mini|Einbahngehweg in Kopenhagen Die COVID-19-Pandemie in Dänemark tritt als regionales Teilgeschehen der weltweiten COVID-19-Pandemie auf. Diese wird von dem Ende 2019 neu aufgetretenen SARS-CoV-2-Virus aus der Familie der Coronaviren verursacht. Die COVID-Pandemie hat sich 2020 von China ausgehend weltweit ausgebreitet.
Am 27. Februar 2020 wurde der erste Fall in Dänemark bekanntgegeben. Die dänische Regierung sprach am 2. März erstmals von einer Epidemie und ordnete am 11. März 2020 die Schließung von Schulen und weiteren öffentlichen Einrichtungen an. Ab dem 15. April wurden diese Maßnahmen wieder gelockert. Im Herbst 2020 wurden sie wie in vielen Ländern erneut wieder verschärft.
Am 10. September 2021 wurden letzte noch bestehende Maßnahmen aufgehoben. Über 73 % aller Dänen waren kurz zuvor voll geimpft.FAZ.net vom 10. September 2021: Der dänische Freedom-Day.
Verlauf Januar bis Februar 2020 Am 22. Januar 2020 veröffentlichte die dänische Gesundheitsbehörde Sundhedsstyrelsen die Einschätzung, es sei wenig wahrscheinlich, dass die Krankheit nach Dänemark komme. Ab Ende Januar 2020 wurden dänische Staatsbürger aus der stark vom Virus betroffenen chinesischen Provinz Hubei evakuiert. Die Evakuierten wurden vorsorglich unter Quarantäne gestellt und alle negativ auf das Virus getestet.
Der erste Fall wurde am 27. Februar 2020 bekannt gegeben. Es war ein kurz zuvor aus der Lombardei zurückgekehrter Mann. Sundhedsstyrelsen blieb bei der Einschätzung, das Risiko für eine Ausbreitung der Erkrankung sei in Dänemark eher gering. Am 28. Februar 2020 wurde ein weiterer Fall bekannt.
März 2020 Am 2. März 2020 sprach die Gesundheitsbehörde erstmals von einer Epidemie in Dänemark. Sie mutmaßte, 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung würden infiziert werden. Am 10., 11. und 12. März war die Zahl der neu registrierten Infektionen jeweils mehr als doppelt so hoch wie am Vortag. Am 12. März 2020 wurden 615 Fälle genannt.
Am 13. März 2020 starb eine 80-jährige Person in Nordjütland an einem Herzinfarkt und wurde nach dem Tod positiv COVID-getestet. Damit gab es zu diesem Zeitpunkt weiter keinen Todesfall aufgrund des SARS-CoV-2-Erregers in Dänemark. Am 14. März starb eine 81-jährige Person aus Herlev am Coronavirus. Während des Krankenhausaufenthalts waren COVID-Symptome entdeckt worden.
Am 20. März 2020 wurde berichtet, dass 186 Personen aufgrund des Virus im Krankenhaus behandelt werden, 37 von ihnen in einer Intensivstation. Die Todeszahl war auf neun gestiegen. Laut einem Bericht des Statens Serum Institut (SSI) vom 25. März 2020 wurden damals 526 von 1715 COVID-19-Fällen im Krankenhaus behandelt. Es wurden 34 Todesfälle gemeldet; sie waren im Alter von 50 bis 94 Jahren gestorben (Medianwert 79 Jahre).
April 2020 Im SSI-Bericht vom 1. April 2020 wurden 3092 bestätigte COVID-19-Fälle aufgeführt. Laut einer Schätzung hatten von den 917 in der achten bis elften Kalenderwoche positiv getesteten Menschen wohl bereits 97 %, also 894 Personen die Krankheit überstanden. Wegen der sich verbessernden Situation kündigte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am 6. April eine allmähliche Lockerung der Maßnahmen an (siehe unten). Im SSI-Tagesbericht vom 7. April wurden 4978 bestätigte Fälle und 203 Todesfälle aufgeführt, wobei geschätzt wurde, dass 1491 von ihnen die Erkrankung überstanden hätten. (dänisch).
Mai bis August 2020 Im Mai 2020 sanken die Infektionszahlen weiter. Ende Juli stiegen sie wieder , vor allem in der Stadt Aarhus: dort wurden am 6. August 2020 68 der landesweit 121 neuen Fälle registriert. Als Reaktion darauf wurde in Aarhus der Beginn der Schulzeit für Gymnasien verschoben und eine Pflicht für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutz in den öffentlichen Verkehrsmittel erlassen.
