Der Säntis ist mit der höchste Berg im Alpstein (Ostschweiz). Durch die exponierte, nördlich vorgelagerte Lage des Alpsteins ist der Berg eine von weither sichtbare Landmarke. So gibt es beispielsweise im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb (Gast-)Häuser mit dem Namen Säntisblick. Der Säntisgipfel ermöglicht einen Blick in sechs Länder: Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Italien und Frankreich.Albert Heim: Säntis-Panorama.
Geographie Der Säntis steht in den nordwestlichen Alpen (Appenzeller Alpen) im Alpstein, knapp zehn Kilometer (Luftlinie) südsüdwestlich von Appenzell. Auf dem Säntis treffen drei Kantone zusammen, Appenzell Ausserrhoden (Gemeinde Hundwil), Appenzell Innerrhoden (Bezirk Schwende-Rüte) und St. Gallen (Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann im Toggenburg). Obwohl sein Gipfel nur über dem Meer liegt, steht er durch die tiefe Abtrennung der Appenzeller Alpen nach seiner Schartenhöhe von an dreizehnter Stelle in den Alpen und auf Rang 29 in Europa.
Klima mini|links|Klimadiagramm Säntis. MeteoSchweiz, Normalperiode 1961–1990 Die exponierte Lage des Säntis sorgt für extreme Wetterbedingungen. Die mittlere Temperatur beträgt −1,9 °C; mit einem Jahresmittel von 2837 mm Niederschlägen ist der Säntis der niederschlagreichste Ort der Schweiz. Die tiefste jemals gemessene Temperatur war −32 °C im Januar 1905, die höchste 21,0 °C am 26. Juni 2019. Die höchste Tagessumme der Niederschläge betrug 180 mm im Juni 1910. Die höchste Niederschlagsmenge in einer Stunde wurde mit 81,9 mm im Juli 1991 gemessen. Während des Orkans Lothar am 26. Dezember 1999 wurde eine Rekord-Windgeschwindigkeit von 230 km/h gemessen. Am 21. und 23. April 1999 wurde unterhalb des Gipfels im nördlichen Schneefeld des Bergs mit 816 cm die höchste je in der Schweiz erfasste Schneehöhe gemessen. Mit Schnee muss in allen Monaten gerechnet werden: So lag etwa im August 1995 ein Meter Schnee. Jährlich wird der Säntis von etwa 400 Blitzen getroffen. Vom Sommer 2010 bis etwa Juni 2011 wurden ungefähr 50 Blitzeinschläge in den Sendeturm registriert.
Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur −0,7 °C, wobei im Februar mit −7,5 °C die kältesten und im August mit 6,8 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 238 Frosttage und 149 Eistage zu erwarten. Pro Jahr gibt es auf dem Säntis 1003 cm Neuschnee, wobei es im Dezember am meisten (165 cm) und im August am wenigsten (12 cm) schneit. An 114 Tagen pro Jahr gibt es mindestens 1 cm Neuschnee, wobei die Monate März und Dezember die Monate mit den meisten Neuschneetagen sind (15,0 resp. 15,7 Tage). Es gibt keine Monate im Jahr mit durchschnittlich 0 Neuschneetagen. Am wenigsten Neuschneetage gibt es im August (1,7 Tage). An 285,7 Tagen im Jahr liegt auf dem Säntis durchschnittlich mehr als 1 cm Schnee. Sogar im August liegt durchschnittlich an 3,3 Tagen Schnee (Schneedecke > 0 cm). Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von
Geologie
Das Säntisgebirge (der Alpstein) gehört zu den helvetischen Decken. Begrenzt wird das Säntismassiv im Osten durch den Grabenbruch des St. Galler Rheintals, im Norden durch die Molassebildungen des Appenzellerlandes, auf welche die Säntisdecke aufgeschoben wurde, im Süden durch die Flyschbildungen der Wildhauser Mulde, während es sich gegen Westen in den Mattstock bei Weesen fortsetzt. Die Gesteine des Säntis wurden im Mesozoikum in einem Flachmeer (Tethys) abgelagert und während der jüngeren Phase der Alpenfaltung im Tertiär nach Norden verfrachtet, wo sie auf die Molasse auffuhren und diese steil stellten (subalpine Molasse). Die Schichtreihe umfasst im Säntisgebiet nur Gesteine aus der unteren und mittleren Kreidezeit. Vom Älteren zum Jüngeren treten folgende Schichten auf: Öhrlischichten, Valanginienmergel, Betliskalk, Pygurus-Schichten, Kieselkalk, Altmann-Schichten, Drusbergschichten, Schrattenkalk, Gault und die Seewerschichten.Trümpy Rudolf, Geology of Switzerland, Basel 1980.
Tektonisch lässt sich das Gebiet in drei Zonen einteilen: Säntis-Zone: Sie reicht bis zur Linie Lisengrat-Widderalp und zeigt einen starren Faltenbau. Längsbrüche im Faltenscheitel, entlang denen der südliche Faltenschenkel vorgeschoben wurde, sind häufig. In dieser Zone herrschen spröde Kalksteine vor. Rotsteinpasszone: Sie erstreckt sich als Zwischenzone vom Nordfuss des Wildhauser Schafberges bis zur Marwees. Hier zeigt sich die Wirkung der Schubkräfte am stärksten; mehrere Schuppen legten sich übereinander. Altmann-Schafberg-Zone: Nördlich wird diese Zone durch Wildhauser Schafberg, Altmann, Hundstein und Alp Sigel begrenzt. Der hohe Anteil an Mergel führte hier zu einem plastischen, weit ausladenden Faltenstil, der im Osten sogar in liegende Deckfalten übergeht.
Die Faltenscharen werden von zahlreichen Querbrüchen zerhackt. Der mächtigste und eindrücklichste ist der Sax-Schwendi-Bruch, der das Massiv entlang einer Linie Saxerlücke – Bollenwees – Stifel – Bogartenlücke – Hüttentobel in einen westlichen und einen östlichen Teil trennt.Geologischer Wanderführer Schweiz. Teil 2: Exkursionen. Hans Heierli, Ott Verlag, 2. Auflage, Thun 1983. ISBN 3-7225-6281-3
Die Formung der heutigen Oberfläche durch Verwitterung und Erosion fand verzögert statt, da das Gebirge noch während langer Zeit durch eine Hülle von Flyschgesteinen geschützt war. Die Wechsellagerung harter (kompetenter) Kalke und weicher (inkompetenter) Mergel zeigt sich in der Stufung der Hänge. Zudem spielt die Karstverwitterung eine wichtige Rolle.
Während der letzten Eiszeit (Würm) war das Gebiet stark vergletschert. Der Eisstrom des Rheingletschers reichte bis auf ca. 1400 m. ü. M. Zudem existierten zahlreiche Lokalgletscher.Hantke René, Eiszeitalter, Thun 1978. Es existieren noch die beiden Gletscher Blauschnee (nordöstlich des Gipfels) und Gross Schnee (südöstlich des Gipfels).Blau Schnee am Säntis. In: SwissEduc.
Geschichte Der Name Säntis ist seit dem 9. Jahrhundert schriftlich bezeugt, und zwar als Sambutinus ~ Sambatina ~ Sambiti.S. Sonderegger: Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell, Bd. I: 58, Frauenfeld 1958 Abgeleitet ist er vom früh-rätoromanischen Eigennamen Sambatinus (der am Samstag Geborene), womit zunächst wohl eine am Berghang gelegene Alp bezeichnet wurde. Später wurde der Name auf den Gipfel übertragen und zu Semptis oder Sämptis eingedeutscht.
Der Säntis war in der Helvetischen Republik (1798 bis 1803) Namensgeber des Kantons Säntis.
Der Säntis gehört zu den schon früh bestiegenen Felsbergen, unter anderem zur Jagd.W. A. B. Coolidge: The Alps in Nature and History. London (1908) Der Benediktiner-Pater Desiderius Wetter (1702–1751) berichtet in seiner Chronik, dass am 14. Dezember 1680 zwei Geistliche und ein Naturforscher aus Zürich mit einem Führer aus Innerrhoden auf den Säntis stiegen, um einen Kometen mit Schweif möglichst auf grosser Höhe besichtigen zu können.
Touristische Erschliessung mini|Berggasthaus Alter Säntis im Winter mini|hochkant|Tunnel zwischen Bergwegen und Gipfelbauten 1802 errichteten Bergfreunde auf dem Gipfel einen 'Steinmann' (abgebildet auf einem Kupferstich von Johann Baptist Isenring und einer Zeichnung des deutschen Romantikers Albert Weiler). 1842 wurde die erste Schutzhütte – eine Bretterbude mit Ausschank – nahe dem Säntisgipfel auf der windgeschützten Ostseite errichtet. Diese wurde bereits 1846 durch ein solides Gasthaus ersetzt. Um 1850 verpflegten sich dort bei schönem Wetter bereits bis zu hundert Gäste, darunter Richard Wagner.Walter Schmidkunz: Alpine Geschichte in Einzeldaten. (in: Alpines Handbuch, herausgegeben vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein, 2 Bände, Leipzig 1931, Band 1, S. 307–495) S. 361 Ab 1882 bis zur Fertigstellung der Wetterwarte 1887 diente das Gasthaus dem Wetterwart als Unterkunft. Um 1900 erreichten bereits bis zu tausend Gäste pro Tag den Gipfel.Gottlieb Lüthi und Carl Egloff: Das Säntis-Gebiet. Illustrierter Touristenführer. Fehr’sche Buchhandlung St. Gallen (1904) S. 102–103.
Der Berg ist gut erschlossen: Sein Gipfel ist seit 1935 per Luftseilbahn von der Schwägalp, durch Wanderwege von dort, von Wasserauen, Wildhaus, Unterwasser oder über andere Routen erreichbar.
Triangulation Der Säntis ist Triangulationspunkt erster Ordnung in den Fixpunktnetzen CH1840, CH1870 und CH1903.Historische BezugssystemeSchweizerische Bezugssysteme Bei den ersten Messungen wurden der Ingenieur Antoine-Joseph Buchwalder und sein Gehilfe am 4. Juli 1832 vom Blitz getroffen. Der Gehilfe starb noch am Unfallort. Buchwalder erreichte mit Mühe und unter grossen Schmerzen Alt St. Johann und konnte seine Arbeit erst im folgenden Jahr wieder aufnehmen.Johannes Eschmann: Ergebnisse der trigonometrischen Vermessungen in der Schweiz. Orell, Füssli und Companie, Zürich 1840, S. XI–XII.Dufour Map – Spitzenkartografie in der vierten Dimension. Eine Zeitreise mit General Guillaume-Henri Dufour. S. 3, doi:10.5169/seals-236067.
1873 wurde der Steinmann von der SAC Sektion St. Gallen durch ein trigonometrisches Signal ersetzt, das neun Jahre später einem Windmesserhäuschen weichen musste.
Wetterstation Der internationale Meteorologen-Kongress von Rom 1879 erklärte es als notwendig, auf geeigneten, möglichst frei zugänglichen Bergspitzen Wetterstationen zu errichten. Diesem Wunsch wurde von Schweizer Seite durch die Errichtung der Säntis-Station entsprochen. Die vorgelagerte Position nördlich des Alpenhauptkamms erwies sich als besonders günstig. Eine besondere Herausforderung war das Erstellen der hierzu notwendigen Telegrafenleitung. Die Wetterstation wurde am 1. September 1882 in Betrieb genommen. Die Apparate hatte man im Gasthaus eingerichtet, wo sich die Unterkunft des Wetterwarts befand. Am 3. Oktober 1887 wurde die in massiver Bauweise erstellte Wetterwarte nahe dem Gipfel eingeweiht. Auf den Gipfel führte ein unterirdisch angelegter, in den Felsen gesprengter Gang. Dies ermöglichte eine ungefährliche Beobachtungstätigkeit.
Säntisprozess Anlass zum erneuten Streit um die Grenzziehung am Säntis gab 1876 eine bundesrätliche Verordnung über die Bannbezirke für die Hochwildjagd. Die Ausserrhoder Regierung bestand 1882 beim Bau der meteorologischen Station auf ihren territorialen Ansprüchen. Auch die zwei vom Eidgenössischen topographischen Bureau 1885 erstellten Entwürfe fanden keine Zustimmung. Bei einer Begehung konnten dann aber die St. Galler Vertreter mit ihrer orographischen Argumentation überzeugen. Darauf ergriffen Alt-Statthalter Johann Martin Meyer aus Herisau und Nationalrat Johann Konrad Sonderegger aus Heiden die Initiative; und eine kantonsrätliche Kommission zur Weiterbehandlung der Angelegenheit wurde eingesetzt, die die Angelegenheit vor das Bundesgericht brachte. Dem Kanton Ausserrhoden gelang es anhand alter Karten,Landeskarte mit Grenze zwischen den Halbkantonen des Pfarrers, Chronisten und Geographen Gabriel Walser in der Appenzeller Chronik von 1740 das Gericht von der Bedeutung des Säntis als Dreiländerstein zu überzeugen. Am 11. Dezember 1895 entschied das Bundesgericht für den Ausserrhoder Anteil am Berg.. In: St. Galler Tagblatt. 21. Juli 2008.. In: St. Galler Tagblatt. 16. Juli 2009.Thomas Ammann: Dreifaltigkeit am Säntis. In: Wiler Zeitung. 17. August 2010.
Säntismord