mini|hochkant=1.5|Pferderennen auf den Wandsbeker Feldern 1835, Lithografie von Peter Suhr

Die Rennen auf den Wandsbeker Feldern waren Pferderennen, die von 1835 bis 1847 im damals noch vor den Toren Hamburgs gelegenen Wandsbek alljährlich unter der Schirmherrschaft von Herzog Christian-August von Schleswig-Holstein ausgetragen wurden. Infolge der schleswig-holsteinischen Erhebung und der damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen wurden die Rennen 1848 ausgesetzt und ab 1856 im benachbarten Horn fortgeführt.Wilhelm Grabke: Wandsbek und Umgebung. Eine heimatkundliche Betrachtung des Lebensraumes im Osten Hamburgs. Verlag der Gesellschaft der Freunde des Vaterländischen Schul- und Erziehungswesens, Hamburg 1954, S. 103 f.

Die Wandsbeker Rennbahn gilt als älteste von insgesamt sechs GalopprennbahnenLokstedt (1851–1855), Horn (seit 1856), Harburg (1860–1866), am Mühlenkamp in Hamburg-Winterhude (1886–1901) und Groß Borstel (1891–1931), die im Laufe der Zeit auf dem heutigen Hamburger Stadtgebiet angelegt wurden, sowie als direkte Vorläuferin der heutigen Horner Rennbahn.

Vorgeschichte Die ersten jährlich veranstalteten Pferderennen nach englischem Vorbild wurden in Mecklenburg ausgetragen. Sie fanden im Rahmen landwirtschaftlicher Ausstellungen und Tierschauen 1827 in Güstrow statt. Auf dem Lande saßen daher auch diejenigen, die spezielle Pferde für Rennen zu züchten begannen und Gestüte aufbauten. Aus dem sprichwörtlich „begüterten“ Adel stammten daher die ersten Rennstallbesitzer. Die ersten Pferderennen in den damaligen Herzogtümern Holstein und Schleswig wurden im Jahr 1830 in Oldesloe, Itzehoe und Schleswig durchgeführt.

Geschichte Die ersten Pferderennen in Wandsbek wurden am 18. und 20. Juli 1835 abgehalten.

Initiator der „englischen Pferderennen“ war Christian August Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, zu den weiteren Protagonisten gehörten Johann Georg Wachenhusen und Magnus Friedrich von Holmer. Wachenhusen hatte ab 1825 die „Zeitung für Pferdeliebhaber“ herausgegeben. In einer Ausgabe von 1827 erläuterte darin ein ehemaliger englischer Offizier die unterschiedlichen Formen und Regeln des englischen Wettrennens.Der Artikel erschien gleichlautend im Wochenblatt des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern, 18. Jahrgang, München 1828, S. 489 ff., Wachenhusen war auch von Herzog Christian August als Sekretär der Oldesloer Pferderennen eingesetzt. Ein Duell beendete 1833 sein Leben. Das Sekretariat der Wandsbecker Rennbahn hatte Graf von Holmer übernommen. Holmer residierte während der Renntage im Hotel „Zur alten Stadt London“ am Jungfernstieg in Hamburg, wo dann auch das Sekretariat war. Zu seiner Zuständigkeit gehörte es, die Journalisten der Hamburger Zeitungen mit Informationen zu Reiter, Pferde und Renngeschehen zu informieren.

Bei dem ersten Rennen war Christian August Herzog von Schleswig-Holstein persönlich anwesend. Er war nach Hamburg gereist und hatte sich im Hotel „Zur alten Stadt London“ einquartiert.Angekommene Fremde. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], vom 18. Juli 1835, S. 5, Digitalisat Prinz Carl von Preußen hatte das Richteramt für die Veranstaltung übernommen.Hamburg. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 20. Juli 1835, S. 4 Digitalisat.

Im Sommer wurden an zwei Tagen regelmäßig Rennen veranstaltet, 1845 sogar an drei Tagen. 1847 wurden die letzten Rennen durchgeführt. Über die Gründe des Endes kann nur spekuliert werden: Zum einen hatte es wiederholt an der finanziellen Unterstützung gefehlt, wie die Hamburger Nachrichten schon 1844 anmerktenWandsbecker Renn-Bahn. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 27. Juli 1844, S. 2, Digitalisat, zum anderen mögen politische Ereignisse eine Rolle gespielt haben. Herzog Christian von Augustenburg als Förderer des Rennsports hatte sich 1846 der schleswig-holsteinische Unabhängigkeitsbewegung gegen den dänischen König Christian VIII. angeschlossen.

Veranstalter Als Veranstalter hatte sich eine Aktiengesellschaft zur Durchführung von Pferderennen gebildet.Pferderennen bei Hamburg. In: Vaterstädtische Blätter. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 13. April 1835, S. 3 Digitalisat Die Aktionäre waren größtenteils Hamburger Bürger, da deren Versammlungen in Hamburg abgehalten wurden.Bekanntmachung. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 16. Juni 1836, S. 5, Digitalisat Zu ihnen gehörten die Brüder George und Charles Parish und Heinrich Johann Merck.Carl Düsterdieck, Hamburger Rennclub (Hg.): 100 Jahre Derby. Georg Westermann, Braunschweig 1969, S. 14. Die Aktionäre hatten ein Billet für die Tribüne frei.Einlaß-Preise. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 20. Juli 1838, S. 8, Digitalisat Ein Name für die Aktiengesellschaft konnte nicht ermittelt werden.

Lage und spätere Nutzung des Geländes Das Geläuf auf den „Wandsbeker Feldern“ befand sich im Osten des heutigen Stadtteils Marienthal und reichte bis nach Jenfeld hinüber. Einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1835 zufolge sollten die Besucher aus Horn kommend einen nach Jenfeld führenden Fahrweg nutzen und diejenigen, die von Hamburg kamen, vom Wandsbeker Schloss durch das Wandsbeker Gehölz zur Rennbahn gehen.Pferderennen. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], vom 18. Juli 1835, S. 5 Digitalisat Die heutige Bovestraße hieß früher Rennbahnstraße. Die Rennbahn war vom vorletzten Besitzer des Wandsbeker Schlosses Christian Carl von Schimmelmann (1767–1842) angelegt worden.Friedrich Puvogel: Der Wandsbecker Stadtbezirk Marienthal Geschichtliche Aufzeichnungen über die Entstehung und Entwicklung desselben und die damit im Zusammenhange stehenden Vorgänge im öffentlichen Leben Wandsbecks. In: Wandsbecker Bote, Wandsbeck 1894, S. 23, (Digitalisat).

Nach dem Ende der Galopprennen wurde das Gelände vielfältig genutzt:

Von 1874 bis 1885 veranstaltete der „Hamburger Traber-Club“ auf dem „ehemaligen Wandsbecker Rennfelde hinter Groß-Jüthorn“ Trabrennen.Tagesberichte. In: Hamburger Nachrichten, 2. Juni 1874, S. 3, Digitalisat. Anschließend fanden die Trabrennen bis 1901 auf der Rennbahn am Mühlenkamp in Winterhude statt. Bereits ab 1881 nutzten die Wandsbeker Husaren einen Teil des Geländes als Exerzierplatz, der später auch für Sportwettkämpfe genutzt wurde. Unter anderem hatte der SC Concordia Hamburg hier sein erstes Fußballfeld. Ab 1909 diente ein Teil der Rennbahn auch als Flugfeld einer Fliegerschule, die später nach Fuhlsbüttel umzog.Helmuth Fricke: Hamburg-Marienthal (Reihe Archivbilder), Sutton-Verlag Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-483-8. Der östliche, bereits in Jenfeld gelegene Teil der Rennbahn wurde 1890 von der Stiftung Rauhes Haus erworben und zum Bau des Holstenhofs, einer landwirtschaftlichen Filiale mit Erziehungsheim für Jugendliche. Das Erziehungsheim wurde 1950 in ein Pflegezentrum der Stiftung Pflegen & Wohnen Hamburg umgewandelt.

Auf dem „nördlichen Geländeabschnitt der früheren Rennbahn“ wurde ab 1932 die sogenannte „Straßenbahnersiedlung“ errichtet. Der „südliche Teil der Rennbahn“ wurde 1935 mit der Douaumont-Kaserne (heute Teil der Helmut-Schmidt-Universität) bebaut.

Training Die Rennpferde wurden einige Tage vor Rennbeginn nach Wandsbek gebracht. Früh am Morgen liefen sie dann einige Runden auf der Rennbahn. Es war erlaubt, dabei zuzusehen.

Prominente Zuschauer Die meisten Zuschauer kamen aus Hamburg. Sie fuhren dabei in Kutschen. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde. 1837 Graf Blücher-Altona und George Parish sahen dem Rennen zu. Zu den Rennen im Jahr 1838 waren Wilhelm Herzog von Braunschweig, der Großherzog von Mecklenburg–Schwerin und Friedrich Carl Prinz von Preussen nach Hamburg gekommen.Vermischtes. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 21. Juli 1838, S. 3, Digitalisat.

Kuriositäten Wenn die Zuschauer auf der überdachten Tribüne die Plätze eingenommen hatten, mussten sie dort über die gesamte Zeit der Rennen sitzenbleiben. Es wurde 1839 angeregt, dass die Zuschauer während der Pausen zwischen den Rennen „promenieren“ können.Pferde–Rennen in Wandsbeck betreffend. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 20. Juli 1839, S. 3, Digitalisat. 1840 fand erstmals ein Trabrennen statt. Bei den Vorbereitungen waren die Reiter nicht diszipliniert.Anzeige. In: Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten [Hamburger Nachrichten], 25. Juli 1840, S. 8 und 4, Digitalisat.

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