Kolitzheim ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt in Bayern. Sie ist die zehntgrößte Weinbaugemeinde im Weinanbaugebiet Franken.
Geografie Die Gemeinde liegt zwischen Schweinfurt und Volkach am südlichen Rand des Schweinfurter Beckens und am Fuße des Gaibacher Bergs. Schweinfurt, Gerolzhofen und der Steigerwald liegen auf Sichtweite vom südlichen Gemeindegebiet. Naturräumlich ist die Gemeinde in der Herlheimer Mulde zu finden, die von Tonkeuperböden beherrscht wird.
Gemeindegliederung Es gibt elf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Gernach, Herlheim, Kolitzheim, Lindach, Oberspiesheim, Stammheim, Unterspiesheim und Zeilitzheim. Die Gemarkung Kolitzheim hat eine Fläche von 8,533 km². Sie ist in 1269 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 6724,30 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Wadenbrunn.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Schwebheim, Grettstadt, Sulzheim, Frankenwinheim, Volkach, Eisenheim, Wipfeld und Röthlein.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der Ortsname wurde 791 als „Coldleibesheim“ erstmals erwähnt, als der Grundherr Hiltrich und seine Gemahlin Hruandun dem Kloster Fulda Güter schenkten.Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim Der Autor Friedrich Abel nimmt an, dass der Ort als fränkische Siedlung um 600 von einem Merowinger namens Coldleib gegründet wurde. Aus Coldleibesheim wurde „Coldosheim“ und „Collosheim“, später „Coldsheim“ und „Collshem“. Als die deutsche Sprache im 14. Jahrhundert in den Urkunden vorherrschend wurde, wurde es „Kolotsheim“, „Koleczheim“ und „Koliczheim“ genannt.Friedrich Abel: Aus Leben und Geschichte des würzburgischen Dorfes Kolitzheim bis zum Jahre 1803
Im Jahre 1796 besetzte die französische Revolutionsarmee das Frankenland. In der Nacht des 24. Juli wurde Kolitzheim von Dragonern überfallen und gebrandschatzt. Tagelang dauerte der Durchmarsch französischer Bataillone. Die Bevölkerung lebte in furchtbarer Angst. In dieser Not legten die Kolitzheimer ein Gelübde ab: Um weitere Kriegsnot abzuwenden, versprachen sie, alljährlich ein 33-stündiges Gebet vom Karfreitagmorgen bis zum Karsamstagabend abzuhalten. Dieses Gelübde wird bis heute eingehalten.Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim
Als Teil des Hochstiftes Würzburg wurde Kolitzheim 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert, dann im Frieden von Pressburg 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen, mit welchem es 1814 endgültig an Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Kolitzheim. Sie wurde Teil des ehemaligen Landkreises Gerolzhofen.
Kreiszugehörigkeit Der Landkreis Gerolzhofen wurde 1972 aufgelöst und die Gemeinde Kolitzheim wurde Teil des Landkreises Schweinfurt.
Eingemeindungen Am 1. Mai 1978 wurde der Ort Kolitzheim Sitz der im Zuge der Gebietsreform in Bayern neu konstituierten Gemeinde Kolitzheim mit den ehemals acht Gemeinden Kolitzheim, Gernach, Unterspiesheim, Oberspiesheim, Lindach, Stammheim, Herlheim und Zeilitzheim.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 5058 auf 5549 um 491 Einwohner bzw. um 9,7 %. 1999 hatte die Gemeinde 5748 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Einwohnerentwicklung seit 1840:. Website der Gemeinde Kolitzheim. Abgerufen am 11. September 2014.
