Kirchlauter ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Sie ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach.
Geografie Geografische Lage Die Ortschaften Kirchlauter, Neubrunn und Pettstadt befinden sich in der Region Main-Rhön (Bayerische Planungsregion 3) in den Seitentälern des Mains und im südlichen Teil des Naturparks Haßberge, etwa 30 km westlich von Bamberg und 45 km östlich von Schweinfurt. Die Lauter durchfließt die Gemeinde und mündet bei Baunach in den Fluss Baunach, kurz bevor dieser in den Main fließt. Am sogenannten Bollerbrunnen entspringt die Neubrunn, die in den Ebelsbach mündet. Dieser fließt nach ca. 15 Kilometern ebenfalls in den Main. Kirchlauter ist Mittelpunkt der sogenannten Heiligen Länder.
Gemeindegliederung Es gibt neun Gemeindeteile:Kirchlauter und seine Ortsteile das Dorf Goggelgereuth mit 34 Einwohnern, Erstnennung 1373 die Einöde Hecklesmühle mit fünf Einwohnern, Erstnennung 1445 das Pfarrdorf Kirchlauter mit 618 Einwohnern, Erstnennung 1145 die Einöde Klaubmühle mit fünf Einwohnern, Erstnennung 1575 das Kirchdorf Neubrunn mit 670 Einwohnern, Erstnennung 1151 die Einöde Paßmühle rechts des Baches mit sechs Einwohnern, Erstnennung 16. Jahrhundert das Dorf Pettstadt mit 67 Einwohnern, Erstnennung 1145 der Weiler Weikartslauter, früher Mittelmühle, mit drei Einwohnern, Erstnennung 1251 die Einöde Winterhof, früher Hegenberg, mit neun Einwohnern, Erstnennung 1502
Das Gemeindegebiet gliedert sich in den Gemarkungen Kirchlauter, Neubrunn und Pettstadt.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind von Norden beginnend im Uhrzeigersinn: Ebern, Rentweinsdorf, Breitbrunn, Ebelsbach, Zeil am Main und Königsberg in Bayern.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Im 8. Jahrhundert siedelten sich Slawen in der Gegend an, zunächst an der Stelle, wo sich heute der Kindergarten befindet. Die Siedlung Lutere, zwischen Ebern und Eltmann am Lauterbach und einer sehr alten Hochstraße gelegen, hat sich wohl aus einer fränkischen Forsthube gebildet. Mit „Marquard de Lutere“ wurde der Ort erstmals 1145 genannt. Sowohl Bamberger Klöster als auch Ministeriale des Würzburger Hochstifts sind seit dem 13. Jahrhundert als Lehensleute bekannt. Durch die Belehnung eines Ministerialen Flieger ist 1373 erstmals das der heutigen Namensform ähnliche „Kirchluter“ bezeugt. Die Lage an der Hochstifts- und Diözesangrenze von Würzburg zu Bamberg führte wohl zur Sonderstellung einer Zehntbefreiung des Ortes. Die Dorfherrschaft war ursprünglich geteilt. Eine Hälfte besaßen verschiedene Ganerben und von 1502 bis 1803 die Familie von Guttenberg. Die andere Hälfte gehörte seit Mitte des 15. Jahrhunderts dem Pfarrer des Ortes. Unter dem Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg wurden 1689/90 der Familienanteil und der des Pfarrers am Ort vereinigt und ein eigenes hochstiftisches Amt und Zehnt Kirchlauter errichtet. Der gleiche Bischof ließ anstelle einer mittelalterlichen Wasserburg 1689/90 von H. Zimmer ein Familienschloss errichten, das erst 1740 vollendet wurde und das seit 1981 im Besitz der Grafenfamilie Schenk von Stauffenberg ist.
Im Jahre 1818 bildete sich die politische Gemeinde und 1820 ein Patrimonialgericht.
19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1862 wurde Kirchlauter dem Landgericht Baunach und dem Amt Ebern einverleibt.
Seit 1971 gehört Kirchlauter zum Landkreis Haßberge und seit 1978 mit den Ortsteilen Neubrunn, Pettstadt, Goggelgereuth, Hecklesmühle Winterhof, Weikartslauter, Paßmühle rechts des Baches und der Klaubmühle zur Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach.
