Rüdenau ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Kleinheubach.
Geografie Geografische Lage Rüdenau liegt in der Region Bayerischer Untermain. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit am Osthang des Berges „Rauschen“, westlich von Rüdenau, der niedrigste liegt am Rüdenauer Bach auf . Der Ort liegt in einem Seitental des Maintales im Sandstein-Odenwald. Drei Bäche, der Winnengraben aus Nordwesten, der Ohrenbachgraben aus Westen und der Osternthal-Bach aus Süden vereinigen sich im Ortsgebiet zum Rüdenauer Bach, der nach knapp 3,7 km linksseitig bei Kleinheubach in den Main fließt. Ca. 2,5 km westlich des Ortes liegt das Erdwerk Ohrenbacher Schanze, eine römische oder frühmittelalterliche Wallanlage, auf Miltenberger Stadtgebiet. Rüdenau selbst liegt nur etwa 3 km von der Landesgrenze Bayern/Hessen entfernt. Seine Lage in eine Seitental macht den Ort zu einem Sackgassendorf; die einzige Zugangsstraße, die Kreisstraße MIL 4 zweigt von der B469 bei Kleinheubach ab und führt nach Westen bis in den Ort.
Gemeindegliederung Außer dem Kirchdorf Rüdenau gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Rüdenau. Sie hat eine Fläche von 4,001 km² und ist in 1576 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2539,01 m² haben.
Name Etymologie Der Name Rüdenau besteht aus dem Personennamen Wipertus Rude (Wipert Rüd) und dem mittelhochdeutschen Wort ouwe, das Aue bedeutet.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1285 Miles Wipertus Rude de Rudenawe (Ritter Wipert Rüd von Rüdenau) 1302 Rudenowe 1389 Rüdenawe 1698 Rüdenaw 1757 Rüdenau
Ortsneckname Rüdenau zählte in früherer Zeit mit zu den ärmsten Ortschaften der Gegend. Sie hatten wenig Feld und Landwirtschaft. Deshalb waren die wenigen Nutztiere kränklich und ihre Hörner klein. Mitleidig und spöttisch wurden die Bewohner „Klammhörnli“ genannt. Die Miltenberger hatten für ihre Nachbarn einen Spottvers: „Kauf nie e Kuh von Rüdenau, kauf nie e Sau von Hebbach, heirat’ nie e Fraa aus Börschet“.Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Hrsg.: Landkreis Miltenberg, Sparkasse Miltenberg-Obernburg, Miltenberg 2003Uz-Atlas – Primasonntag 11. November 2012
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde 1285 urkundlich: In einer Schenkungsurkunde vom 3. Mai 1285 übereignet der Ritter Wipert Rüd von Rüdenau Zehnteinkünfte in Gönz und Weckbach dem Kloster Amorbach.Blick in die Geschichte von Rüdenau auf der Ortswebseite www.ruedenau.de; abgerufen am 31. Juli 2023. Zu diesem Zeitpunkt bestand also bereits das Dorf, das bis 1635 im Besitz der Rüd blieb, die hier das Tal roden und Weinberge anlegen ließ.
Um 1535 bekam Rüdenau die Gerichtsbarkeit zugestanden und war auch für Bullau mit zuständig.
Friedhof und Chorturm sind um etwa 1300 entstanden, 1497 wurde die Kirche angebaut. 1556 wie die Mutterkirche in Kleinheubach evangelisch geworden, wurde der Ort 1635 durch Kurmainz rekatholisiert, das 1635 auch das Erbe der erloschenen Rüd von Rüdenau übernahm.
Das mainzische Amt wurde im Reichsdeputationshauptschluss 1803 den Fürsten von Leiningen zugesprochen, 1806 durch Baden mediatisiert und 1810 an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt abgetreten. Im Rezeß Hessen/Bayern (Frankfurt 1816) fiel es schließlich an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Drei Jahre später, 1821, wurde Rüdenau durch eine Stiftung der Familie Bischof aus Miltenberg zusammen mit Bullau eine selbständige Pfarrei.
Verwaltungsgeschichte Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Rüdenau lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Rüdenau war nun eine Gemeinde im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.
Einwohnerentwicklung Die Zahlen bis 1950 sind der Ortschronik entnommen. Die Einwohnerzahl um 1900 ist geschätzt. Jahr 1792 1832 1900 1939 1950 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2018 Einwohner 328 432 500 555 646 745 793 811 875 868 862 811 749 737 +Jahr2019202020212022202320242025Einwohner740732736741730724717
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 775 auf 712 um 63 Einwohner bzw. um 8,1 %. 1997 hatte die Gemeinde 889 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 7. Januar 2025 Christof Farrenkopf (FWG Rüdenau); dieser wurde am 1. Dezember 2024 mit 70,2 Prozent der gültigen Stimmen gewählt. Seine Vorgänger waren Monika Wolf-Pleßmann (FW) von Mai 2020 bis Dezember 2024, Udo Käsmann (FW) von Mai 2002 bis April 2020 und Ludwig Heilmann (FW) bis April 2002.
Gemeinderat Für die Gemeinderatswahl am 8. März 2026 lag lediglich der Wahlvorschlag der Freien Wählergemeinschaft Rüdenau vor, deren Bewerber nach Mehrheitswahl alle acht Sitze erhielten.Ergebnis Gemeinderatswahl 2020, abgerufen am 19. Juni 2020
Wappen
Bau- und Bodendenkmäler
mini|Innenansicht St. Ottilia Rüdenau Kirche St. Ottilia Ottilien-Brunnen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft 2017 gab es in der Gemeinde 40 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 303 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 263 Personen größer als die der Einpendler. 9 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es noch 3 landwirtschaftliche Betriebe.
Überregional bekannt ist die 2012 gegründete Whisky-Brennerei St. Kilian Distillers, eine der größten Whisky-Brennereien in Deutschland.
Bildung Kindergarten: Der örtliche Kindergarten mit 47 Plätzen (Belegung 2018: 25 Kinder) wird von der Caritas getragen. Die Betreuung erfolgt vormittags. Schulen: Die Grund- und Hauptschulversorgung für Rüdenau wird durch die Volksschule Kleinheubach mit einer Außenstelle in Laudenbach erbracht. Die ehemalige Außenstelle in Rüdenau wurde aufgegeben. Die Klassen 7–9 werden im Verbund mit Großheubach und Amorbach unterrichtet. Zum Erwerb einer höheren Schulbildung wechseln die Schüler meist auf die Realschule in Miltenberg bzw. die Gymnasien in Miltenberg oder Amorbach.
Literatur
Weblinks
Gemeinde Rüdenau
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Miltenberg Kategorie:Ersterwähnung 1285 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Miltenberg