mini|Blick auf Himmelstadt
Himmelstadt ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart.
Aufgrund des „himmlischen“ Namens der Gemeinde existiert seit 1986 das Weihnachtspostamt Himmelstadt, das von der Deutschen Post und der Gemeinde betrieben wird.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt am Ufer des Mains, am Maindreieck im Gebiet der Mainfränkischen Platten. Die Gemarkung Himmelstadt erstreckt sich auf beide Seiten des Mains. Links des Mains befindet sich der weitläufige Himmelstadter Wald, rechts des Mains liegen die Himmelstadter Weinberge. Die Gemarkung hat eine Fläche von 1341 Hektar. Davon sind 11,5 % Siedlungs- und Verkehrsfläche, 37,1 % dienen der Landwirtschaft und 44,5 % (597 Hektar) sind Wald.
Gemeindegliederung Außer dem Pfarrdorf Himmelstadt gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Es gibt nur die Gemarkung Himmelstadt. Sie hat eine Fläche von 13,403 km² und ist in 2677 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5006,85 m² haben.
Geologie mini|295px|Prallhang zwischen Karlstadt und Himmelstadt mit Muschelkalk
Vor etwa 240 Millionen Jahren bedeckte das durch Spessart und Odenwald aufgestaute Triasmeer Mainfranken, bis der Main allmählich sein Tal in Form des Mainvierecks als Abfluss des Meers eingrub. Die letzten Spuren des Meeres stammen aus der Zeit vor etwa 180 Millionen Jahren. In den dazwischenliegenden 60 Millionen Jahren lagerte es Muschelkalk ab, der in Form von hohen Felswänden die Landschaft rund um Himmelstadt prägt. Der Main durchfließt das Gemeindegebiet in fast nördlicher Richtung, bevor ihn der Steilhang des Stettener Berges bis Laudenbach nach Nordwesten zwingt. Während die Steilhänge die rechte Uferseite dominieren, entstanden links sanfte Böschungen, die in einer dicken Lage Mainsand, Kies und Löß bzw. Lößlehm zum Main hin auslaufen.
Nachbargemeinden
Klima Es herrscht ein Klima, das beim Kontinentalitätsgrad im Übergangsbereich zwischen Seeklima und Kontinentalklima liegt. Prägend für die Region sind heiße trockene SommerDer Spiegel, Online-Ausgabe vom 6. Juli 2015: Sommer in Deutschland: Kitzingen stellt neuen Hitzerekord auf und kalte Winter, wobei Himmelstadt durch seine Lage am Main häufig schneefrei bleibt.
Untersuchungen der Veitshöchheimer Landesanstalt lieferten folgende Klimadaten für die Region: Frostfreie Vegetationszeit: 160–190 Tage Sonnenscheindauer: 1600 bis 1750 Stunden Jahrestemperatur: 8,5–9,0 °C (mit ansteigendem Trend) Niederschlagsmenge: 500–600 l/m²
Die nächste Wetterstation befindet sich in Arnstein-Müdesheim.
Geschichte Etymologie Der ursprüngliche Ortsname Imminestat entstammt dem althochdeutschen Wort stat, was für Platz, Ort oder Wohnstätte steht. Entgegen früherer Annahmen, die auf eine Verbindung zur seligen Immina hindeuteten, ist das Bestimmungswort Immine laut dem Ortsnamenforscher Joachim Andraschke jedoch maskulin und geht auf einen Burgunder diesen Namens zurück, der vermutlich im vierten Jahrhundert an dieser Stelle eine Siedlung errichtet hat. Der Ortsname zählt damit zu den ältesten des Frankenlandes.Joachim Andraschke: Herkunft und Bedeutung des Ortsnamens Himmelstadt. In: Himmelstadt – Neue Erkenntnisse und Wendepunkte in seiner Geschichte, Himmelstadt 2023, S. 89ff. Im 13. Jahrhundert wurde dieser Namensbestandteil in mittelhochdeutsch himel umgedeutet, was sich auch im lateinischen Namenszusatz Celiporta (Pforte des Himmels) erkennen lässt.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 820 „Imministat“ / „Himminestat“ 840 „Imminestat“ / „Himinesstat“ 1103 „Himminstat“ 1164 „Himenstat“ 1172 „Hymenstat“ 1182 „Himmistat“ 1223 „Himilstat“ 1230 „Himelstat“ 1237 „Himelstat“ 1262 „Hymelstat“ / „Hiemelstat“ 1335 „Himmelstat“ 1800 „Himmelstadt“
Vorgeschichtliche Zeit Wie Fundstätten der Bandkeramik, Hallstattzeit und der Latènezeit zeigen, war das Gebiet Himmelstadts bereits in der Jungsteinzeit besiedelt.
