mini|Logo von 1970 bis 1995 WDR 3 ist die Hörfunk-Kulturwelle des Westdeutschen Rundfunks in Nordrhein-Westfalen.
Geschichte In den Weihnachtsferien 1954/55 sowie ein und zwei Jahre später (bis 1956/57) strahlten WDR und NDR (damals noch NWDR) erstmals ein an das dritte Programm der BBC angelehnte WDR 3 und NDR 3 aus; die Sendungen richteten sich – wie die der BBC – an ein „gehobenes“ Publikum, das nach den Worten des damaligen Intendanten Hanns Hartmann bereit sein solle „mitzutun, mitzudenken und mitzuempfinden“. Nach Probeläufen für ein Vollprogramm 1962 sendete der WDR ab dem 1. Januar 1963 fünf Tage die Woche „WDR 3“. Ab dem 29. März 1964 sendete das dritte Hörfunkprogramm täglich. Im Unterschied zum heutigen Programmauftrag stand in den ersten Jahrzehnten die Bildung im Vordergrund. Politisches Wort, kulturelles Wort, klassische Musik und weitere Programmelemente wie Hörspiele waren diesem Bildungsbegriff untergeordnet., , : ARD-Chronik des Deutschen Rundfunkarchivs
Ab 1973 wurde das Programm sukzessive zum heutigen musikgeprägten Kulturprogramm umgestaltet und dafür u. a. großflächige Musiksendungen geschaffen. So entstand 1987 die vormittags ausgestrahlte Sendung Klassik-Forum, in der die Redakteure selbst im Studio sind und die von ihnen ausgewählte Musik ausführlich moderieren. Im Gegensatz zum restlichen Tagesprogramm finden hier regelmäßig ganze Werke mit Laufzeiten bis zu einer knappen Stunde ihren Platz.
Seit der Reform im Jahre 2001 ist eine immer deutlichere Positionierung von WDR 3 als Begleitprogramm mit Magazincharakter erkennbar. Dies betrifft insbesondere die Programmschiene von 12 bis 20 Uhr.
Seit 1999 leitete Karl Karst das Programm.Website WDR 3, abgerufen am 3. Dezember 2013 Im Januar 2020 übernahm Matthias Kremin die WDR-3-Programmleitung.
Zusätzlich zu UKW kann WDR 3 seit 1. September 2014 auch landesweit über DAB+ empfangen werden.
mini|Altes Logo bis 4. April 2014
Konzept Das Radioprogramm ist laut Selbstdarstellung des WDR dem „anspruchsvollen Wort“ und der klassischen Musik verpflichtet. Auch modernen Ansätzen der Musik werde breiter Raum eingeräumt. Nach WDR 5 ist WDR 3 der Sender mit der höchsten Informationsdichte aus den Bereichen Politik und Kultur. Das Magazin Journal behandelt aktuelle Ereignisse mehrmals täglich. In diesen achtminütigen Sendungen werden Kurznachrichten, ein Kommentar und mehrere Beiträge gebracht. Zu den früheren renommierten Wortsendungen von WDR 3 gehörten unter anderem Am Abend vorgestellt und das 1967 etablierte Kritische Tagebuch.
Der Werbe-Claim der Welle änderte sich mehrfach. Ab dem Jahr 1999 (evtl. sogar früher) bis 2007 lautete er „WDR 3. Das Kulturereignis“; dazu über die Jahre wechselnde, mehr oder weniger abstrakte, jedoch zielgruppenunabhängige Symbolbilder, etwa das einer Wasseroberfläche.. Die Website vom 9. November 2000 zeigte in einer Bildergalerie die Themen „Konzertsaal“, „Kulturpark“ und „Technik“. Ab 2008 war der Claim „WDR 3. Aus Lust am Hören“, und die Website und Werbebroschüren wandten sich optisch an die Zielgruppe der „Best Ager“ und Rentner. Auf dem Leitfoto der WDR-3-Website war lange Zeit eine Frau über 50 Jahren mit Ohrhörern und MP3-Player glücklich in freier Natur zu sehen, im Jahr 2011 ein weißhaariger Mann mit Kopfhörer und weißem Notebook in fast steriler, schneeweißer Umgebung.wdr3.de. Die Website vom 17. Dezember 2008 wies an erster Stelle Kultur- und nicht Musikinformationen auf, etwa zum Frauenfestival, dem Haus der Geschichte und zur Architektur des Berliner Schlosses. Seit dem Jahr 2012 fehlt der Welle die Werbezeile.
