110px|mini|Dàodéjīng () – Kleine Siegelschrift

Das Daodejing oder Daudedsching (auch Tao-te-king; ) ist eine Sammlung von Spruchkapiteln, die der chinesischen Legende nach von einem Weisen namens Laozi (auch bekannt als Laotse) stammt, der nach Niederschrift des Daodejing in westlicher Richtung verschwunden sei. Er hinterließ die Gründungs­schrift des Daoismus mit einer umfassenden Weltsicht, die durch praktisch anwendbare Weisheit geprägt ist. Obwohl der Daoismus verschiedene Strömungen umfasst, die sich von den Aussagen des Daodejing erheblich unterscheiden können, wird dieses Werk von den Anhängern aller daoistischen Schulen als kanonischer, maßgebender Text angesehen. Es beinhaltet eine humanistische Staatslehre, die die Befreiung von Gewalt und Armut und die dauerhafte Etablierung eines harmonischen Zusammenlebens und letztlich den Weltfrieden zum Ziele hat. Der größte Teil des Textes entstand vermutlich im oder vor dem 4. Jahrhundert v. Chr., wobei seine Entstehungsgeschichte ungewiss und weiterhin Gegenstand sinologischer Forschung ist.

Grundbegriffe Vereinfacht formuliert bezeichnet der Leitbegriff Dao () den Weg, in aktiver Form „lenken, in Verbindung setzen (regulieren)“. Übertragen bedeutet es hier den Ursprung und „Fluss“ des Universums, das Eine als (noch-)nicht-dualistisches Prinzip, mit der Fähigkeit des vielfältigen Werdens; es ist die ewige, höchste Wirklichkeit, die das Nicht-Sein ()Zu dem philosophischen Begriff vgl. Wolfgang Ommerborn: Absolute Leere, leerer Raum zwischen den empirischen Dingen oder Bereich des Nichtsichtbaren im Seinskontinium? Zur Konzeption des Wu im Daoismus und Konfuzianismus. – In: Oriens extremus, 39. Jg., Heft 1, 1996, S. 69–95. ebenso wie das Dasein () umfasstAus früher animistischer Sicht: „Im Dau [Dao] ruhen und wirken die Yin- und Yang-Kräfte, die als Wärme und Kälte, Regen und Trockenheit für das Gedeihen der Saat, das Reifen des Getreides, kurz: das das Werden der Dinge aus dem ‚Nichtseienden‘ ausschlaggebend waren.“ Ernst Schwarz „Einleitung“ zu Laudse: Daudedsching (1978) S. 22. und „ohne Handeln“ (wúwéi) letztlich ein natürliches, dynamisches Gleichgewicht zwischen dem bildet, was als Gegensätzliches erscheint (und sich dabei bedingt).Es ist „immanent und doch transzendental […] unteilbar, und doch […] die Quelle aller Dualität und Vielfalt […] die Mutter der Welt, alldurchdringend und allumfassend, unveränderlich und unaufhörlich […].“ „In ihm sind Formen, Dinge, Wesenheit latent enthalten, es selbst jedoch ist ohne Form und Abbild. Wir können es nur durch unmittelbare Intuition, nicht mit dem Verstand begreifen.“ – Chang Chung-yuan: Tao, Zen und schöpferische Kraft. Aus dem Englischen von Stephan Schumacher. Eugen Diederichs, Düsseldorf – Köln 1980; Lizenzausgabe: Buchclub Ex Libris, Zürich 1983, S. 32–33, 92–93. (Original: Creativity and Taoism. The Julian Press, New York 1963) Das De () entspricht der Verwirklichung, der Tugend (im Erkennen und Folgen des Dao), der Integrität und der inneren Stärke (des ursprünglichen Charakters). Beide namensgebende Zeichen werden abweichend vom konfuzianischen Verständnis verwendet, sie beziehen sich auf die gesamte, nicht nur die menschliche Welt und stehen für etwas nicht letztgültig Bestimmbares, auf dessen eigentliche Bedeutung das Werk hindeuten möchte. Trotz mancher Nähe zu westlichen Vorstellungen (etwa dem Einen in der griechischen Philosophie) gibt es nur teilweise Überschneidungen, so dass beide Begriffe oft unübersetzt belassen werden. Mit Jing (), „Klassiker“, als Schriftzeichen gleichbedeutend mit einer „(Gewebe-)Kette“, wird ein kanonisches Werk benannt. Der offizielle Ehrentitel bezog sich zuerst im engeren Sinn auf sechs alte „heilige Schriften“. Der verbindliche Kanon wurde seit der Han-Dynastie erweitert und dabei unterteilt. Die Kategorie Jing enthielt danach zusätzlich konfuzianische Standardtexte, die des Shi () hauptsächlich Werke der Geschichte und des Landes, Zi () die Werke der „Meister“ bzw. Philosophen und Jí () die „schöne Literatur“ (Poesie und Prosa), jeweils inklusive interpretierender Schriften.Lutz Geldsetzer, Hong Han-din: Grundlagen der chinesischen Philosophie. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1998 (= Universalbibliothek 9689), S. 216–-236. Der Buddhismus in China übernahm den Begriff Jing für seine heiligen Texte, die Sutras (सूत्र sūtra = „Faden“, „Kette“).

Das Buch

Schreibweisen In der chinesischen Schrift existieren neben verschiedenen Rechtschreib- auch verschiedene Schriftsysteme. Außer diversen Schriftarten unterscheidet man heute allgemein schon im Kaiserreich benutzte Langzeichen, die nur noch in Hongkong, Macau und Taiwan amtlich sind, und in der Volksrepublik geschaffene Kurzzeichen, welche in Festlandchina, Singapur und Malaysia als offizieller Standard gelten. In älteren historischen Quellen wird das Daodejing in Langzeichen wiedergegeben, neuere Quellen geben es auch in Kurzzeichen wieder. Auch für die Umschrift der Zeichen in das lateinische Alphabet gibt es verschiedene Systeme; das für Hochchinesisch am weitaus häufigsten benutzte und inzwischen in allen Staaten mit chinesischer Amtssprache offizielle ist das Hanyu-Pinyin-System (meist kurz: Pinyin).

Zeichen Couvreur Lessing-Othmer Pinyin Schwarz Stange Tongyong Pinyin Unger Wade-Giles Wilhelm Yale tao dau dào dau tao dào tao tao tao dau té de dé de tê dé têh tê te de king/tsing djing jīng dsching king/tsing jing king ching king jing Quellen zur Tabelle: Anmerkung: „“ auch möglich als Ging

Sprachhistoriker des Sinitischen sind sich erstaunlich einig, dass es in der altchinesischen Sprache noch gar keine Töne (d. h. Toneme), sondern nur segmentale Phoneme (Konsonanten und Vokale) gab. Nach der StarLing-DatenbankStarLing-Datenbank chinesischer Schriftzeichen (Hinweis: Tragen Sie einzelne Schriftzeichen in das Feld „Character“ ein.) von Sergei und George Starostin wurde im vorklassischen Altchinesischen „lhūʔ tǝ̄k kēŋ“ ausgesprochen und im klassischen Altchinesischen „lhū́ tǝ̄k kēŋ“.

Urheberschaft