Chronik Der Ortsname Imminestat ist auf den alten ostgermanischen Personennamen Immin aus vorfränkischer Zeit zurückzuführen. Die Gründung des Ortes wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einem Burgunderstamm zugeschrieben, der im 4./5. Jahrhundert in Ostfranken ansässig war. 820 schenkte ein gewisser Hramuolf dem Kloster Fulda „das, was ich im Gau Waldsassen und im Werngau übergebe, nämlich zwei Einkünfte, die zum Hrichuntal (heute Klingenthal) gehören, und das gesamte Erbe, das ich im Ort Himminestat besitze.“ Die Person Hramuolf lässt sich nicht genauer bestimmen, gehörte aber wohl zur fränkischen Oberschicht und war in mehreren Gauen begütert. 840 wurde ein Königsgut im Ort von Kaisers Ludwig des Frommen an einen Graf Bernard bis zu seinem Tod als Lehen vermacht, um anschließend in den Besitz des Bistums Würzburg überzugehen. Erwähnenswert ist die erste urkundliche Erwähnung einer Mühle in Himmelstadt.Monumenta Boica XXVIII, 35. 1164 erfolgte auf dem Hoftag zu Bamberg ein Gütertausch zwischen dem Hochstift Naumburg und dem Prämonstratenserkloster Oberzell, wobei das Hochstift größeren Besitz in Himmelstadt sowie die Kontrolle über den gut frequentierten Mainübergang erhielt. Dieser Tausch wurde 1172 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa bestätigt. 1223 tauschte Bischof Otto I. von Lobdeburg einige Güter von Himmelstadt mit dem Abt Berwald von Neustadt. 1231 wurde das Zisterzienserkloster Himmelspforten in Himmelstadt durch Bischof Hermann I. von Lobdeburg gegründet. 1245 erwarb das Kloster zahlreiche Äcker und Weinberge in Eußenheim. 1253 wurde das Kloster aufgrund andauernder Anfeindungen und Plünderungen im eskalierenden Streit des Königs Konrad IV. mit Papst Innozenz IV., unter anderem durch einen Ritter Herold von Zellingen, von Himmelstadt nach Himmelspforten bei Würzburg verlegt, nachdem Papst Innozenz IV. die klösterlichen Privilegien 1251 bestätigt hatte.Urkunden-Regesten zur Geschichte des Zisterzienserklosters Himmelspforten, Hermann Hoffmann, 1962. 1291 war die erste schriftliche Erwähnung der Weinberge in Himmelstadt. 1611 wütete die Pest und forderte in zwölf Monaten 189 Todesopfer (47 % der Bevölkerung). 1614 wurde die St.-Jakobus-Kirche im Beisein von Fürstbischof Julius Echter durch Weihbischof Eucharius Sang geweiht. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Himmelstadt oft von durchziehenden Truppen geplündert und zerstört. 1795 wurde der Wohlstand der Himmelstadter in einer „Seelenbeschreibung“ als gering bezeichnet, da diese lediglich schlechte Felder besaßen. Sie bestritten ihr Auskommen durch das Bestellen der Klosterfelder, bescheidenen Feld- und Weinanbau sowie Tagelohnarbeit. Der Ort hatte zu dieser Zeit 699 Einwohner in 141 Häusern. 1803 wurden die Wirtschaftsgüter des Klosters, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, zugunsten Bayerns säkularisiert. Im Frieden von Preßburg 1805 wurde die Gemarkung Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand 1818 mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. 1826 entstand ein Schulgebäude (heute als Ärztehaus genutzt). 1899 wurde die Eisenbahnstation (V. Klasse) errichtet. 1907 wurde eine durch die Firma Noell & Co. erbaute stählerne Mainbrücke eröffnet, um die Bahnstation und die Weinberge besser an den Ort anzubinden. Die Brücke wurde durch Bischof Ferdinand Schlör eingeweiht. 1924 wurden die ersten Wohnhäuser auf der rechten Mainseite errichtet. In der „Siedlung“ gab es bis 1951 bereits 31 Wohnhäuser.Neu-Himmelstadt auf der rechten Mainseite. In: Main-Post. 21. September 1951. 1926 kamen nach einer Marienerscheinung rund 7000 Pilger in den Ort. Bischof Matthias Ehrenfried erkannte diese jedoch nicht an und untersagte Veranstaltungen am Erscheinungsort. 1931 wurde eine Kinderbewahranstalt (Kindergarten) errichtet. 1934 bis 1940 wurden die Staustufe und die Schleuse gebaut. Am 28. März 1945 wurde die Mainbrücke auf Befehl der deutschen Wehrmachtsführung gesprengt; bis 1948 wurde sie wieder aufgebaut. 