In loser Folge öffnet WDR 3 sein Programmschema und sendet zu einem bestimmten Thema einen ganzen „Radiotag“, etwa am 21. September 2013, 99 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs, unter dem Titel Atemlos, taumelnd, überhitzt. Der Vorabend des Ersten Weltkriegs. auf der Website des WDR
Programmreformen und Kontroversen Wie alle Wellen der ARD durchlief auch WDR 3 im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Programmreformen, die stets Kritik provozierten. Bis zur Reform 2004 wuchs die Welle inhaltlich, die Zahl neuer Sendungen nahm zu, Wortanteile weiteten sich aus. Seit 2004 ist diese Tendenz rückläufig. Viele „Wortinseln“ wurden abgeschafft oder wanderten in veränderter Form zu WDR 5 ab.
Reform 2001 Diese Reform bewarb der WDR so:
„Ab März erklingt das neue Programm der Hörfunk-Kulturwelle WDR 3: eine geänderte Programmstruktur, jede Menge neue Sendungen. WDR 3 open, WDR 3.pm oder Resonanzen – Die neuen Sendetitel deuten es schon an: WDR 3 setzt zeitgemäße Akzente – und rückt näher heran an die kulturellen und musikalischen Ereignisse von heute. […] Die Veränderungen bei WDR 3 setzen die Linie der Programmreform von 1998 fort. Ziel ist eine Bestärkung des Kulturengagements: ‚Für mich ist dies die konsequente Fortentwicklung eines großen, traditionsreichen Kulturprogramms, das dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut zu Gesicht steht‘“, so Karl Karst, Programmchef WDR 3.Selbstdarstellung auf Abgerufen am 18. März 2012.
Der Reform fiel unter anderem die literaturkritische Sendung Am Abend vorgestellt (Montag–Freitag, 23.05–23.30 Uhr) zum Opfer. Von ihr blieb nur die am Mittwoch ausgestrahlte und von Lothar Fend betreute und moderierte Rubrik Gutenbergs Welt übrig und wurde auf den Sonntag, 12.05–13.00 Uhr, verschoben.
Reform 2004 Eine Programmreform am 1. Januar 2004 weitete die beiden kulturellen Magazinsendungen Mosaik und Resonanzen zeitlich stark aus, ohne jedoch die Anzahl der Beiträge, also der Informationen zu erhöhen. Ziel der Programmreform war, durch ein noch breiteres musikalisches Angebot auch jüngere Hörer (ab 30 Jahren) für das Programm zu interessieren. Deshalb wurde eine „Zweiteilung“ des Programmablaufes beschlossen: Von 6:00 Uhr bis 15:00 Uhr sendete die Welle ausschließlich klassische Musik, nach 15:00 Uhr öffnete sich das musikalische Spektrum Richtung Jazz und Easy Listening. Der WDR selbst begründete die Reform mit einem Ausbau des kulturellen Angebots und einer Abgrenzung von anderen WDR-Wellen:
„Mit den neuen Angeboten ist WDR 3 eine deutliche Alternative zu den informations- [gemeint ist WDR 2] und servicegeprägten [gemeint ist WDR 5] Sendungen anderer Programme, ohne dass die kulturinteressierten Hörer auf politische Kerninformation verzichten müssten.“Selbstdarstellung auf . Abgerufen am 18. März 2012.
Reform 2008 Die nächste Programmreform im Jahr 2008 wurde in der Öffentlichkeit noch kontroverser diskutiert.Zur Kritik an der Reform siehe u. a. Musik vertreibt das Wort. In: Die Zeit vom 28. Februar 2008 Insbesondere war vorgesehen, den Wortanteil am Programm noch weiter abzusenken, was den Reformern den Vorwurf der Dudelfunk-Begünstigung einbrachte. Am 1. September 2008 trat diese Reform in leicht überarbeiteter Version in Kraft, bei der unter anderem die monothematischen Musikpassagen am Nachmittag zum Magazin mit klassischer Musik wurden. Der Reform fiel die politische Kommentarsendung Tageszeichen, eine verkürzte Nachfolgerin des legendären Kritischen Tagebuchs, zum Opfer.Anstelle des Tageszeichens entstand die damit nicht vergleichbare, eher satirische Sendung Politikum auf der Nachbarwelle WDR 5.
