Kino in Dresden skizziert auszugsweise die Entwicklung der Dresdner Film- und Kinogeschichte von den ersten kinematographischen Schaubuden,Carola Neumann: Von der Schaubude zum Kristallpalast. Kinoarchitektur in Dresden. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 25 ff., ISBN 3-910055-76-1. dem ersten Filmprojektor von Heinrich Ernemann hin zu einer Kinostadt der 1920er und 1930er Jahre. Gleichzeitig werden Umfang und Ausmaß einer zerstörten Kinokultur und deren Wiederaufbau nach den Luftangriffen vom 13. Februar 1945 dargestellt.
Geschichte 1895–1945 mini|Ernemann-Werke in Dresden Mit der Erfindung und Einführung der Kinematographie (vermutlich 1895) begann auch die Ära des Jahrmarkts- und Wanderkinos. Bewegte Bilder wurden immer populärer.Carola Neumann: Von der Schaubude zum Kristallpalast.Kinoarchitektur in Dresden. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 25 ff., ISBN 3-910055-76-1. In Dresden kam der Begeisterung für das neue Medium eine zusätzliche Bedeutung zu: Die hier ansässigen Ernemann-Werke standen gemeinsam mit der Deutschen Kinematographen-Werke GmbH (DKW) für technische Innovationen in der Foto- und Kinogeräteindustrie und machten Dresden zum Zentrum der Filmindustrie.Andrè Eckart: Schlaglichter einer Filmstadt.Filmproduzenten in Dresden vor 1945. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 13 ff., ISBN 3-910055-76-1.
Seit 1896 gehörten bewegte Bilder zu den populären Attraktionen auf der Dresdner Vogelwiese. Aus diesen nur auf wenige Tage im Jahr begrenzten Vorführungen entwickelte sich schnell eine stetig wachsende Anzahl von Lichtspieltheatern im gesamten Dresdner Stadtgebiet. Günstige Eintrittspreise machten das Vergnügen an den kurzen Filmen für die gesamte Bevölkerung interessant und förderten die Nachfrage.Heinz Fiedler: Vom Kintopp zum modernen Lichtspielhaus. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch 1. Dresden 1995. S. 151., ISBN 3-910055-76-1. Andere Kultureinrichtungen, wie beispielsweise das Varietè Central-Theater und das Viktoria-Theater, erkannten diesen Boom und integrierten das Medium Film in ihre Programme.Carola Neumann: Von der Schaubude zum Kristallpalast. Kinoarchitektur in Dresden. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 25 ff., ISBN 3-910055-76-1.
Gründer des ersten Dresdner Kinos war der Inhaber der Deutschen Kinematographen-Werke GmbH Otto Dederscheck, der 1906 auf der Wettiner Straße 34 (der heutigen Schweriner Straße) das „Dedrophontheater“ eröffnete. 1908 folgte auf der Prager Straße 47 das „Tonbild-Theater“ als erstes Großstadtkino.Carola Zeh: Lichtspieltheater in Sachsen – Entwicklung, Dokumentation und Bestandsanalyse. Hamburg 2007, Seite 183 u. 187., ISBN 978-3-8300-3166-6. Neben repräsentativen Kinosälen entstand auch eine Vielzahl kleinerer Spielstätten, zum Beispiel in Cafés, Läden oder Gaststätten. Allerdings gelang das längerfristige Überleben nur wenigen; viele schlossen bereits nach kurzer Zeit. Neben wirtschaftlichen Gründen lag das vor allem an den strengen Auflagen zum Brandschutz und einer unterschiedlich auslegbaren Filmzensur der jeweiligen Polizeibezirke. Der im Mai 1909 gegründete „Verein der Kinemathographenbesitzer des Königreiches Sachsen in Dresden“ wurde zur Interessenvertretung der Branche und sollte für die Kinobetreiber Rechtssicherheit schaffen.Heinz Fiedler: Vom Kintopp zum modernen Lichtspielhaus. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch 1. Dresden 1995. S. 152., ISBN 3-910055-76-1.
In der Dresdner Innenstadt stand Baugrund nur begrenzt zur Verfügung. Große Filmtheater entstanden durch Umbau bestehender Säle oder wurden in Innenhöfen errichtet. 1913 eröffnete das erste Superkino an der Waisenhausstraße 22 – das „U. T.“ (Union-Theater-Lichtspiele): es bot Platz für mehr als 1100 Zuschauer und verfügte über 12 Logen sowie ein modernes Beleuchtungskonzept. 1926 eröffnete das „Capitol“ an der Prager Straße 31 – das mit 1750 Plätzen als das größte Dresdner Kino jener Zeit galt.Carola Neumann: Von der Schaubude zum Kristallpalast. Kinoarchitektur in Dresden. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 28 ff., ISBN 3-910055-76-1.
Anfang der 1920er Jahre begann Dresdens eigentliche Kinozeit: regelrechte Paläste, aber auch kleinere und mittlere Filmtheater lockten das Publikum. Zwischen Hauptbahnhof und Postplatz siedelten sich sieben große Filmtheater mit insgesamt 9000 Plätzen an. Hier zeigten sich auch die von den Filmfreunden umjubelten Stars zu Premieren, zum Beispiel „Mädchen in Weiß“, „Dr. Crippen an Bord“ oder „Die Frau ohne Vergangenheit“. Die noch für den 6. Februar 1945 geplante Premiere „Die Jahre vergehen“, wurde abgesagt. Einen Tag zuvor stellten alle Kinos im Innenstadtbereich ihren Spielbetrieb ein und wurden für die Aufnahme von Flüchtlingen umfunktioniert. Keines dieser Kinos überlebte die Luftangriffe des 13. Februars 1945.Heinz Fiedler: Vom Kintopp zum modernen Lichtspielhaus. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch 1. Dresden 1995. S. 158., ISBN 3-910055-76-1. alternativtext=|mini|Blick vom Rathaus über die Prager Straße zum Hauptbahnhof nach der Enttrümmerung, im Vordergrund die Ruine der U.T. – Lichtspiele. Bundesarchiv Bild 183-U0816-0010.
Nach 1945 Von den einst 33 zentrumsnahen Kinos überlebten ganze 16 das Inferno. Diese befanden sich ausschließlich in der Peripherie zur ehemaligen Innenstadt. 1949 überführte das Land Sachsen Lichtspielhäuser in die „Vereinigung volkseigener Lichtspieltheater“ (VVL); die privaten Kinobetreiber waren enteignet. Der Wiederkehr einer wie vor 1945 existierenden Kinolandschaft standen finanzielle sowie städtebauliche Prioritäten entgegen. Deshalb erhielten kleinere Sanierungs- und Renovierungsvorhaben, wie beispielsweise an den Schillergarten Lichtspielen, dem Kleinen Theater Reick und im Olympia gegenüber einem notwendigeren Neubau den Vorzug. Die größeren Kinos in der Stadt wurden bald durch Doppelnutzung auch zu Spielstätten für Theater- und Konzertveranstaltungen. Für den steigenden Kinobedarf akquirierte die Stadt im Ausgleich intakte Turnhallen, Ballsäle und Schulen als Interimsspielstätten.Karl Knietzsch: Kino in den Nachkriegsjahren. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 34 ff., ISBN 3-910055-76-1.
