mini|Das Lokal in der Brönnerstraße (2007). Der Sinkkasten Artsclub (Eigenschreibweise: sinkkasten arts club, zwischenzeitlich auch nur Sinkkasten) war ein Musiklokal in Frankfurt am Main, das von dem „Arts Club Sinkkasten e. V.“ betrieben wurde. Der Verein wurde 1971 von Studenten als Musikclub gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer Konzertstätte von überregionaler Bedeutung. Ende 2011 wurde das Lokal aufgrund von Insolvenz geschlossen. Seit 2012 befand sich an gleicher Stelle bis zum Verkauf des Gebäudes während der Covid-19-Epidemie Ende Dezember 2021 das Musiklokal Zoom.Club Zoom umgezogen, FAZ, 22. Mai 2022

Geschichte Entstehung und Grundidee mini|Manu Dibango (1982).

Anfang der 1970er Jahre bestanden die Beschäftigungsmöglichkeiten in Frankfurt im Wesentlichen aus konservativen und entsprechend teuren Angeboten, sowohl im kulturellen wie im Freizeitbereich. Junge Leute mussten notgedrungen nach Alternativen suchen. Am Beispiel des Jugendclubs Aquarius zeigte sich, dass es möglich war, ein von Studenten für junge Leute geschaffenes weitgehend musikalisches Angebot vorzuhalten. Betrieben wurde die Initiative von den BWL-Studenten Detlef Christoph und Werner Vogel und der Grafikerin Marianne Christoph, die in der Frankfurter Innenstadt in einem alten leerstehenden Kellergewölbe in der Mainstraße 2, nicht weit vom Aquarius, etwas ähnliches starten wollten. Dabei sollten vor allem kulturelle Veranstaltungen verschiedener Art zu moderaten Preisen angeboten werden.

Verwirklichung des Projektes Zuerst galt es, das Kellergewölbe zu säubern und für den neuen Zweck herzurichten. Dies geschah größtenteils in Eigenarbeit mit umfangreicher Unterstützung der Gesellschaft zur Förderung des New Orleans Jazz (GfN). Der damalige Oberbürgermeister Walter Möller erteilte die Genehmigung des Ordnungsamtes. Das Kulturamt unter Hilmar Hoffmann stand dem Projekt zur Seite. Mit finanzieller Unterstützung der Passavantwerke (einer Eisengießerei), die auch die als Lampen verwendeten Sinkkästen lieferten, und vieler anderer ehrenamtlicher Mitarbeiter konnte der Musikkeller des Sinkkasten Artsclubs e. V. im April 1971 geöffnet werden. Die beiden Christophs und Vogel wurden in den Vorstand gewählt. Zur Eröffnung zog die New Orleans Brassband durch Frankfurt-Sachsenhausen über die Mainbrücke bis in die Mainstraße. Ökonomische Grundlage waren damals eine für einen Monat gültige Mitgliedskarte zu 3,- DM und der Getränkeumsatz zu verhältnismäßig niedrigen Preisen, was vor allem bei den Jugendlichen begrüßt wurde und andererseits dazu führte, dass die Künstler bereit waren, zu entsprechend akzeptablen Preisen aufzutreten.

Weiterentwicklung und Umzug in neue Räume Anfangs lieferten, beraten durch Dieter Nentwig, die örtlichen Jazzbands den größten Teil des Programms, es gab aber auch bereits Fotoausstellungen, Gemäldeausstellungen z. B. von Strafgefangenen, Gastspiele der Marionettenbühne Fulda (Gerhard Hoßner, 1940–1988), Pantomime von Duzan Parizek, ein Happening mit Otto Muehl, Auftritte meist örtlicher Rockbands, Theateraufführungen sowie Filmvorführungen von Filmen, die in den Kinos nicht gezeigt wurden. Aufgrund des auch in diversen Zeitschriften veröffentlichten Monatsprogramms nahm die Zahl der an einem Auftritt im Sinkkasten interessierten Künstler aus dem In- und Ausland rasant zu. Bald gastierten im Sinkkasten Künstler wie Rahsaan Roland Kirk, Memphis Slim und Herbie Mann.

Über dem Kellergewölbe befanden sich damals fünf Etagen mit Wohnungen. Einige davon litten unter erheblichen Lärmbelästigungen, was häufig zum Einschreiten des Ordnungsamtes führte. Das Weiterbestehen des inzwischen bekannt gewordenen Lokals wurde in Frage gestellt, zumal der wesentlichste Befürworter, Oberbürgermeister Walter Möller, überraschend verstorben war. Mit Unterstützung des Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann fand man schließlich neue Räumlichkeiten im ersten Obergeschoss der zentral gelegenen Brönnerstraße, wo zuvor bereits das Jazzlokal Storyville und der Musikclub Zoom betrieben worden waren.Neuer Betreiber: Aus Sinkkasten wird Zoom, Frankfurter Rundschau, 17. Januar 2012 Diese konnten aufgrund einer Mietsubventionierung seitens des Kulturamtes bzw. der Saalbau GmbH auch bezahlt werden.

