Diese Liste der Militärstandorte im Eichsfeld verzeichnet die von Militär, Polizei und anderen bewaffneten Organen genutzten Kasernen und Objekte im Eichsfeld.
Hintergrund Das Eichsfeld lag in kurmainzer und später in preußischer Zeit auf Grund seiner Randlage abseits größerer militärischer Standorte und Einrichtungen. Lediglich Berghöhen, aber auch einige Niederungen boten sich im Mittelalter für die Errichtung von Burganlagen an. Weiterhin wiesen die Städte Duderstadt, Heiligenstadt und Worbis mit ihren Stadtmauern und Wallanlagen Verteidigungscharakter auf.
Anfang des 20. Jahrhunderts gerieten die Höhenlagen des oberen Eichsfeldes westlich von Dingelstädt in den Fokus der preußischen Militärplaner. Hier sollte ein großer Truppenübungsplatz bzw. Manövergelände für das XI. Armeekorp entstehen. Davon wären große Teile der Gemarkungen der Dörfer Flinsberg, Heuthen, Kefferhausen, Kreuzebra und Wachstedt betroffen gewesen, auch wäre die Umsiedlung einiger Orte notwendig geworden. Nach Bekanntwerden der Pläne formierte sich Widerstand und die Planungen wurden schließlich aufgegeben. Dafür wurde das bereits bestehende Manövergelände der Thüringischen Staaten bei Ohrdruf weiter ausgebaut.Alfons Grunenberg: Truppenübungsplatz auf der Eichsfelder Höhe. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift. Heft 4. Verlag Mecke Duderstadt 2011, S. 121–123
Geschichte mini|Zwei Grenzsoldaten der DDR bei Lindewerra mini|Bundesgrenzschutzpolizisten an der noch ungesicherten Grenze bei Zwinge In das militärische Interesse kam das Eichsfeld erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg mit Errichtung der Besatzungszonen und kurzfristige Einquartierungen durch alliierte Militäreinheiten. Durch die Grenzlage des Eichsfeldes verliefen hier ab Sommer 1945 die Zonengrenzen zwischen der Sowjetischen Besatzungszone und dem Besatzungsgebiet der Westalliierten in Deutschland. Am Dreiländereck bei Hohengandern trafen die sowjetische, amerikanische und britische Besatzungszone aufeinander. Der Grenzverlauf wurde zunächst von Besatzungstruppen überwacht, nach 1946 auch schrittweise durch deutsche paramilitärischen Polizeieinheiten. In der sowjetischen Besatzungszone war es die Grenzpolizei, ab 1952 die Deutsche Grenzpolizei. Diese waren zunächst in provisorischen Unterkünften in Grenznähe untergebracht.
Mit dem Aufbau des Grenzregimes ab 1952 mit Errichtung des Sperrgebietes und dem Ausbau der Grenzanlagen entstanden zahlreiche neue Objekte und Kasernen entlang der Innerdeutschen Grenze, zunächst als einfache Barackenlager, später dann feste Kasernenstandorte. Die Objekte der Grenzkasernen waren neben der Truppenunterkunft meist zusätzlich mit Kfz-Garagen, Munitionslager und einer Hundezwingeranlage ausgestattet. Heiligenstadt wurde Sitz des Grenzregimentes 4 der Grenztruppen der DDR. Die einzelnen Grenzkompanien waren für die Überwachung eines bestimmten Grenzabschnittes zuständig. Zu den unmittelbaren Grenzanlagen gehörten zahlreiche Beobachtungstürme, darunter meist eine Führungsstelle je Kompanie (siehe: Grenzturm Katharinenberg).
Die grenznahen Höhenlagen des Eichsfeldes wurden während des Kalten Krieges auch zur Überwachung des Luftraumes und des Funkverkehrs in der Bundesrepublik Deutschland durch ostdeutsches und sowjetisches Militär, sowie des Ministeriums für Staatssicherheit genutzt. Mit der Deutschen Wiedervereinigung verschwanden mit den Grenzanlagen auch die militärischen Objekte der Grenztruppen und der anderen Einheiten.
