mini|Unsleben im Streutal von Süden mini|Unsleben – Hauptstraße

Unsleben ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Heustreu.

Geografie mini|Naturschutzgebiet „Trockenhänge bei Unsleben“. In der linken Bildhälfte vor dem Waldrand der jüdische Friedhof Lage Unsleben liegt in der Region Main-Rhön. Am südöstlichen Ortsrand mündet die Els in die Streu. Im Osten Unslebens befindet sich das Naturschutzgebiet Trockenhänge bei Unsleben.

Gemeindegliederung Das Pfarrdorf Unsleben ist der einzige Gemeindeteil der Gemeinde.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Unsleben. Sie hat eine Fläche von 8,918 km² und ist in 2582 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3453,87 m² haben.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung

Unsleben wird erstmals in einer erhaltenen Urkunde, die Henricus von Usleibe 1162 unterzeichnete, erwähnt.

Der Ortsname Unsleben leitet sich von einer Person namens „Usso“ ab, dessen Erben (althochdt.: leiba=Erbe) hier wohnten (Zum Ortsnamensuffix siehe auch: -leben).

Die alte Schreibweise war Usleybe, Usleibe, Osleibe, Usleuben und noch manche andere Abwandlung. Im Jahr 1593 taucht der Name Unßleben auf; 1802 hat sich die Schreibweise Unsleben endgültig eingebürgert.

Das ehemalige Hochstift Würzburg teilte sich die Herrschaft mit den Freiherren von Habermann, bis es 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert wurde. 1805 wurde das Gebiet mit Tirol getauscht und fiel endgültig 1814 mit den Rechten der von Habermann an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Ab der Gemeindegründung

Unsleben war bis nach den Befreiungskriegen, etwa bis 1820 ein geschlossenes Dorf, zwar ohne eigentliche „Stadtmauer“, aber mit vier Toren nach den vier Windrichtungen. Schon 1404 wird in einer Urkunde das obere Tor erwähnt. Ein oberes Tor macht nur Sinn, wenn auch die anderen Tore und somit das ganze Dorfbild, wie es sich 1830 zeigt, schon bestanden haben. Das bedeutet, dass es rund 160 Wohnbauten gab, in denen durchschnittlich fünf Personen lebten und somit eine Einwohnerschaft von rund 800 Personen seit mindestens 1400 in Unsleben wohnte. Dies ergeben auch die Steuerliste um 1440 und Listen anlässlich von Erbhuldigungen im 16. und 17. Jahrhundert.

Eine Erweiterung der Nord-Süd-Achse an beiden Enden erfolgte erst um 1830 durch den Bau der „Schenke“ jenseits des Au-Tores durch Johannes Dorst und am Südende jenseits des Els-Tores durch ein Haus mit Schmiede des Joseph Schmitt (heute Hauptstr.2). Jenseits der Elsbrücke entstand ein Wohnhaus um 1868 durch den Arzt Dr. Kilian Hahn. Die Erweiterung nach Westen erfolgte erst viel später mit dem Bau der Ziegelei um 1880 und des benachbarten Bauernhofes durch Jesssenberger. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es bereits einige weitere Häuser jenseits der „Schenke“ gegen Mittelstreu. Das Postamt wurde 1927/28 gebaut. Mit dem Turnhallenbau in den dreißiger Jahren wurden auch einige Wohnbauten in der Bahnhofstraße errichtet.

Jüdische Familien Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die im Ort ansässigen jüdischen Familien verfolgt, in die Emigration getrieben oder ermordet. Ihre Synagoge an der Ecke Schlossgasse/Kemenate wurde beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern geschändet. An dem Gebäude, das heute ein Haus der Bäuerin ist, erinnert eine Gedenktafel an seine frühere Funktion.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 196

Einwohnerentwicklung 1970: 1016 Einwohner 1987: 871 Einwohner 1991: 902 Einwohner 1995: 960 Einwohner 2000: 950 Einwohner 2005: 960 Einwohner 2010: 918 Einwohner 2015: 939 Einwohner

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 850 auf 924 um 74 Einwohner bzw. um 8,7 %. 2003 hatte die Gemeinde 981 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik Zur Gemeinderatswahl 2026 trat ausschließlich die Liste „Bürgerforum und Unslebener Bürger“ an, die bei einer Wahlbeteiligung von 67,3 % alle acht Sitze erhielt. Erste Bürgermeisterin ist Doris Goehtz (Bürgerforum). Diese wurde 2026 mit 92,9 % der Stimmen zur Nachfolgerin von Michael Gottwald gewählt.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

mini|Wasserschloss Unsleben Eine Sehenswürdigkeit ist das Wasserschloss Unsleben. Das Schloss ist bewohnt, einige Räume werden als Ferienwohnungen und für Hochzeitsfeiern vermietet.http://www.schlossgut-unsleben.de/das-schloss/geschichte/

Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Landwirtschaft Zum Stichtag 30. Juni 2010 waren gemäß der amtlichen Statistik 315 Personen in Unsleben sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon 139 im produzierenden Gewerbe, 111 im Handel, Verkehr oder Gastgewerbe sowie 37 bei öffentlichen und privaten Dienstleistern.https://www.statistik.bayern.de/statistikkommunal/09673175.pdf – Tabelle 9

Der größte Betrieb am Ort war die Nordbayerische Holzindustrie GmbH, ein Betrieb zur Herstellung von Furnieren mit einer Fläche von 35.000 Quadratmetern, die auch das Ortsbild prägte. Sie wurde 1862 von Valentin Hahn gegründet und hatte bis 2013 90 Mitarbeiter. Im Mai 2015 meldete die Nordbayerische Holzindustrie GmbH Insolvenz an. mini|Werk der Nordbayerischen Holzindustrie GmbH im Juli 2016

Im Jahre 2010 existierten zwölf landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 628 ha, davon waren 549 ha Ackerfläche. Korn wurde gemahlen in den zwei Mühlen am Ort, darunter die Schlossmühle.https://www.statistik.bayern.de/statistikkommunal/09673175.pdf – Tabellen 17 und 19

mini|Informationstafel Windpark Streu und Saale mini|WEA 15_UNS im Bau

Östlich von Unsleben ist der Windpark Streu & Saale der SILA Fünf GmbH & Co. KG in Bau. Er soll im Endausbau 10 Windenergieanlagen des Typs Senvion 3.4M122 mit einer Nabenhöhe von 139 Metern, 122 Meter Rotordurchmesser und 3,4 Megawatt Nennleistung besitzen. Die Jahresenergieproduktion dieses Windparks soll laut Informationstafel an der Baustelle ca. 56 Millionen kWh betragen, was einer Standortqualität von lediglich knapp 49 % entspricht. Tatsächlich genehmigt sind allerdings 10 Windenergieanlagen vom Typ Vestas V126-3.3 mit einer Nabenhöhe von 137 m, einem Rotordurchmesser von 126 m und einer Nennleistung von 3,3 MW (Bescheid vom 2. April 2015 Website des Landratsamtes Rhön-Grabfeld. Abgerufen am 17. Juni 2017.). Das aufgrund des am 28. November 2016 gestellten Antrags auf baurechtliche Genehmigung des Anlagenwechsels bereits eingeleitete Genehmigungsverfahren Website des Landratsamtes Rhön-Grabfeld. Abgerufen am 17. Juni 2017. wurde am 13. April 2017 von der zuständigen Genehmigungsbehörde eingestellt.

Bildung Es gibt folgende Einrichtungen: einen Kindergarten mit 50 Kindergartenplätzen und eine schulvorbereitende Einrichtung (SVE) in der Herbert-Meder-Schule Schulen: Förderschule Herbert-Meder-Schule (privat, staatlich anerkannt, Trägerin Lebenshilfe Rhön-Grabfeld e. V.)https://www.herbert-meder-schule.de/ mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung mit heilpädagogischer Tagesstätte und einer Partnerklasse in der Besengauschule Bastheim. Das Gebäude der Grundschule wird seit dem 14. März 2011 nicht mehr als solches genutzt, seit dem 13. September 2012 befindet sich dort der Schülerhort Streutal.http://mobil.mainpost.de/regional/art765,7010822 Die Schüler aus Unsleben gehen in die Grundschule Hollstadt oder in die Grundschule Wollbach im Schulverband Heustreu-Hollstadt-Unsleben-Wollbach.

Verkehr Unsleben liegt an der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen. Es verkehren Züge der Linie RE 7 (Mainfranken-Thüringen-Express) sowie RB 40 (Unterfranken-Shuttle). Nächstgelegene Bahnhöfe sind Mellrichstadt Bf und Bad Neustadt (Saale).

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Johannes Petrus Bonfig (1730–1797), Augustiner-Pater, Musiker und Komponist Lazarus Adler (1810–1886), Landesrabbiner von Hessen-Nassau und Schriftsteller Josef Hesselbach (1931–2025), Agrarwissenschaftler und Hochschullehrer Wolfgang J. Fuchs (1945–2020), Sachbuchautor, freier Journalist, Comicautor, Übersetzer, Filmexperte und Comic-Forscher

Bekannte Einwohner Gustav von Habermann (1818–1878), Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Brunislaus Warnke (1883–1958), Politiker des Zentrums und später der CDU Hugo von Habermann der Jüngere (1899–1981), Maler und Mitglied der Münchener Neuen Gruppe Thomas Pigor (* 1956), Kabarettist, Liedermacher, Buchautor und Komponist

Der lettische Mediziner Martin Sihle (1863–1945) verstarb in Unsleben.

Weblinks

Gemeinde Unsleben

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Rhön-Grabfeld Kategorie:Ersterwähnung 1162 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Gemarkung im Landkreis Rhön-Grabfeld