mini|Schloss Bohrau, Frontfassade. Schloss Bohrau () ist ein Schloss in Borowa (Bohrau) in der Landgemeinde Długołęka (Langewiese) im Powiat Wrocławski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.
Geschichte Der Herrensitz wurde schon 1202 als Boriow ersterwähnt und 1306 Borow genannt.Oscar Vug: Schlesische Heidenschanzen, ihre Erbauer und die Handelsstraßen der Alten. Ein Beitrag zur deutschen Vorgeschichte. Band 2, Ernst Neugebauer-Selbstverlag, Grottkau 1890, S. 355 (google.de).
Heinrich Friedrich Graf von Logau und Altendorf erwarb das Gut 1730. Seine Tochter heiratete den Grafen Friedrich Albert von Schwerin, der 1770 bis 1786, wahrscheinlich unter Einbeziehung eines renaissancezeitlichen Vorgängerbaus, ein zweigeschossiges, klassizistisches Schloss errichten ließ. Die Nachfahren waren Leopold Graf von Schwerin (1794–1863), verheiratet mit Eugenie Gräfin von Reichenbach-Goschütz (1797–1867), sowie deren Sohn Graf Friedrich von Schwerin (1826–1899), dessen Ehefrau war Fanny Brandt von Lindau-Schmerwitz (1835–1895). Zu ihrer Zeit, um 1890, hatte Gut Bohrau einen Umfang von 540 ha. Sie gehörten genealogisch zur Familienlinie v. Schwerin-Wendisch-Wilmersdorf um Fritz Graf von Schwerin, den bekannten Dendrologen mit eigenem Herrensitz bei Berlin.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1893. Jahrgang 66, Justus Perthes, Gotha 1892, S. 954 f. (google.de). Die nachgeborenen Söhne der Schwerins erhielten teils eigene Begüterungen, wie Jackschönau,Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Unsere Zeitgenossen. Zeitgenossenlexikon. Ausgabe 1, Selbstverlag, Leipzig Juli 1905, S. 67 (google.de). und heirateten, damals noch ungewöhnlich, mitunter bürgerliche Frauen.Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. Jahrgang XXIII, Nr. 2, Familien-Nachrichten, Hrsg. Herold (Verein), Carl Heymanns Verlag-Selbstverlag, Berlin Februar 1892, S. 31 (google.de). Die Grafen von Schwerin selbst waren in Bohrau als Gutsherren zugleich die örtlichen Standesbeamten.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Breslau. Stück 36, Dritte außerordentliche Beilage zu №. 36 des Amts-Blattes der Königlichen Regierung zu Breslau pro 1874. GRaß, barth und Comp., Breslau 1874, S. 374 (google.de).
Zwischen 1905 und 1920 wurde das Schloss wieder umgebaut und durch einen Anbau nach Südosten und einen viereckigen Turm erweitert. Diese Bautätigkeit kann zeitlich heute dem auf Schloss Bohrau geborenen Graf Woldemar von Schwerin zugeschrieben werden.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1922. Jahrgang 95, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 886 (google.de). Er heiratete Anna Freiin von Stein-Groß Kochberg, einer Nachfahrin der bekannten Goethe-Freundin, und war Fideikommissherr auf Bohrau-676 ha-sowie Friedrichstein-770 ha-im Kreis Witkowo gelegen.
Kriegsbedingt wurden auf Veranlassung des Provinzialkonservators Günther Grundmann 1943 im Schloss Drucke, Bücher, Handschriften und Münzsammlungen aus Breslauer Museen und Archiven eingelagert. Ein Teil wurde Ende 1944 an Orte westlich der Oder gebracht. Nach Kriegsende wurde das Schloss bis Oktober 1945 von der Roten Armee genutzt. Die noch vor Ort verbliebenen Breslauer Bestände wurden nach Auffinden der geheimen Verstecke von den neuen Bewohnern gestohlen oder vernichtet.Palacewpolsce.de.: Geschichte des Schlosses. (polnisch) Später wurde im Schloss eine Grundschule untergebracht. Nach der politischen Wende 1989 wurde das Schloss privatisiert.
Bauwerk Heute ist das Schloss restauriert. Nahezu die gesamte wandfeste Ausstattung, Parkettböden, Wandvertäfelungen, Holzbalken- und Stuckdecken sind erhalten. Der Frontfassade ist ein auf Säulen gelagerter Altan vorgestellt, die durch einen Risalit mit abschließendem Dreiecksgiebel betont wird. Im Tympanon wird das Wappen der Grafen von Schwerin dargestellt. Auf der Rückseite des Schlosses führt eine Freitreppe in einen Landschaftspark.
Literatur Schloss Bohrau, In: Johann Georg Knie, J. M. L. Melcher (Hrsg.): Geographische Beschreibung von Schlesien preußischen Antheils, der Garffschaft Glatz und der preußischen Markgraffschaft Ober-Lausitz. Band (Abtheilung III) 3, Graß, Barth und Comp., Breslau 1830, S. 55 (google.de). Schloss Bohrau. In: Hugo Saurma Freiherr von und zu der Jeltsch (Hrsg.): Wappenbuch der Schlesischen Städte und Städtel. Zeichnungen: L. Clericus, Comm. Goerlich & Coch-Breslau, Berlin 1870, S. 22 (google.de). Besitz Bohrau. In: Louis (Ludwig) Gollmert, Wilhelm Graf von Schwerin, Leonhard Graf von Schwerin: Geschichte des Geschlechts von Schwerin. 1, Verlag Wilhelm Gronau, Berlin 1878, S. 15 f. (google.de). Schloss Bohrau, In: Oskar Schwebel: Die Herren und Grafen von Schwerin: Blätter aus der preußischen Geschichte. Abenheim’sche Verlagsbuchhandlung (G. Jost), Berlin 1885, S. 368 f. (google.de). Schloss Bohrau. In: Arne Franke (Hrsg.): Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser. Band 1: Niederschlesien. Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Görlitz 2015, S. 258.
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Historische und aktuelle Aufnahmen sowie geographische Lage
Einzelnachweise
Bohrau Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Niederschlesien Kategorie:Gmina Długołęka Bohrau Bohrau