Die Besiedlung Tasmaniens durch Weiße begann im 17. Jahrhundert etwa 36 Jahre nach der ersten Besiedlung Australiens durch niederländische Seefahrer. Auch malaiische und portugiesische Seefahrer gelangten ungefähr in der gleichen Epoche nach Tasmanien, und danach wurden Forschungsreisen durch Entdecker mehrerer Nationalitäten durchgeführt.
Zeittafel 1642 entdeckte der niederländische Seefahrer Abel Tasman die Insel Tasmanien für die Europäer. Er segelte im Auftrag des Generalgouverneurs von Niederländisch-Ostindien Anton van Diemen, weshalb er die Insel auch Van-Diemens-Land nannte. 1798 umrundete Kapitän Matthew Flinders das Eiland und belegte damit Tasmaniens Inselcharakter, während Tasman noch von einer Halbinsel ausgegangen war. 1803 wurde Tasmanien britisch.
Entdeckungsgeschichte – Auf der Suche nach der Terra Australis incognita mini|250px|Hügellandschaft in Tasmanien. Mischvegetation von „Buttongrass moorland“ und Eukalyptuswäldern Europäische Historiker geben meist als offiziellen Entdecker Australiens den Holländer Willem Jansz an. Im Zuge der Kolonialisierung von Indonesien passierten zu dieser Zeit viele holländische Frachtschiffe den Indischen Ozean. Jansz machte 1606 den Versuch, an der Westküste der australischen Yorkhalbinsel bei Mapoom zu landen, wurde jedoch von den Aborigines in die Flucht geschlagen. 200 Meilen weiter südlich erlaubten ihm die Mitglieder der Aurukum an Land zu gehen. Umgehend begannen sie eine Siedlung zu errichten. Anfangs war das Verhältnis zu den Einheimischen entspannt; als aber die Siedler eine Aboriginal entführten, kam es zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Hälfte der Holländer kam dabei ums Leben und die Siedlung wurde aufgegeben.
Bis zu diesem Zeitpunkt war Australien – beziehungsweise ‘Neuholland’, wie es im 17. und 18. Jahrhundert genannt wurde – auf keiner Weltkarte erfasst; dennoch kursierte bereits viel früher das Gerücht über die Existenz eines Südkontinents (terra australis). In Europa war man überzeugt, dass im Süden der Erdhalbkugel noch eine weitere größere Landmasse existieren müsse, da es sonst unmöglich sei, dass die Erde in ihrer Achse die Balance halten könne.
Portugiesen Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts bereisten portugiesische Schiffe den Westpazifik. Neuguinea wurde 1525 von den Spaniern und Portugiesen entdeckt. Vermutlich ist es den Portugiesen zu verdanken, dass bereits im ausgehenden 16. Jahrhundert, circa zehn Jahre vor der Landung von Jansz, in England eine, wenn auch sehr grobe Karte von Australien existierte (Przemyslaw 1990 : 89f).
Selten findet dieser Umstand in der Entdeckungsgeschichte Australiens Erwähnung. Dabei war der Gelehrte Richard Henry Major bereits Mitte des letzten Jahrhunderts aufgrund einer (anderen) Karte von der Entdeckung des australischen Kontinents durch die Portugiesen überzeugt: „Die Tatsachen, die ich zusammenbringen konnte, haben mich zum Schluss geführt, dass das von mir erwähnte Land, das auf französischen Karten als Java - la - Grande bezeichnet wird, nichts anderes als Australien sein kann, und dass es vor 1542 entdeckt wurde, kann fast als erwiesen gelten. [...] Wir müssen deshalb zum Schluss gelangen, [...] dass die Entdeckung des Kontinents Neu-Holland den Portugiesen zuzuschreiben ist. The facts which I have been able to bring together lead me to the conclusion that the land described as Java - la - Grande on the French maps to which I have reffered can be no other than Australia, and that it was discovered before 1542 may be almost accepted as demonstrable certainity. [...] We must therefore come to the conclusion [...] that the discovery of the continent New Holland belongs to the Portuguese“ (Mc Intyre 1977 : 200).