Die Stadt Frankfurt honorierte das bisherige Wirken des Sinkkasten, indem sie die Räumlichkeiten zweckentsprechend und nach den Wünschen der verbliebenen Betreiber Marianne und Detlef Christoph auf eigene Kosten umbauen und ausgestalten ließ. Der Umzug erfolgte 1979. Die Sinkkastenbetreiber revanchierten sich, indem sie für das Kulturamt die Programmgestaltung der Veranstaltungsreihe Jazz im Museum ehrenamtlich übernahmen. Bereits seit Mitte der 1970er wurde dem Museumsbesucher kostenlos am Sonntagmittag Jazz- und Blueskonzerte im Innenhof des Historischen Museums näher gebracht, ganz im Sinne von Hoffmanns Leitmotiv Kultur für alle. Die technische Organisation hatte damals der im Kulturamt tätige Dieter Buroch übernommen.

Im neuen Lokal des Sinkkasten gab es weiterhin Kunstausstellungen neben dem normalen Bühnenbetrieb, es gab auch einige Modellier- und Malworkshops unter fachlicher Anleitung, und schließlich im Rahmen eines Theaterfestivals auch Pantomimenworkshops. Finanziert wurden die Projekte vom Monatsbeitrag von inzwischen 7,- DM und dem Getränkeausschank, der einen großen Teil der monatlichen Kosten deckte. Neben Bühnensaal und Ausstellungsraum gab es noch eine kleine Küche und ein lichtdurchflutetes Café, Café Treibhaus genannt. Dieses war mit alten Möbeln und Lampen, vielen Grünpflanzen und einem Wandgemälde ausgestattet, das den Blick in den Frankfurter Palmengarten wiedergab. Das Umfeld sollte den alternativen Charakter des Sinkkasten unterstreichen. Die Betreiber versuchten bereits 1980, die Besucher vom Rauchen abzubringen. Sie ließen den Zigarettenautomaten entfernen und boten den Umtausch von Zigaretten gegen Süßigkeiten an.

Auch aufgrund des größeren Fassungsvermögens konnten nun neben Künstlern aus Deutschland viele internationale Künstler von Weltrang präsentiert werden, was dem Sinkkasten internationales Ansehen einbrachte. Der langjährige Mitarbeiter Rudolf Link übernahm 1983 die Geschäftsführung und delegierte teilweise die Programmgestaltung an andere Mitarbeiter, was neben der im Laufe der Jahre gewandelten Kulturszenerie dem Sinkkasten nach geraumer Zeit ein anderes Gepräge gab.

Im Jahr 1998 zog sich die Saalbau GmbH, die Mieter der Räume war, im Zuge der Schließung verschiedener Bürgerhäuser aus dem Mietvertrag zurück. Die Betreiber wurden nun selbst Mieter, um den Club weiterzuführen zu können. Gleichzeitig erhöhte sich der Mietzins erheblich. Eine Mietunterstützung seitens der Stadt gab es in einem geringen Umfang, bis auch diese im Jahre 2002 versandete. In den Folgejahren waren die Betreiber gezwungen, höhere Eintrittspreise pro Veranstaltung zu verlangen, um die Künstler und die Miete bezahlen zu können. Das nahm vielen unbekannten Neulingen der kulturellen Szene die Möglichkeit, sich auf der Bühne des Sinkkastens vor einem Zufallspublikum zu präsentieren. Die Diskoveranstaltungen wurden ein wesentlicher Faktor zur Steigerung der Einnahmen.

Kurz nach dem 40. Geburtstag des Sinkkastens hat „die Geschäftsleitung des Sinkkasten Arts Club am 27. Mai 2011 beim Amtsgericht Frankfurt am Main Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt“ (Detlef Kinsler, Journal Frankfurt vom 3. Juni 2011). Am 22. Dezember 2011 wurde durch den Insolvenzverwalter bekanntgegeben, dass das Lokal zum Jahresende geschlossen werde, da der Mietvertrag nicht verlängert wurde. In der Silvesternacht auf Neujahr 2012 fand die letzte Veranstaltung im Sinkkasten statt.

