mini|Gustav Schürmann, um 1920 Gustav Schürmann (* 17. Mai 1872 in Isselhorst; † 18. Dezember 1962 in Leipzig) war ein Ingenieur, früher deutscher Automobilkonstrukteur und Unternehmer, der unter anderem für die Fahrzeugfabrik Eisenach AG und Dux-Automobil-Werke AG tätig war.

Leben und Werk links|mini|Erste Konstruktion, 1888 Gustav Schürmann wurde als Sohn von Luise und Wilhelm Schürmann geboren, sein Vater war Schlosser, Mechaniker und später Maschinenfabrikant und Gießereibesitzer im westfälischen Isselhorst.Hans Christoph von Seherr-Thoss 2007, S. 646. Noch während der Zeit des Besuches der Dorfschule baute er als 16-Jähriger einen funktionierenden Benzinmotor mit 0,25 PS, den er auf ein Kinderwagengestell montierte.Walter Lange 1933, S. 4 f. Nach der Zeit als Lehrling in der Gießerei und Maschinenfabrik seines Vaters besuchte Schürmann das Technikum in Einbeck, eine höhere Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik. Unterbrochen wurde diese Ausbildungszeit durch einen zweijährigen Militärdienst im 4. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 136 in Dieuze.Walter Lange 1933, S. 7 f.

1897 beendete er das Fachschulstudium in Einbeck als Maschinenbauer und fand für zwei Jahre eine erste Anstellung in den ursprünglich von Michael Flürscheim gegründeten Eisenwerken Gaggenau, wo er als Konstrukteur von Werkzeug- und Dampfmaschinen tätig war. Schon hier beschäftigte er sich mit dem Bau von Kleinmotoren für Zweiräder.Walter Lange 1933, S. 9 f. Von Oktober 1899 bis Anfang 1903 arbeitete Schürmann in den HELIOS-Fahrradwerken Bilgeri, Wurzer & Co. in Bregenz-Laiblach, wo er für den neu geschaffenen Fertigungszweig für HELIOS-Motorwagen verantwortlich war. Bereits im Jahr 1900 wurde eine von ihm entwickelte Voirturette mit Heckantrieb und Riemengetriebe vorgestellt, ein zweites Automobil mit Frontantrieb folgte 1902. Daneben wurden unter Schürmann drei einzelne Lastkraftwagen erbaut sowie von ihm mindestens zwei Motorräder konstruiert Die Motoren selbst wurden von der Fabrique de Moteurs et de Machines ZL (Zedel) aus der Schweiz bezogen.Mathias Vogel 2018, S. 7 f.

Unmittelbar nach seiner Zeit in Bregenz übernahm Schürmann 1903 die Organisation der Produktion in den Betriebsstätten der Fahrzeugfabrik Eisenach AG. Hier war er außerdem für die Konstruktion von Dixi-Automobilen mitverantwortlich.Walter Lange 1933, S. 11. 1904 war er Mitgründer der Automobiltechnischen Gesellschaft, aus der später die VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik hervorging. 1905 heiratete Gustav Schürman in Isselhorst die aus Einbeck stammende Marie Kellermann (1881–1965), aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor.

1908 beendete er seinem Tätigkeit in Eisenach und nahm seine Arbeit bei den Polyphon Musikwerken AG in Wahren bei Leipzig auf, die schon seit 1904 mit der Lizenzproduktion des Polymobils Gazelle nach dem Curved Dash Oldsmobile Runabout von Oldsmobile Fahrzeuge herstellten. Schürmann wurde Leiter, Chefkonstrukteur und Prokurist der Automobilabteilung, bereits im Jahr seiner Anstellung baute er die Produktionsanlagen zu einer modernen Automobilfabrik für rationelle Serienfertigung aus.Ulrich Krüger 2005, S. 24. 1909 wurde die erste Eigenentwicklung unter dem Namen Dux vorgestellt, 1913 entwickelte er den ersten Dux-Lastkraftwagen mit 3 Tonnen Nutzlast.Walter Lange 1933, S. 15. 1916 wurde die Dux Automobilwerke AG als eigenständiges Unternehmen gegründet, Schürmann wurde Vorstandsmitglied und leitender Fabrikdirektor.Personal- u. Geschäfts-Notizen. In: Zeitschrift für Instrumentenbau 37 (1916/1917), S. 11 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, abgerufen am 21. März 2020); Walter Lange 1933, S. 17. Neben normalen Personenkraftwagen wurden in der Folgezeit von ihm unter anderem Geschäftsfahrzeuge, Omnibusse, Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr, Polizei und Krankentransporte konstruiert und gebaut.DUX-Lastkraftwagen 1917, S. 17 f. Im Jahr 1919 trat er mit der Dux Automobilwerke AG der Firmengruppe Deutscher Automobil-Konzern (DAK) bei, einer bis 1926 bestehenden gemeinsamen Verkaufsorganisation zusammen mit Presto, Magirus und Vomag. 1926 übernahmen die Presto-Werke Günther & Co. Dux, die wiederum 1927 von der Nationalen Automobil-Gesellschaft (NAG) aufgekauft wurden. Nachdem 1931 die Lastkraftwagen-Abteilung der NAG mit der Heinrich Büssing Automobilwerke AG zur Büssing-NAG, Vereinigte Nutzkraftwagen AG fusionierte, baute Schürmann in Leipzig als Werksleiter Leichtlastwagen für Büssing weiter. Im Jahr 1933 wurde er Vorstandsmitglied bei Büssing, unter anderem entwickelte und produzierte Schürmann in Leipzig nun Lastkraftwagen für die Wehrmacht und seit 1938 das Fahrgestell eines Panzerspähwagens. 1940 verließ er den Büssing-Vorstand auf eigenen Wunsch, bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1945 leitete er das Werk Leipzig.Hans Christoph von Seherr-Thoss 2007, S. 647.

