mini|Kaphoornier Herzogin Cecilie umrundete Kap Hoorn über zehnmal mini|Haben viele Kaphoorniers nie gesehen: Kap Hoorn
Ein Kap Hoornier, Kaphoornier oder Kap Horner (englisch Cape-Horner; französisch Cap Hornier) ist im engeren Sinne ein Seemann, der auf einem Frachtsegler, der nicht mit einem Motor oder Hilfsmotor ausgerüstet ist, Kap Hoorn umrundete. Der Begriff wird auch für die Schiffe selbst benutzt; im weiteren Sinne gelegentlich auch für alle Schiffe und Personen, die Kap Hoorn umrundet haben.
Bis 2003 gab es eine weltweite Vereinigung von Kaphoorniers, die Internationale Bruderschaft der Kapitäne auf großer Fahrt, Kaphoorniers (kurz A.I.C.H. von frz. Amicale Internationale des Capitaines au Long Cours, Cap Horniers), unter anderem auch mit einer deutschen Abteilung, der ein Großteil der deutschen Kaphoorniers angehörte. Die Vereinigung war 1937 im französischen Saint-Malo gegründet worden und wurde aufgelöst, weil inzwischen fast alle Kaphoorniers gestorben sind. Eine Nachfolge-Organisation besteht noch in Chile, auf dessen Staatsgebiet Kap Hoorn liegt. In mehreren Ländern bestehen außerdem noch kleinere Gruppen von Kaphoorniers, die früher der Internationalen Bruderschaft angehörten und die sich inoffiziell weiterhin treffen.
Herausforderung Kap Hoorn mini|Windgeschwindigkeiten: Weiß kennzeichnet starke Winde mini|Kap Hoorn liegt der Antarktis näher als andere große Kaps mini|Drakestraße zwischen Kap Hoorn im Norden und den Südlichen Shetlandinseln im Süden
Die Umfahrung von Kap Hoorn ist vor allem für Segelschiffe als eine der gefährlichsten Schifffahrtsrouten der Welt berüchtigt. Auf etwa 55° 59′ südlicher Breite an der Südspitze Südamerikas gelegen, befindet sich das Kap in einer Region mit häufigen und heftigen Stürmen (im Sommer 5 %, im Winter sogar bis zu 30 % der Zeit) und oft hohem Seegang (im Sommer unter 15 % der Zeit über 3,5 Meter hoch, im Winter über 30 % der Zeit).U.S. Navy Marine Climatic Atlas of the World (Version vom 11. August 1995). (PDF; 190 kB) S. 4; abgerufen 9. März 2007. Grund dafür sind vor allem die kräftigen Winde und die bis zu 50 Seemeilen am Tag zurücklegenden Meeresströmungen, die zwischen etwa dem 40. und 60. Breitengrad der Südhalbkugel ständig und von Landmassen fast ungehindert um die Erde kreisen. Die weit nach Süden vorragende Südspitze von Südamerika und in geringerem Ausmaß das ihr aus der Antarktis entgegenragende Grahamland wirken wie ein Trichter, durch den die Meeres- und Luftströmungen in der Drakestraße im Süden von Kap Hoorn zusammengedrängt und dabei durch den sog. Kapeffekt beschleunigt werden. Da Kap Hoorn sehr viel südlicher als die südlichsten Punkte Afrikas (Kap Agulhas) und Australiens (Südostkap in Tasmanien bzw. in Neuseeland) liegt, ist der Effekt an diesem Kap besonders ausgeprägt. Für die Meeresströmungen wird der Effekt noch durch den flacheren Meeresboden zwischen Kap Hoorn und Grahamland verstärkt.Francis Chichester: Along the Clipper Way. Coward McCann, New York 1966, ISBN 0-340-00191-7, S. 136–137 (englisch)
In der Kapregion herrschen außerdem oft schwierige Wetterbedingungen durch turbulente Tiefdruckgebiete aus den Anden: Tiefs, die weit nördlich von Kap Hoorn von Westen nach Osten ziehen, werden von den 4.000 Meter hohen Anden nach Süden bzw. Südosten abgelenkt und schieben sich dann im Süden um die Landmasse herum. Problematisch sind auch die relativ flachen Gewässer in der Nähe des Kaps. Darüber hinaus können Schiffe aufgrund der Gefahr von Eisbergen nicht unbegrenzt nach Süden ausweichen, um das Kap und seine Stürme weiträumig zu umfahren. Vor allem im südlichen Winter ergeben sich durch Stürme, Nässe und Kälte (selbst im Sommer nur bis zu 10 °C) harte und oft