Der Große Preis der DDR war eine regelmäßig veranstaltete Bahnradsportveranstaltung in der DDR. Der Wettbewerb für Bahnsprinter wurde 1961 erstmals vom Deutschen Radsport-Verband der DDR (DRSV) ausgetragen und bis 1990 fortgeführt. Ab 1986 war der Wettbewerb auch für Frauen ausgeschrieben und wurde bis 1990 veranstaltet.
Historisches Der Große Preis der DDR fand im Laufe der Zeit auf verschiedenen Radrennbahnen in Leipzig, Gera, Cottbus, Dresden, Forst, Frankfurt an der Oder, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Berlin (Ost) statt. An diesem Sprinterturnier nahmen ausschließlich Amateure teil, alle Weltmeister im Sprint der Amateure der Jahre von 1964 bis 1990 starteten mindestens einmal in diesem Wettbewerb. In den ersten Jahren wurde der Große Preis in drei oder zwei Turnieren in verschiedenen Städten mit einer durchgehenden Gesamtwertung veranstaltet. Ab 1971 fand er an einem Wettkampftag statt. Bis zur letzten Austragung war der Große Preis der DDR Bestandteil des Wettkampfkalenders der Union Cycliste International (UCI). Ab 1975 gehörte der Große Preis der DDR zur Rennserie Großer Preis der sozialistischen Länder.
Austragungen 1961 – Brian Dew Am 22. Juli startete die erste Austragung auf der Radrennbahn Weißensee in Berlin (Sieger Piet van der Touw), der zweite Lauf fand auf der Radrennbahn Forst (Sieger Brian Dew) statt, der dritte Durchgang in Dresden (Sieger David Handley). Am Start waren Sprinter aus Australien, der Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und der DDR. Den Gesamtsieg trug Brian Drew aus Australien davon, 2. Platz Jürgen Simon, 3. Platz Ronald Baensch (Australien).
1962 – Zbysław Zając Am Start waren Sprinter aus Australien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Polen, der UdSSR und der DDR. Wiederum wurden drei Durchgänge gefahren, auf allen drei Bahnen (Dresden, Forst und Berlin) siegte Zbysław Zając aus Polen, 2. Platz Imant Bodnieks (UdSSR), 3. Platz Ronald Baensch (Australien). Bester DDR-Fahrer wurde Hans-Jürgen Klunker als Vierter.
1963 – Rainer Marx Diesmal waren die Bahnen von Karl-Marx-Stadt, Berlin und Leipzig die Austragungsorte. 18 Sprinter aus Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Neuseeland und der DDR stellten sich dem Starter. Klarer Sieger mit dem Gewinn aller drei Rennen wurde Rainer Marx aus Karl-Marx-Stadt, 2. Platz Piet van der Touw 3. Platz Wolfgang Tertschek.
1964 – Zbysław Zając Mit Fahrern aus sechs Ländern startete das Turnier 1964. In Dresden siegte diesmal Tertschek, in Karl-Marx-Stadt und Leipzig legte Zając mit zwei Siegen den Grundstein für seinen Gesamterfolg. Sieger wurde zum zweiten Mal Zbysław Zając, 2. Platz Wolfgang Tertschek aus Leipzig, 3. Platz Miloš Jelínek (ČSSR).
1965 – Omar Pchakadse Austragungsorte waren in diesem Jahr die Radrennbahnen von Gera, Leipzig und Erfurt. 19 Fahrer aus sieben Länder (Belgien, ČSSR, Großbritannien, Polen, Rumänien, UdSSR und der DDR) traten an, alle wurden von Omar Pchakadse (der zum ersten Mal teilnahm) dominiert, der alle seine Läufe und damit alle drei Turniere sowie die Gesamtwertung gewann. Der 2. Platz ging an Miloš Jelínek, den 3. Platz sicherte sich Hans-Jürgen Klunker.
1966 – Omar Pchakadse Der Große Preis war in diesem Jahr nicht vom Wetter begünstigt, die Rennen in Berlin und Leipzig konnten wegen Regens nicht stattfinden. So wurde der Sieger in Gera ermittelt. Die Teilnehmer kamen diesmal aus der ČSSR, Italien, Polen, Rumänien, UdSSR, Ungarn, sowie der DDR. Wieder gelang es Pchakadse alle seine Läufe zu gewinnen. Im Finale bezwang er Giordano Turrini (beide standen sich schon im Finale der UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 1965 gegenüber), der 3. Platz ging an Dino Verzini, der Jürgen Geschke bezwang.
1967 – Omar Pchakadse Erstmals war der amtierende Weltmeister Daniel Morelon sowie die WM-Medaillengewinner Pierre Trentin und Omar Pchakadse komplett am Start. Neben Frankreich traten Sprinter aus der ČSSR, Großbritannien, Italien, Polen, UdSSR, sowie der DDR an. Der erste Durchgang in Berlin ging an Pchakadse, der Morelon im Finale schlug. In Dresden gewann Pchakadse gegen Ivan Kučírek im Endlauf und im Leipziger Finale war wiederum Morelon der Unterlegene. Also wieder wie im Vorjahr alle drei Serien an Omar Pchakadse. Den 2. Platz im Großen Preis belegte Daniel Morelon, 3. wurde Jürgen Geschke.
