Nizza (amtlich [], nissart Niça/Nissa) ist eine französische Großstadt mit Einwohnern an der Mittelmeerküste (Côte d’Azur) im Département Alpes-Maritimes in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Seit Juli 2021 ist Nizza als „Winterurlaubsstadt an der Riviera“ Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Nizza ist bevölkerungsmäßig die fünftgrößte Stadt Frankreichs und nach Marseille die zweitgrößte Stadt der provenzalischen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Nizza ist Sitz der Präfektur des Départements Alpes-Maritimes. Sie liegt zwischen Cannes und dem Fürstentum Monaco, etwa 23 Kilometer (Luftlinie) von der Grenze zu Italien entfernt. Zusammen mit 48 weiteren Gemeinden bildet Nizza den Gemeindeverband Métropole Nice Côte d’Azur. Die Bevölkerungszahl im Ballungsraum beträgt über 944.000, die Metropolregion hat 1,1 Millionen Einwohner.

Geographie Nizza liegt im Südosten Frankreichs und in der direkten Verlängerung des Mercantour-Massivs (Seealpen), im Westen vom Var-Tal und im Osten vom Mont Boron begrenzt. Die Entfernung zum Fürstentum Monaco beträgt etwa zehn Kilometer, die Entfernung zur italienischen Grenze 30 Kilometer.

Sprache und Bevölkerung Die Einwohner Nizzas werden im Französischen Niçois bezeichnet, im Deutschen als Nizzaer. Im nizzardischen Land wird noch teilweise Provenzalisch-Okzitanisch gesprochen, das sogenannte Nissart oder Niçard, standardsprachlich Niçois.Bevölkerungsentwicklung. In: ehess.fr, abgerufen am 5. Oktober 2013.

Klima und Lokalgeographie Durch die geschützte Lage ist Nizza auch im Winter einer der wärmsten Orte an der französischen Côte d’Azur. Die angenehmsten Reisemonate sind der Mai und Mitte September bis Mitte Oktober. Im Allgemeinen liegen die Temperaturen in Nizza einige Grad über den Temperaturen in Deutschland. Die Monate Juni bis August können sehr heiß werden. Die Winter sind mild, es gibt in Nizza kaum Frost. Deshalb war diese Stadt im 19. Jahrhundert ein beliebtes Winterquartier für Briten und Russen, darunter auch die Zarenfamilie. Noch heute zeugen die großen Hotels und Gärten sowie die orthodoxe Kirche von diesem Umstand.Jean-Michel Bos: Frankreich: Eine russische Kathedrale in Nizza. In: Deutsche Welle. September 2007, abgerufen am 21. Juli 2022. Nizza hat keinen Sand-, sondern einen Steinstrand. Das milde Mittelmeerklima begünstigt den Weinbau, das Weinbaugebiet um Nizza trägt den Namen Bellet.

Stadtrat

Sonstige = DVD = 3 (Regierung), RN = 7 (Opp), LP (1) CNIP (1) (beide Opp)

Geschichte mini|Ruinen der Bäder von Cemenelum

Die Gegend des heutigen Nizza war bereits vor 400.000 Jahren vom Homo heidelbergensis besiedelt. 1965 stieß man bei Ausschachtungsarbeiten auf zahlreiche Artefakte, die heute im Museum Terra Amata ausgestellt sind. Vor 190.000 bis 130.000 Jahren lebten hier Neandertaler, deren Überreste in der Grotte du Lazaret ausgegraben wurden.

Wahrscheinlich um 350 v. Chr. besiegten die Phokäer aus der Gegend um Marseille die Ligurer und gründeten Níkaia („die Siegreiche“, nach der Siegesgöttin Nike). Im Jahre 154 v. Chr. setzten sich die Römer in der Gegend fest, nachdem Nikaia und Antipolis, das heutige Antibes, von Ligurern aus der Gegend von Biot und Cannes angegriffen worden waren. Zur Sicherung der Region wurde von den Römern neben Nikaia eine zweite Siedlung, Cemenelum, auf den Hügeln des heutigen Stadtteils Cimiez errichtet. Die erhaltenen Ruinen deuten auf eine Bevölkerungszahl von 15.000 bis 20.000 Einwohnern in Cemenelum hin, das ein regionaler Verwaltungsmittelpunkt wurde und insbesondere durch den Bau der Via Julia Augusta (7 v. Chr.) einen Aufschwung erlebte, sodass etwa zu dieser Zeit der Stützpunkt zur Stadt anwuchs. Erst im fünften Jahrhundert wurde Cemenelum zugunsten von Nikaia aufgegeben.

