mini|Krzysztof Walczak auf der AfD-Wahlparty am 23. Februar 2020. Krzysztof Rafałhttps://www.abgeordnetenwatch.de/profile/krzysztof-rafal-walczak, abgerufen am 30. September 2026. Walczak (* 9. September 1994 in Toruń, Polen) ist ein polnisch-deutscher Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) und seit 2020 Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft sowie parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion. Walczak war langjähriger stellvertretender Vorsitzender der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Jugendorganisation Junge Alternative für Deutschland (JA) sowie Vorsitzender der Jungen Alternative Hamburg.

Herkunft und Ausbildung Krzysztof Walczak kam im Laufe seines ersten Lebensjahres nach Deutschland und lebt seither hier. Er ist der Sohn eines Lastwagenfahrers. Nach dem Abitur im Jahre 2013 am Gymnasium Corvinianum im niedersächsischen Northeim zog er nach Lübeck, dann nach Hamburg. Walczak studiert Rechtswissenschaft an der Bucerius Law School in Hamburg und an der Bar-Ilan-Universität im Bezirk Tel Aviv, Israel. 2019 wurde ihm der akademische Grad Bachelor of Laws (LL.B.) verliehen.

Politik Walczak gehörte diversen Führungsgremien der rechtspopulistischen und rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland und deren Jugendorganisation Junge Alternative für Deutschland an. Seit 2016 ist Walczak Mitglied des Landesvorstandes der AfD Hamburg, zunächst als Schriftführer, seit 2020 als stellvertretender Landesvorsitzender. Der rechtsextremistischen Jugendorganisation Junge Alternative (JA) gehörte er mehrere Jahre als stellvertretender Bundesvorsitzender an. Als Vorsitzender der Jungen Alternative Hamburg trat Walczak im Februar 2019 aus der Jugendorganisation aus. Zur Bundestagswahl 2017 trat Walczak erfolglos auf Platz 5 der Hamburger AfD-Liste an. Im Jahr 2019 bewarb sich Walczak für einen AfD-Listenplatz für das EU-Parlament, wurde aber erneut nicht gewählt. Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2020 wurde Walczak über die Liste der AfD Hamburg in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt. Er bekleidet in der Fraktion das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers und sitzt in den Fachausschüssen für Wirtschaft und Innovation, für die Zusammenarbeit der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein und für Europapolitik. Neben seinen Funktionen als parlamentarischer Geschäftsführer ist Walczak gleichzeitig als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag beim Abgeordneten Markus Frohnmaier sowie als Assistent für Rechtsfragen beim Abgeordneten Sven Tritschler im Landtag von Nordrhein-Westfalen beschäftigt.

Positionen und Kontroversen

Verdrängung gemäßigter Mitglieder aus der Jungen Alternative Als stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Alternative war Walczak in der ersten Hälfte des Jahres 2015 stark in die innerparteilichen Macht- und Richtungskämpfe der damals noch jungen Mutterpartei und ihrer Jugendorganisation involviert. Hierbei positionierte sich Walczak gegen die Anhänger des damaligen Bundessprechers der AfD Bernd Lucke und seine gemäßigten „Weckruf“-Anhänger, die bis dahin die Jugendorganisation prägten. Das „Hamburger Bündnis gegen rechts“ berichtet, Walczak habe in einer geheimen Facebookgruppe maßgeblich die Absetzung des damaligen gemäßigten Bundesvorsitzenden der JA, Philipp Meyer, vorangetrieben. Im Mai 2015 enthob der Bundeskonvent den gemäßigten JA-Bundesvorsitzenden Philipp Meyer des Amtes, wie dessen Stellvertreter Walczak im Auftrag des Konvents den Mitgliedern in einem Newsletter mitteilte. Als Grund nannte Walczak Meyers öffentliche Äußerungen, in denen er „erkennbar gegen den Willen des übrigen Bundesvorstands“ gehandelt habe. Gemeint waren unter anderem mehrere Interviews, in denen Meyer das Amtsenthebungsverfahren gegen den thüringischen AfD-Landesvorsitzenden und Rechtsextremisten Björn Höcke gutgeheißen hatte. Höcke stand bereits 2015 wegen relativierender Äußerungen zur NPD kurz vor der Bürgerschaftswahl in Bremen in der Kritik.