1968 – Igor Zelowalnikow Die Startliste umfasste die Namen von 18 Sprintern aus Bulgarien, der ČSSR, Dänemark, Italien, Polen, Rumänien, der UdSSR und der DDR. Gefahren wurde diesmal auf den Bahnen von Berlin, Leipzig und Gera. Sieger in Berlin wurde Igor Zelowalnikow, der erst in letzter Minute als Ersatzmann für den dreifachen Sieger des Großen Preises Omar Pchakadse ins Aufgebot der Sowjetunion kam. In Leipzig und Gera gewann Imant Bodnieks, so dass alle Wettbewerbe an sowjetische Fahrer gingen. Gesamtsieger wurde der Moskauer Zelowalnikow, den 2. Platz belegte Bodnieks, den 3. Platz konnte wie im Vorjahr Jürgen Geschke sichern.
1969 – Jürgen Geschke 12 Fahrer aus Belgien, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, erstmals aus der Schweiz und Kuba, UdSSR, sowie der DDR gingen in den Wettbewerb, der auf den Bahnen von Leipzig und Berlin ausgetragen wurde. Erstmals also nur zwei Rennserien. In Berlin siegte Jürgen Geschke in drei Endläufen gegen Serhij Krawzow. In Berlin gab es dieses Ergebnis nochmals, Geschke gewann nun in zwei Läufen. Damit ging der Gesamtsieg erstmals an Jürgen Geschke (der seit der 2. Austragung 1962 immer am Start war), 2. Platz an Krawzow, der 3. Platz an den Polen Kupczak.
1970 – Daniel Morelon Dieses Mal wurde der Große Preis in Dresden und Karl-Marx-Stadt ausgefahren. Es wurde ein Wettkampf zwischen Fahrern aus Belgien, der ČSSR, Frankreich, den Niederlanden, Polen, Rumänien, der UdSSR und der DDR. 13.000 Zuschauer am 2. Tag sahen einen überlegenen Sieger Daniel Morelon gegen Werner Otto. Den zweiten Endlauf in Dresden gewann Ivan Kučírek gegen Morelon, der dennoch sicherer Gesamtsieger wurde. Der 2. Platz ging an Kučírek, 3. wurde sein Landsmann Popelka.
1971 – Ezio Cardi Der Große Preis wurde ab 1971 in einem Turnier ausgetragen (einen Tag später wurde noch eine Revanche ausgetragen). Er wurde auf der frisch rekonstruierten Alfred-Rosch-Kampfbahn in Leipzig vor ausverkauften Rängen gefahren. 10 Länder waren am Start: Australien, Belgien, Großbritannien, die Niederlande, Polen, die UdSSR, Frankreich, Italien, Kuba und die DDR. Alle seine Läufe gewinnend wurde Ezio Cardi Sieger vor seinem Finalgegner Jürgen Geschke. Der 3. Platz ging an Waleri Trifonow aus der Sowjetunion.
1972 – Jürgen Geschke Am Start in diesem Jahr waren Sprinter aus Belgien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Kuba, den Niederlanden, Polen, der UdSSR und der DDR. Geschke gewann beide Finalläufe sicher gegen Serhij Krawzow. Den 3. Platz belegte wie im Vorjahr dessen Landsmann Waleri Trifonow.
1973 – Sergei Krawzow 36 Sprinter aus neun Länder traten beim Großen Preis auf der Bahn in Karl-Marx-Stadt (die eigentlich als eine typische Bahn für Steherrennen galt) an. Vertreten waren Australien, Belgien, Bulgarien, die ČSSR, Dänemark, Frankreich, Polen, die UdSSR und die DDR. Serhij Krawzow gewann per Zielfotoentscheid gegen den amtierenden DDR-Meister aus Berlin Peter Eichstädt. Den 3. Platz belegte Anatolij Jablunowskyj, keine Rolle spielte diesmal Daniel Morelon.
1974 – Sergei Krawzow Die ČSSR, die Bundesrepublik, Kuba, die Niederlande, Polen, der UdSSR und die DDR waren am Start. In Leipzig gewann Krawzow klar beide Endläufe vor Ivan Kučírek, als 3. platzierte sich Jürgen Geschke.
