mini|Eberhard Friedrich Walcker mini|Absage von Wilhelm Strebel wegen der 100-Jahr-Feier Walckers, Brief vom 20. August 1920
Eberhard Friedrich Walcker (* 3. Juli 1794 in Cannstatt; † 2. Oktober 1872 in Ludwigsburg) war ein deutscher Orgelbauer und wie noch sein Enkel Oscar Walcker (1869–1948, Unternehmensinhaber ab 1916) „Walcker Hof-Orgelbaumeister unter König Wilhelm II. von Württemberg und Lieferanten des Vatikans“.Adreßbuch von Ludwigsburg 1914 Das auf ihn zurückzuführende Orgelbauunternehmen in Ludwigsburg gehörte zeitweilig zu den größten und renommiertesten weltweit.
Wirken Eberhard Friedrich war Sohn des Orgelbauers Johann Eberhard Walcker, der im Jahr 1780 in Cannstatt eine Werkstatt gegründet hatte. 1820 verlegte er die Firma nach Ludwigsburg, dem langjährigen Firmensitz. Eberhard Friedrich Walcker gilt als der bedeutendste deutsche Orgelbauer des 19. Jahrhunderts. Er erlangte Bedeutung durch verschiedene technische und klangliche Verbesserungen. Ausgebildet wurde er in der Orgelbauwerkstatt seines Vaters; er gründete 1821 in Ludwigsburg eine eigene Werkstatt (ab 1854 unter dem Namen E. F. Walcker & Cie.). Sein erstes bedeutendes Werk war die 1833 fertiggestellte Orgel in der Frankfurter Paulskirche (Opus 9), die international Beachtung fand.
Zu Walckers wegweisenden Innovationen im Orgelbau gehören die Perfektionierung und Verbreitung der Kegellade, ein für die deutsche Orgelromantik prägendes Windladensystem sowie die von Abbé Vogler inspirierte konsequente Ausnutzung der Teiltöne. Walcker gelang der Bau eines klanglich überzeugenden offenen 32'-Labial-Registers. Auch die Einführung des Jalousieschwellers in Deutschland ist ihm zu verdanken; einer Vorrichtung, die er – vermittelt durch Vogler – aus England und Frankreich übernahm.
Nachkommen Söhne: 1872–1916 Eberhard Friedrich Walcker hatte mehrere Söhne, von denen fünf in seiner Firma mitgearbeitet haben. Aus seiner ersten Ehe 1821 mit Luise Beate Weigle (* 3. August 1793 in Ludwigsburg; † 18. August 1843 ebenda), Schwester des Orgelbauers Carl Gottlieb Weigle, stammten: Heinrich (* 10. Oktober 1828 in Ludwigsburg; † 24. November 1903 ebenda), Friedrich (* 17. September 1829 in Ludwigsburg; † 6. Dezember 1895 ebenda) und aus seiner zweiten Ehe 1844 mit Marie Stumpp (* 21. Oktober 1817 in Kirchheim unter Teck; † 29. Mai 1887 in Ludwigsburg) (von der er insgesamt 11 Kinder bekam)Chronologie im Schaffen Eberhard Friedrich Walckers – Das Jahr 1844: Carl (* 6. März 1845 in Ludwigsburg; † 19. Mai 1908 ebenda) Paul (1846–1928) Eberhard (* 8. April 1850 in Ludwigsburg; † 17. Dezember 1926 ebenda)
Heinrich Walcker arbeitete vorwiegend als Intonateur im Werk, während Friedrich Walcker vor Ort die Installationen leitete, intonierte und Abnahmen vornahm. Letzterer galt als herausragender Intonateur, insbesondere für Zungenpfeifen. 1857 wurden sie beide Teilhaber der Firma. Nach dem Tod von Eberhard Friedrich Walcker im Oktober 1872 übernahm Carl Walcker die kaufmännische Leitung des Betriebs.Kommerzienrat Carl Walcker †., In: Zeitschrift für Instrumentenbau, Bd. 28, Leipzig, 1907/08, S. 833–834.
Als sich Heinrich Spaich (* 21. Juni 1810; † 1908), der zuerst Gehilfe, dann Geschäftsführer und ab 1842 Teilhaber des Betriebs war, 1887 zur Ruhe setzte, wurden statt ihm Paul und Eberhard Walcker Mitglieder der Geschäftsleitung.Geschäfts-Jubiläum bei E. F. Walcker & Co. In: Zeitschrift für Instrumentenbau, Bd. 7, Leipzig, 1886/87, S. 256–258. Eberhard Walcker war Teilhaber, bis er 1915 einen Schlaganfall erlitt und aus der Unternehmensleitung ausschied.
Oscar Walcker: 1916–1948 Von 1916 bis 1948 war Oscar Walcker der Alleininhaber der Firma, die er zu einer der weltweit renommiertesten machte.
Werner Walcker-Mayer: 1948–1999 Nach 1948 führte Werner Walcker-Mayer den Betrieb. Unter seiner Leitung entstanden mehr als 3000 Orgeln, später auch diverse Klein- und Serienorgeln.
Das Unternehmen hatte seinen Sitz bis 1974 in Ludwigsburg. Im Jahr 1957 wurde eine Zweigniederlassung in Wien gegründet, die 1961 nach Guntramsdorf übersiedelte. Nach einer Zwischenstation in Murrhardt wechselte die Hauptfirma nach Bliesransbach (Ortsteil von Kleinblittersdorf) im Saarland. Nach einer Insolvenz im Jahr 1999 werden beide Firmen ab dem Jahr 2000 durch die Söhne Werner Walcker-MayersZur Person vgl. . gesellschaftsrechtlich selbstständig geführt als Orgelbau M. Walcker-Mayer in Guntramsdorf und als Orgelbau Gerhard Walcker-Mayer in Bliesransbach.nach Abschnitt Geschichte bei walcker.at Beide Firmen fertigen weiter Walcker-Orgeln und sehen sich in der Orgelbautradition der Firma Walcker.
Schüler Carl Gottlieb Weigle begann im Jahr 1826 eine Lehre als Orgelbauer bei seinem Schwager Eberhard Friedrich Walcker. Später wurde er der erste Gehilfe bei fast allen großen Orgelbauten der Firma, insbesondere dem Umbau der Stuttgarter Stiftskirchenorgel von 1837 bis 1845. Im Jahr 1845 machte er sich mit einer eigenen Werkstatt in Stuttgart selbstständig, die als Firma Orgelbau Friedrich Weigle weitergeführt wurde.
Im Jahr 1864 gründete der zuvor bei Walcker angestellte Orgelbauer Johann Nepomuk Kuhn mit einem weiteren Mitarbeiter in Männedorf am Zürichsee die Firma Orgelbau Kuhn. mini|hochkant|Firmenschriftzug in Bobengrün (1971)
Bedeutende Orgeln der zweiten Generation Von 1872 bis 1916, als Eberhard Friedrich Walckers Söhne das Unternehmen leiteten, baute es rund 1600 Orgeln (op. 280 bis op. 1880). Die Vorstellung einer Orgel (op. 292 mit II/15; später Orgel der Martin-Luther-Kirche in Webenheim) bei der Weltausstellung 1873 in Wien war so erfolgreich, dass Walcker 1878 der Auftrag zum Bau der Orgel der Wiener Votivkirche (op. 306 mit III/62) erhielt und 1883 den Auftrag für der Neubau der Orgel des Stephansdoms (op. 434 mit III/90). Hingegen war die Weltausstellung 1876 in Philadelphia für das Unternehmen weniger erfolgreich. Paul Walcker, der eigens in die USA gereist war, um die Orgel op. 316 mit II/19 vorzustellen, gelang es nicht, sie zu verkaufen, und er musste sie zurück nach Europa nehmen. Jetzt steht sie in der Michaelskirche (Waiblingen).
