mini|hochkant|Wolfgang Heribert von Dalberg mini|hochkant|Mannheim, Dalberghaus (heute Teil der Stadtbibliothek) und Dalberg-Denkmal mini|hochkant|Das so genannte Dalbergsche Bühnenmodell (um 1800, heute Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim) ist die Nachbildung einer Bühne mit der Bühnentechnik, wie sie am Mannheimer Theater zu Dalbergs Zeit üblich war. mini|hochkant|Grabmal auf dem Hauptfriedhof Mannheim
Wolfgang Heribert Freiherr von Dalberg (* 18. November 1750 in Mainz Schwennicke; Michael Embach: Johann Friedrich Hugo von Dalberg, 1760–1812, Schriftsteller – Musiker – Domherr. Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte 1998, S. 39. , an diesem Tag getauft dort in St. Emmeran Bollinger, S. 73. Nach Schwennicke wurde er an diesem Tag geboren und zwar auf Schloss Herrnsheim. ; † 27. September 1806 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X: 27. Dezember 1806. in Mannheim) war führender Beamter zunächst in der Kurpfalz, später im Großherzogtum Baden und erlangte Bekanntheit vor allem als Intendant des Nationaltheaters in Mannheim.
Herkunft Wolfgang Heribert von Dalberg war ein Sohn von Franz Heinrich von Dalberg und dessen Frau, Maria Sophie Anna (* 5. Oktober 1722; † 30. November 1763), Tochter von Karl Anton Ernst von Eltz-Kempenich, genannt Faust von Stromberg. Schwennicke; Bollinger, 72. Geschwister von Wolfgang Heribert waren der spätere Erzbischof von Mainz, Großherzog von Frankfurt und Fürstprimas von Deutschland, Karl Theodor von Dalberg, Marianne von der Leyen und Johann Friedrich Hugo von Dalberg.
Familie Wolfgang Heribert von Dalberg heiratete am 12. Januar 1771 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. , am 12. August 1771 Bollinger, S. 75. oder am 15. August 1771 Schwennicke, Taf. 60. Elisabeth Augusta (* 17. Juni Bollinger, S. 74: * 17. Juli 1751. 1751; † 19. Oktober 1818 Bollinger, S. 74. oder; † 28. September 1816 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X. in Mannheim), Tochter von Johann Philipp Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X: „Johann Wilhelm“. Ulner von Dieburg und Maria Luise von Loë zu Wissen. Sie war damit eine Enkelin des Hofbeamten und Diplomaten Franz Pleickard Ulner von Dieburg. Das Paar hatte folgende Kinder: Maria Anna Charlotte Antonetta Walpurgis (* 28. Mai 1772 in Herrnsheim; † 6. Juni 1772 in Mainz Bollinger, S. 74: * 6. Juni 1772; † 21. Mai 1778. ) Emmerich Joseph Franz Heinrich Felix Dismas, Herzog von Dalberg (* 30. Mai 1773 in Mainz; † 27. April 1833 Schloss Herrnsheim), französischer Staatsminister und Pair von Frankreich.Jean-Baptiste-Pierre Jullien de Courcelles: Histoire généalogique et héraldique des pairs de France: des grands dignitaires de la couronne, des principales familles nobles du royaume et des maisons princières de l'Europe, précédée de la généalogie de la maison de France, Band 6, Paris 1826. Maria Anna Charlotte Antonetta Walpurgis Schwennicke, Taf. 60. Nicht bei Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X und Bollinger, S. 74. (* 30. Mai 1773 in Mainz; † 28. Mai 1778 in Herrnsheim) Elisabeth Augusta Sophie (* 28. August 1774 in Mainz; † 27. November 1776 in Mannheim) Franziska Alexandrina Maria (* 6. Juni 1777; † 28. März 1863) heiratete am 13. Januar 1806 Franz Xaver Freiherr von Lerchenfeld (* 2. Juni 1758; † 3. Juni 1832 Alle Angaben nach: Bollinger, S. 74 und Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X. ), bayerischer Staatsminister. Maria Anna Alexandrina (* 28. September 1778 in Mannheim; † 7. Mai 1812 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X: * 9. Oktober 1850. ) kam im Alter von fünf Jahren 1783 in das adelige Damenstift von St. Maria im Kapitol, Köln, wo ihre Tante, Antonetta Franziska Maria von Dalberg, als Stiftsdame lebte. Maria Anna Alexandrina war dort wohl nur als Schülerin, nicht in der Absicht, als Stiftsdame einzutreten. Bollinger, S. 74. Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X., behauptet dagegen, sie sei Stiftsdame gewesen. Noch vor der Auflösung des Stifts heiratete sie am 21. April 1801 Bollinger, S. 74; Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X. Friedrich Anton von Venningen († 7. Mai 1832).