Kenneth Mc Intyre hat diese Theorie 1977 wieder aufgegriffen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Portugiesen bereits in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts Australien betreten hatten. Im selben Jahr führte Mc Kiggan seine Recherche zum gleichen Resultat. Er datiert die Entdeckung von Australien durch Europäer (Portugiesen) auf das Jahr 1522 (Mc Intyre 1977 : 200; Mc Kiggan 1977). Es gibt sogar Hinweise, dass die Portugiesen bereits in Tasmanien landeten (Robson 1983 : 3). Wie dem auch sei; Logbücher oder andere schriftliche Quellen aus dieser Zeit liegen nicht vor, weshalb diese Epoche in diesem Zusammenhang nur von sekundärer Bedeutung ist.
Malaien Ebenfalls selten Erwähnung in der Geschichtsliteratur finden nichteuropäische Meeresexpeditionen in der australischen Entdeckungsgeschichte. Die Nordküste Australiens war den Seefahrern des malaiischen Archipels bereits lange vor Ankunft der Europäer bekannt (Wopfner 1997 : 1). Spätestens seit dem 15. Jahrhundert waren Handelsreisende aus Neuguinea auf den Inseln der Torresstraße und der Kap-York-Halbinsel präsent (Przemyslaw 1990 : 91f). Auch zwischen den Bugis aus Sulawesi und den Aborigines Nord- und Westaustraliens herrschten langjährige Handelsbeziehungen (Przemyslaw 1990 : 91ff). Ihr Hauptinteresse galt der Seegurke (Holoturia nobilis), die damals wie heute in Asien und dort vor allem in China als Delikatesse gehandelt wurde. Der Seegurke, bekannter unter dem Namen Trepang, wurden große Heilwirkung und magische Eigenschaften (Aphrodisiakum) zugeschrieben. In Australien wurde sie gefischt und konserviert. Eine Saison dauerte vier bis fünf Monate. Zwischen dem 15. Jahrhundert bis ins ausgehende 18. Jahrhundert, beeinflussten diese Handelsbeziehungen die Kultur der Küstenbevölkerung in Nord- und Nordwestaustralien sowie an der Torresstraße nachhaltig (Przemyslaw 1990 : 92; Wilpert 1987 : 128ff). Im Tauschhandel erwarben sie metallene Äxte, Messer und Speerspitzen. Sie erlernten den Bau von Booten mit Auslegern, übernahmen Melodien, Musikinstrumente und sogar ein chinesisches Kartenspiel. In Sprachen und Bräuchen machten sich diese Einflüsse ebenfalls geltend. Es kam zu einer ausgeprägteren Sesshaftigkeit und einer strafferen, politischen Organisation.
Holländer mini|300px|Erkundungen der Australischen Küstengebiete durch europäische Entdecker bis 1812
Dessen ungeachtet waren es die Holländer, die neue Kunde über den Südkontinent nach Europa brachten und damit eine neue Ära einläuteten. Nach Willem Jansz, dem ‘Entdecker’ Australiens, kamen noch Jan Carstensz, Frederick de Houtman, Dirk Hartog, Willem de Vlamingh, François Pelsaert, Pieter Nuysz und viele andere Holländer, die meist in Handelsschiffen unterwegs waren, um Gewürze, Gold und andere Güter aufzunehmen.
Der ruhmreichste unter ihnen war Abel Janszoon Tasman, der als Entdecker Tasmaniens gilt. Tasman erreichte Tasmanien am 24. November 1642 und nannte es zu Ehren des damaligen Generalgouverneurs von Niederländisch-Ostindien, Antony van Diemen, ‘Van-Diemens-Land’. Er war von Batavia aus aufgebrochen und erreichte mit der ‘Heemskerck’ und der ‘Zeahaen’ nach 72 Tagen die Insel. Er war ein erfahrener Navigator und hatte den Auftrag, den Südkontinent aufzusuchen und dort die Gegend zu erkunden. Außerdem sollte er eine Seeroute durch den Pazifik nach Südamerika suchen, um neue Märkte und Ressourcen zu erschließen, was ihm auch beides gelang.
Überhaupt müsste Abel Tasman aufgrund seiner geographischen Entdeckungen in einem Zuge mit den ganz großen Entdeckern und frühen Seefahrern genannt werden: Er entdeckte Tasmanien, Neuseeland und die Route südlich an Tasmanien vorbei durch den Pazifik nach Südamerika. Er war auch der Erste, der das ganze Ausmaß Neuhollands (Australiens) erkannte. Tasman erforschte die Nordküste Australiens (1644) vom heutigen Staat Western Australia, den er ‘Eendrachtland’ nannte, über den Golf von Carpentaria bis nach Queensland (‘Carpentaria’). Bei dieser Gelegenheit stellte er fest, dass Neuguinea durch eine Meerenge (Torresstraße) von Australien getrennt war. Eine beeindruckende Leistung, die ihm jedoch nie wirklich zu Ruhm und Ansehen verhalf.
