mini|Franklin Delano Floyd Franklin Delano Floyd (* 17. Juni 1943 in Barnesville, Georgia; † 23. Januar 2023 im Florida State Prison, Raiford, Florida) war ein zum Tode verurteilter US-amerikanischer Mörder, Sexualstraftäter, Entführer und mutmaßlicher Serienmörder.

Als Jugendlicher wurde er für die Entführung und den sexuellen Missbrauch eines Mädchens in Georgia verurteilt und für zehn Jahre inhaftiert. Kurz nach seiner Entlassung 1972 belästigte er eine Frau sexuell, tauchte danach unter und lebte 17 Jahre unter verschiedenen Alias-Namen. 1974 heiratete er eine vierfache Mutter in North Carolina, welche 1975 für 30 Tage in Haft ging. Während dieser Zeit ging er mit ihren Kindern fort. Die Mutter fand zwei Mädchen später in der örtlichen Wohlfahrt auf, ihr Sohn wurde erst 2019 lebend wiedergefunden und ihre Tochter Suzanne Marie Sevakis nahm Floyd mit sich. Er gab sie unter diversen Decknamen als seine eigene Tochter aus, bevor er sie 1989 heiratete. Bis zu ihrem ungeklärten Tod im April 1990 missbrauchte er Sevakis sexuell. Im gleichen Jahr wurde er als Franklin Delano Floyd verhaftet und seine falschen Identitäten flogen allmählich auf. In Haft kämpfte er um das Sorgerecht für Sevakis Sohn und sein Stiefkind Michael Anthony Hughes und entführte den Sechsjährigen nach seiner Entlassung 1994 aus der Schule. Floyd wurde Wochen später alleine in Louisville (Kentucky) verhaftet, und auch nach seiner Festnahme hielt er das Schicksal des Jungen geheim, welcher nie wieder gesehen wurde. Ermittler gingen davon aus, dass er den Jungen getötet hatte.

Für die Entführung von Hughes wurde Floyd im Jahr 1995 zu einer Freiheitsstrafe von über 50 Jahren verurteilt. 2003 wurde er für den vorsätzlichen Mord an Sevakis Arbeitskollegin Cheryl Ann Commesso im Jahr 1989 zum Tode verurteilt und wartete seitdem im Florida State Prison auf seine Hinrichtung durch letale Injektion. Zusätzlich gilt Floyd als Hauptverdächtiger für den Tod von Sevakis, deren wahre Identität er erst 2014 enthüllte. Diese war davor Jahrzehnte ungeklärt, da ihre Mutter nie eine Vermisstenanzeige gestellt hatte. Auch gab er an, Michael Anthony Hughes noch am Tag seiner Entführung durch zwei Kopfschüsse ermordet zu haben.

Die Verbrechen und das Leben des Franklin Delano Floyd erhielten in den Vereinigten Staaten eine gewisse mediale Rezeption. Demgegenüber blieb der Fall im deutschsprachigen Raum bis zu Veröffentlichung der Netflix-Dokumentation „Girl in the Picture“ weitgehend unbekannt.

Frühes Leben

Herkunft, Kindheit und Jugend

Franklin Delano Floyd wurde 1943 in Barnesville, Georgia, geboren und war das jüngste von fünf Kindern der Eheleute Thomas H. (1912–1944) und Della Jewel Floyd (1916–1968). Er erhielt die beiden Vornamen des zwei Jahre später verstorbenen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt. Sein Vater arbeitete in einer Baumwollspinnerei, war schwer alkoholabhängig und schlug seine Frau sowie die Kinder regelmäßig. Kurz nach Franklins erstem Geburtstag starb der Vater an einem Nieren- und Leberversagen. Da seine Mutter mit der Versorgung und Erziehung der Kinder überfordert war, kam Floyd 1946 als Kleinkind mit seinen Geschwistern in das Georgia Baptist Children’s Home in Hapeville, Georgia. Dort wurden sie voneinander getrennt und mit Kindern in deren Altersgruppen zusammengebracht. Seine Kindheit im Heim beschrieb Floyd später als Folter. Er sei regelmäßig das Ziel psychischer und physischer Attacken der anderen Heimkinder aufgrund seines femininen Verhaltens gewesen. Beispielsweise sei ihm mit sechs Jahren ein Besen in den Anus eingeführt worden. Als Jugendlicher wurde er selbst häufig als Dieb und Schläger auffällig. Von den Heimbetreuern erfuhr er deshalb regelmäßig harte Bestrafungen. Im baptistischen Heim wurde in der Regel jegliche Verletzung der strikten Regeln bestraft. Als er als Jugendlicher masturbierend in seinem Zimmer entdeckt wurde, habe man ihn gezwungen, seine Hand in heißes Wasser einzutauchen. Später sei er auch ausgepeitscht worden. Weil er ausbrach und in einem Haus in der Nachbarschaft Essen stahl, musste er mit 16 Jahren das Heim verlassen und zog zu seiner Schwester Dorothy.