Zwischen 1945 und 1972 wurden in Dresden keine Kinoneubauten realisiert. Sieben, meist kleinere zerstörte Kinos wurden bis 1970 zusätzlich zu den 16 bereits erwähnten Kinos wiederaufgebaut und für den Spielbetrieb hergerichtet. Insgesamt existierten 23 Kinos mit etwa 6500 Plätzen im gesamten Dresdner Stadtgebiet. Nach Beliebtheit und Platzangebot rangierten bis zur Eröffnung des ersten Kinoneubaus im Jahr 1972 der Faunpalast, das Tagesfilmtheater Ost, das Astoria und das Filmtheater Olympia an vorderster Stelle. Der Neubau Filmtheater Prager Straße, auch als Rundkino wegen seiner besonderen Architektur bezeichnet, bot erstmals wieder Platzkapazitäten jenseits der 1100 und ging als größter Kinoneubau in die Geschichte der DDR ein.Frank Apel: Dresdner Kinokultur in den siebziger und achtziger Jahren. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 55 ff., ISBN 3-910055-76-1. Auch namhafte westliche Schauspieler und Regisseure besuchten das Rundkino, zum Beispiel Margarethe von Trotta mit ihrem Produzenten Eberhardt Junkersdorf. Bei ihrem Film „Rosa Luxemburg“ kam es im Anschluss zu unvermeidbaren – von Funktionärsseite unerwünschten – Podiumsgesprächen mit über 1000 DDR-Bürgern. Die DDR-Erstaufführung des Films Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit fand im Februar 1987 unter Anwesenheit des Filmregisseurs Peter Schamoni im Rundkino statt.Schamoni Film (abgerufen am 4. August 2020)
Erstaufführungen vornehmlich nur im Rundkino zu zeigen, war aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Die Schauburg in der Dresdner Neustadt avancierte 1980 mit der Premiere des Horst-Seemann-Films „Levins Mühle“ zum zweiten Filmtheater der Stadt. In ihr befand sich bis zum Umbau im Jahre 1993 die sogenannte Visionsbar; ein durch Glasscheiben abgetrennter Zuschauerraum für etwa 60 Zuschauer, denen während der Filmvorführung eine komplette gastronomische Versorgung zur Verfügung stand.Frank Apel: Dresdner Kinokultur in den siebziger und achtziger Jahren. In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 57 ff., ISBN 3-910055-76-1.
Nach 1990 mini|Rundkino Prager Straße 6 Mit der Einführung der D-Mark und der Abwicklung von DDR-Betriebsvermögen wurden auch die Dresdner Kinos zum Wirtschaftsgut und von der Treuhandanstalt (THA) zur Verwertung ausgeschrieben. 1991 teilten sich Immobilienfirmen und Bernd Eichingers Neue Constantin Film GmbH die Kinofilets der Stadt. Für das Filmtheater Ost, Reick und das Kino am Hauptbahnhof konnte die Treuhand keine Interessenten finden. Bis zum Elbehochwasser 2002 bespielte die UFA nach kleineren Umbauten das Rundkino. Es war außer der Schauburg das letzte noch bespielte Kino aus dem Verkaufskorb der Treuhand. Nach und nach entwickelte sich auch in Dresden der Trend zu den Multiplex-Kinos. Das UCI, CinemaxX, Kristallpalast und das Bofimax sollten sich städtebaulich einfügen und den Kinobedarf der Dresdner Bevölkerung decken. Hatte Dresden Anfang 1970 noch 23 Kinos mit 23 Leinwänden für 6500 Besucher, waren es nach der Einführung der Multiplex-Kinos im Jahr 2009 nur noch 10 Kinos mit 40 Leinwänden für mehr als 10.000 Besucher.Karsten Fritz: Kino heute In: Dresdner Hefte, Heft 82, 2005, Hrsg. Dresdner Geschichtsverein, S. 89 ff., ISBN 3-910055-76-1.
Die Schließung des als Bofimax gegründeten Metropolis mit seinen 1900 Plätzen hatte 2009 keinerlei Auswirkung auf den übersättigten Kinomarkt der Stadt. Dem gegenüber entwickelten sich bis heute eine dem Bedürfnis vieler Cineasten angepasste Film- und Kinolandschaft in kleineren privat geführten Programmkinos. Mit der kundenorientierten Kinounterhaltung stiegen die Besucherzahlen kontinuierlich.
Mit Stand 31. Dezember 2017 zählte Dresden 551.072 Einwohner. 2018 besuchte durchschnittlich jeder Dresdner 2,7-mal ein Kino. Verglichen damit ging 1936 jeder Dresdner knapp viermal so häufig ins Kino. Die Eintrittspreise von durchschnittlich 8,00 € waren unter den 17 deutschen Städten mit über 200.000 Einwohnern am günstigsten. Kinoergebnisse 2018 – Städte in Deutschland mit über 200.000 Einwohnern Website der FFA Filmförderungsanstalt Berlin. Abgerufen am 16. Februar 2020 „Dresden in Zahlen. Statistisches Jahrbuch der Stadt Dresden 1936“, Hrsg. Statistischen Amt der Landeshauptstadt Dresden, 35. Jahrgang, Dresden 12/1937, S. 31.
Dresdner Filmtheater bis 1945 (Auswahl)