The Hunt ist ein US-amerikanischer Satire-Thriller, der von Damon Lindelof und Nick Cuse geschrieben und von Craig Zobel durch Blumhouse Productions inszeniert wurde. Er basiert lose auf der Kurzgeschichte Das grausamste Spiel von Richard Connell aus dem Jahr 1924 und überspitzt auf diese Weise den Spalt zwischen den beiden politischen Seiten in den Vereinigten Staaten, indem in dem Film elitäre Liberale Jagd auf Konservative machen. Die Hauptpersonen der beiden Seiten werden gespielt von Betty Gilpin und Hilary Swank.
Ursprünglich für den 27. September 2019 angesetzt, wurde die Veröffentlichung nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Amokläufen in El Paso und Dayton mit 29 Toten in den Vereinigten Staaten verschoben, worauf der Film am 13. März 2020 in den amerikanischen Kinos erschien. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde er am 20. März frühzeitig auf Video-on-Demand-Plattformen veröffentlicht. Deutscher VoD- oder Kinostart war der 14. Mai 2020.
Handlung In einem Gruppenchat schreibt eine Frau namens Athena, sie freue sich auf die kommende Jagd auf die „Erbärmlichen“ () bei ihrem Anwesen; andere Teilnehmer reagieren damit, dass das Anwesen nicht erwähnt werden sollte. In einem Privatflugzeug erschrecken die Passagiere darüber, dass ein Mann benommen aus dem Frachtraum tritt. Er sollte eigentlich noch nicht erwachen. Es kommt zu einem Kampf, in dem Athena ihn letztendlich mit dem Absatz ihres Stöckelschuhs tötet. Sie verfrachten ihn zurück in den Frachtraum, wo bereits andere bewusstlose Personen liegen.
Diese erwachen mit Mundknebeln in einem Wald vor einer Lichtung, auf der eine Holzkiste steht. Nachdem einer von ihnen sie öffnet, läuft ein bekleidetes Schwein heraus, und der Mann zieht ein Waffenarsenal heraus. Eine junge blonde Frau findet einen Schlüssel für die Knebel und befreit die anderen von ihren, als auf einmal auf die Gruppe geschossen wird und die Frau tödlich getroffen wird. Eine weitere Frau ist beim Weglaufen in eine Grube mit Pfählen gefallen. Ein Mann zieht sie heraus, aber tritt im Laufen auf eine Landmine. Vier weitere treffen auf einen Drahtzaun, aber nachdem drei von ihnen über diesen geklettert sind, wird der Vierte von Pfeilen getroffen und mit Granaten getötet. Die Drei kommen an eine Tankstelle mit einem Gemischtwarenladen, der von einem älteren, scheinbar harmlosen Ehepaar geführt wird. Dieses tötet die Drei. Nachdem sie ihren Laden aufgeräumt haben, erhält das Paar über ein Walkie-Talkie die Information, dass „Schneeball“ unterwegs zu ihnen sei.
Crystal, eine weitere Gejagte, betritt den Laden und erkennt beim Kauf von Zigaretten, dass die Information, die ihr die ältere Frau gibt, sie seien in Arkansas, falsch sein muss, woraufhin sie das überraschte Paar tötet. Draußen findet Crystal an einem Auto unter einem gefälschten amerikanischen Nummernschild ein kroatisches Kennzeichen und eine Sprengfalle, die durch den Türgriff aktiviert würde. Vor dieser warnt sie den hinzugekommenen Gary und führt ihn zu Schienen, an denen sie auf einen Zug mit arabischen Flüchtlingen aufspringen, die Gary für Krisenschauspieler hält. Als Soldaten den Zug anhalten, gibt einer der Flüchtlinge gegenüber Gary zu, einer der Jäger zu sein, woraufhin Gary ihn angreift und eine Handgranate aus dessen Tasche fällt. Nachdem Gary diese dem Jäger in die Hose steckt, läuft er davon, während Crystal eine Flüchtlingsmutter mit Baby vor der Explosion schützt. Crystal, von der die Soldaten erfahren haben, dass sie aus den Vereinigten Staaten ist, wird ins Flüchtlingscamp geführt und findet in ihrer Befragung ihren Verdacht bestätigt, dass sie jetzt in Kroatien ist.