Die Provence fiel nach dem Zerfall des Römerreichs 508 an die Ostgoten, 536 an das Frankenreich. 813, 859 und 880 wurde Nizza von sarazenischen Angreifern geplündert, die vom Meer her kamen. Auch in der Folgezeit (z. B. im Jahr 943) erfolgten sarazenische Übergriffe. Die Sarazenen unterhielten seit 888 einen Stützpunkt im nahen Fraxinetum, bis um 975 Graf Wilhelm von der Provence sie vertrieb.

Im Jahr 1144 wird ein Stadtrat („Consulat“) erwähnt, 1176 eine erste Stadtverfassung. Nizza blieb allerdings weiter der Grafschaft Provence unterstellt, sodass die Stadt im zwölften Jahrhundert aragonesisch und ab 1246 vom Haus Anjou regiert wurde. Im 13. Jahrhundert machte sich zunehmend die Konkurrenz zu Genua bemerkbar, das um 1215 kurzzeitig die Oberhoheit über die Stadt erlangte. Als Reaktion ließ der Graf der Provence um 1250 in Nizza eine Flotte stationieren. 1295 erfolgte die Gründung der Stadt Villefranche (so viel wie Freie Stadt) nahe bei Nizza mit einem Stützpunkt zur Bekämpfung der Piraterie.

1385 kam es nach dem Tod der Landesherrin der Provence, Johanna I., zu Erbfolgewirren, als Karl von Anjou und sein Vetter Karl von Durazzo die Grafschaft für sich beanspruchten. In dieser Situation wandte sich Nizza auf Anstiften des Herrn Jean Grimaldi gegen die Anjou, woraufhin im Jahr 1388 Graf Amadeus VII. von Savoyen den östlichen Teil der Provence seiner Grafschaft einverleibte und somit einen Zugang Savoyens zum Meer herstellte. Später wurde dieser Teil Savoyens seinerseits zur Grafschaft Nizza (Comté de Nice) erhoben. Aufgrund ihrer strategischen Lage wurde die Stadt stark befestigt und war in der Folge immer wieder umkämpft.

mini|links|Nizza im Jahr 1624

Im Jahr 1524 zog der französische König Franz I. von Valois-Angoulême mit einem Heer durch die Grafschaft Nizza, um französische Ansprüche in der Lombardei gegen die Habsburger zu erkämpfen. Er geriet in der Schlacht von Pavia in die Gefangenschaft des römisch-deutschen Kaisers Karls V., der ihn 1525 von Villefranche mit dem Schiff nach Spanien bringen ließ. 1536 zog sich der Herzog von Savoyen vor dem König von Frankreich in die Grafschaft Nizza zurück. Zwei Jahre später wurde in Nizza unter Vermittlung von Papst Paul III. ein Waffenstillstand zwischen Franz I. und Karl V. ausgehandelt. 1543 erfolgte die Belagerung und Plünderung Nizzas durch französische Truppen und die Flotte Khair ad-Din Barbarossas; die Zitadelle konnte gehalten werden. Der lokalen Überlieferung nach war es eine Wäscherin, Catherine Ségurane, die als eine „Jeanne d’Arc von Nizza“ den Abzug osmanischer Truppen erzwungen haben soll.

Im Jahr 1600 ließ Heinrich IV. von Frankreich die Stadt belagern. Anlässlich des Friedensschlusses von Lyon von 1601 verblieb Nizza beim Herzogtum Savoyen, das hier 1614 einen der drei Gerichtshöfe Savoyens errichtete. 1631 wurde Nizza von einer Pestepidemie heimgesucht. 1642 wurden die Spanier aus Nizza vertrieben. 1691 nahm König Ludwig XIV. Nizza und die Region ein, zugleich übernahm er den Titel eines Grafen von Nizza. 1693 besichtigte der Militärarchitekt Sébastien Le Prestre de Vauban die Region um Nizza zur Organisation der Instandsetzung der Festungsanlagen. Zwei Jahre später erlangte der Herzog von Savoyen die Grafschaft Nizza durch die Heirat seiner Tochter mit einem Enkel Ludwigs XIV. zurück.

Im Spanischen Erbfolgekrieg kam es erneut zu Kämpfen in der Region, als sich Savoyen auf die Seite der Habsburger gegen Frankreich stellte. Ein französischer Angriff unter General Catinat führte zur weitgehenden Zerstörung der Festung im Jahr 1706. Ihre Überreste wurden nach der Kapitulation auf Befehl Ludwigs XIV. geschleift. mini|links|Einnahme von der Stadt und Grafschaft Nizza in September 1792

Im Zuge des Österreichischen Erbfolgekriegs eroberten französisch-spanische Truppen 1744 die Grafschaft, die jedoch im Frieden von Aachen (1748) erneut Savoyen zugesprochen wurde. 1749 wurde das Bassin Lympia, der heutige Hafen von Nizza, angelegt. Nach einer Volksabstimmung wurde 1793 die Grafschaft an Frankreich angegliedert und zum 85. Département mit dem Namen Alpes-Maritimes erhoben.

