mini|hochkant=0.9|Sabine Döring (2019)
Sabine A. Döring-Feger (* als Sabine Döring) ist eine deutsche Philosophin, Professorin und ehemalige politische Beamtin (Staatssekretärin a. D.). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ethik und die Theorie der (praktischen) Rationalität mit einem Schwerpunkt auf den Emotionen, Politische Philosophie, Ästhetik sowie der Philosophie Robert Musils. Sie hatte von 2008 bis 2023 an der Universität Tübingen den Lehrstuhl für praktische Philosophie inne und ist dort heute Honorarprofessorin. Von Februar 2023 bis Juni 2024 war sie Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung.Prof. Dr. Sabine Döring (Honorarprofessorin) ehemals Lehrstuhl für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie (Ethik) Staatssekretärin a. D. (BMBF), auf uni-tuebingen.de. Seit Juli 2025 arbeitet sie als Senior Fellow am Zentrum Liberale Moderne. Seit April 2026 setzt sie ihr Opus Magnum-Stipendium der Volkswagenstiftung im Rahmen einer Forschungsprofessur am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS)https://uni-freiburg.de/frias/prof-dr-sabine-doring/ sowie am Walter Eucken Institut um, wo sie seitdem ebenfalls Affiliated Fellow ist.https://www.eucken.de/mitarbeiter/prof-dr-sabine-doering/
Biografie Wissenschaft Döring studierte Philosophie, Germanistik, Linguistik und Psychologie an der Universität Göttingen und schloss das Studium 1989 mit dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab; ebenda wurde sie 1997 als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes mit der Arbeit Ästhetische Erfahrung als Erkenntnis des Ethischen. Die Kunsttheorie Robert Musils und die analytische Philosophie promoviert. Döring ist mit dem Ökonomen Fritz Feger verheiratet, der ebenfalls an der Universität Göttingen promoviert wurde.
1998 verbrachte Döring als Research Fellow an der University of California, Berkeley, USA, auf Einladung von Bernard Williams. Von März 1999 bis September 2004 war sie Hochschulassistentin (C1)CV Sabine A. Döring, auf de.scribd.com. an der Universität Duisburg-Essen, beurlaubt 2001 für einen Forschungsaufenthalt als Research Fellow der Royal Society of Edinburgh an der University of St Andrews, Schottland. 2005 habilitierte sie sich an der Universität Duisburg-Essen mit der Arbeit Gründe und Gefühle. Zur Lösung des Problems der Moral. 2004 verließ sie ihre Assistentenstelle vor der Zeit, um als Research Associate im Rahmen des EU-Projektes HUMAINE (Human-Machine Interaction Network on Emotions) ans King’s College London, UK, zu wechseln. Von 2005 bis 2008 war Döring Research Associate an der University of Manchester, beurlaubt 2007 für eine Vertretungsprofessur für Praktische Philosophie an der Universität Hamburg. 2008 wurde sie als W3-Professorin auf den Lehrstuhl für Philosophie (mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie) der Universität Tübingen berufen. Dort war sie von 2009 bis 2019 Vorstandsmitglied des Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN).
2022 erhielt sie für ihr Buchprojekt Solidarisch handeln in Freiheit. Von gefühlter Verantwortung zur liberalen Theorie des Gemeinwohls das Opus-Magnum-Stipendium der VW-Stiftung. Dieses Projekt war zugleich Grundlage der von ihr im selben Jahr gehaltenen 6. Lord Dahrendorf Lecture zum Thema Freiheit und Solidarität. Ein Konflikt in einer disruptiven Gesellschaft.6. Lord Dahrendorf Lecture: "Freiheit und Solidarität – Ein Konflikt in einer disruptiven Gesellschaft?, auf freiheit.org, abgerufen am 6. Februar 2025 Seit Mai 2025 ist sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Center for Advanced Studies am Eurac Research.
Politik Ernennung zur Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung mini|alternativtext=Sabine Döring auf dem Weimarer-Dreieck-EU-Treffen zur KI-Strategie am 23. Januar 2024|Sabine Döring auf dem Workshop im Weimarer-Dreieck-Format zur KI-Strategie der Europäischen Union am 23. Januar 2024 Mit Wirkung vom 1. Februar 2023 wurde Döring unter Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) als Nachfolgerin von Kornelia Haugg zur Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung ernannt.