1954 wurde die Turnhalle des TSV Himmelstadt eingeweiht. 1965 wurde die Immina-Gedächtniskirche erbaut, um die stark gewachsene Gemeinde unterzubringen; die St.-Jakobus-Kirche wurde geschlossen. 1973 wurde das neue Rathaus eingeweiht. 1974 wurde ein neuer Kindergarten gebaut. 1978 wurde die Verwaltungsgemeinschaft Zellingen (mit Zellingen, Retzbach, Duttenbrunn, Retzstadt und Thüngen) gegründet. 1981 wurde die Brücke durch eine moderne Verbundbrücke ersetzt. 1982 wurde die Mehrzweckhalle eingeweiht, die Turnhalle wurde im Jahr zuvor abgerissen. 1984 wurde die Unterführung unter der Bahnstrecke Würzburg–Gemünden fertiggestellt. 1989 wurde das Gewerbegebiet an der B 27 beschlossen. 1994 wurde die Weinbergskapelle Maria an der Kelter eingeweiht 1997 entstand der Neubau einer Grundschule, welche seitdem neben den Himmelstadter Kindern auch die Schüler aus Duttenbrunn besuchen. 2000 fand die Wiedereinweihung der St.-Jakobus-Kirche nach zehnjähriger Restaurierung unter der Leitung des Fördervereins zur Erhaltung der Julius-Echter-Kirche statt. 2008 lockte ein Dorferlebnistag über 10.000 Besucher nach Himmelstadt. Zahlreiche Privatvermarkter, Hobbykünstler und Gartenbesitzer beteiligten sich am Programm. 2010 wurde Himmelstadt vom Radiosender Radio Gong zur „Coolsten Gemeinde Mainfrankens“ gekürt. Als Preis erhielt die Gemeinde ein Gratis-Open-Air-Konzert mit Grand Avenue und dem Bürgermeista. Im gleichen Jahr wurde die Immina-Gedächtniskirche profaniert und abgerissen. 2012 wurde das neue Pfarrzentrum Sel. Immina auf den Grundmauern der ehemaligen Immina-Gedächtniskirche errichtet. 2017 wurde in Kooperation des Landkreises Main-Spessart mit der Gemeinde Himmelstadt der NaturSchauGarten Main-Spessart als Lehr- und Schaugarten an der Mainlände eröffnet. 2020 feierte Himmelstadt anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 820 sein 1200-jähriges Bestehen und eröffnete das Jubiläumsjahr mit den Queenz of Piano. Pandemiebedingt mussten jedoch mehrere Veranstaltungen umgeplant bzw. verschoben werden. 2021 fand im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten die Veranstaltung „KulturGarten“ unter anderem mit Auftritten der Couplet-AG und von Sebastian Reich statt. Auch eine Pontifikalmesse mit Bischof Franz Jung wurde unter freiem Himmel auf dem Festgelände gefeiert. 2022 wurde mit den „GartenKultur“-Tagen im Zuge der Jubiläumsaktivitäten ein Gartenmarkt entlang der Mainlände veranstaltet, begleitet von zahlreichen geöffneten Gärten im gesamten Ortsgebiet. 2024 erhielt die St.-Jakobus-Kirche eine neue Pfeifenorgel nach über 20 Jahren ohne ein solches Instrument. Die Orgel stammt aus der profanierten Versöhnerkirche in Bergneustadt und wurde vom Himmelstadter Orgelbaumeister Martin Karle umfassend überarbeitet und eingebaut.
Einwohnerentwicklung
Politik und Öffentliche Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Zellingen
Gemeinderat Partei/Liste Anteil 2020 Sitze 2020 Anteil 2026 Sitze 2026 CSU/FBL 40,49 % 5 35,4 % 4 SPD 31,46 % 4 35,6 % 4 Neue Liste Himmelstadt 28,04 % 3 28,9 % 4 Stand: 2026Gemeinderatswahl 2026, abgerufen am 18. Juni 2026.
Bürgermeister Am 19. November 2018 wurde Herbert Hemmelmann (CSU) zum Bürgermeister gewählt und am 28. März 2026, mit genau einer Stimme Mehrheit, im Amt bestätigt. Die Amtsperiode wird bis 2032 andauern. Vorgänger war Gundram Gehrsitz (CSU/Freie Bürgerliste), der am 12. Juli 2018 im Amt verstarb.Bürgermeister von Himmelstadt erliegt Herzinfarkt In: BR.de (Bayerischer Rundfunk), 14. Juli 2018. Abgerufen am 4. September 2019.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 2021 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 86, im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 55 und im Bereich Unternehmensdienstleister acht sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Insgesamt gab es 680 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort.