Carl Wilhelm Bangert, modernisiert Karl Bangert, (* 8. Januar 1883 in Frankfurt am Main; † 4. November 1952 in Chemnitz) war ein deutscher Physiker, Fernmeldetechniker und Akademieprofessor.
Leben Er war der Sohn des Gymnasiallehrers Christian Louis Wilhelm (1852–1925) und dessen Ehefrau Auguste Helene Franziska, geborene Krauß (1858–1913). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Frankfurt am Main studierte Carl Wilhelm Bangert an den Universitäten Berlin und Marburg. Er promovierte 1907 in Marburg zum Dr. phil. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in der Telegrafen-Versuchsanstalt des Deutschen Reichspostamtes, später Laborvorsteher bei der Siemens & Halske Aktiengesellschaft.
Ab dem 1. Juli 1918 bis zu seiner Entlassung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Carl Wilhelm Bangert Lehrer an der Königlich Sächsischen Gewerbeakademie Chemnitz, der späteren Staatlichen Akademie für Technik in Chemnitz. Zum Professor wurde er am 21. Mai 1920 ernannt und mit dem Aufbau des Instituts für Fernmeldetechnik betraut. Bangert unterrichtete in den Fächern Fernmeldetechnik, Physik, Elektrotechnik, Schwachstromtechnik, Elektrizitätslehre und Funktechnik und publizierte mehrfach zu diesen Themenbereichen.
Am 28. Januar 1924 gründete sich der Chemnitzer Radio-Club e. V. mit über 100 Mitgliedern. Diesem stand Prof. Dr. Bangert zunächst als 2. Vorsitzender und 1925 als 1. Vorsitzender vor. Dieser Verein gehörte mit zum Deutschen Funk-Kartell, dessen maßgeblicher Verdienst in der schnellen und breiten Einführung des Unterhaltungs-Rundfunks in Deutschland bestand. So war auch Bangerts Chemnitzer Radio-Club e.V. (ab 1926 Funkverein Chemnitz e.V.) an der Qualifizierung von am Empfang des Unterhaltungs-Rundfunks interessierten Bürgern beteiligt. (Audionversuchserlaubnis) In diesem Rahmen gab Bangert ein Handbuch (Im Reiche des Rundfunks - Ein Handbuch für Funkfreunde) mit umfangreichen technischen Informationen heraus. In seinem Laboratorium für Fernmeldetechnik betrieb Bangert eine der ältesten deutschen Telegrafen- bzw. Versuchsfunkstationen (Rufzeichen J8, KJ8, K4AAN, EK4AAN, D2CK) und bot auch den Studenten kostenlose Morsekurse an. / Mai 1930
Zum 1. April 1932 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.062.344)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/1370624 und später dem Bund deutscher Techniker bei. Er war Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure und im Verband Deutscher Elektrotechniker.
Die Entnazifizierung von Hochschullehrern in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) verlief im Vergleich zu den westlichen Zonen besonders radikal, schnell und strukturell kompromisslos. Wer Funktionen in der Partei (NSDAP) oder angeschlossenen Verbänden (NS-Bund deutscher Techniker) innehatte, galt als „aktivistisch“ und wurde ohne Einzelfallprüfung unwiderruflich aus dem Dienst entfernt. An der Staatlichen Akademie für Technik in Chemnitz führte dies zu einem personellen Kahlschlag. Fast der gesamte Lehrkörper wurde aufgrund von NSDAP-Mitgliedschaften entlassen.
Bangert wurde am 8. November 1945 wegen seiner Mitgliedschaft in NSDAP und im NS-Bund deutscher Techniker aus dem Amt entfernt und seine Professur aufgehoben. Daraufhin zog sich Bangert aus dem öffentlichen Leben zurück.
Seinen Lebensabend verbrachte Carl Wilhelm Bangert in Chemnitz. Er wohnte zunächst in der Zschopauer Straße 74, dann in der Salzstraße 63 I.Chemnitzer Adreßbuch, 1940, Seite 16.
Werke (Auswahl)
Versuche zum Nachweis der magnetischen Kraft bei elektromagnetischen Wellen auf Drähten, Marburg, 1907. Masse und Masssysteme mit besonderer Berücksichtigung der Elektrotechnik, Leipzig: Kesselringsche Hofbuchhandlung, 1922. Masse der Elektrotechnik, Hamburg: Deutscher Auslandverlag, 1924. Im Reiche des Rundfunks - Ein Handbuch für Funkfreunde, Prof. Dr. K. Bangert, Verlag E. Focke, Chemnitz, 1925. Masse und Organisation des Funkwesens, Hamburg: Deutscher Auslandverlag, 1925. Adolf F. Weinhold zum 100. Geburtstag, Chemnitz, 1941. Veröffentlichungen seiner wissenschaftlichen Arbeiten: Die Eigenschaften der wichtigsten Detektoren der drahtlosen Telegraphie, Elektrotechnische Zeitung (ETZ) 1910, S. 407. Elektrische Eigenschwingungen von Drahtspulen mit verschiedenen Kernen, ETZ 1910, S. 894. Über das Verhalten der Röntgenröhren beim Betriebe mit Röntgenapparaten verschiedener Systeme, ETZ 1913, S. 978. Die physikalischen Grundlagen und die Technik der Elektrotherapie, Vortrag, ETZ 1919, S 508, S. 520. Sicherheitsvorschriften für den Betrieb von Röntgenanlagen, ETZ 1919, S. 605.
Familie Am 7. Juni 1911 heiratete er Toni Margarete geborene Lohmann (* 1889). Aus der gemeinsamen Ehe ging ein 1914 geborener Sohn hervor.
Ehrungen 1939 Treudienst-Ehrenzeichen 1944 Kriegsverdienstkreuz zweiter Klasse.
Literatur Herrmann A. L. Degener: Degeners Wer ist’s?, Berlin 1935, Seite 57.
Weblinks
Brief von Dr.-Ing. Kurt Heinrich (Ingenieur-Akademie Wismar) zu Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bangert (Technische Staatslehranstalten Chemnitz) vom 14. September 1926
Einzelnachweise
Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Chemnitz) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1883 Kategorie:Gestorben 1952 Kategorie:Mann Kategorie:Amateurfunkpionier Kategorie:Amateurfunk_(Deutschland)