Joseph Beck, auch Josef Beck (* 28. Oktober 1858 in Sursee, Schweiz; † 20. September 1943 in Sursee) war ein Schweizer katholischer Moraltheologe, Sozialreformer und Hochschullehrer.

Leben Joseph Beck wurde 1858 in die führende Surseer Ratsfamilie Beck hineingeboren. Sein Vater war der Surseer Herrenbauer und Politiker Franz Xaver Beck seine Mutter Marie geb. Leu die Tochter des ermordeten populären Luzerner Politikers Josef Leu. Die Generaloberinnen Maria Paula Beck (Menzingen) und Theresia Beck (Ingenbohl) waren seine Schwestern. Der Politiker Carl Beck war ein Neffe und die bekannte Vorkämpferin für Frauenrechte Hilde Vérène Borsinger war eine Nichte von Beck.

Nach Studien in Innsbruck und Löwen wurde er 1884 zum Priester geweiht und promovierte 1885 zum Doktor der Theologie. Beck war aktives Mitglied des Schweizerischen Studentenvereins und unter anderem Mitglied der Helvetia Oenipontana, AV Helvetia Lovaniensis und Ehrenphilister der AKV Alemannia. Im Zuge seiner Zeit als Vikar in Basel an der St.-Clara-Pfarrei begann sein Interesse für Sozial- und Arbeiterfragen. 1888–1891 lehrte Beck als Professor für Moral- und Pastoraltheologie an der theologischen Lehranstalt von Luzern aus der später die Universität Luzern hervorging. 1891 folgte er dem Ruf an die 1889 gegründete neue katholische Universität Fribourg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1934 als Professor für Pastoraltheologie und Liturgik tätig war. Seine Rede beim Antritt des Rektorates der Universität Freiburg, die er am 15. November 1906 gehalten hatte, erschien in Druck.Volkswirtschaft und Sittengesetz. Rede beim Antritt des Rektorates der Universität Freiburg, Schweiz, gehalten am 15. November 1906, Freiburg (Schweiz), 1908. Im Jahr 1906 war Beck massgeblich an der Gründung des Priester Convicts Salesianum in Fribourg involviert. Daneben nutzte er seine Position als Professor um seine sozialreformerischen Ansichten zu vertreten. Mit seinen Freunden aus dem Schweizerischen Studentenverein Ernst Feigenwinter und Caspar Decurtins bildete er das sogenannte "soziale Triumvirat". Beck war es dabei nicht zuletzt wichtig, dass die katholischen Arbeiter nicht an einen atheistisch geprägten Sozialismus verloren gehen. Dies alles im Kontext und in Übereinstimmung mit dem Geist und der Lehre des sogenannten "Arbeiterpapstes" Leo XIII. und seiner wichtigsten Enzyklika Rerum novarum.

Beck war einer der Mitbegründer des schweizerischen Arbeiterverbandes, Redakteur einer Monatsschrift für christliche Sozialreform und Förderer der Frauenbildung. So gründete er gemeinsam mit seiner Schwester, Maria Paula Beck, Generaloberin des Klosters Menzingen, die Akademie Hl. Kreuz in Fribourg mit dem Ziel Frauen den Zugang zu universitärer Bildung zu vermitteln. Damit war unter der Aufsicht der beiden Geschwister Beck und durch die Mittel der Schwestern von Menzingen das erste katholische Gymnasium mit klassischer Ausrichtung für Mädchen in der Schweiz gegründet. Ab dem Jahre 1909 war er ausserdem Rektor des Mädchengymnasiums Ste Croix.

Beck war eine wirkungsmächtige Persönlichkeit. Gross von Statur, rhetorisch geschliffen und mit dem Selbstvertrauen seines Elternhauses versehen. Dies sorgte auch für seine Wirkung weit über das katholische Milieu hinaus. Mit zunehmendem Alter wurde Josef Beck konservativer und zunehmend anti-liberal und sprach sich z. B. vehement gegen den Beitritt der Schweiz zum Völkerbund aus. Die freisinnig liberale NZZ würdigt ihn – als politischen Gegner – nach seinem Tod in ihrer Morgenausgabe vom 20. September 1943:

"Der Schweizerische Katholizismus hat mit Joseph Beck, dessen Tod vor einigen Tagen gemeldet wurde, einen seiner streitbarsten Kämpfer verloren. Er gehörte als Sozialpolitiker während Jahrzehnten zu den führenden Persönlichkeiten der katholisch-sozialen Bewegung..." weiter "eine starke Persönlichkeit, die einen guten Kern in rauher Schale barg, ist in Joseph Beck vom Kampfplatz abgetreten."

Schriften (Auswahl) Volkswirtschaft und Sittengesetz. Rede beim Antritt des Rektorates der Universität Freiburg, Schweiz, gehalten am 15. November 1906, Freiburg (Schweiz), 1908. Ueber Sozialpädagogik, Donauwört: Auer, 1911. Postulate zur Revision des schweizerischen Fabrikgesetzes, Luzern, o. J. . Das Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung, Luzern, 1912. Die kirchliche Armenpflege, Luzern, 1915. Die Grundfragen betreffend die staatsbürgerliche Erziehung. Rede auf dem konservativen Parteitag in Luzern, den 29. Juni 1916, Olten, 1916. Der neue Schulkampf. Erwägungen zum Programm Wettstein-Calonder, Olten, 1918. "Völkerbund?" Warnung an die Katholiken der Schweiz, Olten, o. J. . Elternpflichten. Ein Zeitwort, Freiburg (Schweiz), 1927. Der heutige Sozialismus. Eine Orientierung, Winterthur, o. J. . Johann Heinrich Pestalozzi: Zum 100jährigen Jubiläum seines Todes, 17. Februar 1827–17. Februar 1927, Einsiedeln, o. J. . Darstellung und Kritik der liberalen und sozialistischen Erziehungslehre und Schulpraxis, Olten, o. J. [um 1930] (mit André Savoy): Die katholische Soziallehre und das Problem der Sozialversicherung, Freiburg (Schweiz), 1931. Methodisches Hilfsbuch für den Religionsunterricht. Neues Testament. Für die Hand des Lehrers, Stuttgart, o. J. .

Literatur Herrmann A. L. Degener: Degeners Wer ist’s?, Berlin 1935, Seite 78.

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Rektor (Universität Freiburg, Schweiz) Kategorie:Korporierter im Schweizerischen Studentenverein Kategorie:Sursee Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1858 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann