Dieser Artikel enthält eine chronologische Auflistung bedeutender Unfälle im Schienenverkehr.
Als bedeutend im Sinne dieser Liste gilt ein Unfall, wenn er mindestens 50 Menschen das Leben kostete, ein Großschadensereignis zur Folge hatte, Verbindung zu einer bedeutenden Persönlichkeit aufweist, technische Neuerungen auslöste oder sonst Signalwirkung hatte oder der erste seiner Art war.
Nicht hier, sondern an anderer Stelle, werden aufgeführt: Anschläge im Schienenverkehr. Siehe hierzu Liste von Anschlägen im Schienenverkehr. Unfälle, die Anstoß zu literarischer Aufarbeitung gaben. Siehe hierzu Liste von Eisenbahnunfällen als literarisches Thema. Kesselexplosionen. Diese erfüllen obige Kriterien in der Regel nicht, werden aber im Artikel Kesselzerknall gelistet.
Bis 1800 Whickham (County Durham ) – Fußgänger überfahren: April oder Juli 1650 – Zwei Jungen starben, nachdem sie von einem Hunt überfahren wurden, der auf hölzernen Schienen lief. Es handelt sich um den ältesten bekannten Unfall von Schienenfahrzeugen mit tödlichem Ausgang.David Wragg: Signal Failure: Politics & Britain's Railways. Stroud 2004, ISBN 978-0-7509-3293-6, S. 46.
19. Jahrhundert Bis 1830 Philadelphia (County Durham ) – Kesselzerknall: 31. Juli 1815 – Der Kessel der experimentellen Dampflokomotive Mechanical Traveller explodierte und riss 16 (nach anderer Quelle 13) umstehende Zuschauer in den Tod. Dieser Unfall ist die älteste bekannte Kesselexplosion einer Lokomotive.
mini|Denkmal für den Unfall von William Huskisson an der Liverpool and Manchester Railway mini|Gedenktafel für William Huskisson, heute im National Railway Museum, York Middleton Railway () – Erster tödlich verunglückter Nicht-Eisenbahner: 5. Dezember 1821 – Der erste tödlich verunglückte Nicht-Eisenbahner war wohl der Zimmermann David Brook. In schwerem Graupelwetter lief er auf der Bahntrasse. Dabei übersah er einen Zug und wurde tödlich verletzt.Richard Balkwill, John Marshall: The Guinness Book of Railway Facts and Feats. 6. Aufl., 1993, ISBN 0-85112-707-X.
St. Helens () – Erster bekannter Auffahrunfall zweier Züge: 15. September 1830 – Während der Eröffnungsfeierlichkeiten der Liverpool and Manchester Railway befuhren eine Reihe von Zügen mit Ehrengästen hintereinander die Strecke im Sichtabstand. Als ein Wagen entgleiste, blieb der Zug liegen und der Folgezug fuhr mit mäßiger Geschwindigkeit auf. Es gab keine Verletzten.Simon Garfield: The Last Journey of William Huskisson. Faber and Faber, 2002, ISBN 0-571-21048-1, S. 147.
Newton-le-Willows () – Erstes prominentes Todesopfer: 15. September 1830 – Der Politiker William Huskisson wurde das erste prominente Todesopfer eines Eisenbahnunfalls, als er am Eröffnungstag der Liverpool and Manchester Railway von der Lokomotive The Rocket überfahren wurde. In der Literatur wird er unzutreffenderweise auch als der erste genannt, der bei einem Eisenbahnunfall überhaupt zu Tode kam.
1831–1840 Hightstown (New Jersey, ) – Entgleisung nach Heißläufer und folgendem Achsbruch: 11. November 1833 – Entgleisung zweier Wagen eines Zuges zwischen Hightstown und Spotswood, New Jersey, auf der Bahnstrecke South Amboy–Bordentown. Zwei Fahrgäste wurden getötet, 21 Reisende verletzt. Prominente Mitreisende waren Cornelius Vanderbilt, der spätere Präsident der New York Central Railroad, der sich ein Bein brachNach anderen Angaben brach sich Vanderbilt zwei Rippen (Lucius Beebe, Charles Clegg: Hear the train blow. Apictoral epic of America in the railroad age. E. P. Dutton, New York 1952, S. 310)., und der frühere US-Präsident John Quincy Adams. Dies war der erste Eisenbahnunfall, bei dem Fahrgäste eines planmäßig verkehrenden Zuges ums Leben kamen.
Salford () – Erster bekannter Unfall durch Zugtrennung: 11. Mai 1834 – Nach einer Zugtrennung auf der Liverpool and Manchester Railway entlief der nicht mehr mit der Lokomotive verbundene Zugteil. Bei diesem Unfall wurde ein Mensch verletzt.Railways Archive – Accident Archive.
mini|Frontalzusammenstoß zweier Züge bei Suffolk, Virginia, USA Suffolk (Virginia ) – Frontalzusammenstoß: 11. August 1837 – Ein Güterzug und ein Personenzug stießen auf einer eingleisigen Strecke, auf der auf Sicht gefahren wurde, frontal zusammen. Drei Tote und Dutzende Verletzte waren die Folge.Southworth Allen Howland: Steamboat disasters and Railroad accidents in the United States: to which is appended accounts of recent shipwrecks, fires at sea, thrilling incidents, etc. Worcester, Massachusetts 1840, S. 286f. Dies war der erste Frontalzusammenstoß zweier Züge mit Todesopfern in der Eisenbahngeschichte.