gefährliche Wetterbedingungen. „Selbst der Teufel würde in dieser Hölle erfrieren“, soll Charles Darwin über Kap Hoorn gesagt haben.Hans Wille: Das traurige Ende einer Epoche. Die betagte Bruderschaft der Kap Hoorniers trifft sich zum letzten Mal. In: Berliner Zeitung, 16. Mai 2003 Und ein erfahrener Kap-Hoorn-Kapitän fasste zu Kap Hoorn zusammen: „… der Wind ist dort härter, die [Wind-]Wechsel schneller, die Nächte länger, der Seegang höher, das Eis näher … Man bekommt keinen Schlaf. Man wird so lange so nass, dass sich die Haut mit den Socken ablöst, wenn man die Zeit hat, sie auszuziehen. Aber mit Glück kommt man an Kap Hoorn vorbei und mit Gottes Gnade bringt man niemanden um.“Eigene Übersetzung von: [You’ve noted the way cyclonic movements race across the Southern Ocean – Indian or Pacific, it’s much the same. You’ve learnt the signs for shifts of winds – the slight clearing in the south-western sky, a movement in rising cloud, then the swift sudden shift. It’s the same off the Horn, except] the wind is madder there, the shifts faster, nights longer, seas higher, ice nearer … You get no sleep. You’ll get so wet for so long that your skin will come off with your socks, if you get the time to take them off. But with luck you’ll get past Cape Horn and by the grace of god, you won’t kill anybody. (die hier ergänzten, eckigen Klammern bezeichnen den Teil des Zitats, der nicht mit übersetzt wurde und hier nur für den Zusammenhang mit angegeben wird) – Zitat von einem experienced Cape Horn captain (erfahrenen Kap-Hoorn-Kapitän) laut U.S. Navy Marine Climatic Atlas of the World (Version 1.1 August 1995) (PDF; 190 kB) abgerufen 9. März 2007
Nach europäischen Statistiken sind mehr als 800 Schiffe in der Region um Kap Hoorn gesunken, und über 10.000 Menschen haben dort ihr Leben verloren.Logo Amicale, auf der Internetseite der chilenischen Kaphoorniers (engl. und span.; abgerufen 9. März 2007) Damit befindet sich um Kap Hoorn der größte Schiffsfriedhof der Welt.
Die Umrundung von Kap Hoorn gilt in beiden Richtungen als sehr schwierig, doch durch die Westwinde, die zu 75 % der Zeit vorherrschen, ist sie vor allem in Ost-West-Richtung oft sehr langwierig und gefährlich. Einen vollen Monat lang – vom 23. März bis zum 22. April 1788 – versuchte William Bligh, Kapitän der Bounty, Kap Hoorn auf dem Weg von England nach Tahiti in Ost-West-Richtung zu umrunden. Wegen der entgegenstehenden Stürme brach Bligh den Versuch schließlich ab und wählte stattdessen den erheblich längeren Weg um Afrika und Australien. Unklar ist, inwieweit die harte Zeit vor Kap Hoorn und die Länge des Umwegs zum Unwillen der Besatzung beitrugen, die schließlich in der berühmten Meuterei zu Beginn der geplanten Rückfahrt nach England gipfelte. Den Rekord für die am längsten dauernde Umrundung von Kap Hoorn (gerechnet wird traditionell die Zeit vom Erreichen des 50. Breitengrades südlicher Breite im Südatlantik zum Erreichen desselben Breitengrades im Südpazifik, bzw. umgekehrt bei der Rückreise nach Europa) hält das Vollschiff Susanna unter Kapitän Christian Simon Jürgens der Hamburger Reederei G. J. H. Siemers & Co, das im südlichen Winter des Jahres 1905 volle 99 Tage für die Umsegelung in Ost-West-Richtung brauchte; 80 Tage davon herrschte Sturm mit 10 oder mehr Beaufort. Zum Vergleich: Die schnellste Umsegelung gelang der Viermastbark Priwall unter Kapitän Adolf Hauth (1899–1975) im November 1938; sie dauerte – ebenfalls in der normalerweise langwierigeren Ost-West-Richtung – nur 5 Tage und 14 Stunden. Schiffe wie der ukrainische Windjammer Khersones versuchen noch heute, etwa 1997 mit 5 Tagen und ca. 21 Stunden diese Zeit zumindest in der „schnelleren“ West-Ost-Richtung zu unterbieten.