September 2020 bis Januar 2021 Im September und Oktober 2020 stiegen die Fallzahlen jeweils deutlich an (siehe #Statistik). Im November wurden täglich etwa 1000 Neuinfektionen registriert. Mitte Dezember wurden an einigen Tagen je etwa 4000 Neuinfektionen registriert; dann sank die Zahl bis Anfang Februar stark.
Am 7. September 2020 wurden für 18 besonders schwer betroffene Kommunen wieder strengere Regeln eingeführt. Dazu zählten Kopenhagen, Odense und 16 Gemeinden aus der Region Hovedstaden. Dort wurde unter anderem die Grenze für das Versammlungsverbot von 100 auf 50 Personen gesenkt. Am 25. September 2020 wurde vermeldet, dass erstmals über 600 Fälle an einem Tag registriert wurden. Gleichzeitig waren erstmals seit Anfang Juni mehr als 100 COVID-19-Patienten aufgrund ihrer Erkrankung im Krankenhaus.
Die Fallzahlen stiegen im Laufe des Oktobers weiter und am 21. Oktober wurden 760 neue Fälle registriert. Da ein größerer Prozentsatz der Getesteten positiv getestet wurde, nahmen die Behörden an, dass der Anstieg nicht nur auf ein vermehrtes Testen zurückzuführen sei. Während die Zahl der neu positiv Getesteten an die Zahlen aus dem Frühling heranreichte, war die Zahl der COVID-19-Patienten in den Krankenhäusern nun weit geringer. Gesundheitsminister Magnus Heunicke sprach von einer „tatsächlichen zweiten Welle“, Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte aufgrund der steigenden Zahlen, "Corona" sei zurück.
Am 27. Dezember 2020 wurden in Dänemark die ersten Menschen gegen COVID-19 geimpft, zunächst vor allem Bewohner von Pflegeheimen und andere ältere Menschen mit einem hohen Risiko.
Am 16. Januar 2021 wurde die südafrikanische COVID-Variante 501.V2 erstmals in Dänemark nachgewiesen. Gesundheitsminister Magnus Heunicke gab am 16. Februar 2021 bekannt, dass die Ausbreitung der Variante VOC-202012/01 darüber entscheiden werde, in welchen Gemeinden Lockerungen der eingeführten Maßnahmen gemacht werden können. Es solle lokal und regional verschiedene Öffnungsstrategien geben. Am 24. Februar 2021 wurde bekannt, dass Teile der Maßnahmen zum 1. März 2021 auslaufen sollen. So durften unter anderem Möbel- und Schuhgeschäfte mit weniger als 5000 m² Fläche erneut öffnen. In Nord- und Westjütland wurden stärkere Lockerungen angekündigt. Dort soll in Grundschulen mit halber Klassenstärke unterrichtet werden dürfen.
Februar bis März 2021 Im Februar 2021 wurden über 10.000 Neuinfektionen registriert – durchschnittlich etwa 360 pro Tag.
Am 4. März 2021 verkündete Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, mit Israel und Österreich einen Forschungs- und Entwicklungsfonds gegründet zu haben. Andere EU-Länder kritisierten dieses Vorgehen. Die dänischen Oppositionsparteien kritisierten unter anderem Frederiksens Reise nach Israel. In Dänemark verbreiteten sich (wie in anderen europäischen Ländern auch) ansteckendere Varianten des COVID-Virus.
Am 22. März 2021 gab die Regierung ihren Fahrplan zur Lockerung der Regeln und zur Wiederöffnung bekannt. Dabei wurde ein digitaler „Coronapass“ eingeführt, auf dem unter anderem der Impfstatus und der letzte Test vermerkt werden soll. Nur Personen, die einen negativen Test oder eine Impfung vorweisen können, sollen Eintritt zu gewissen Dienstleistern bekommen.
April bis September 2021 Am 6. April startete die erste Phase der Aufhebung von Restriktionen und für Schüler bis zur achten Klasse wurde wieder Präsenzunterricht ermöglicht. Nachdem am 11. März 2021 die Verwendung des Impfstoffes AZD1222 von AstraZeneca pausiert wurde, wurde am 14. April 2021 die dauerhafte Einstellung bekannt gegeben. Als Begründung führten sie Hinweise auf schwere Nebenwirkungen an. Am 16. April 2021 wurde eine ab dem 21. April gültige weitere Lockerung der Maßnahmen verkündet. So wurde etwa die Erlaubnis gegeben, Restaurants wieder zu öffnen und es wurde eine begrenzte Anzahl an Zuschauern bei Fußballspielen erlaubt. Für den Eintritt zu den Stadien muss der Coronapass vorgezeigt werden. Als weitere Lockerung wurde die Grenze für ein Versammlungsverbot im Inneren von fünf auf zehn angehoben. Der Plan sah vor, ab 1. August 2021 keine Obergrenze für Anwesende bei Versammlungen zu haben.