Sie verhandelte für den Bund das Startchancen-Programm und zeichnet konzeptionell verantwortlich für den BMBF-Aktionsplan „Künstliche Intelligenz“ und, in Zusammenarbeit mit der damaligen Forschungsministerin von Frankreich, Sylvie Retailleau, dessen Integration in die KI-Strategie der Europäischen Union.
Fördergeld-Affäre
Im Juni berichtete das Panorama (Magazin) der ARD, geleakten Mails zufolge habe die BMBF-Hausleitung intern prüfen lassen wollen, ob Wissenschaftlern Fördermittel gestrichen werden könnten. Dieser in den Medien als „Fördermittelaffäre“ oder „Fordergeldaffäre“ bezeichnete Vorgang begann mit einem „offenen Brief“, den Berliner Hochschullehrende zur Unterstützung eines von der Polizei aufgelösten propalästinensischen Protestcamps an der Freien Universität Berlin (FU) Anfang Mai verfasst hatten. Daraufhin ließ sich die damalige Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) in der Bild als „fassungslos“ zitieren: „Gerade Lehrende müssen auf dem Boden des Grundgesetzes stehen“.
Kurz darauf räumte Döring per BMBF-Hausmitteilung ein, sie habe am 13. Mai eine rechtliche Prüfung telefonisch beim zuständigen Abteilungsleiter beauftragt und sich dabei „offenbar missverständlich ausgedrückt“. Die Unklarheit sei „sehr zeitnah“ in einem weiteren Telefonat ausgeräumt worden. Dörings E-Mail wurde vom Leiter der Kommunikation des BMBF vorformuliert. Döring nahm die Verantwortung in der Fördergeldaffäre wohl nicht freiwillig auf sich, sondern auf Druck der Ministerin.
Am 16. Juni 2024 erklärte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, dass sie Bundeskanzler Olaf Scholz gebeten habe, Döring wegen der umstrittenen Prüfung aus dem Amt als Staatssekretärin zu entlassen und in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Stark-Watzinger beteuert seitdem, von förderrechtlichen Prüfaufträgen in ihrem Haus nichts gewusst zu haben.
Bereits am 10. Mai 2024 war, von den Vorgängen am 13. Mai unabhängig und an Döring als zuständiger Staatssekretärin vorbei, eine Namensliste BMBF-geförderter Unterzeichner im Ministerium in Auftrag gegeben worden, und zwar sowohl aus der Leitungsabteilung wie durch den Leiter der zuständigen Abteilung, Jochen Zachgo. Wie geleakte Wire-Chats belegen, hatten schon am 9. Mai Dörings Nachfolger Roland Philippi sowie der Leiter der BMBF-Kommunikation, Michael Zimmermann, in einer Chat-Gruppe, zu der auch die Ministerin gehörte, kritische Hochschullehrende als „verwirrte Gestalten“ bezeichnet und Selbstzensur aus Angst vor Förderentzug befürwortet.
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin und CDU-Vize Karin Prien bezeichnete Döring als „Bauernopfer“, denn ihrer Meinung nach hätte Stark-Watzinger zurücktreten sollen.
Gegen die Pressemitteilung des BMBF zu ihrer Entlassung erhob Döring im Juli 2024 Klage vor dem Verwaltungsgericht Minden wegen Rufschädigung. Der Klage wurde nicht stattgegeben, da laut Gericht aus den Formulierungen hervorgehe, „dass [Döring] nicht diejenige gewesen sei, die die Prüfung förderrechtlicher Konsequenzen erbeten habe“. Einem Eilantrag vom September 2024, das Äußerungsverbot für eine Sondersitzung des Bundestagsausschusses für Bildung und Forschung sowie für eine Sitzung der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der Unionsfraktion aufzuheben, gab das Verwaltungsgericht Minden ebenfalls nicht statt.VG Minden, Beschluss vom 6. September 2024 – 12 L 588/24 –;
Dieser Einschätzung schloss sich das OVG Münster im November an. Auch einem zusätzlichen Eilantrag Dörings vom September 2024, ihre dienstliche Verschwiegenheitspflicht für eine Sondersitzung des Bundestagsausschusses für Bildung und Forschung sowie für eine Sitzung der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der Unionsfraktion aufzuheben, gab das Verwaltungsgericht Minden nicht statt. Döring bat auch Stark-Watzinger um die Aufhebung ihrer Verschwiegenheitspflicht, um selbst zu den Vorgängen Stellung nehmen zu können, jedoch vergebens.