Das hatte einen einfachen Grund: Tasman war zwar der Entdecker Tasmaniens, entdeckte aber nicht die Einwohner der Insel, wie manchmal behauptet wird. Er erkannte zwar, dass die Insel bewohnt war, bekam aber einheimische Tasmanier nie zu Gesicht. Auf all seinen Reisen ließ er, obwohl kühner Seefahrer, beim Kontakt mit ‘Wilden’ äußerste Vorsicht walten, und wenn es sich vermeiden ließ, verzichtete er ganz darauf. Diese Behutsamkeit wurde ihm bereits zu Lebzeiten von offizieller Seite vorgeworfen.
Er ging 1642 an der Ostküste Tasmaniens vor Anker und war genötigt, seine Wasservorräte aufzufrischen. Ihm klangen noch die damals gängigen Gerüchte in den Ohren die besagten, diese entlegene Weltgegend sei die Heimat von Monstern und Riesen. Deshalb beschränkte er die Landgänge auf das Allernötigste. Einer seiner Leute entdeckte zwei 18 bis 20 Meter hohe Bäume mit einem Umfang von circa vier Metern, in die Kerben eingeschlagen waren. Sie deuteten diese Kerben richtig als Kletterhilfe der einheimischen Bevölkerung, dachten aber damals, diese dienten dem Ausnehmen von Vogelnestern. Tatsächlich waren sie für die Possumjagd geschlagen worden. Der Abstand der in gerader Linie nach oben verlaufenden Kerben schien Tasmans Befürchtungen zu bestätigen. Die Distanz zwischen den Kerben betrug circa eineinhalb Meter, woraus er schloss, „dass diese Menschen entweder von ungeheurer Größe sind oder eine gewisse Art haben, auf Bäume zu klettern, an die wir nicht gewöhnt sind“. Obwohl Letzteres zutraf, ging Tasman von einer riesenhaften Bevölkerung aus und gab somit den in Europa bestehenden Gerüchten neue Nahrung. Nach dieser Beobachtung näherte er sich nur noch einmal vorsichtig dem Ufer, ließ einen seiner Leute an Land schwimmen, der dort die holländische Flagge hisste, und verließ die Insel unter dem Vorwand, dass eine plötzliche Wetteränderung eine weitere Landung unmöglich mache.
Für die folgenden 130 Jahre sind keine weiteren Landungen auf der Insel belegt. Über 200 Jahre trug sie den Namen ‘Van Diemensland’ und wurde erst 1853 in Tasmanien umbenannt.
Marc-Joseph Marion du Fresne
Demnach war der französische Kapitän Marc-Joseph Marion du Fresne, der Leiter der zweiten europäischen Expedition der Erste, der Kontakt zu den tasmanischen Aborigines hatte. Er legte unweit Tasmans Landeplatz an der Ostküste der Insel an, um ebenfalls frische Holz- und Wasservorräte aufzunehmen. Er hatte den Auftrag, mit seinen Schiffen ‘Le Mascarin’ und ‘Le Marquis de Castries’ neue Handelsrouten ausfindig zu machen und eine kürzere Route nach China zu suchen. Du Fresne und seine Begleiter Jules Crozet und Saint-Allouarn entdeckten auf ihren Reisen im Indischen Ozean die Crozetinseln. Sie waren in erster Linie Seefahrer und verfügten über keinerlei wissenschaftliche Kenntnisse. Ihr Weltbild war geprägt von der bahnbrechenden Arbeit Rousseaus, weshalb Fresne im Gegensatz zu Tasman keine Monster, sondern „edle Wilde“ (nobles sauvages) anzutreffen erwartete: Nackte, glückliche Menschen in ihrem Urzustand, eingebettet in einen Garten Eden (Robson 1983 : 6; Bonwick 1870b : 2).
Konsequenterweise waren die Europäer beim Erstkontakt ebenfalls unbekleidet (Ryan 1981 : 50), um Barrieren abzubauen und eventuelles Misstrauen bereits im Keim zu ersticken. Am Morgen des 7. März 1772 näherten sie sich mit zwei Booten der Küste von North Bay. Eine dreißigköpfige Gruppe Aborigines lief ihnen am Strand entgegen. Deren Frauen und Kinder suchten jedoch Zuflucht in den angrenzenden Wäldern.