Ende August 2021 kündigte das Gesundheitsministerium an, dass man COVID-19 angesichts der hohen Impfquote nicht mehr als Bedrohung für die Gesellschaft ansehe und daher die Beschränkungen mit Wirkung zum 10. September 2021 weitgehend aufgehoben werden. Die Regierung werde rasch handeln, falls erneut wesentliche Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens bedroht würden. In der Folge wurden am 10. September 2021 alle Beschränkungen aufgehoben.
Oktober bis Ende 2021 Seit Oktober steigt die Zahl der Neuinfektionen stark an (siehe #Statistik). Am 4. November 2021 meldete das Statens Serum Institut den bis dahin höchsten Tageswert an Corona-Neuinfektionen des laufenden Jahres. Die Gesundheitsbehörde Sundhedsstyrelsen warnte daraufhin vor einer Überlastung von Krankenhäusern im Dezember 2021 und Januar 2021. Nachdem die dänischen Behörden am 8. November 2021 den fünften Tag in Folge mehr als 2000 Neuinfektionen meldeten, gab Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Abend die Wiedereinführung der 3G-Regelung bekannt; Covid-19 wurde erneut als „Bedrohung für die Gesellschaft“ eingestuft.Nach zwei Monaten Pause: Dänemark führt wieder Corona-Beschränkungen ein, in: Berliner Zeitung, 8. November 2021. Die seit Ende November 2021 in Europa grassierende noch ansteckendere Omikron-Variante dominiert etwa seit der dritten Dezemberwoche 2021 das Infektionsgeschehen in Dänemark. Am 17. Dezember 2021 wurde beschlossen, dass Museen, Theater, Kinos, Zoos, Vergnügungsparks und Veranstaltungslokale ab dem 19. Dezember für vier Wochen schließen müssen. In: Deutschlandfunk Restaurants können bis 23 Uhr geöffnet bleiben, dürfen aber nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr ausschenken.
Ende 2021 betrug die Sieben-Tage-Inzidenz in Dänemark 2045 (innerhalb einer Woche hatten sich also 2 Prozent der dänischen Bevölkerung infiziert). Das war die höchste COVID-Infektionsrate in Europa (in Deutschland lag die Inzidenz um 220).
Ab Januar 2022 Seit dem 16. Januar 2022 dürfen Museen, Zoos, Vergnügungsparks und andere Einrichtungen wieder öffnen. Kinos, Theater und Konzerthallen dürfen öffnen, allerdings mit einer Obergrenze für Besucher. Vielerorts müssen Besucher einen Mund-Nasen-Schutz tragen und per Corona-Pass belegen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind.Meldung von 8:49 Uhr Ende Januar 2022 kündigte die Regierung an, alle Beschränkungen aufzuheben; ob dies auch für Tests bei der Einreise gelten soll, blieb zunächst offen.
Mitte Februar 2022 hatte die Infektionswelle ihren Hochpunkt (an einigen Tagen über 50.000 registrierte Neuinfektionen pro Tag); Ende März war sie abgeebbt.
Parallel zur Verbreitung der COVID-Variante BA.5 ist die Zahl der Neuinfektionen im Juni 2022 gestiegen. Dänemark lädt Pflegeheimbewohner ab dem 15. September 2022 zu einer vierten Impfung (= zweiten Boosterimpfung) ein und ab dem 1. Oktober 2022 alle übrigen Menschen im Alter von über 50 Jahren.zeit.de
Maßnahmen Schließung von Einrichtungen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verkündete am 11. März umfangreiche Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Ab dem 16. März blieben öffentliche Schulen und Universitäten zunächst für zwei Wochen geschlossen. Alle Angestellten im öffentlichen Bereich, die keine kritischen Funktionen innehatten, sollten ab dem 13. März 2020 nicht mehr zur Arbeit erscheinen und falls möglich von zu Hause aus arbeiten. Angestellte in der Privatwirtschaft wurden dazu aufgefordert, wenn möglich von zu Hause aus zu arbeiten oder Urlaub zu machen. Alle öffentlichen Kultureinrichtungen wurden ebenfalls für vorläufig zwei Wochen geschlossen. Des Weiteren wurde angekündigt, dass der Gebrauch von öffentlichen Verkehrsmitteln sinken soll und Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen eingeschränkt werden. Versammlungen mit über 100 Anwesenden im Inneren von Gebäuden wurden durch ein Eilgesetz verboten.