Fahrzeugkonstruktionen (Auswahl) TypBauzeitraumZylinderHubraumLeistungVmaxGetriebeGewichtNutzlastHELIOS Leichtes Motorradca. 1903–19041170 cm³1 PS (0,74 kW)20 km/h1 VorwärtsgangHELIOS Leichtes Motorradca. 1903–19041205 cm³1,5 PS (1,1 kW)46 kgDux Typ E12 (6/12 PS)1909–19134 Reihe1546 cm³18 PS (13,2 kW)55 km/h3-Gang850 kgDux Typ D12 (6/16 PS)1910–19124 Reihe1546 cm³18 PS (13,2 kW)60 km/h3-Gang950 kgDux Typ G21 (8/22 PS)1910–19134 Reihe2038 cm³21 PS (15,4 kW)70 km/h4-Gang1050 kgDux Typ F6 Torpedo-DoppelphaetonUlrich Krüger 2005, S. 25. (6/18 PS)1912–19204 Reihe1546 cm³18 PS (13,2 kW)70 km/h3-Gang970 kgDux Typ K24 (9/24 PS)1912–19184 Reihe2125 cm³24–28 PS (19,1–20,6 kW)80 km/h4-Gang1025 kgDux Typ G10 (10/30 PS)1912–19184 Reihe2597 cm³30 PS (22 kW)80 km/h4-Gang1225 kgDux-Lastwagen L.T. (10/30 PS)ab ca. 1912654 cm³30 PS (22 kW)1000 kgDux-Lastwagen L.I. (17/40 PS)ab ca. 19142000 cm³40 PS (29,4 kW)2000 kgDux-Lastwagen L.O. (22/50 PS)ab ca. 19141430 cm³50 PS (37 kW)3000 kgDux-Lastwagen A.L.Z. (24/55 PS)ab ca. 19141560 cm³55 PS (40,5 kW)4000 kgDux Typ S (17/50 PS)1920–19244 Reihe4396 cm³50 PS (37 kW)100 km/h4-Gang1720 kgDux Typ R (17/70 PS)1924–19266 Reihe4433 cm³70 PS (44 kW)110 km/h4-Gang1850 kg

Wettfahrten (Auswahl) Schürmann nahm selbst an Wettfahrten und Rennen teil, die mit von ihm (mit)konstruierten Tourenwagen gefahren wurden:soweit nicht anders angegeben: Walter Lange 1933, S. 14.

1907: III. Herkomer-Konkurrenz von Dresden nach Frankfurt am Main (mit Dixi), 1818,7 km: Goldplakette 1907: 2. Kesselbergrennen (mit Dixi), 6 km: 3. Platz 1909: Internationale Preissternfahrt des Mitteldeutschen Automobil-Clubs nach Eisenach, 1645 km: 3. Preis 1910: Internationale Prüfungsfahrt für kleine Wagen: Goldene Medaille 1910: 3. Prinz-Heinrich-Fahrt von Berlin nach Homburg (mit Dux K24), 1944,6 km: als einziger Tourenwagen strafpunktfrei (Prinz-Heinrch-Plakette) 1911: Sternfahrt nach Naumburg, 693 km: 3. Preis 1912: Internationale Prüfungsfahrt für leichte Wagen: Große Goldene Medaille 1912: Preistourenfahrt anlässlich des 17. Deutschen Bundesschießens nach Frankfurt am Main: 4. Preis 1913: Völkerschlacht-Jubiläumsfahrt des Leipziger Automobil-Clubs (mit Dux F6): 1. Preis

Ehrung Im Jahr 1925 erhielt Schürmann durch die Technische Hochschule Karlsruhe den Ehrentitel Doktor-Ingenieur e. H.

Literatur DUX-Lastkraftwagen 1917. A. Wohlfeld, Magdeburg 1917. Walter Lange: Gustav Schürmann. Otto Koch, Leipzig 1933, . Peter Kirchberg: Vergessenes und Unvergessenes. 2 historische Porträts. Wilhelm Maybach, Gustav Schürmann. In: Motor-Jahr 1982. Eine internationale Revue. Transpress, VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1982, . Ulrich Krüger: Von der Pferdekutsche zum "Torpedo-Doppelphaeton". Die Frühzeit der Autoproduktion in Leipzig. In: Leipziger Blätter 47 (2005), , S. 22–25. Hans Christoph von Seherr-Thoss: Schürmann, Gustav. In: Neue Deutsche Biographie. Band 23: Schinzel – Schwarz. Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 646–647. (online in der Deutschen Biographie, abgerufen am 14. März 2020) Mathias Vogel: Die Geschichte der HELIOS-Fahrradwerke in Bregenz-Laiblach. In: Der Knochenschüttler. Zeitschrift für die Liebhaber historischer Fahrräder 66 (2018), , S. 4–9. (online als PDF, 3,6 MB, abgerufen am 14. März 2020) Michael Liebmann: Vom Automobilbau in und um Leipzig von 1880 bis 1945. In: Leipzig Automobil. Geschichte, Geschäfte und Leidenschaft (= Sonderedition der Leipziger Blätter), hrsg. von der Kulturstiftung Leipzig. Passage-Verlag, Leipzig 2020, ISBN 978-3-95415-092-2, S. 29–61.

Einzelnachweise

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