Karriere Wolfgang Heribert von Dalberg studierte an der Universität Göttingen Rechtswissenschaften und arbeitete zunächst im dortigen Königlich Historischen Institut. 1770 wurde er Burgmann der Burg Friedberg und gleichzeitig Kammerherr des Kurfürsten von der Pfalz, 1772 kurmainzischer Hofgerichtsrat und Statthalter des Erzbischofs von Mainz, Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim, für das Hochstift Worms. Der Erzbischof von Mainz war dort in dieser Zeit in Personalunion zugleich Bischof von Worms. 1775 wurde er kurpfälzischer geheimer Rat, stellvertretender Präsident der Hofkammer und 1789 Präsident des Oberappellationsgerichts. Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X. Zusammen mit zwei Kollegen bildete er, nachdem Graf Franz Albert Leopold von Oberndorff nach der kampflosen Übergabe Mannheims im 1. Koalitionskrieg an die Franzosen 1795 kein politisches Amt mehr bekleiden durfte, die Spitze der kurpfälzischen Verwaltung. Vgl. dazu: Haas/Münker: Wegweiser, Nr. 174, S. 93. Im Jahre 1799 wurde er – als kurpfälzischer Geheimrat und Kämmerer – vom bayerischen Kurfürsten zum „Oberhofmeister zu München“ befördert.
Nach dem Ende der Alten Reiches und den damit verbundenen massiven Umstrukturierungen kam Mannheim an das neu entstandene Großherzogtum Baden. Wolfgang Heribert wechselte am 2. Mai 1803 in die Dienste der Markgrafschaft Baden, die wenig später zum Großherzogtum avancierte. Er wurde 1806 badischer Obersthofmeister und Staatsminister. Vgl. dazu: Haas/Münker: Wegweiser, Nr. 174, S. 94.
Literarisches Engagement In seiner Funktion als Vizepräsident der Hofkammer entwickelte Wolfgang Heribert von Dalberg die Idee eines Nationaltheaters in Mannheim. Er wollte dadurch nicht nur die Kultur in der Stadt fördern, sondern zielte auch darauf, Besucher nach Mannheim zu locken und die Stadt so wirtschaftlich voranzubringen. Der Kurfürst förderte die Bestrebungen. Ab 1778 war er so auch Intendant des Nationaltheaters in Mannheim. Bollinger, S. 74. Am 7. Oktober 1779 fand die erste Premiere unter seiner Intendantur am Nationaltheater statt. Unter Dalberg erlebte das Mannheimer Theater eine große Blüte.
Er schrieb selbst mehrere Dramen und bearbeitete fremde Werke für die Aufführung, insbesondere von William Shakespeare. Bekannt ist er durch seinen Umgang mit Friedrich Schiller, dessen erste Dramen er in Mannheim aufführte, wobei er besonders bei den Räubern auf erheblichen Veränderungen bestand, unter anderem wurde die Handlung ins Mittelalter verlegt. Er bot 1784 Schiller einen Vertrag und Schiller wurde vom Mannheimer Theaterdirektor verpflichtet, drei Theaterstücke abzuliefern: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua wurde am 11. Januar 1784 mit wenig Erfolg uraufgeführt. Am 15. April 1784 folgte Kabale und Liebe. Schillers Briefe an den Freiherrn von Dalberg (Siehe hier). Friedrich Schiller: Friedrich Schillers Briefe an den Freiherrn Heribert v. Dalberg in den Jahren 1781–1785. Beiträge zu Schillers Lebens- und Bildungsgeschichte = Bibliothek der Gesamtlitteratur des In- und Auslandes. Hendel ca. 1900. sind an Wolfgang Heribert von Dalberg gerichtet. Unter seiner Intendanz spielte u. a. August Wilhelm Iffland.
Nachdem Wolfgang Heribert von Dalberg 1803 badischer Staatsminister geworden war, gab er die Intendanz in Mannheim an seinen Schwiegersohn, Friedrich Anton von Venningen (1765–1832), weiter.
Freimaurerei Wolfgang Heribert von Dalberg war Mitglied der Freimaurerloge Joseph zu den drei Helmen in Wetzlar, spielte in der Strikten Observanz eine Rolle und nahm 1782 am Wilhelmsbader Konvent teil. Er war 1781 Mitbegründer und erster Stuhlmeister der Wormser Loge Johannes zur brüderlichen Liebe und der Heidelberger Loge Karl zum Reichsapfel. Im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern trat er jedoch nicht dem Illuminatenorden bei.Hans-Jürgen Schings: Die Brüder des Marquis Posa. Schiller und der Geheimbund der Illuminaten. Niemeyer, Tübingen 1996, S. 64.
Auszeichnungen Bei der Krönung Leopold II. 1790 erhielt Wolfgang Heribert von Dalberg durch den neu gekrönten Kaiser den ersten Ritterschlag. Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. X.