Die Wetterbedingungen sind auch dafür verantwortlich, dass viele Segler, die Kap Hoorn umrundeten, das Kap selbst nie gesehen haben. Gerade bei schlechtem Wetter wichen die Schiffe sicherheitshalber viele Meilen nach Süden aus. Das war insbesondere vor Einführung der modernen Navigationsinstrumente wie GPS der Fall, als die Navigatoren ihre Position durch den Stand von Sonne und Sternen bestimmten (Astronavigation); anhaltend schlechtes Wetter führte für sie zwangsläufig zu ungenaueren Positionsbestimmungen, so dass größere Sicherheitsabstände notwendig wurden. Außerdem ist Kap Hoorn selbst aus relativer Nähe oft nicht zu sehen: Während im Sommer schlechte Sicht ungewöhnlich ist, kann sie im Winter auf eine halbe Seemeile (ca. 1 km) absinken.
Das Aussterben der Kaphoorniers Die Kaphoorniers sind im Begriff, mangels Nachwuchs auszusterben: Der letzte Frachtsegler ohne Hilfsmotor, der das Kap umrundete, war am 11. Juli 1949 die Pamir. Mehrere Gründe sind für das „Aussterben“ der Kaphoorniers verantwortlich:
mini|Arbeit in der Takelage eines Rahseglers (1891–95) Die Passage um Kap Hoorn hat seit der Fertigstellung des Panamakanals 1914 für die Frachtschifffahrt an Bedeutung verloren. Vorher lief um das Kap fast der ganze Schiffsverkehr zwischen einerseits der süd- und nordamerikanischen Westküste und andererseits Europa, Afrika und der süd- und nordamerikanischen Ostküste, aber auch zwischen der amerikanischen Ostküste und Australien sowie Ostasien. Die einzige Alternative hierzu war die längere Strecke um Afrika und Asien. Vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts führten außerdem vor allem Fahrten für den Salpetertransport aus Chile und für den Weizentransport aus Australien (vgl. Weizenregatta) um Kap Hoorn. Mit dem Niedergang der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Waren in Europa sank auch die Zahl der Frachtschiffe, die die Route um Kap Hoorn fuhren.
Außerdem wurden im 20. Jahrhundert die Frachtsegler zunehmend von der Dampfschifffahrt verdrängt. Die letzten Windjammer auf Frachtfahrt waren die Pamir (1957 gesunken), die Passat (1957 außer Dienst gestellt) und zuletzt die Omega (ex Drumcliff; 1958 gesunken); in den letzten Jahren ihrer Dienstzeit wurden sie allerdings schon nicht mehr rund um Kap Hoorn eingesetzt. Seither fahren Handelssegelschiffe nur noch in einigen Regionen der Welt, z. B. die Daus an den Küsten des Indischen Ozeans oder die chinesischen Dschunken. Auf interkontinentalen Langstrecken sind sie nicht mehr anzutreffen. Großsegler, die heute noch Kap Hoorn umrunden, sind dagegen touristische Schiffe oder Segelschulschiffe ohne Fracht.
Dazu kommt, dass alle heute noch segelnden Windjammer mit einem Maschinenantrieb ausgerüstet sind. Das allein verstößt bereits gegen die Statuten der Internationalen Bruderschaft der Kaphoorniers. Doch darüber hinaus werden die Hilfsmotoren vor allem von touristisch fahrenden Großseglern bei der Umfahrung von Kap Hoorn häufig auch eingesetzt, so dass vermutlich nur noch die wenigsten Umrundungen allein unter Segeln stattfinden: Die ungeübten Besatzungen, großenteils aus Amateuren bestehend, könnten die Segelmanöver unter den oft herrschenden Sturmbedingungen sonst nicht ausführen. Einigen Großseglern gelingen jedoch auch heute noch Teile der Passage ohne Motorkraft. So passierte z. B. die Alexander von Humboldt am 19. Januar 2006 Kap Hoorn unter Segeln in Ost-West-Richtung, fuhr aber nicht die gesamte Strecke vom 50. bis zum 50. Breitengrad unter Segeln. In umgekehrter West-Ost-Richtung gelang beispielsweise dem Vollschiff Khersones die Umrundung unter Segel am 26. Januar 1997.Erlebnisbericht der Kap-Hoorn-Umrundung: Wolf-Ulrich Cropp: Goldrausch in der Karibik. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2000, ISBN 3-7688-1175-1, Kapitel 11, S, 143–153, mit Bilddokumentationen.
mini|Einer der letzten noch segelnden Kaphoorniers, die Kruzenshtern