Der Ort Kirchlauter besaß vom 16. bis ins 20. Jahrhundert Marktrechte. Bedeutend waren vom 17. bis ins 20. Jahrhundert Tonabbau und Tonwarenmanufakturen sowie Sandsteinabbau.
Geschichte der Kirchengemeinde und der Ortskirche mini|hochkant|Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Ursprünglich wurde die Siedlung im Mittelalter von der Mutterpfarrei Zeil seelsorgerlich betreut, bis sie der Würzburger Bischof Gottfried Schenk von Limpurg auf Initiative verschiedener Ortsschultheißen im Jahre 1446 zur selbständigen Pfarrei Kirchlauter mit den Filialorten Neubrunn, Dörflis, Kottenbrunn, Köslau, Pettstadt, Goggelgereuth und Weikartslauter erhob. Damals gab es nur in Neubrunn und Dörflis Kapellen. Weil Dörflis, Köslau und Kottenbrunn auf sächsischem Territorium lagen, wurden diese Orte in der Reformation protestantisch und ab 1592 von einer eigenen evangelischen Pfarrei betreut. In Kirchlauter wurden evangelische Einflüsse zwischen 1565 und 1579 durch den Würzburger Bischof 1580 zurückgedrängt und seither ist die Pfarrei, die ursprünglich vom Dekanat Gerolzhofen und ab ca. 1560 vom Dekanat Ebern verwaltet wurde, wieder katholisch.
Die Kirche Maria Himmelfahrt aus dem 14. Jahrhundert ist noch in Resten mit mittelalterlichen Fresken im alten Chor vorhanden. Die heutige barocke Pfarrkirche entstand zwischen 1751 und 1754 nach den Plänen des Goßmannsdorfer Baumeisters Ägidius Bierdimpfl. 1759 weihte der Würzburger Weihbischof Daniel von Gebsattel das Gotteshaus. Über die barocke Ausstattung der Kirche ist wenig bekannt, da sie meist durch private Stiftungen der Dorfherrschaft von Guttenberg bezahlt wurde und Nachweise fehlen. Lediglich von zwei Figuren ist der Künstler Georg Joseph Mutschele aus Bamberg überliefert. Die Deckenfresken im Chor und Langhaus wurden 1897 von der Münchner Firma Kaspar Lessig und Co. geschaffen.
Das Pfarrhaus wurde von Johann Schmeltzing aus Rüdenhausen zwischen 1735 und 1738 unweit des guttenberg’schen Wasserschlosses im barocken Stil erbaut.
Eingemeindungen Pettstadt gehört seit dem 1. April 1971 zur Gemeinde Kirchlauter. Am 1. Mai 1978 wurde Neubrunn mit seinem Gemeindeteil Paßmühle rechts des Baches in die Gemeinde Kirchlauter eingegliedert.
Einwohnerentwicklung 1961: 1363 Einwohner 1970: 1369 Einwohner 1987: 1391 Einwohner 1991: 1442 Einwohner 1995: 1472 Einwohner 2000: 1500 Einwohner 2005: 1444 Einwohner 2010: 1381 Einwohner 2015: 1318 Einwohner
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1401 auf 1324 um 77 Einwohner bzw. um 5,5 %. 1999 hatte die Gemeinde 1500 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik und Öffentliche Verwaltung Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach.
