Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im Juni 2005.

Tagesgeschehen

Mittwoch, 1. Juni 2005 mini|175px|Laut Meinungs­forschung wird Kanzler Gerhard Schröder keine dritte Amtszeit erhalten Berlin/Deutschland: Die aktuelle Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa weist für die CDU und CSU, ohne die Stimmen der FDP, knapp die absolute Mehrheit der Sitze im Bundestag nach der nächsten Wahl aus. Werden die Stimmen der FDP hinzuaddiert, vereinen die drei Parteien sogar 56 % der Stimmen auf sich. Insofern die Erhebung einigermaßen die Realität abbildet, wird die seit 1998 bestehende Regierungskoalition aus SPD und Grünen im Herbst zu Ende gehen. Es war Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) selbst, der im Mai vorgezogene Neuwahlen zum Bundestag in diesem Herbst forcierte. Den Haag/Niederlande: In der nationalen Volksbefragung zum Verfassungsvertrag der Europäischen Union sprechen sich 61 % der Teilnehmer gegen die Annahme des Vertrags aus. Die Konsultation ist nicht bindend, im Gegensatz zu der rechtlich verbindlichen Abstimmung in Frankreich am 29. Mai, die ebenfalls mit einem Votum gegen den Vertrag endete. Kandahar/Afghanistan: Bei einem Bombenattentat werden mindestens 45 Menschen getötet oder verletzt. Wien/Österreich: Im Ernst-Happel-Stadion gewinnt Austria Wien gegen Rapid Wien das Endspiel im österreichischen Fußball-Cup mit 3:1.

Donnerstag, 2. Juni 2005 Beirut/Libanon: Der prominente libanesische Journalist Samir Kassir und ein Passant werden bei einem Autobombenanschlag getötet. Ein politisches Motiv ist wahrscheinlich.angus-reid.com: (englisch) Quedlinburg/Deutschland: Die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder beschließt auf ihrer Tagung die verbindliche Einführung der Neuerungen der deutschen Rechtschreibreform von 1996 in der Fassung von 2004 zum 1. August 2005. In Streitfällen solle jedoch weiterhin „Toleranz geübt“ werden. Riga/Lettland: Das lettische Parlament ratifiziert den europäischen Verfassungsvertrag mit deutlicher Mehrheit von 71 zu 5 Stimmen.

Freitag, 3. Juni 2005 La Paz/Bolivien: Proteste gegen die Regierung von Präsident Carlos Mesa halten an, nachdem ein von diesem vorgeschlagenes Referendum über erweiterte Autonomie für die Provinzen des Landes von den Protestierenden zurückgewiesen worden war. Die Opposition fordert die Verstaatlichung der Erdgasvorkommen. Prien/Deutschland: In Bayern weitet sich ein rätselhaftes Virus weiter aus. Am 1. Juni waren 37 Kinder und zwei Lehrer, die in einer Jugendherberge untergebracht waren, mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall und weiteren Symptomen in Krankenhäuser eingeliefert worden. Nun wurden weitere 21 Schüler und 10 Sanitäter mit den gleichen Symptomen in Krankenhäuser gebracht. Salmonellen konnten als Ursache ausgeschlossen werden. Spätere Analysen des Robert-Koch-Instituts Berlin ergaben, dass die Erkrankungen durch ein Norovirus der Genogruppe GGII.2 (Melksham-like Variante) hervorgerufen wurden.

Samstag, 4. Juni 2005

Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten gibt zu, dass im US-Gefangenenlager Guantanamo der Koran mit Urin bespritzt wurde, als ein Wachmann in der Nähe eines Luftschachtes urinierte, welcher zu einer Zelle führte. Es war zuvor bereits mehrfach über Koranschändungen während Gefangenenverhören in dem Lager berichtet worden.

Sonntag, 5. Juni 2005 Beirut/Libanon: In der zweiten Runde der libanesischen Parlamentswahlen gewinnt die gemeinsame Liste von Hisbollah und Amal nach inoffiziellen Angaben alle 23 zu vergebenden Sitze im Südlibanon. Eine Woche zuvor hatte der oppositionelle Block von Saad Hariri alle 19 Sitze in Beirut gewonnen. Bern/Schweiz: Die Bürger der Schweiz beschließen in einer Volksabstimmung den Beitritt zu den Abkommen von Schengen und Dublin. 54,6 % der CH-Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmten für die Annahme, trotz Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden in der Woche zuvor. Lorsch/Deutschland: Während des ersten bundesweiten Tag der deutschen UNESCO-Welterbe-Stätten nehmen an der zentralen Feier im hessischen Kloster Lorsch rund Besucher teil.