mini|Hamburger Michel, op.1700 (1912) – damals „größte Orgel der Welt“
Bedeutende Werke waren: 1863: Boston, Musikhalle, op. 193 mit IV/89 1883: Riga, Dom op. 413 mit IV/116 1886: Riga, Petrikirche op. 452 mit III/52 1884: Leipzig, Gewandhaus op. 432 mit III/54 1895: München, Kaim-Saal op. 733 mit III/50 1902: Danzig, Johanniskirche op. 1000 mit III/49 1912: Hamburg, Hauptkirche Sankt Michaelis, op. 1700 mit V/163 (mit Fernwerk)
Auch wurden einige Synagogenorgeln gebaut: 1884: Ludwigsburg, Synagoge, op. 451 mit I/4 1910: Berlin, Synagoge Oranienburgerstr. op. 1526 mit IV/91 1912: Berlin, Synagoge Fasanenstraße op. 1658 mit III/65
Werkliste (Auswahl) Kursivschreibung zeigt an, dass die Orgel nicht mehr oder nur noch der Prospekt erhalten ist. In der sechsten Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal. Die arabische Zahl gibt die Anzahl der klingenden Register an. Die letzte Spalte bietet Angaben zum Erhaltungszustand und zu Besonderheiten sowie Links mit weiterführender Information.
Werke Eberhard Friedrich Walckers Jahr Opus Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen18211KochersteinsfeldEvangelische Kirchezentriert|160x160pxI/P91820 als erstes Instrument der Ludwigsburger Orgelbauwerkstätte Walcker erbaut und 1902 bei Link in Giengen modernisiert. Sie befindet sich heute im Residenzschloss Ludwigsburg (Bild).18232WeinsbergJohanneskirchezentriert|160x160pxI/P9Gehäuse und 3 Register erhalten, Neubau 1956 (Weigle) und 2005 (Mühleisen)18233KleingartachMartinskirche?1830SindelfingenMartinskircheII/P19 (20)1864 Umbau, anderes Gehäuse. 1920 durch eine neue Walcker-Orgel ersetzt, danach durch eine Weigle-Orgel18339FrankfurtPaulskirchezentriert|160x160pxIII/P+P74mit 2 Pedalklaviaturen183935StuttgartStiftskirchezentriert|160x160px zentriert|160x160pxIV/P+P741837–1839 Einbau bzw. Umbau der von König Friedrich I. der Stiftskirche „geschenkten“ Orgel aus der säkularisierten Klosterkirche Zwiefalten. Neugotischer Prospekt und Umsetzung auf die Westempore, später auf 84 Register erweitert. Besonderheit: Zwei Pedalklaviaturen. Mehrere Umbauten; 1944 völlig zerstört. 1958 Neubau op. 3800 (s. u.) → Orgel184037 bzw. 31Sankt PetersburgSt. Petrizentriert|160x160pxIII/P63Über den Transport dieser Orgel im Jahre 1840 auf dem Wasserweg nach St. Petersburg liegt ein Reisebericht vor. Auf diesem Instrument erhielt Peter Tschaikowsky durch den damaligen Organisten Heinrich Stiehl Orgelunterricht. Nach 100 Jahren wurde die Orgel im Jahr 1940 in den neu erbauten Tschaikowsky-Konzertsaal in Moskau gebracht. Wegen der schweren Schäden, die sie beim Transport erlitten hatte, wurde sie dort 1959 durch ein neues Instrument ersetzt. → Orgel184239KegelEvang. KircheI/P11Erste Orgel mit Kegellade.1917 von G. Terkmann auf II/21 erweitert.F. Moosmann, R. Schäfer: Eberhard Friedrich Walcker., 1994, S. 103.184236FrauenzimmernMartinskircheI/P10184346SchrambergSt. Mariazentriert|160x160pxIII/P35 → Orgel184662HoffenheimEvangelische Kirchezentriert|160x160pxII/P27Klangdenkmal der FrühromantikChristoph Bossert: Gerhard Walcker-Mayer: → Orgel184768HeilbronnKilianskirche160x160pxIII/P50zerstört beim Luftangriff auf Heilbronn 1944. 1959 Neubau (Walcker) → Orgel184878MarkgröningenBartholomäuskirchezentriert|160x160pxII/P331978 erhielt die Kirche eine neue, von der Orgelbaufirma Vier erbaute Orgel. Der Prospekt der Walcker-Orgel wurde an die neue Orgel angepasst, sowie 12 Register übernommen. → Orgel184982Kloster MaulbronnKlosterkirche160x160pxII/P211949–1970 umgebaut, Neubauten 1972 (Walcker) und 2013 (Grenzing). → Orgel184984Schorndorf Evangelische Stadtkirche 160x160pxII/P331909 erweitert und in den Chor versetzt (op. 1505),