Gemeinderat Der Gemeinderat umfasst 12 Mitglieder. Der Erste Bürgermeister ist Vorsitzender des Gemeinderates, jedoch nicht dessen Mitglied. Die Tabelle zeigt die Sitzverteilungen nach den Gemeinderatswahlen seit 2002. CSU SPD Junge Liste Freie WählerInteressengemeinschaft Heilige Länder Gesamt20204521113 Sitze 2014 4 6 2 1n. a. 13 Sitze20087411n. a.13 Sitze2002733n. a.n. a.13 Sitze
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2014 Karl-Heinz Kandler (SPD). Dieser setzte sich bei der Wahl 2014 mit 58,81 % der Stimmen gegen Amtsinhaber Jochen Steppert (CSU) durch; 2020 wurde dieser mit 59,7 % der Stimmen wieder gewählt. Bis 2008 war Peter Kirchner (CSU) Gemeindeoberhaupt.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Hof des Guttenberg’schen Wasserschlosses mini|Alter Ortskern Neubrunn Wasserschloss der Freiherren von und zu Guttenberg in Kirchlauter aus dem 17. Jahrhundert mit Parkanlage, erbaut von Baumeister Heinrich Zimmer. Das Schlossgut befindet sich heute im Besitz von Elisabeth Gräfin Stauffenberg, geb. Freiin zu Guttenberg, Ehefrau des Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg und Schwester des Dirigenten Enoch zu Guttenberg Rokokokirche Maria Himmelfahrt in Kirchlauter mit den angeblich ältesten Fresken Frankens aus der Zeit um 1375, erbaut im Jahr 1752 Barockkirche St. Andreas und St. Katharina in Neubrunn, erbaut von 1777 bis 1779 Schmiedemuseum in Kirchlauter, erbaut 1923 und als Schmiede genutzt bis in die 1970er Jahre. Die Ausstellungsräume und die Schmiede mit Esse, Amboss und Ziehbalg können nach Vereinbarung besichtigt werdenvg-ebelsbach.de Schöner Ortskern von Neubrunn mit Fachwerk- und Sandsteinhäusern, Kirche, Schule und Brunnen Kneipp-Anlage gespeist durch eine Quelle am Ortseingang von Neubrunnvg-ebelsbach.de Lehrbienenstand in Kirchlauterkvhassberg.lvbi.de Erlebnis-Lehrpfad rund um das Thema Streuobstwiese gelegen am Altlautersee mit 69 unterschiedlichen Obstbaumsortennaturgenuss-kirchlauter.de
Denkmäler mini|Felder zwischen Kirchlauter und Neubrunn Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft 2023 gab es 129 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, 561 Beschäftigte am Wohnort und 21 Arbeitslose; die Zahl der Auspendler überwog damit um 432 Personen. 2020 bestanden 15 landwirtschaftliche Betriebe; 313 ha waren landwirtschaftlich genutzt. Im Bauhauptgewerbe bestand ein Betrieb.
Verkehr Die Orte Kirchlauter, Neubrunn und Pettstadt besitzen folgende Verkehrsanbindungen: ca. zehn Kilometer zur Bundesautobahn 70 mit Anschlussstelle Ebelsbach-Eltmann ca. neun Kilometer Richtung Ebelsbach zur Bundesstraße 26 ca. zwölf Kilometer Richtung Ebern/Rentweinsdorf zur Bundesstraße 279 ca. neun Kilometer zum Bahnhof Ebelsbach-Eltmann (Bahnstrecke Bamberg–Rottendorf) ca. zehn Kilometer zum Bahnhof Rentweinsdorf-Treinfeld (Regionalbahn Ebern – Bamberg) Buslinie Breitbrunn – Kirchlauter – Bamberg
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2024): Zwei Kindertageseinrichtungen mit 85 Plätzen und 77 Kindern Eine Volksschule mit vier Klassen, vier Lehrern und 65 Schülern
Persönlichkeiten Jörg Hofmann (1660–1714), Baumeister und Zimmermann Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg (1913–2006), Witwe des Obersten Claus Schenk Graf von Stauffenberg, beigesetzt am 8. April 2006 in Kirchlauter
Literatur
Norbert Kandler: Kirchlauter – Geschichte der Pfarrei und ihres Umfeldes bis zur Barockzeit. Echter Verlag, Würzburg 1985, ISBN 3-429-00933-2 Norbert Kandler: Neubrunn – Filialort und Gotteshaus. Festschrift herausgegeben vom Pfarramt Kirchlauter und dem Pfarrgemeinderat Neubrunn, 1984. Norbert Kandler: Handbuch der Historischen Stätten. Bayern II Franken, herausgegeben von H-M., Körner/A. Schmid, Stuttgart 2006, S. 262 f. Norbert Kandler: Lutere – Lauter – Kirchlauter, Würzburg 1959. Norbert Kandler: Kirchen, Kapellen und Schloss in der Pfarrei Kirchlauter, Kirchlauter 1996. Norbert Kandler: Die Mariae-Himmelfahrtskirche zu Kirchlauter, Aschaffenburg 2009. Norbert Kandler, Herbert Roller: Neubrunn – Ein Haßbergdorf, Aschaffenburg 2001
Weblinks
Kirchlauter auf den Seiten der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Haßberge Kategorie:Ersterwähnung 1145 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)