Auf bundesdeutschen Gebiet wurde der Grenzaufsichtsdienst der Zollverwaltung mit der Beobachtung der Grenze beauftragt. Dafür wurden Zollkommissariate (in Duderstadt) und Grenzaufsichtsstellen (unter anderem in Nesselröden) eingerichtet. 1956 wurde Duderstadt Standort einer Hundertschaft des Bundesgrenzschutzes und ab 1967 einer Abteilung des Grenzschutzkommandos Hannover (GSA III/5).
Liste Die Liste enthält eine Aufzählung von Standorten nach Ortschaften alphabetisch geordnet. Die Objekte befanden sich meist am Ortsrand, seltener im oder weit außerhalb der Orte. Eine genaue zeitliche Einordnung, in den diese Einrichtungen militärisch bestanden und genutzt wurden, ist nicht immer möglich. Legende für an der Innerdeutschen Grenze eingesetzte militärische, polizeiliche und zollrechtliche Einheiten: Deutsche Grenzpolizei (bis 1961) = DGP Grenztruppen der NVA (bis 1971) = GT Grenztruppen der DDR (bis 1990) = GT Nationale Volksarmee der DDR = NVA Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland = GSSD Ministerium für Staatssicherheit der DDR = MfS Zollverwaltung der DDR = ZVW Bundesgrenzschutz (ab 1951) = BGS Grenzaufsichtsdienst des Zolls (ab 1949) = GAD StandortLage Kreis der DDRLandkreis der BRD Objekt Militärische Einheit Standort seit Standort bis Bemerkungen BildArenshausenHeiligenstadtGrenzkaserneGT19611964BischhagenHeiligenstadtGrenzkaserneDGP, GT19581971abgerissenBornhagenHeiligenstadtGrenzkaserneGT19621971heutige Nutzung: Wohnungen150x150pxDöringsdorfHeiligenstadtGrenzkaserne, ReserveDGP, GT19521963Umzug nach Hildebrandshausen, abgerissenDuderstadtEuzenbergDuderstadtab 1973 GöttingenKaserneBGS1956heuteheutige Nutzung: BundespolizeiDuderstadtDuderstadtab 1973 GöttingenZollkommissariatGADFreienhagenHeiligenstadtKaserneDGP, GT19581990zunächst Grenzbarackespäter Massivbau150x150pxEcklingerodeWorbisGrenzkaserneGT1990heutige Nutzung: unbekanntGeismarHeiligenstadtGrenzkaserne, ReserveobjektDGP/GT1952/611978/89GerodeHeiligenstadtGrenzkaserneGT19621967ehemaliges Kloster GerodeGroßtöpferHeiligenstadtGrenzbarackeDGP/GT19521971abgerissenGünterodeHeiligenstadtGrenzkaserneDGP/GT19521990zunächst Barackenspäter Massivbauheutige Nutzung: privat Heilbad HeiligenstadtRichtebergHeiligenstadtRegimentskasernenGT1990z. T. umgebaut für Feuerwehr, WohnungenHeilbad HeiligenstadtIbergHeiligenstadtRegimentsstabGT19611990heutige Nutzung: Schule, ? Heilbad HeiligenstadtPferdebachtalHeiligenstadtMed-PunktGT19671989heutige Nutzung: Technisches HilfswerkHeilbad HeiligenstadtHeiligenstadtWehrkreiskommandoNVAheutige Nutzung: privatHeilbad HeiligenstadtHeiligenstadtKreisdienststelleMfS1990Heutige Nutzung: Amt des Landkreises HeiligenstadtHeyerodeMühlhausenGrenzkaserne, -bataillonGT19611966HildebrandshausenMühlhausenGrenzkaserneGT19761990heutige Nutzung: unbekannt 150x150pxHohengandernHeiligenstadtGrenzkaserneGT19641990JützenbachWorbisGrenzkaserneGT19811990heutige Nutzung: privatKaltohmfeldBirkenbergWorbisKaserne GSSDRadarüberwachungkomplett zurückgebaut150x150pxKreuzebraWorbisKaserne (FuTK-514)NVARadarüberwachung, Hubschrauberlandeplatzheutige Nutzung: Flugplatz für Gyrocopter150x150pxMengelrodeHeiligenstadtGrenzkaserneGT19641990abgerissenNeuendorfWorbisGrenzkaserneDGP/GT19521971abgerissenPfaffschwendeHeiligenstadtGrenzkaserneGT19661990heutige Nutzung: unbekanntRustenfeldeHeiligenstadtGrenzkaserneDGP/GT19581990heutige Nutzung: Schule150x150pxSilkerodeWorbisGrenzkaserneGT19711990heutige Nutzung: unbekanntTeistungenWorbisGrenzkaserneDGP/GT19511990abgerissenTeistungenWorbisGrenzübergangsstelleMfS (als Grenztruppenangehörige getarnt)ZVWGT19731990heutige Nutzung: Grenzlandmuseum150x150pxVolkerodeHeiligenstadtGrenzkaserneGT1966heutige Nutzung: unbekanntWachstedtWorbisKaserne (Funktechnische Kompanie)GSSDabgerissenheutige Nutzung: SolarparkWendehausenMühlhausenGrenzkaserneDGP19521960WahlhausenHeiligenstadtGrenzkaserneGT19581990heutige Nutzung: PflegeheimWeidenbachHeiligenstadtGrenzkaserneGT1990heutige Nutzung: WohnungenWeilrodeWorbisGrenzkaserneGT19711990Weißenborn-LüderodeWorbisGrenzkaserneGT1971danach noch ReserveobjektWendehausenMühlhausenGrenzbarackeDGP/GT19521967heutige Nutzung: privatWerleshausenWitzenhausen (ab 19. Werra-Meißner-Kreis)GrenzaufsichtsstelleGADWorbisWorbisWehrkreiskommandoNVAWorbisWorbisKreisdienststelleMfS1990WüstheuterodeHeiligenstadtGrenzkaserne, AusbildungsobjektDGP/GT19541980
Sonstige Anlagen und Einrichtungen mini|Bunkeranlage der sowjetischen Truppen auf der Keudelskuppe Mit der Übergabe der Grenzüberwachung von dem sowjetischen Truppen an die Grenzpolizei bzw. Grenztruppen der DDR zogen sich die sowjetischen Militärs aber nicht komplett von der Grenze zurück, sondern errichten hinter der Grenzlinie auf erhöhten Positionen in bestimmten Abständen Beobachtungsposten. Sie dienten der Beobachtung des bundesdeutschen Grenzgebietes. Diese Beobachtungsposten waren überwiegend einfache Erdbunker, mit Laufgräben und meist auch nur Zeltunterkünften für die Soldaten, sie waren nicht ganzjährig besetzt, sondern nur zu bestimmten Anlässen oder Zeiträumen.
Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR war mit mobilen Funküberwachungsstationen sowie einigen kleinen festen Standorten ebenfalls auf grenznahen Anhöhen im Eichsfeld vertreten.
Militärobjekte außerhalb des Eichsfeldes mini|Der Bundesgrenzschutz in Eschwege Weitere Militärstandorte in Grenznähe unweit des Eichsfeldes waren: Kaserne des BGS (1953–1997) bzw. Bundespolizei (bis heute) in Eschwege Beobachtungsposten der amerikanischen Streitkräfte am Dreiländereck (1970– ) Grenzregiment 1 der Grenztruppen der DDR in Mühlhausen (bis 1990) Funktechnische Aufklärung der GSSD bei Eigenrieden (1981/83–1991)
Weblinks
Private Webseite zu den Standorten der DDR-Grenztruppen Suche in der Standortdatenbank des MGFA
Einzelnachweise
Militarstandorte im Eichsfeld Kategorie:Innerdeutsche Grenze im Eichsfeld Kategorie:Geschichte des Eichsfeldes Kategorie:Militärische Einrichtung (Thüringen) Kategorie:Ehemalige militärische Einrichtung (Deutschland)