mini|Digitales Höhenmodell des Denson-Seamounts im Ostpazifik, nahe der Staatsgrenze zwischen den USA und Kanada
Tiefseeberge oder Seeberge (nach dem englischen Fachausdruck auch genannt) sind in Gänze unterhalb des Meeresspiegels liegende Erhebungen mit relativ kleiner Grundfläche (maximal einige Tausend Quadratkilometer) und relativ steilen Hängen. Die größten und bekanntesten befinden sich in den Tiefsee-Ebenen der Ozeanbecken und überragen ihre Umgebung um etwa 1000 bis 4000 Meter. Alle diese großen Seamounts sind aktive oder erloschene submarine Vulkane oder ehemalige Vulkaninseln. Auch relativ markante untermeerische Erhebungen auf dem tiefen äußeren Schelf werden oft als Seamounts bezeichnet.
Entstehung und Entwicklung mini|Ein neuer Typ geologisch sehr junger Seamounts an Subduktionszonen wurde erst Anfang des 21. Jahrhunderts vor Japan entdeckt (siehe →Petit Spot). Tiefseeberge entstehen meist an divergierenden Plattengrenzen (Mittelozeanische Rücken) oder innerhalb einer ozeanischen Platte durch Hot-Spot-Vulkanismus: Hierbei kann infolge der Bewegung der ozeanischen Platte über dem mehr oder weniger ortsfesten Hotspot eine ganze Kette von Seamounts entstehen. Eine solche Kette relativ engständiger Seamounts wird, zur Abgrenzung von den Mittelozeanischen Rücken, auch als aseismischer Rücken bezeichnet (Alpha privativum von seismisch, da diese im Gegensatz zu den Mittelozeanischen Rücken keine Erdbebenaktivität aufweisen).
Im Unterschied zu Inseln ragen Seeberge per definitionem nicht über die Meeresoberfläche hinaus. Einen Spezialfall stellen die sogenannten Guyots dar, geologisch alte Seamounts, die vormals als Inseln der abtragenden Wirkung der Meeresbrandung unterworfen waren und daher ein Gipfelplateau aufweisen. Auch können sich im Fall aktiver Vulkane geologisch junge Seeberge zu Inseln entwickeln, wie man es bei Surtsey gesehen hat und unter anderem bei dem Seeberg Kama‘ehuakanaloa vor Hawaii erwartet.
Zu unterscheiden sind Seamounts von ozeanischen Plateaus, die mit mehreren Zehntausend Quadratkilometern Grundfläche deutlich größer Ausdehnungen sind selbst wiederum Berge oder Inseln tragen können.
Vorkommen mini|Kette der New-England-Seamounts vor der Nordostküste der USA Die größten und bekanntesten Tiefseeberge befinden sich in den Tiefebenen der Ozeane. Oft sind sie eng mit Hot Spots assoziiert; so gibt es zum Beispiel eine ungewöhnliche Häufung nahe der Kapverdischen Inseln (siehe → Kapverdenschwelle).M. Y. Ali, A. B. Watts: A seismic reflection profile study of lithospheric flexure in the vicinity of the Cape Verde Islands. In: Journal of Geophysical Research: Solid Earth. Bd. 108, Nr. B5, 2003, Art.-Nr. 2239, doi:10.1029/2002JB002155 Nicht selten bilden Seamounts eine regelrechte Kette auf dem Ozeanboden, deren Endpunkt eine aktive Vulkaninsel ist; ein Beispiel hierfür ist die Hawaii-Emperor-Kette im Nordwestpazifik.
An Subduktionszonen, wo eine Kontinentalplatte unter die andere abtaucht, können diese Erhebungen Hemmnisse für die Subduktion bilden. Die abtauchende Platte (Unterplatte) bleibt an der Oberplatte gewissermaßen hängen, was zu besonders heftigen Erdbeben führen kann, und, bei Subduktion einer ganzen Seamount-Kette, zu starker Deformation der Oberplatte.