Auch bei seiner Schwester verursachte Floyd Probleme und wurde aus dem Haus gewiesen. In Indianapolis, Indiana suchte er nach seiner leiblichen Mutter Della. Er fand sie, musste jedoch erfahren, dass diese inzwischen der Prostitution nachging. Mit Dellas Hilfe besorgte er sich gefälschte Papiere und trat in Kalifornien in die U.S. Army ein, wo er jedoch nach sechs Monaten als minderjährig aufflog und entlassen wurde. Er versuchte erneut mit seiner Mutter in Kontakt zu treten, fand sie jedoch nicht und zog als Herumtreiber durch die Staaten.

Erste Straftaten und Gefängnisaufenthalte

Am 19. Februar 1960 brach der 16-jährige Floyd in ein Sears-Kaufhaus in Inglewood, Kalifornien, ein, um sich eine Schusswaffe zu besorgen. Die alarmierte Polizei war schnell am Ort des Geschehens. Die Situation eskalierte und endete in einem Schusswechsel, bei dem Floyd einen Bauchschuss erlitt. Nach einer Notoperation erholte er sich rasch von seinen schweren Verletzungen. Nach seiner Genesung wurde er für ein Jahr in eine Jugendeinrichtung geschickt, aber schon bald auf Bewährung entlassen. Bereits 1961 wanderte er wieder hinter Gitter, nachdem er seine Bewährungsauflagen verletzt hatte, da er mit einem Freund zum Angeln nach Alaska oder Kanada gefahren war.

Nach dem Abbüßen seiner Strafe kehrte er im Mai 1962 nach Hapeville zurück und fand Arbeit beim Atlanta Municipal Airport. Bereits einen Monat später geriet sein geregeltes Leben jedoch erneut aus den Fugen. Er lockte ein vierjähriges Mädchen von einer Bowlinganlage in einen angrenzenden Wald und missbrauchte es sexuell. Für den Tatbestand der Kindesentführung und des sexuellen Missbrauchs eines Kindes wurde Floyd zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zehn bis zwanzig Jahren verurteilt, welche er im Georgia State Prison in Reidsville, Georgia, antrat. Im November desselben Jahres wurde er ins Milledgeville State Hospital überstellt, wo sein psychiatrischer Zustand ermittelt werden sollte. 1963 gelang ihm beim Transport zu einer Augenuntersuchung die Flucht und er stahl ein Fahrzeug, mit dem er nach Macon, Georgia, fuhr, wo er eine Waffe erwarb. Am 15. März überfiel er eine Filiale der Citizens & Southern National Bank und erbeutete über 6.000 US-Dollar. Er wurde schnell überführt, erhielt eine Haftstrafe in Höhe von 15 Jahren und wurde in die Chillicothe Correctional Institution in Chillicothe, Ohio, eingeliefert. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch erhielt er zusätzlich zu seiner Strafe fünf weitere Jahre und wurde in der United States Penitentiary in Lewisburg, Pennsylvania, untergebracht. Dort wurde er aufgrund seines jungen Äußeren und seines Status als Pädophiler häufig von Mitinsassen vergewaltigt. Nachdem er aufs Dach des Gebäudes kletterte und mit Suizid drohte, wurde er ins United States Penitentiary Marion in Williamson County, Illinois, überstellt, wo er deutlich besser zurechtkam und den General Educational Development Test bestand. Im Februar 1968 wurde er zurück ins Georgia State Prison transferiert. Dort befreundete er sich mit dem Mithäftling David Dial, einem notorischen Kriminellen von massivem Körperbau. Dessen Boshaftigkeit machte vielen Häftlingen Angst und der schwache Floyd erhielt seinen Schutz. Seine Mutter Della, inzwischen Della Jarnot aufgrund der Heirat mit George Henry Jarnot, verstarb am 2. Juli 1968 und wurde auf dem Graceland Cemetery in Chicago, Illinois, begraben.

