mini|300px|Schlossplatz in Völkershausen mini|Willmars von Norden mini|Pfarrhaus und Christuskirche in Willmars mini|Oberdorfstraße mit Christuskirche mini|Unterfilke von Westen mit Neuberg

Willmars ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Ostheim vor der Rhön.

Geografie Die Gemeinde liegt in der Region Main-Rhön im Dreiländereck Hessen-Bayern-Thüringen.

Gemeindegliederung Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Oberfilke (Dorf) Unterfilke (Kirchdorf) Völkershausen (Kirchdorf) Willmars (Pfarrdorf)

Die Einöden Birksmühle und Wachsmühle zählen zum Gemeindeteil Willmars.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Filke, Völkershausen und Willmars. Die Gemarkung Willmars hat eine Fläche von 5,077 km². Sie ist in 750 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6769,91 m² haben.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Willmars gehörte den Grafen von Botenlauben, einer Nebenlinie der Grafen von Henneberg. Graf Otto II. von Henneberg-Botenlauben trat den Ort 1230 an das Kloster Fulda ab. Durch Verpfändung kam er an die Grafen von Henneberg-Römhild und wurde 1453 von der Linie Henneberg-Schleusingen erworben und dem Amt Maßfeld angegliedert. Nach deren Aussterben 1583 war der Ort Teil des Herzogtums Sachsen. Er gehörte ab 1680 zum Herzogtum Sachsen-Meiningen. Dabei war die eine Hälfte des Orts herrschaftlich sächsisch, die andere gehörte Ganerben, die der Reichsritterschaft angehörten. Ober- und Unterfilke sowie Völkershausen gehörten bis 1803 zur Reichsritterschaft (Herren von Stein).

Willmars kam im Jahr 1808 mit Filke, Völkershausen, Neustädtles und Sands zum Großherzogtum Würzburg des Erzherzogs Ferdinand von Toskana. Dieser hatte durch einen Staatsvertrag 1808 die Rechte (Dorf- und Gemeindeherrschaft) des Herzogtums Sachsen-Meiningen an sich gebracht. 1814 fielen der Ort und seine heutigen Ortsteile an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde.

Zeit des Nationalsozialismus Bis zur Zeit des Nationalsozialismus existierte in Willmars eine jüdische Gemeinde, die in der Lappichstraße eine Synagoge besaß. Schon einige Wochen vor den reichsweiten Novemberpogromen 1938 entlud sich hier der Hass auf die Juden, und zwar am 8. Oktober. Beobachtet von etwa hundert Schaulustigen schlugen die nationalsozialistischen Täter auf jüdische Willmarser ein und zwangen sie mit demütigenden Rufen, den Toraschrein und die Einrichtungsgegenstände der Synagoge abzubauen und sie samt Ritualien auf der Straße aufzutürmen. Die Männer, die die Juden drangsalierten, fügten ihnen Verletzungen, sogar Rippenbrüche zu. Frauen aus der Menge feuerten die Schläger an: „Nur feste drauf, auf die Stinker, die Verrecker.“Gronauer, Gerhard: Vorgezogenes Pogrom in Unterfranken. Zum Abschluss der Synagogen-Gedenkbände berichtet der Mit-Autor Gerhard Gronauer, in: Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern vom 25. April 2021, S. 4. URL: https://www.evangelisches-sonntagsblatt.de/2021/04/20/vorgezogenes-pogrom-in-unterfranken/ (Aufruf 23. April 2021).

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1971 die Gemeinde Filke und am 1. April 1972 die Gemeinde Völkershausen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung 1961: 820 Einwohner 1970: 799 Einwohner 1987: 673 Einwohner 1991: 755 Einwohner 1995: 733 Einwohner 2000: 717 Einwohner 2005: 687 Einwohner 2010: 650 Einwohner 2015: 620 Einwohner 2021: 565 Einwohner Im Zeitraum 1988 bis 2018 fiel die Einwohnerzahl von 672 auf 580 um 92 Einwohner bzw. um 13,7 %. 1993 hatte die Gemeinde 767 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik Bürgermeister und Gemeinderat Erster Bürgermeister ist Reimund Voß (Freie Wählergemeinschaft, FWG). Er wurde im Jahr 2002 als Nachfolger von Wolf Pittorf (Bürgergemeinschaft) gewählt und 2008 mit 84,17 % der Stimmen, 2014 mit 90,99 % der Stimmen 2020 mit 57,50 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Der Gemeinderat besteht aus acht Mitgliedern. Alle gehören der FWG an.