Sie und Don, ein weiteres Mitglied der ursprünglichen Gruppe, werden von einem vermeintlichen Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft abgeholt. Doch als dieser versucht, Don dazu zu bringen zuzugeben, dass er etwas getan habe, weswegen er zur Jagd ausgewählt wurde, wird Crystal misstrauisch und tötet den Botschafter mit seinem Auto. Nachdem Don und sie im Kofferraum Gary mit einem Messer im Kopf und eine Karte gefunden haben, erzählt sie ihm die Geschichte „Jack Rabbit and the Box Turtle“, eine Variante der Fabel Die Schildkröte und der Hase, in der der Hase nach dem verlorenen Rennen die Schildkröte tötet. Mit der Karte kommen sie zu einem Versteck der Jäger. Crystal tötet diese, lässt aber zunächst deren Berater Sergeant Dale am Leben. Über Funk ruft Athena nach Don, was klingt, als sei er ein Maulwurf der Jäger und habe Crystal getäuscht. Nach mehrmaliger Aufforderung, seine Waffe zu senken, die er nicht erfüllt, tötet Crystal Don. Sie erfährt von Dale, dass er bei der Nationalgarde der Vereinigten Staaten war, während sie selbst in Afghanistan gedient habe, sowie den Weg zu Athenas Standort. Im Anschluss erschießt sie auch ihn.
Eine Rückblende zeigt, wie Athena von ihrem Boss wie schon vorher andere Mitarbeiter wegen ihrer Textnachrichten, um die die Verschwörungstheorie „ManorGate“ entstand, gefeuert wird und daraufhin später mit den anderen entlassenen Teilnehmern des Gruppenchats Personen für die Jagd auswählt. Obwohl Crystal eine niedrige Wertung erhalten hatte, hat Athena sie persönlich ausgewählt und „Schneeball“ genannt.
Crystal erreicht Athenas Anwesen und muss ihre Handfeuerwaffe im Briefkasten ablegen. Sie findet im Haus Fotos der Gejagten. In der Küche trifft sie auf Athena, die ihr das Leben einer gewissen Crystal Mae Creasey darlegt und deren Online-Texte über Athena vorliest, worauf Crystal behauptet, verwechselt worden zu sein. Nachdem die beiden miteinander gekämpft haben und schließlich beide schwer verletzt daliegen, fragt Crystal nach ihrem Decknamen „Schneeball“, der laut Athena aus George Orwells Farm der Tiere stammt, aber laut Crystal besser zu Athena passen würde. Athena, die überrascht ist, dass Crystal Farm der Tiere gelesen hat, lässt sich noch einmal versichern, dass ihre Gegnerin die falsche Person ist, und stirbt. Crystal hingegen steht wieder auf. Sie bedient sich aus Athenas Kleiderschrank, besteigt mit deren Hund das Privatflugzeug, das sie alle hergebracht hat und lässt sich dort von der Flugbegleiterin bedienen, lädt diese aber auch ein, den Kaviar mit ihr zu essen.
Besetzung und Synchronisation
mini|150px|Hauptdarstellerin Betty Gilpin
Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach dem Dialogbuch und der Dialogregie von Hannes Maurer durch die Berliner Synchron GmbH.
GejagteDarstellerRolleSynchronsprecherBetty GilpinCrystal CreaseyVictoria SturmEmma RobertsYoga PantsLuisa WietzorekJustin HartleyTruckerManou LubowskiIke BarinholtzStaten IslandTommy MorgensternEthan SupleeGary for USOlaf ReichmannWayne DuvallDonLutz SchnellKate NowlinBig RedGundi EberhardSturgill SimpsonVanilla NiceDennis Schmidt-FoßChris BerryTargetTobias LelleSylvia Grace CrimDead SexyMaria HönigWalker BabingtonBandana ManJason KirkpatrickRandySven Fechner
JägerDarstellerRolleSynchronsprecherHilary SwankAthena StoneSandra SchwittauGlenn HowertonRichardAlexander DoeringSteve CoulterThe Doctor (Ted)Marcus OffAmy MadiganMa (Miranda)Ulrike MöckelReed BirneyPop (Julius)Bodo WolfUsman AllyCrisis MikeJaron LöwenbergMacon BlairFauxnvoy (Oliver)Leonhard MahlichTeri WybleLibertySarah RiedelDean WestMartinJulien HaggègeVince PisaniPeterStefan KrauseSteve MokateSgt. DalePeter Münchow
Interpretation Figuren Die Jagd beginnt mit einer Anlehnung an den Twist in Alfred Hitchcocks Psycho – von Lindelof der Janet-Leigh-Trick genannt –, in dem überraschend früh im Handlungsverlauf die bisherige Hauptfigur, die von dem größten Star in der Besetzung gespielt wurde, umgebracht wurde und daher im Rest des Films nicht mehr vorkam. Dieser Twist wurde bereits in Scream satirisch aufgenommen. Daher sagt Lindelof, der nächste Schritt sei, ihn einfach zu wiederholen. So werden hintereinander unter den Gejagten verschiedene Figuren, gespielt von bekannten Gesichtern – Emma Roberts, Justin Hartley, Ike Barinholtz –, in den Fokus gerückt, damit der Zuschauer denkt, diese oder jener sei der Protagonist und Held, dem man den Film hindurch folgen werde, und werden dann früh getötet. Laut Lindelof war die Intention, bei dem Publikum ein Gefühl zu erzeugen, dasselbe emotionale Erlebnis, das die Gejagten haben: dass jeder zu jeder Zeit gehen kann. Man solle keinem dieser Leute zu zugetan werden, denn dies sei ein Film, bei dem der Held sterben kann. Dadurch weiß der Zuschauer für die ersten etwa zwanzig Minuten des Films nicht, wer die Hauptfigur sein wird, bis Betty Gilpin ins Bild tritt.