Kritik an multikultureller Gesellschaft Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, vertrat Walczak bereits im Jahr 2016 migrationskritische Positionen. Den Abendblatt-Repoertern sagte Walczak: „Ich habe ein sehr großes Problem mit einer multi-kulturellen Gesellschaft. Aber ich habe kein Problem mit einer multi-ethnischen Gesellschaft. Wie die definiert wird, ist offen – über Kirchgang und Essen von Schweinefleisch dürfte es kaum funktionieren. Vielleicht über das Singen der Nationalhymne.“ Das Abendblatt zitierte in diesem Zusammenhang den Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp, der Walczaks Ideen mit der Identitären Bewegung in Verbindung brachte, der es als Reaktion auf das Buch von Thilo Sarrazin „nicht mehr in erster Linie um eine ethnische, wohl aber um eine kulturelle Homogenität“ gehe.

Inhaltlich trat Walczak in seiner JA-Zeit unter anderem für ein Abtreibungsrecht nach polnischen Maßstäben, also ein faktisches Abtreibungsverbot, sowie für den Kampf für „Hochkultur“ und „Nationalstolz“ gegen „Multi-Kulti-Mischmasch“ ein. Sexuelle Vielfalt bezeichnete Walczak als einen „Kampfbegriff der Linken“.

Äußerungen über Geflüchtete Walczaks erklärte am 16. September 2020 in der Hamburgischen Bürgerschaft während einer von seiner Fraktion angemeldeten Debatte zum Thema „Moria – Altparteien setzen falsches Signal für Migranten und Schleuser!“ kurzerhand die „Streichholzschachtel zum neuen Einreisevisum“. Zuvor war bekannt geworden, dass einzelne Migranten das Flüchtlingscamp in Brand gesetzt hatten, um die Weltöffentlichkeit auf ihre humanitäre Notlage hinzuweisen. Walczaks Äußerungen lösten einen Sturm der Entrüstung aus.

LSBTI*- und gleichstellungskritische Positionen Im Bürgerschaftswahlkampf 2020 positionierte sich Walczak als entschiedener Gegner des Equal Pay Day, den er als „krampfhaften Versuch“ ablehnte, „eine künstliche Ergebnisgleichheit herzustellen“. Die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern basiere laut Walczak auf einem „Mythos“, da „sämtliche Unterschiede bei der Bezahlung von Männern und Frauen“ mit den „freiwilligen sozioökonomischen Entscheidungen von Männern und Frauen“ statistisch erklärt werden könnten. „Staatlich verordnete Gesinnungstage“ lehnte Walczak grundsätzlich ab.

Wenige Monate nach seinem Einzug in die Hamburgische Bürgerschaft kritisierte Walczak einen interfraktionellen Antrag von SPD, Grünen und Linken für eine Aufnahme des Schutzes der sexuellen Identität vor Diskriminierung ins Grundgesetz. Walczak erklärte, mit dem Begriff „sexuelle Identität“ würde auch eine grundgesetzliche Anerkennung von Zoophilie oder Pädophilie drohen. Anschließend unterstellte er den Grünen unter Hinweis auf die rund 40 Jahre zurückliegende Haltung einzelner Grünen-Politiker zur Pädophilie, dass der Verdacht bestehe, dass sie mit dem Antrag „weiterhin auf eine Dekriminalisierung der Pädophilie hinarbeiten“. Die Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) warf Walczak im Anschluss „Diskriminierung im großen Stil“ vor. Sie finde es unerträglich, „wie Sie Menschen ihr Geschlecht, ihre Identität absprechen“. Auf Antrag der Grünen trat zudem der Ältestenrat zusammen, um Walczaks Verhalten zu erörtern.

Die deutsche Queer-Gemeinde kritisierte Walczak im April 2021, weil dieser auf dem AfD-Bundesparteitag in Dresden für ein Verbot von geschlechtsanpassenden Maßnahmen bei trans Kindern und Jugendlichen warb.

Diffamierung von Repräsentanten der parlamentarischen Demokratie Walczaks Politikstil ist geprägt durch radikale Positionen und rhetorische Provokationen. Während der Covid-19-Pandemie warf Walczak der Bundesregierung und Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederholt totalitäre Tendenzen vor. So behauptete er, die Corona-Gefahren würden von einer „konzentrierten Macht von Regierungen, Parteien und Medien“ nur dazu genutzt, um die Politik mit Maßnahmen wie dem Lockdown in eine „üble autoritäre Richtung“ zu lenken. In einem Twitter-Beitrag vom 2. Februar 2021 warf Walczak Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, eine „Corona-Impfapartheid“ vorzubereiten und bezichtigte sie einer „zutiefst grundgesetzfeindlichen Gesinnung“., auf twitter.com Über die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft Carola Veit (SPD) sagte Walczak, sie zeige „autoritäre, undemokratische Züge“, weil es keinen Vizepräsidenten-Posten für die AfD gab. In diesem Zusammenhang unterstellte Walczak der Bürgerschaftspräsidentin, von dieser ob seiner polnischen Wurzeln als „geringerer Mensch“ angesehen zu werden. Zudem würde die Geschäftsordnung mit der Nichtberücksichtigung „vergewaltigt“.

Noch heftiger kritisierte Walczak die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth, die er als „Rechtsbrecherin“ bezeichnete, die „mit Schimpf und Schande abgesetzt“ gehöre.

Einstellungen zu Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz Das Bundesamt für Verfassungsschutz kritisiert in seinem Gutachten zur AfD aus dem Jahr 2019 ein vom damaligen Bundesvorsitzenden der Jungen Alternative Markus Frohnmaier gemeinsam mit seinem damaligen Stellvertreter Krzysztof Walczak veröffentlichtes Positionspapier, in welchem die Unabhängigkeit des Bundesverfassungsgerichts und die Rechtmäßigkeit seiner Entscheidungen angezweifelt werden. So fordern Frohnmaier und Walczak in dem 2016 veröffentlichten Positionspapier die Höchstfreiheitsstrafe von derzeit 15 Jahren auf 25 Jahre zu erhöhen. Lebenslange Freiheitsstrafen müssten auch wirklich lebenslang abgesessen werden. Für Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren müsse die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts absolutes Muss werden und minderjähriger Straftäter dürften „nicht nur Sozialstunden schieben“, sondern müssten „bereits beim ersten Vergehen als Warnschuss in Arrest gesteckt werden“. Eltern solle das Sorgerecht für minderjährige Straftäter entzogen werden, wenn sie der kriminellen Karriere „nicht Einhalt gebieten“ könnten. Im Bereich der Ausländerkriminalität solle das Strafrecht massiv verschärft werden. Demnach seien Straftäter schon bei der ersten Straftat unverzüglich nach Verbüßung einer etwaigen Gefängnisstrafe abzuschieben, und zwar unabhängig vom Alter. „Sollten aufgrund der politisch beeinflussten und linksideologisch gefärbten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts Verfassungsänderungen notwendig sein, müssen diese vorgenommen werden. Alternativ ist das Bundesverfassungsgericht mit Richtern zu besetzen, die beim Lesen der Verfassung nicht irgendwelche ‚Rechte‘ in den Text halluzinieren, von denen 1949 im Parlamentarischen Rat gar nicht die Rede war.“

Durch diese Aussage werden, so das Bundesamt für Verfassungsschutz, nicht nur die Entscheidungen des höchsten deutschen Gerichts in Frage gestellt, sondern es wird gefordert, das Gericht mit Richtern zu besetzen, die die in Bezug auf die Auslegung des Grundgesetzes offenbar sehr restriktive Rechtsauffassung des JA-Vorsitzenden vertreten. Damit wird die für das Rechtsstaatsprinzip unabdingbare Unabhängigkeit der Gerichte in Frage gestellt.

Kontroverse um Walczaks Wirken als Berufspolitiker Mehrfach wurde Walczak in der AfD dafür kritisiert, dass er ohne abgeschlossenes Hochschulstudium und insbesondere ohne jegliche Berufserfahrung hochdotierte Mandate oder Funktionen in der Partei anstrebte. Hintergrund dieser Kontroversen war, dass die AfD sich in scharfem Kontrast zu den traditionellen Parteien dezidiert gegen „die sich fortsetzende Tendenz zum Berufspolitikertum“ ausgesprochen hatte.Grundsatzprogramm für Deutschland, auf afd.de So zweifelte der Delegierte Denis Joschko auf der Europawahlversammlung der AfD im November 2018 Walczaks Eignung für ein Mandat im EU-Parlament mit dem Argument an, dass dieser doch erstmal Berufserfahrung sammeln solle, bevor er sich für das EU-Parlament aufstellen lasse.Facebook Watch - Eintrag vom 19. November 2018