Wappen

Bau- und Bodendenkmäler

mini|hochkant|Ruine Mauerschädel mini|Jüdischer Friedhof (neuer Teil) mini|Jüdischer Friedhof (alter Teil) Ruine Mauerschädel zwischen Willmars und Filke Der Jüdische Friedhof am Rand von Willmars auf der Gemarkung der Nachbargemeinde Neustädtles wurde im Jahre 1727 durch den hessischen Baron Carl Ludwig Schenck von Schweinsberg eingerichtet. Heute sind noch ca. 370 Grabsteine dort zu finden. Der Friedhof ist in einem sehr gepflegten Zustand. Er gliedert sich in eine ältere und eine neuere Hälfte.Zusammenfassende Darstellung durch den Altbürgermeister Gerhard Schätzlein „Der Judenfriedhof in Neustädles, früher der Judengemeinde Willmars“, Willmars 2008 (6 Seiten, Loseblattsammlung). Evangelische Kirche mit Turmuntergeschoss aus romanischer und Wandmalereien im Chor aus vorreformatorischer Zeit. Die bereits im Jahre 1590 renovierte Kanzel und der Taufstein von 1592 blieben erhalten. Der Kirchturm mit welscher Haube und Laterne stammt in der jetzigen Gestalt von 1719/20, die Turmuhr von 1793, die Orgel von 1759.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft 2021 gab es 70 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, 209 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort und 11 Arbeitslose. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keinen Betrieb, im Bauhauptgewerbe ebenfalls keinen Betrieb. 2020 bestanden sechs landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 614 ha.

Bildung 2017 gab es folgende Einrichtungen: 25 Kindergartenplätze mit 26 Kindern (2023: 28 Plätze mit 20 Kindern) Kinderheim Nicolhaus mit 48 Plätzen Förderschule Herbert-Meder-Schule Unsleben 2017–2020 Vier Schulklassen der Verbands-Grundschule Ostheim wurden in Containern neben dem Schulhaus unterrichtet und kooperierten mit der Herbert-Meder-Schule

Persönlichkeiten Johann von Allendorf (1400–1496), wohl auf Schloss Völkershausen geborenerChristine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 197–200 (Johann von Allendorf und „sein Dorf Oberleinach“.) Edelmann, Benediktiner, letzter Abt und erster Propst des Klosters St. Burkard (Würzburg), Kanzler der Fürstbischofs und Stifter des Spitals zu den 14 Nothelfern in Würzburg Dietrich von Stein zu Nordheim und Ostheim (1793–1867), Politiker, wurde in Völkershausen geboren. Gustav Adelbert Seyler (1846–1935), Politiker, Bibliothekar und Heraldiker, ist in Willmars geboren. Karl Zimmermann (1863–1936), Pädagoge und Heimatforscher, wurde in Willmars geboren. Adeline Elisabeth Rohn (1868–1945), Schriftstellerin, wurde in Willmars geboren. Karl Nicol (1886–1954), evangelischer Pfarrer und Rektor, ist in Willmars geboren. Nach ihm ist das Nicolhaus benannt.

Literatur Michael Müller: Wilmars, in: Bezirk Mellrichstadt, Würzburg 1879, Seite 156 f. Ernst Luther: Adeline Elisabeth Rohn von Willmars. In: Unterfränkisches Heimatblatt, Schweinfurt, 3 (1951), 8, S. 1. Gerhard Schätzlein: Filke – ein Ortsteil von Willmars. Willmars 1978 Barbara Rösch, Gerhard Schätzlein: Grenzerfahrungen 1945–1990 – Fotos, Texte, Aussagen. Wilmars 1993 Peter Breitling: Dörfer an der Grenze – wirtschaftliche, soziale und städtebauliche Grundlagen der Rehabilitation ländlicher Gemeinden in grenznahen Abwanderungsgebieten bis Mitte 1989, dargestellt am Beispiel der Gemeinde Willmars. München 1990 Erika Rust: ... mit Tränen in den Augen die Freiheitsstatue... – Lebenserinnerungen des Max Strauss aus Willmars. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld, Mellrichstadt, 25 (2003), S. 316–344 Dekanat Bad Neustadt an der Saale: Ursprung und Leben evangelischer Gemeinden in Rhön u. Grabfeld. Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen 1984, S. 172–180 Gerhard Schätzlein, u. a.: Der Sulzgau, Band 2 Mellrichstadt 2018, S. 407 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

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