Auf diese Weise sterben die meisten der Gejagten, ohne dass ihre Namen genannt werden – die durch die Jäger vergebenen Bezeichnungen erfährt man erst in den Credits im Abspann – oder weitere Informationen über sie gegeben werden. Später im Film werden durch die Rückblenden und die Fotowand in Athenas Manor aus ihren Hintergrundgeschichten die Gründe aufgezeigt, aus denen sie für die Jagd ausgewählt wurden. Diese beziehen sich sowohl auf Handlungen in der realen Welt als auch auf Aktivitäten im Internet, wo sie die Verschwörungstheorie „ManorGate“ verbreitet haben, etwa Gary in seinem Podcast The Confederate Files. Mehrere von ihnen werden als Waffenbesitzer dargestellt, beispielsweise „Trucker“/Shane (Justin Hartley), der neben einem von ihm erschossenen Nashorn posiert. „Staten Island“ (Ike Barinholtz), der bereits im Gemischtwarenladen den 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verteidigt hat, ist auf einem bekannten Foto des Fackelzugs bei den rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville 2017 zu sehen; eine andere bei schwulenfeindlichen Protesten. Die Figur von Emma Roberts steht auf einem Foto neben einem – offenbar sehr konservativen – Politiker. Damit werden sie mit konservativen Eigenschaften wie Waffenvernarrtheit und Intoleranz dargestellt, die bei Liberalen Anstoß erregen.
Während die anderen Figuren beider Seiten als stereotype Karikaturen dargestellt werden, ist Crystal als Zentrum entwickelt. Sie ist keine politische bzw. eine apolitische Figur. Dazu sagt Lindelof: „Sie ist offensichtlich jemand, der nicht über Politik reden möchte. Und das ist bezeichnend für eine gewaltige Zahl an Leuten in unserem Land. […] Sie sorgen sich mehr darum, ihre Familie zu ernähren oder dass sie ihre Zulassung bei der Kraftfahrzeugbehörde erneuern müssen. Und ich glaube, Crystal ist eine Figur, die für solche Leute spricht, die denken: ‘Wieso muss ich ein Team wählen? Ich bin im Team Ich.’“ Als Kehrseite zu Crystal fungiert Athena, die gezwungen war, eine Seite zu beziehen, und zwar immer eine extreme. Dabei wurde sie zu dem, wessen sie beschuldigt wurde, indem sie in die Defensive ging und die Anschuldigungen als Rechtfertigungen benutzte. „Die Frage, die wir stellen, ist, was mit jemandem passiert, der beschuldigt wird, ein Monster zu sein, und nicht nur beschuldigt, sondern es wird auch noch geglaubt. An einem bestimmten Punkt wirft sie einfach die Arme hoch und sagt: ‘Okay, du willst, dass ich ein Monster bin, dann ist es das, was ich sein werde. Wenn du das eh schon von mir glaubst, könnte ich es genauso gut einfach tun.’“ Die Kleidung der beiden Rollen in Athenas Küche – Athena trägt ein dunkelrotes, Crystal ein puderblaues Oberteil – soll an die von Michelle Obama und Melania Trump bei Donald Trumps Amtseinführung angelehnt sein.
Ende und Botschaft