Gastspiele (Auswahl) mini|Programmplakate in der Brönnerstraße (2007). mini|Alter Sinkkasten, Mainstraße 2 mini|Champion Jack Dupree & Mickey Baker im alten Sinkkasten mini|Lester Bowie Group Modern Jazz und Blues Auftrittsjahr(e) Künstler Herkunft 1971, 1973, 1977 Big Joe Williams USA 1971, 1974 Memphis Slim USA 1972 Baby Boy Warren & Boogie Woogie Red USA 1972 Lightnin’ Slim USA 1972 Little Brother Montgomery USA 1972, 1983, 1985, 1986, 1988 Jan Garbarek Norwegen 1972–1987 Champion Jack Dupree USA 1973 Homesick James USA 1973 Passport Deutschland 1973, 1975 Oscar Benton Niederlande 1973, 1975, 1976 Slide Hampton USA 1973, 1975, 1977, 1978, 1982 Blind John Davis USA 1973, 1976 Sonny Terry & Brownie McGhee USA 1973, 1976, 1977, 1979 Albert Mangelsdorff Deutschland 1974 Bukka White USA 1974 Cousin Joe Pleasant USA 1974 Eddie Taylor USA 1974 Herbie Mann USA 1974 Roosevelt Sykes USA 1974, 1975, 1977, 1979 Willie Mabon USA 1974, 1976 Inge Brandenburg Deutschland 1974, 1977 Eddie Boyd Bluesband USA 1975, 1977 Eddie Vinson USA 1975, 1977, 1980, 1983 Dexter Gordon USA 1975, 1978 Sunnyland Slim USA 1976 Charles Mingus USA 1976 Rahsaan Roland Kirk USA 1976 Robert Pete Williams USA 1976, 1977, 1981 Pharoah Sanders USA 1976, 1978, 1980 Chet Baker USA 1976, 1978, 1980, 1981 Elvin Jones USA 1976, 1978, 1981, 1984 Joe Henderson USA 1977, 1978 Cecil Taylor USA 1977, 1978, 1979, 1981 Art Blakey USA 1977, 1979 Yusef Lateef USA 1977, 1979, 1980 Johnny Griffin USA 1977, 1980 Archie Shepp USA Modern Jazz und Blues Auftrittsjahr(e) Künstler Herkunft 1977, 1982 Louisiana Red USA 1977–1985 Abdullah Ibrahim Südafrika 1977–1991 Alphonse Mouzon USA 1978 Clark Terry USA 1978 Floyd Dixon USA 1978, 1979 Little Willie Littlefield USA 1978, 1981, 1986 Carla Bley Bigband USA 1978, 1982 Art Ensemble of Chicago Chicago 1979 Freddie Hubbard USA 1979 Leon Thomas USA 1980 Albert Collins USA 1980 Albert King USA 1980 Alexis Korner Großbritannien 1980 Sonny Stitt USA 1980 World Saxophone Quartet USA 1980, 1981 Otis Rush USA 1980, 1983 Charlie Mariano USA 1980, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987 Luther Allison USA 1980, 1984, 1985, 1986 Airto Moreira Brasilien 1981 Billy Cobham Panama 1981 Buddy Guy USA 1981 Don Cherry USA 1981 Junior Wells USA 1981 Koko Taylor USA 1981 Ray Barretto USA 1981 Taj Mahal USA 1981, 1983 Manu Dibango Kamerun 1981, 1983, 1984 Lester Bowie USA 1981, 1985, 1991 James Blood Ulmer USA 1982 Eddie Harris USA 1982, 1983, 1985 Dudu Pukwana’s Zila Südafrika 1983 Clarence Gatemouth Brown USA 1983 Lou Donaldson USA 1984, 1985 Sun Ra Arkestra USA 1985 Bo Diddley USA 1985 Jimmy Witherspoon USA 1985 Katie Webster USA 1988 Johnny Copeland USA Gil Evans Kanada Herbie Hancock USA Jimmy Dawkins USA Long John Baldry Großbritannien New-Orleans-Jazz 1971 Barry Martyn Jazzband London 1971–1987 Bob Kerr’s Whoopee Band London 1972 Geoff Bull’s Olympia Jazz Band Australien 1972–1980 Barrelhouse Jazzband Frankfurt a. M. 1973, 1974 Louis Nelson London 1973, 1978 Benny Waters USA 1974, 1975 Old Merry Tale Jazzband Hamburg 1975 Pasadena Roof Orchestra Großbritannien 1975 The Louisiana Shakers USA 1976, 1982 Hagaw Association Polen Rockjazz Auftrittsjahr(e) Künstler Herkunft 1971–1979 Dieter Seelow Deutschland 1975 Sahara Deutschland 1975–1989 Mombasa USA 1982, 1983, 1984, 1986 Fisherman’s Walkband Deutschland Shivananda Schweiz Folk Auftrittsjahr(e) Künstler Herkunft 1971, 1973, 1975 John Pearse Großbritannien 1972 Derroll Adams USA 1972, 1973 Eddie & Finbar Furey Irland 1972, 1973, 1976 Schnuckenack Reinhardt Deutschland 1972, 1974, 1975, 1976, 1981 Häns’che Weiss Quintett Deutschland 1974, 1981 Marion Williams: The Stars of Faith USA 1975 Sebastião Tapajós Brasilien 1976 Zipflo Reinhardt Violin Impression Deutschland 1976, 1977 The Tannahill Weavers Schottland 1977 The Bothy Band Irland 1980, 1981 Julian Dawson Großbritannien 1980, 1987 Piirpauke Finland 1981, 1992 Richie Havens USA 1982 Barry McGuire USA 1983 Sanjukta Panigrahi Indien 1989 Arlo Guthrie USA 1994 Al Stewart Großbritannien Fairport Convention Großbritannien