Montag, 6. Juni 2005 Addis Abeba/Äthiopien: Nach massiven Protesten wegen mutmaßlichen Wahlbetrugs bei den Wahlen zum äthiopischen Parlament Ende Mai werden hunderte Studenten festgenommen. Bagdad/Irak: US-Soldaten erschießen einen Fahrer des irakischen Wohnungsbauministeriums. Augenzeugenberichten zufolge beschossen sie das Auto des Mannes von hinten, als dieser an einer Ampel wartete. Der Tote wurde den Berichten zufolge von seinem Beifahrer, der den Beschuss unversehrt überstanden hatte, ins Krankenhaus gebracht. Budapest/Ungarn: Das Budapester Parlament beginnt mit den Wahlen für die Nachfolge von Staatspräsident Ferenc Mádl, dessen Amtszeit im August 2005 ausläuft. Im dritten Wahlgang gewählt wird der am 3. Januar 1942 in Pécs geborene Verfassungsjurist László Sólyom von der rechten Opposition. Den Haag/Niederlande: Der Internationale Strafgerichtshof in den Haag kündigt die Aufnahme eines Verfahrens zur Aufklärung von Menschenrechtsverstößen in der sudanesischen Region Darfur an. Helsinki/Finnland: Beginn der 8. Unterwasserrugby-Europameisterschaft in Helsinki (bis zum 10. Juni 2005). Es nehmen 6 Damen- und 11 Herrenteams teil. Kathmandu/Nepal: Bei einem Bombenanschlag auf einen Verkehrsbus im Süden Nepals nahe der Hauptstadt Kathmandu sterben mindestens 38 Menschen. Moskau/Russland: Erstmals wird in Russland eine Grünpartei gegründet; Galionsfigur der russischen Grünen ist Alexej Jablikow, der ehemalige Berater des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin. Vatikanstadt: Papst Benedikt XVI. verurteilt in einer Stellungnahme homosexuelle Lebensgemeinschaften als „Pseudo-Ehen“. Außerdem sprich er sich sowohl gegen die Gentechnik als auch gegen die Abtreibung aus.

Dienstag, 7. Juni 2005 Detroit/Vereinigte Staaten: Der amerikanische Autohersteller General Motors kündigt für seine Werke in den USA Stellenkürzungen im Umfang von 25.000 Beschäftigten bis 2008 und Werksschließungen an. München/Deutschland: Der deutsche Siemens-Konzern überlässt dem taiwanesischen Elektronikhersteller BenQ seine defizitäre „Handy“-Sparte. Die etwa 6.000 Beschäftigten werden von BenQ übernommen. Taipeh/Taiwan: Die taiwanesische Nationalversammlung beschließt eine Reform der Verfassung des Landes, über die ein Referendum abgehalten werden soll. Die Reform würde die Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber der Volksrepublik China entscheidend stärken.

Mittwoch, 8. Juni 2005 Addis Abeba/Äthiopien: Bei heftigen Protesten gegen die Regierung kommen über 20 Menschen ums Leben, als die Polizei das Feuer auf steinewerfende Demonstranten eröffnet. Berlin/Deutschland: Die Bundesregierung verkündet die Bereitschaft, mindestens 15 Jahre auf das Vetorecht zu verzichten, falls die Bundesrepublik einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhält. Brüssel/Belgien: EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn kündigt die Aufschiebung des Beginns von Beitrittsverhandlungen mit der Republik Kroatien an. Als Grund werden Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher an das UN-Tribunal in Den Haag angegeben. Pjöngjang/Nordkorea: Nach Verhandlungen in New York erklärt sich Nordkorea nach fast einjähriger Pause zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche mit den USA, Russland, Volksrepublik China, Südkorea und Japan unter der Bedingung des Verzichts auf politische Drohungen durch die USA bereit. Im Februar hatte das Land verkündet, es verfüge bereits über Atomwaffen. Straßburg/Frankreich: Das Europaparlament prüft mögliche Konsequenzen aus der Ablehnung der EU-Verfassung in den Referenden in Frankreich und den Niederlanden. Auf der Tagesordnung stehen daneben Verhandlungen über den EU-Haushalt bis 2007.