mini|links|Isidore Dagnan (1788–1873): Ancien port de Nice, Collections du musée municipal d’Orange

mini|Promenade am Palais de la Jetée, Photographie um 1880

Von Nizza aus begann Napoleon Bonaparte 1796 seinen Italienfeldzug, der zur Besetzung Piemonts führte. 1800 wurde die Region kurzfristig durch österreichische Truppen besetzt, jedoch nach dem Sieg Napoleons in der Schlacht bei Marengo wieder französischer Herrschaft unterstellt. 1804 erkannte Nizza den Kaiser mit 3.488 zu 2 Stimmen als Souverän an. Dennoch fiel 1814 im Ersten Pariser Frieden die Grafschaft Nizza an Piemont zurück, das mittlerweile Teil des Königreichs Sardinien geworden war. Die Grenzen von 1760 waren damit wiederhergestellt.

1859 unterstützte Frankreich die gegen die Habsburger errungene nationale Einigung Italiens unter der Herrschaft des Königs von Sardinien-Piemont, der Napoleon III. dafür im Vertrag von Turin die endgültige Angliederung Savoyens und Nizzas an Frankreich zugestehen musste. Dies wurde 1860 von der Bevölkerung Nizzas in einem Plebiszit gebilligt, 6.810 der 7.912 Wahlberechtigten stimmten für Frankreich.

Die Eisenbahn (PLM – Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée) erreichte Nizza 1864. Da der Bahnhof weit außerhalb der Stadt auf freiem Feld gebaut wurde, verlagerte sich nun die Bautätigkeit auf das Gebiet jenseits des Flusses Paillon, wo ein neues Stadtviertel entstand. Die Altstadt blieb davon unberührt und gut erhalten. 1882 erbaute der französische Architekt Charles Garnier das Observatorium von Nizza.

Unterdessen war die Stadt als Winteraufenthalt bei wohlhabenden Briten derart beliebt, dass der Schriftsteller Alexandre Dumas 1851 erklärte, Nizza sei im Grunde eine englische Stadt, in der man nur hin und wieder einen Einheimischen treffe. Zunehmend logierten hier auch Angehörige des europäischen Hochadels, so der russische Zar und Victoria von Großbritannien. Verbrachten um 1890 etwa 22.000 Gäste den Winter in Nizza, so waren es um 1910 bereits 150.000, während sich die Anzahl der Einheimischen auf rund 140.000 belief.

Der Aufschwung des Tourismus wurde von einer Industrialisierung begleitet, die im 20. Jahrhundert viele italienische Zuwanderer anzog, die sich überwiegend in den Vierteln Riquier und Madeleine niederließen. Das italienische Generalkonsulat übte eine strenge Aufsicht über seine Staatsbürger aus, und in Nizza erschien die italienischsprachige faschistische Zeitung Il Pensiero latino für die dort lebenden Italiener.

Auch viele Flüchtlinge aus dem Zarenreich kamen infolge der Russischen Revolution in die Region. Weiße Russen und andere gründeten in Nizza verschiedene Hilfsorganisationen, so das Comité d’assistance aux réfugiés de Russie, die Société de secours par le travail pour les émigrés russes de la Côte d’Azur und das Altersheim des Russischen Roten Kreuzes in der Villa Konak.

Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt, die zunächst italienisch und später deutsch besetzt war, weitgehend unbeschädigt; in den Bergen oberhalb der Stadt befanden sich Widerstandsnester der Résistance. Bei einem amerikanischen Luftangriff am 27. Mai 1944 starben 316 Menschen. Am 30. August 1944 wurde Nizza befreit, nachdem am 15. August eine Flotte der Alliierten in der Operation Dragoon bei Cannes gelandet war. Am 13. Mai 1945 gewann die sozialistische SFIO die Wahlen zur Stadtregierung.

Nach dem Krieg benannte die Stadt eine ihrer Hauptverkehrsachsen nach der Schlacht von Bir Hakeim. Die Zahl der britischen Besucher ging allmählich zurück, während Italiener und finanziell gutgestellte Rentner aus anderen Teilen Frankreichs ebenso wie „repatriierte“ Algerienfranzosen (Pied-noir) und Harkis mit ihren Familien zuzogen.

Im Jahre 1974 initiierte der über enge Kontakte zur extremen Rechten verfügende Bürgermeister Jacques Médecin eine Städtepartnerschaft mit Kapstadt im damals wegen der Apartheid international geächteten Südafrika. Im Jahre 1979 wurde Nizza von zwei Tsunamis heimgesucht.