Altenmittlau (im lokalen Dialekt: AhlemeddeleArtikel in der PrimaSonntag: Die Ortsnamen des bayerisch-hessischen Grenzgebiets -so wie man sie im Ort ausspricht) ist ein Ortsteil der Gemeinde Freigericht im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.
Geographie Lage Altenmittlau liegt zentral in der Gemeinde Freigericht am Birkigsbach auf einer Höhe von 160 m über NHN. Es liegt 8,5 km südwestlich von Gelnhausen.
Nachbargemarkungen Folgende Gemarkungen grenzen an das Ortsgebiet von Altenmittlau:Gemarkung Altenmittlau
Geschichte Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung von Altenmittlau stammt aus dem Jahr 1191. Erwähnt wird dabei, dass das Stift St. Johannis in Mainz im Besitz eines Hofes und eines Meierhofes im Ort war. Das Dorf gehörte zum Gericht Somborn, das wiederum Teil des Freigerichts Alzenau war. Dieses war zwar reichsunmittelbar, aber das Reich verpfändete oder vergab das Gebiet immer wieder. So wechselten die Landesherren, zu denen die Herren und späteren Grafen von Hanau, die Herren von Randenburg, die Herren von Eppstein und Kurmainz zählten.
Das Dorf hatte eine Kapelle, die dem Evangelisten Markus geweiht und nach Somborn eingepfarrt war.
Historische Namensformen Mittilaha (1191) Alden Mittela (1366) Mytloche (1369) Mittelauwe (1394)
Frühe Neuzeit mini|hochkant|Kath. Kirche St. Markus in Altenmittlau 1500 erhielten der Fürstbischof von Kurmainz und die Grafen von Hanau-Münzenberg das Freigericht und damit auch Altenmittlau gemeinsam. Es wurde nun als Kondominat regiert. Da im Freigericht auch zur Zeit des Kondominats die kirchliche Jurisdiktion bei den Fürstbischöfen von Kurmainz verblieb, konnte sich die Reformation – im Gegensatz zur Grafschaft Hanau-Münzenberg – hier nicht durchsetzen. Altenmittlau blieb römisch-katholisch.
Von 1601 bis 1605 fand im Freigericht Alzenau eine große Hexenverfolgung statt. In deren Folge wurden auch fünf Frauen aus Altenmittlau auf dem Scheiterhaufen als Hexen lebendig verbrannt.Peter Gbiorczyk: Zauberglaube und Hexenprozesse in der Grafschaft Hanau-Münzenberg im 16. und 17. Jahrhundert. Shaker. Düren 2021. ISBN 978-3-8440-7902-9, S. 163.
1740 wurde das Kondominat im „Partifikationsrezess“ aufgelöst. Altenmittlau fiel dabei an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, die 1736 die Grafen von Hanau beerbt hatte. Altenmittlau wurde nun dem Amt Altenhaßlau zugeschlagen.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 212.
Neuzeit 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Altenhaßlau ab 1806 zunächst unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807 bis 1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, durch die Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Altenhaßlau im neu gebildeten Kreis Gelnhausen auf. Mit der Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem verlorenen Krieg von 1866 wurde auch Altenmittlau preußisch.
An Betriebsgräben, die vom Birkigsbach abzweigten, lagen im Ortsbereich mehrere Mühlen: am südlichen Ortsrand die sogenannte Hüttelsmühle (Getreidemühle, 1967 stillgelegt) Ölmühle, 1936/38 stillgelegt Kempfmühle (stillgelegt 1963) die Heilosemühle am nördlichen Ortsrand (stillgelegt 1955) Bohnenmühle.
Zum 1. Januar 1970 wurde Altenmittlau im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis mit weiteren Gemeinden zu der neuen Gemeinde Freigericht zusammengeschlossen. Gleichzeitig ging der Kreis Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis auf.
Einwohnerentwicklung Einwohnerstruktur Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Altenmittlau 2343 Einwohner. Darunter waren 105 (4,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 378 Einwohner unter 18 Jahren, 1029 zwischen 18 und 49, 507 zwischen 50 und 64 und 429 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1050 Haushalten. Davon waren 318 Singlehaushalte, 324 Paare ohne Kinder und 279 Paare mit Kindern, sowie 111 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 201 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 747 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.
Einwohnerzahlen Quelle: Historisches Ortslexikon 1632: 20 Dienstpflichtige 1753: 59 Haushaltungen 1812: 84 Feuerstellen, 449 Seelen
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: ein evangelischer (= 0,16 %), 514 katholische (= 99,84 %), 34 jüdische (= 5,51 %) Einwohner • 1961: 63 evangelische (= 3,60 %), 1666 katholische (= 95,15 %) Einwohner
Politik
Nach dem Zusammenschluss der selbstständigen Gemeinden zur Gemeinde Freigericht im Jahr 1970 wurden die einzelnen Gemeindevertretungen aufgelöst und durch Ortsbeiräte ersetzt. Die Ortsbeiräte in den einzelnen Ortsteilen sind in allen wichtigen Entscheidungen, die den jeweiligen Ortsteil betreffen, zu hören und haben ein Vorschlagsrecht. Die Mitglieder der Ortsbeiräte wählen aus ihrer Mitte als Vorsitzenden des Ortsbeirates einen Ortsvorsteher, eine Art Bürgermeister des jeweiligen Ortsteils. Mit Ablauf der kommunalen Wahlperiode 2021 werden die Ortsbeiräte aufgelöst. Bekanntmachung der Gemeinde, abgerufen am 19. Februar 2020.
Parteien und Wählergemeinschaften 2016 2011 2006 2001 1997 Sitze Sitze Sitze Sitze Sitze CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands11222 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands11112 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft Freigericht33221gesamt55555
Ortsvorsteher: Joachim Lucas, UWG (1997–2006) Stefan Hartmann, UWG (2007–2021)
Infrastruktur In Altenmittlau treffen sich die Landesstraße 3269 und die Kreisstraße 983.
Von 1904 bis 1963 hatte das Dorf einen Bahnhof an der dann stillgelegten Freigerichter Kleinbahn.
Die Schule am Dorfplatz ist die örtliche Grundschule.
Sehenswürdigkeiten Am Ortseingang von Somborn kommend steht das „Helgenhäuschen“. Des Weiteren befindet sich die "Mariengrotte" in der Ortsmitte am Birkigsbach. Und in dem Altenmittlauer Wald in Richtung Horbach sind mehrere Bunker zu finden.
Töchter und Söhne Konrad Trageser (1884–1942), deutscher Priester und NS-Opfer Dorotheus Schilling (1896–1950), deutscher römisch-katholischer Theologe und Japanologe Raphael von Rhein (* 1912), deutscher Theologe und Hochschullehrer
Wissenswert Früher wurden nahe beim Ort Zechsteinkalk und Dolomit gewonnen.
Literatur Ludwig Bickell: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel. Band 1: Alhard von Drach: Kreis Gelnhausen. Marburg 1901, S. 119. Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 309 ff. Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926., S. 331 f.
Weblinks
Webauftritt der Gemeinde Freigericht
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Main-Kinzig-Kreis Kategorie:Geographie (Freigericht, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Main-Kinzig-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 1191 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970