Anfang Dezember hatte Stark-Watzingers Nachfolger Cem Özdemir erstmals die weisungsunabhängige interne Revision des BMBF mit der Aufklärung der Fördergeldaffäre beauftragt, deren Abschlussbericht am 20. Januar 2025 vorgelegt wurde.
Die von der Opposition fraktionsübergreifend geforderte Aufhebung von Dörings Verschwiegenheitspflicht lehnte auch Özdemir ab, ebenso die Aussage des zuständigen Abteilungsleiters Jochen Zachgo. Seiner Vorgängerin Stark-Watzinger persönlich bzw. der „FDP-Leitung“ warf Özdemir vor, für einen gravierenden Reputationsschaden im BMBF verantwortlich zu sein. Hierin trifft seine Darstellung sich mit der des Verfassungsrechtlers Klaus Ferdinand Gärditz.
Gärditz attestiert dem OVG Münster in seinem Beschluss vom 19. November 2024 ein „erschreckendes Maß an Realitätsblindheit“, insofern es eine „politische Inszenierung“ nicht sehen wolle, bei der „man vermuten darf, dass anwaltliche oder presserechtliche Hilfe mit im Spiel war“: in der Pressemitteilung zu Dörings Entlassung würden „klare Falschaussagen vermieden“, sich aber „so missverständlich, wie es irgend geht, geäußert, ohne in die Wahrheitswidrigkeit abzudriften“. (ca. ab Minute 42:00) Die Pressemitteilung lese sich seines Erachtens so, als ob sie „zielgerichtet designt“ worden sei, und zwar im Kontext einer über das Ministerium hinausreichenden Kommunikationsstrategie, bezüglich derer mindestens fraglich sei, ob dies in Einklang mit der Fürsorgepflicht stehe, die der Bund für Beamtinnen und Beamten habe. Diese schließe ein, sich bei Anwürfen in der Öffentlichkeit schützend vor die Beamten zu stellen. Mit einer öffentlichen Äußerung „springt, wie zu erwarten, ein hochrangiger Parteifreund der Ministerin bei“, „was in den FDP-Gremien in irgendeiner Weise konzertiert war“: der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr erläutert vier Tage nach der Pressemitteilung – nach Auffassung des OVG Münster im klaren Widerspruch zum Inhalt der Presseerklärung und nur so zu erklären, dass Dürr diese offenbar gar nicht gelesen habe – ihren Inhalt in einem Beitrag auf X (soziales Netzwerk) so, dass „eine förderrechtliche Prüfung eigeninitiativ von StS Döring in Auftrag gegeben“ wurde, „von der die Ministerin nichts wusste“. Das OVG Münster, laut Gärditz eine der „merkwürdigsten Passagen des Urteils“, empfiehlt Döring, Dürr aufgrund dieses wahrheitswidrigen Tweets wegen Rufschädigung zu verklagen.
Werke Theorie der Emotionen mini|Sabine Döring 2019 auf der Fachtagung „Streiten lernen“ der Bundeszentrale für politische Bildung Sabine Döring vertritt eine kognitive Theorie der Emotionen, nach der Emotionen für rationales Denken unverzichtbare affektive Bewertungen sind. Geprägt hat sie für diese Analyse von Emotionen den Terminus „affektive Wahrnehmung“. Damit ist gemeint, dass Emotionen sinnlichen Wahrnehmungen insofern analog sind, als sie unmittelbar sind, nämlich komplexe Situationen unmittelbar mit Blick auf relevante Aspekte strukturieren; einen nichtbegrifflichen Inhalt haben; einen phänomenalen Gehalt haben; Urteile für Emotionen weder hinreichend noch notwendig sind.
In ihren Arbeiten untersucht Sabine Döring die Implikationen von Emotionen als affektiven Wahrnehmungen für (moralische) Motivation und Rechtfertigung sowie Handlungsfähigkeit (Agency) generell; für den Emotionsausdruck in der Kunst; für die Rolle von Emotionen im politischen Diskurs.
Politische Philosophie