved conditions in its concession area“ ...„as a first step towards an eventual recommencement of activities“. Update on Activities in Block 5A, Sudan". Lundin. 27. März 2003. Im Juni 2003 schloss Lundin Petroleum den Verkauf seiner Anteile in Block 5A an Petronas Carigali ab. Die Anteile wurden für USD 142,5 Mio. verkauft.Lundin Petroleum completes sale of Block 5A Sudan to Petronas Carigali Overseas. Al Bawaba, albawaba.com vom 25. Juni 2003.