Flucht und Beziehung mit Sandi Chipman

Im November 1972 entließ man den nun 29-jährigen Floyd nach zehnjähriger Strafverbüßung in eine Wohngemeinschaft für Haftentlassene. Am 27. Januar 1973 drängte er an einer Tankstelle eine Frau in deren Auto und belästigte sie sexuell. Der Frau gelang die Flucht und Floyd wurde wieder verhaftet. Er überzeugte David Dial, die Kaution für ihn zu hinterlegen, und wurde unter Auflagen entlassen. Floyd erschien jedoch nicht zum Gerichtstermin am 11. Juni 1973 und wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Daraufhin verschwand der Name Franklin Delano Floyd vorerst für 17 Jahre von der Bildfläche.

Franklin Floyd kam zuerst bei seinem Freund David Dial in Newnan, Georgia, unter und begann, Alias-Namen zu verwenden, um seine wahre Identität zu verheimlichen. Im Jahr 1974 lernte er als Brandon Williams auf einer Raststätte in North Carolina die zweifach geschiedene Sandi Chipman, später auch Sandi Willet, kennen. Chipman hatte vier Kinder aus beiden Ehen: Suzanne Marie Sevakis (* 1969) aus erster Ehe mit Cliff Sevakis, sowie Allison (* 1971), Amy (* 1972) und Phillip Steven (* 1974) aus ihrer zweiten Ehe mit Dennis Brandenburg. Die beiden heirateten bereits nach einem Monat und zogen mit den Kindern nach Dallas, Texas.Finally In: Matt Birkbeck vom 10. März 2014, abgerufen am 23. März 2020.Cold Case Investigation – Solving a Decades-Old Mystery In: FBI. 3. August 2015, abgerufen am 23. März 2020.

Leben mit Suzanne Marie Sevakis

Entziehung der Kinder Chipmans

1975 kam Chipman wegen Scheckbetrugs für 30 Tage in Haft und ließ die Kinder bei ihrem Mann Brandon Williams. Nach ihrer Entlassung fand sie eine aufgegebene Wohnung vor. Williams war mit den Kindern verschwunden. Während sie ihre zwei Töchter Allison und Amy bei der lokalen Wohlfahrt auffand, waren ihr jüngstes und ältestes Kind für sie für immer verschwunden. Williams lebte in den nächsten Jahren zusammen mit Suzanne, Phillip wurde hingegen jahrzehntelang nicht gefunden. Chipman versuchte bei der Polizei und beim FBI eine Vermisstenanzeige aufzugeben, wurde aber abgewiesen, da Williams als Stiefvater sorgeberechtigt sei.

Leben in Oklahoma City, Louisville und Atlanta

Durch ein breites Kontaktnetz mit ehemaligen Insassen konnte sich Floyd in den nächsten Jahren immer wieder gefälschte Geburtsurkunden und Führerscheine besorgen. Als Trenton B. Davis lebte er mit Sevakis, welche er als seine Tochter Suzanne Davis ausgab, von 1975 bis 1978 in Oklahoma City, Oklahoma. Er begann in einer Schule zu arbeiten und schleuste das intelligente Mädchen – Sevakis wurde später auf einen Intelligenzquotienten von über 130 getestet – in das Schulsystem ein. Nachdem eine Babysitterin ihn des sexuellen Missbrauchs an seiner Tochter beschuldigte, flohen sie und tauchten 1980 als Warren Judson Marshall und Sharon Marshall in Louisville auf. Dort fand Floyd eine Anstellung als Maler. Unter denselben Namen kehrten sie zwei Jahre später in Floyds Heimat Georgia zurück, wo sie sich im Norden Atlantas niederließen. Hier wechselte Sharon in einem Jahr dreimal die Schule. Im Juni 1986 erhielt sie ihren Abschluss an der Forest High School. Ihr Ziel war es, Luft- und Raumfahrttechnik an der Georgia Tech zu studieren. Einen dort angebotenen Studienplatz konnte sie nicht annehmen, da die beiden nach Phoenix, Arizona zogen. In der Zeit vor ihrem Abschluss wurde Suzanne erstmals schwanger und Floyd zog deshalb mit ihr in eine neue Stadt, wo sie niemanden kannte, damit er die erwachsene Sevakis weiter kontrollieren konnte. Das Kind wurde laut späteren Aussagen Floyds in Atlanta geboren und zur Adoption freigegeben. In Phoenix nahm die junge Frau einen Job als Hostess im Marriott Hotel in der Nähe des Flughafens an. Sie lernte den Kellner Greg Higgs kennen, mit welchem sie eine Partnerschaft einging. Sevakis plante nun an der Arizona State zu studieren, was sie aber aufgrund einer erneuten Schwangerschaft nicht verwirklichen konnte. Sie verließ Higgs und verschwand mit Floyd aus Arizona.

Leben in Tampa