1975 – Emanuel Raasch Zum Standardtermin Anfang Juli waren 25 Fahrer aus der ČSSR, die Bundesrepublik Deutschland, Kuba, Polen, der UdSSR und die DDR gemeldet. Erstmals zählte der Große Preis zur Rennserie „Großer Preis der sozialistischen Länder“, der ebenfalls in diesem Jahr seine Premiere hatte. Der Austragungsmodus war ebenfalls verändert: nach dem Viertelfinale traten die besten vier Fahrer im Kampf „Jeder gegen Jeden“ an. Diesen Kampf entschied mit Emanuel Raasch aus Berlin der jüngste Fahrer gegen Jürgen Geschke für sich. Den 3. Platz sicherte sich Siegfried Schreiber aus Berlin.
1976 – Emanuel Raasch Diesmal schon Anfang Juni trafen sich Sprinter aus der Bundesrepublik Deutschland, Bulgarien, der ČSSR, Italien, erstmals auch aus Barbados und Jamaika, den Niederlanden, Polen, der UdSSR, Ungarn und der DDR zur 16. Austragung des Großen Preises in Leipzig. Im Finale benötigte Emanuel Raasch drei Läufe, um Anton Tkáč zu bezwingen, alle drei Läufe endeten denkbar knapp. Den 3. Platz gewann Peter Eichstädt gegen den indisponierten Jürgen Geschke. Raasch gewann damit auch (punktgleich mit Geschke) den Großen Preis der sozialistischen Länder.
1977 – Jürgen Geschke Mit Fahrern aus Bulgarien, der ČSSR, Italien, den Niederlanden, Polen, der UdSSR, Ungarn und der DDR wurde wiederum in Leipzig gefahren. Jürgen Geschke bezwang im Finale Emanuel Raasch, der 3. Platz ging an das neue Sprinttalent Vratislav Šustr aus der ČSSR.
1978 – Lutz Heßlich Am Start in Leipzig diesmal nur fünf Länder, die ČSSR, Frankreich, Polen, Ungarn und die DDR. Schon im Achtelfinale waren die DDR-Sprinter bis auf Alex Pontet aus Frankreich unter sich. Das Finale gewann der 19-jährige Cottbuser Lutz Heßlich gegen Raasch. Der 3. Platz ging kampflos an Gunter Berger aus Berlin, da sein Gegner Christian Drescher durch eine Sturzverletzung nicht mehr antreten konnte.
1979 – Lutz Heßlich 29 Sprinter aus neun Ländern (Bulgarien, ČSSR, Frankreich, Großbritannien, Polen, Rumänien, UdSSR, Ungarn und die DDR) waren gemeldet. Vorjahressieger Heßlich benötigte drei Läufe, um gegen Raasch zu gewinnen. Den 3. Platz gewann Ralf Kuschy sicher im Berliner Duell gegen Drescher.
1980 – Lutz Heßlich Am Start in Leipzig waren 33 Bahnsprinter aus Bulgarien, der ČSSR, Frankreich, Kuba, Polen, Rumänien, der UdSSR, Ungarn, erstmals aus den USA und der DDR. Der Favorit Heßlich musste zunächst in den Hoffnungslauf, da er in seinem Vorlauf distanziert wurde. Im Finale standen sich erstmals Lutz Heßlich und Michael Hübner gegenüber; Heßlich siegte in zwei Läufen. Den 3. Platz belegte Raasch, der Kuschy schlug. Unter den besten acht Fahrern konnte sich als einziger Ausländer Sergei Schurawljow aus der Sowjetunion auf Platz 8 platzieren.
1981 – Lutz Heßlich In diesem Jahr waren Fahrer aus Bulgarien, der ČSSR, der Bundesrepublik Deutschland, Kuba, Österreich, Polen, Ungarn und der DDR am Start. Favorit Lutz Heßlich setzte sich gegen Emanuel Raasch durch. Er benötigte aber drei Läufe, Raasch gewann den zweiten Lauf mit neuem Rekord für die letzten 200 Meter auf der Leipziger Bahn. Der 3. Platz ging an Michael Hübner in einem Lauf, da sein Konkurrent Detlef Uibel gestürzt war.
1982 – Lutz Heßlich Zehn Länder und 35 Fahrer hatten ihre Meldungen zum Großen Preis abgegeben: die Bundesrepublik Deutschland, Bulgarien, die ČSSR, Frankreich, Kuba, Polen, Rumänien, UdSSR, USA und die DDR. Lutz Heßlich gewann die Endläufe gegen Michael Hübner beide klar, den 3. Platz holte sich Detlef Uibel gegen Olaf Arndt, ebenfalls mit sicherem Zieleinlauf. Bester ausländischer Fahrer wurde als Achter Mark Gorski.
1983 – Lutz Heßlich In Leipzig stellten sich 35 Fahrer aus Bulgarien, der ČSSR, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Polen, den USA, der UdSSR, Ungarn und der DDR dem Starter. Bis auf Mark Gorski aus den USA standen nur DDR-Fahrer im Viertelfinale. Die beiden Finalläufe gewann Lutz Heßlich gegen Michael Hübner sicher. Der 3. Platz ging an Detlef Uibel.
1984 – Lutz Heßlich