Reform 2012 Eine weitere geplante Programmreform sollte schon im März 2012 greifen, stieß jedoch auf noch heftigeren Widerstand, zuletzt in Form einer im Internet geführten Unterschriftenliste, die bis Ende Mai 2012 von fast 19.000 Personen unterzeichnet wurde.https://www.welt.de/newsticker/news3/article106394918/Rundfunkrat-beschliesst-umstrittene-WDR3-Reform.html Die Unterzeichner von „Die Radioretter – Initiative für Kultur im Rundfunk“ monierten in einem offenen Brief an die Intendantin Monika Piel:
Sie unterstellten den Reformern, insbesondere dem Hörfunkdirektor, „den Blick für die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ verloren zu haben:
Der WDR verschob die Reform auf den Mai 2012. Hörfunkdirektor Schmitz wies die Kritik in einem offenen Brief zurück:
Er unterstellte dem Gros der Unterzeichner der Protestnote:
In einer Sitzung des Rundfunkrates des WDR am 2. März 2012 stand die Reform auf der Agenda, obwohl nicht der Rundfunkrat, sondern die Intendantin letzten Endes entscheiden muss. Die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats, Ruth Hieronymi (CDU), forderte in dieser Sitzung:
In seiner Sitzung am 30. Mai 2012 billigte der Rundfunkrat des WDR schließlich die aufgrund der Proteste nachgebesserte Programmreform. Das Programm werde einerseits um ein aktuelles Kulturmagazin am Sonntag erweitert. Auch der Internetauftritt werde ausgebaut. Andererseits würden „einige wenige Sendungen aufgegeben beziehungsweise gekürzt“. Erhalten blieben die täglichen Kultur-Kommentare und ein wöchentlicher Radio-Essay sowie das Journal am Abend zu den wichtigsten aktuellen Ereignissen des Tages. Eine „permanente ‚Zukunftswerkstatt‘“ solle dauerhaft Raum für Experimente im Programm bieten.WDR 3: Geplante Änderungen. Pressemitteilung des WDR, 30. Mai 2012, abgerufen am 31. Mai 2012. An Feiertagen werde ein einstündiges Musikfeature gesendet. Dafür seien zehn Sendeplätze pro Jahr vorgesehen.
Am 7. Oktober 2012 startete das neue sonntägliche aktuelle Kulturmagazin WDR 3. Kultur am Sonntag.
Causa Lemke-Matwey Am 5. Mai 2014 beendete der WDR die Zusammenarbeit mit der Redakteurin Christine Lemke-Matwey, die auf WDR 3 regelmäßig die Sendung Klassik-Forum moderierte. Der WDR begründete diese Handlung mit „Illoyalität“ und berief sich auf einen in der Zeit erschienenen Artikel von Lemke-Matwey, in dem sie den Führungskräften der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten u. a. ein „militantes Desinteresse an Hochkultur“ vorwarf, das sich in der sukzessiven Marginalisierung von Kultur und insbesondere klassischer Musik im Angebot der Rundfunkanstalten äußere. Die Reaktion des WDR wurde in der Presse als unverhältnismäßig kommentiert.
Reform 2016 Bei der zu Beginn des Jahres 2016 in Kraft getretenen Programmreform, die gleichzeitig mit Änderungen beim Programm WDR 5 vorgenommen wurde, stach die Einführung eines festen Sendeplatzes für Hörspiele von Montag bis Freitag in der Stunde ab 19 Uhr hervor, dies jedoch vor dem Hintergrund einer Einsparung von 1,5 Millionen Euro bei der Produktion beider Programmwellen. In Presseberichten hieß es, zehn Prozent der Planstellen fielen bis 2020 weg; bezogen auf WDR 3 sind das acht Vollzeitmitarbeiter.
Moderatorinnen / Moderatoren (Auswahl) Claudia Behlemann Kornelia Bittmann David Eisermann Daniel Finkernagel Ulrike Froleyks Annette Hager Nina Heinrichs Daniel Hope Jörg Lengersdorf Christian Möller Götz Alsmann Philipp Quiring Raoul Mörchen Katja Schwiglewski Michael Struck-Schloen Klaus Walter
Weblinks Website von WDR 3 Christian Schüle: Musik vertreibt das Wort. In: Die Zeit Nr. 7/2008, 7. Februar 2008, zugegriffen am 10. März 2008. Initiative Die Radioretter Michael Struck-Schloen: 29.03.1964 - Sendestart des Hörfunkprogramms WDR3. WDR ZeitZeichen vom 29. März 2014 (Podcast).
Einzelnachweise und Anmerkungen
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