Donnerstag, 9. Juni 2005 La Paz/Bolivien: Der bolivianische Kongress wählt den Präsidenten des Obersten Gerichts, Eduardo Rodríguez, zum Übergangspräsidenten als Nachfolger des zurückgetretenen Carlos Mesa. Spanien: Der spanische Richter Pedraz hat Ermittlungen gegen drei US-Soldaten aufgenommen. Er verdächtigt sie des Mordes im Zusammenhang mit dem Tod des spanischen Kameramanns José Couso am 8. April 2003 im Irak. Wien/Österreich: Der Nationalrat verkündet eine Änderung des Verfassungsgesetzes, damit der Kärntner Bundesrat Siegfried Kampl nicht per 1. Juli 2005 automatisch zum Vorsitzenden aufrückt.

Freitag, 10. Juni 2005 mini|150px|Logo der WASG Berlin/Deutschland: Die Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit (WASG) und die PDS einigen sich auf ein Bündnis für die vorgezogene Bundestagswahl 2005 im September. Darmstadt/Deutschland: Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis an die Autorin Brigitte Kronauer. London/Vereinigtes Königreich: Die Finanzminister der G-8-Staaten, Weltbank-Chef Paul Wolfowitz und EU-Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia treffen sich in London, um über einen britisch-amerikanischen Vorschlag zum Schuldenerlass für die ärmsten Länder zu beraten. Der Plan sieht einen Totalerlass durch Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank und den Internationalen Währungsfonds vor. Shanghai/China: Der europäische Handelskommissar Peter Mandelson und der chinesische Wirtschaftsminister Bo Xilai erzielen mit dem „Shanghai-Abkommen“ eine Einigung im „Textilstreit“ zwischen der EU und China.

Samstag, 11. Juni 2005 Bagdad/Irak: Terroristen töten bei Mordanschlägen landesweit etwa 30 Menschen, größtenteils Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder. US-Soldaten erschießen zwei irakische Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma. Ein Sprecher des US-Militärs sagte, die Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben, weil es zu langsam vor dem Führungsfahrzeug eines Konvois hergefahren war. Die Iraker eröffneten daraufhin das Feuer auf den Konvoi und wurden im anschließenden Gefecht getötet. London/Vereinigtes Königreich: Die G-8-Staaten einigen sich auf einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt. Die betroffenen 18, zum Großteil afrikanischen Staaten, werden somit von insgesamt 40 Milliarden US-Dollar Schulden befreit. Ziel dieses bisher größten Schuldenerlasses ist es, Hungersnot, Armut und Krankheit v. a. in Afrika zu bekämpfen.

Sonntag, 12. Juni 2005 Beirut/Libanon: Der dritte Termin der Parlamentswahlen (vier Sonntage seit 29. Mai) fand im zentralen Bergland statt. Hier errangen die Christen die Mehrheit (im Gegensatz zum moslemischen Süden des Landes).

Montag, 13. Juni 2005 München/Deutschland: Dieter Rampl, Aufsichtsratsvorsitzender der HypoVereinsbank, unterzeichnet den Vertrag, der die Übernahme der HypoVereinsbank durch UniCredit (Italien) beinhaltet. Pakistan: Pakistanisches Militär und Polizisten haben am Wochenende rund 250 Mitarbeiter der Pakistan Telecommunication Company (PTCL) festgenommen, denen illegale Streikaktionen vorgeworfen werden. Die Mitarbeiter streiken gegen die geplante Privatisierung ihres Unternehmens und für mehr Lohn. Santa Maria/Vereinigte Staaten: Der Popstar Michael Jackson wird von der Jury im Kindesmissbrauchsprozess in allen Anklagepunkten freigesprochen. Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Der Oberste Gerichtshof hat ein in Texas gegen einen Schwarzen verhängtes Todesurteil wegen Rassendiskriminierung aufgehoben, weil die Staatsanwaltschaft bei der Auswahl der Jury im zugrundeliegenden Prozess zehn von elf schwarzen potenziellen Geschworenen ohne weitere Begründung abgelehnt hatte.

Dienstag, 14. Juni 2005 Kapstadt/Südafrika: In einer Sondersitzung der Nationalversammlung enthebt Präsident Thabo Mbeki den Vizepräsidenten Jacob Zuma wegen Korruptionsverdachts seines Amtes.