Flora und Fauna mini|Kelpwald
Seeberge sowie ihre Fauna sind bislang kaum erforscht. Die Tiefsee, in der absolute Dunkelheit herrscht, beherbergt jedoch eine große Anzahl Tierarten, zum Beispiel Tintenfische wie den Riesenkalmar, die sich jedoch oftmals durch niedrige Reproduktionsraten auszeichnen. Im Gegensatz zum umgebenden Ozean zeichnen sich Tiefseeberge durch ein erhöhtes Vorkommen von Organismen aus, da sie in die an Zooplankton reiche Zone bis 1000 Meter Tiefe ragen und hier durch ihre felsige Oberfläche eine Besiedlung durch sessile Filtrierer (z. B. Schwämme, Korallen, Armfüßer, Seelilien und Haarsterne, Moostierchen) ermöglichen.Karen Stocks: Seamount Invertebrates: Composition and Vulnerability to Fishing. In: Telmo Morato, Daniel Pauly (Hrsg.): Seamounts: Biodiversity and Fisheries (= Fisheries Centre Research Reports. Bd. 12, Nr. 5). Fisheries Centre, University of British Columbia, Vancouver 2004, S. 17–24 (ganzer Band, PDF 3,5 MB). Wenn die Kuppe der Meeresberge bis in die obere lichtdurchflutete Zone reicht, können auch Pflanzen auf ihnen wachsen. Vor allem große Braunalgen, deren Ansammlungen als „Kelpwälder“ bezeichnet werden, nutzen diesen Lebensraum. Die Bewohner höher gelegener Tiefseeberge sind in Gefahr, durch die Fischerei mit riesigen Grundschleppnetzen ausgefischt und getötet zu werden.
Beispiele für Tiefseeberge Eratosthenes-Tiefseeberg, bei Zypern, östliches Mittelmeer Ferdinandea, Straße von Sizilien, Mittelmeer Marsili, Tyrrhenisches Meer, Mittelmeer Vema, Südatlantik vor Kapstadt Vavilov-Tiefseeberg, Tyrrhenisches Meer, Mittelmeer Anton Dohrn Seamount, Rockall-Trog, Nordatlantik Gorringe-Bank, vor Portugal, östlicher Zentralatlantik Musicians-Seamounts, nördlicher Pazifik Tuscaloosa Seamount, bei Hawaii, nördlicher Pazifik Axial Seamount, Juan-de-Fuca-Rücken, Nordostpazifik Tasmanian Seamounts, südwestlicher Pazifik Lichtner Seamount, Südlicher Ozean Dallmann Seamount, Südlicher Ozean Karasik Seamount, Arktischer Ozean
Literatur Malcolm R. Clark, Derek Tittensor, Alex D. Rogers, Paul Brewin, Thomas Schlacter, Ashley Rowden, Karen Stocks, Mireille Consalvey: Seamounts, Deep-Sea Corals and Fisheries. UNEP World Conservation Monitoring Centre, Cambridge 2006, ISBN 978-92-807-2778-4 (PDF 1,1 MB). Barbara H. Keating, Patricia Fryer, Rodey Batiza, George W. Boehlert (Hrsg.): Seamounts, Islands, and Atolls (= Geophysical Monograph Series Bd. 43). American Geophysical Union, Washington, DC 1987, ISBN 0-87590-068-2, doi:10.1029/GM043. J. Anthony Koslow: Seamounts and the Ecology of Deep-Sea Fisheries. In: American Scientist. Bd. 85, 1997, Nr. 2, S. 168–176. Henry William Menard: Marine Geology of the Pacific (= International Series in the Earth Sciences). McGraw-Hill, New York 1964.
Weblinks Institut für Meereskunde (Uni Kiel) Seamount-Ökosysteme, Projekt OASIS (PDF, englisch) Seamounts Online (englisch), Datenbank des San Diego Supercomputer Center Expeditionen im Pazifik in Zusammenarbeit mit dem Monterey Bay Aquarium Research Institute (englisch) Seamounts auf dem Reykjanesrücken vor Island (englisch) A.B. Watts: The deep structure of oceanic islands and seamounts (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Endogene Morphodynamik Kategorie:Vulkanismus Kategorie:Ökosystem Kategorie:Tiefsee !Seeberg !Seeberg