Der Minister war Ritter des bayerischen Hubertusordens und Großkreuz des badischen Hausordens der Treue.Grabinschrift Hauptfriedhof Mannheim.
Grabstätte Wolfgang Heribert von Dalberg und seine Frau wurden auf dem römisch-katholischen Friedhof in Mannheim, K 2, beigesetzt. Bei dessen Auflösung wurden die sterblichen Überreste und das klassizistische Grabmal auf den Hauptfriedhof Mannheim überführt, der Stein 1977 restauriert. Franz Bernhard: Die Friedhöfe in Mannheim. Wegweiser zu den Grabstätten bekannter Mannheimer Persönlichkeiten anlässlich des einhundertfünfzigjährigen Bestehens des Mannheimer Hauptfriedhofs am 14. Juli 1992 . Südwestdeutsche Verlagsanstalt, Mannheim 1992. ISBN 978-3-87804-213-6, S. 131f. Vgl. dazu: Haas/Münker: Wegweiser, S. 93f., Nr. 174.
Literatur Werke nach Erscheinungsjahr geordnet Eigenständige Werke Walwais und Adelaide. Schwan, Mannheim 1778. Der weibliche Ehescheue. 1780. Das Stück wurde nach der ersten und einzigen Aufführung abgesetzt. Meyer, S. 58. Cora. Ein musikalisch Drama. Schwan. Mannheim 1780. Sowohl Wolfgang Amadeus Mozart als auch Christoph Willibald Gluck zeigten sich interessiert Meyer, S. 26. , die Oper zu komponieren. Der Versuch, einen Komponisten für die Oper zu finden, scheiterte aber letztendlich. Meyer, S. 26. Electra = Libretto zu einer Oper von Christian Cannabich. Sie erlebte nur zwei Aufführungen, beide im September 1781. Meyer, S. 31. Das Weibergelübde. 1787. Meyer, S. 59. Antrittsrede, bey Wiedereröfnung des Churfürstlichen National-Theaters in Mannheim am 2ten März 1794. [Gesprochen v. August Wilhelm Iffland]. 1794. Dilara. Ein Singspiel in zwey Aufzügen nach Carlo Gozzi. Musik von Peter Ritter. 1798 (Erstaufführung) Die eheliche Probe. Meyer, S. 60f, ohne nähere Angaben zur Aufführung. Die eheliche Vergeltung. Meyer, S. 61, ohne nähere Angaben zur Aufführung. die eheliche Versöhnung. Meyer, S. 61f, ohne nähere Angaben zur Aufführung.
Übersetzungen Julius Caesar von William Shakespeare. Das Stück wurde in der Übersetzung von Dalbergs ab 1785 mehrfach aufgeführt.Meyer, S. 33. Timon von Athen, ebenfalls von William Shakespeare. Das Stück wurde in der Übersetzung von Dalbergs 1789 zwei Mal – mit wenig Erfolg – aufgeführt.Meyer, S. 37. Die BrüderErschien bei Schwan, Mannheim 1785 (vgl.: Meyer, S. 38, Anm. 3). wurde 1786 in Mannheim aufgeführt. Es handelt sich um eine Übersetzung des Stückes The Brothers von Richard Cumberland von 1784.Meyer, S. 37–39. Der Mönch vom CarmelErschien bei Decker, Leipzig 1787 (vgl.: Meyer, S. 40, Anm. 3). wurde ebenfalls 1786 in Mannheim aufgeführt. Es handelt sich um eine Übersetzung des Stückes The Carmelite von Richard Cumberland von 1784.Meyer, S. 40–46. Oronooko. Ein Trauerspiel in fünf Handlungen für die Mannheimer National-BühneSchwan, Mannheim 1786. war die Übersetzung eines gleichnamigen englischsprachigen Stücks von Thomas SoutherneMeyer, S. 47, nennt ihn „Thomas Southern“. (1660–1746) nach einer Erzählung von Aphra Behn. Dalberg übersetzte es und führte es mit Erfolg 1786 auf.Meyer, S. 47–50. Montesquieu, oder die unbekannte Wohlthat. Ein Schauspiel in drey Handlungen; für die Mannheimer National-Schaubühne nach dem Stück von Louis-Sébastien Mercier: Montesquieu à Marseille. Dalberg konnte es 12 Mal aufführen.Meyer, S. 50–55. Das Inkognito, eine Übersetzung von I falsi gelantnomini ossia il Duca di Borgogna von Camillo Federici, wurde 1796 und 1797 nur zwei Mal aufgeführt.Meyer, S. 55–58.
Sekundärliteratur nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet Friedrich Alafberg: Wolfgang Heribert von Dalberg als Bühnenleiter und als Dramatiker. Dissertation. Berlin 1907.