Jahr Einwohner 1840 3415 1871 3583 1900 3587 1925 3914 1939 4205 Jahr Einwohner 1950 5433 1961 4779 1970 4987 1987 4990 1991 5173 Jahr Einwohner 1995 5462 2000 5748 2003 5662 2004 5615 2005 5519 Jahr Einwohner 2006 5495 2007 5509 2008 5484 2009 5449 2010 5379 Jahr Einwohner 2011 5427 2012 5393 2013 5414 2014 5429 2015 5463
Die Einwohner verteilen sich auf die Gemeindeteile wie folgt (Stand: 30. Juni 2021)Gemeinde Kolitzheim: Gemeindeteil Hauptwohnung Nebenwohnung Insgesamt Gernach 545 35 580 Herlheim 474 29 503 Kolitzheim 730 44 774 Lindach 517 32 549 Oberspiesheim 628 33 661 Stammheim 890 51 941 Unterspiesheim 1280 61 1341 Zeilitzheim 653 35 688 Insgesamt 5717 320 6037
Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahl 2020 ergab folgende Stimmenanteile und Sitzverteilung: mini|Rathaus Kolitzheim
+ Partei / ListeStimmenanteilSitze CSU – Wählergruppe Kolitzheim11,29 %2 Achtsam10,87 %2 Bürgerwahlvereinigung Zeilitzheim10,11 %2 Christliche Wählergruppe Lindach9,12 %2 Christliche Wählergruppe Stammheim14,81 %3 Dorfgemeinschaft Gernach9,07 %2 Freie Wählergemeinschaft/Bürgerblock Oberspiesheim8,27 %2 Wählergemeinschaft Herlheim9,06 %2 Wählergruppe Unterspiesheim17,41 %3 Summe 100 % 20 Wahlbeteiligung: 75,50 %
Bürgermeister Horst Herbert (CSU) ist seit 1. Mai 1996 Bürgermeister; er wurde zuletzt am 15. März 2020 bei einer Wahlbeteiligung von 75,5 % mit 61,4 % der Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist Rot-Gelb-Blau.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Katholische Kirche St. Stephan In Stammheim, dem größten Weinbauort des Landkreises Schweinfurt, findet jedes Jahr am letzten Juli-Wochenende das Straßenweinfest statt. Einmal jährlich finden im Ortsteil Lindach die Weinbergswanderung (1. Mai) und das Straßenweinfest (1. Wochenende im August) statt. Dabei werden der Frankenwein aus Lindach und nach althergebrachten Rezepten hergestellte Lebensmittel präsentiert und verkauft. Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim am Main Das Kulturzentrum Schloss Zeilitzheim mit jährlichem Kulturprogramm. Die Familie von Halem als Betreiber erhielt im Jahre 2004 den Deutschen Preis für Denkmalschutz für die Wiederherstellung und Nutzung des Schlosses. Ein Weinfest findet am dritten Augustwochenende am Zeilitzheimer Marktplatz statt. Am zweiten Wochenende im Juli finden die Blasmusiktage in Gernach mit dem Benfiz-Dorflauf am Sonntag (400, 1.000, 4.000, 6.000 und 10.000 Meter) statt. Das jährliche Unterspiesheimer Bierfest Die Fendt-Feldtage auf Gut Wadenbrunn mit jeweils mehr als 50.000 Besuchern aus ganz Europa.
Bau- und Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Die Gemeindeteile Kolitzheim und Unterspiesheim werden von der Staatsstraße 2271 durchzogen.
Wirtschaft Es gab 2020 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 70, im produzierenden Gewerbe 347 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 143 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 183 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2530. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe neun Betriebe. Im Jahr 2016 bestanden zudem 155 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 5382 Hektar, davon waren 4889 Hektar Ackerfläche und 285 Hektar Dauergrünfläche. Im Jahr 2017 betrug die Rebfläche 160 ha.Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim: Liste der Rebflächen der Weinorte, bestockte Rebflächen am Stichtag 31. Juli 2017.
Das Solarenergieunternehmen Belectric hat seinen Sitz in Kolitzheim.
Flugplatz Kolitzheim-Herleshof
Östlich des Hauptortes, in der Nähe des ehemaligen Hofgutes Herleshof befindet sich der Sonderlandeplatz Kolitzheim-Herleshof. Er verfügt über eine 870 m lange Start- und Landebahn aus Gras mit einem Mittelstreifen von 6,5 m Breite aus Bitumen, die an einen Feldweg erinnert. Der Flugplatz wurde im Jahr 2015 eingerichtet und wird durch die Familie Schönborn betrieben, die auch die einzigen Landungen auf dem Platz vornehmen darf.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (2004): sechs Kindergärten eine Grundschule (mit Schulhäusern in Herlheim, Sitz der Schulverwaltung, Zeilitzheim, Stammheim)
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Heinrich VI. Pförtner († 1646), deutscher Zisterzienserabt, geboren im Ortsteil Unterspiesheim Adolf Wächter (1873–1954), Oberbürgermeister von Bamberg, geboren im Ortsteil Herlheim Franz Herbert (1885–1945), deutscher Politiker und Märtyrer Valentin Müller (1891–1951), deutscher Arzt
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben Heinz Miederer (1928–1990), Pfarrer und Rektor der Diakonie Neuendettelsau; er war von 1956 bis 1963 Pfarrer in Zeilitzheim
Weblinks
Kommunalverwaltung
Einzelnachweise
Kategorie:Ersterwähnung 791 Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Schweinfurt Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)