Wakefield () – Erster bekannter Unfall durch Brückeneinsturz: 8. November 1838 – Nach dem Einsturz einer Brücke der Manchester and Leeds Railway entgleist ein Zug und stürzt ab. Ein Mensch starb, acht weitere wurden verletzt.Railways Archive – Accident Archive.
Howden (Yorkshire ) – Entgleisung durch verrutschte Ladung: 7. August 1840 – In einem gemischten Zug, der auf der Hull and Selby Railway zwischen Leeds und Hull unterwegs war, löste sich Ladegut, fiel auf die Schienen und brachte den Zug zum Entgleisen. Es ist der früheste bekannte Eisenbahnunfall, der verrutschtes Ladegut als Ursache hatte und bei dem es Tote gab. Vier Menschen starben, weitere wurden verletzt. Dies war weltweit der erste Eisenbahnunfall, der von einer Eisenbahnaufsichtsbehörde untersucht wurde.
1841–1850 Sonning () – Entgleisung nach Erdrutsch: 24. Dezember 1841 – Ein gemischter Zug von London nach Bristol entgleiste in einem Einschnitt nahe Sonning. Von den 38 Reisenden in den offenen Wagen dritter Klasse starben neun, 16 wurden schwer verletzt. Auch infolge dieses Unfalls wurde 1844 der Railway Regulation ActRailway Regulation Act 1844 (PDF; 845 kB) vom britischen Parlament verabschiedet, der unter anderem geschlossene Fahrzeuge auch für die dritte Klasse vorschrieb.
mini|Eisenbahnunfall von Versailles (1842) Versailles () – Entgleisung nach Achsbruch: 8. Mai 1842 – Nach einem Achsbruch an der Vorspannmaschine entgleiste ein Zug. 50 Menschen verbrannten in den hölzernen Wagen, die von der Glut aus der Feuerbüchse in Brand gesetzt wurden. Die Zahl der Verletzten ist nicht mehr bekannt. Die Abteiltüren waren aus Sicherheitsgründen verschlossen, so dass sich viele Reisende nicht mehr rechtzeitig retten konnten.
Chester () – Brückeneinsturz aufgrund von Konstruktions- und Materialfehlern: 24. Mai 1847 – Während der Überfahrt eines Zuges stürzte die von Robert Stephenson errichtete Eisenbahnbrücke über den Dee auf der North Wales Coast Line der Chester and Holyhead Railway ein. Der Einsturz forderte fünf Todesopfer und eine Reihe von Verletzten. Hauptursachen waren die Verwendung von Gusseisen in den tragenden Teilen und das Gewicht nachträglich aufgetragenen Schotters als Brandschutz für die Holzteile der Brücke. Es sollten aber noch fast 50 Jahre vergehen, bevor gusseiserne Eisenbahnbrücken völlig verschwanden. Der Unfall war ein schwerer Schlag für die Reputation von Stephenson als Ingenieur.
1851–1860 Gütersloh-Avenwedde () – Entgleisung: 21. Januar 1851 – Ein Zug von Minden ins Rheinland entgleiste auf der Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft in der Gemarkung des heutigen Gütersloh-Avenwedde. Drei Todesopfer waren die Folge. In dem Zug reiste auch Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Friedrich III., der aber nur leicht verletzt wurde. Als Dank für seine Rettung bei dem Eisenbahnunfall stiftete er 1860 den Zinkdruckguss eines Taufengels von Bertel Thorvaldsen für die Martin-Luther-Kirche in Gütersloh.
Commercy (): 20. August 1852 – Bei Commercy verunglückte ein Zug, in dem Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen von einem Besuch in Paris nach Deutschland zurück reiste. Er musste 90 Minuten zu Fuß im Regen laufen, um sich in Sicherheit zu bringen. Es war sein 50. Geburtstag.Philipp Losch: Der letzte deutsche Kurfürst. Friedrich Wilhelm I. von Hessen. Marburg 1937, S. 89.
Andover (Massachusetts ) – Achsbruch: 6. Januar 1853 – An dem einzigen Reisezugwagen eines Zuges von Boston nach Lawrence der Boston and Maine Railroad brach eine Achse. Der Wagen stürzte eine Böschung hinunter und zerbrach. Der Rest des Zuges, die Lokomotive und ein Gepäckwagen blieben im Gleis. Reisende in dem Zug waren der soeben neu gewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin Pierce, und seine Familie. Einziges Todesopfer des Unfalls war der elfjährige Sohn des Präsidenten. Seine Eltern hatten anschließend mit schweren Depressionen zu kämpfen und Franklin Pierce entwickelte ein Alkoholproblem.A. Peter: Franklin Pierce: New Hampshire’s Favorite Son. Concord 2004* Franklin Pierce – Biografie auf der archivierten Homepage des Weißen Hauses.
Norwalk () – Lokführer übersah Signal, das eine offene Drehbrücke sicherte: 6. Mai 1853 – Ein Zug stürzte aufgrund einer für den Schiffsverkehr geöffneten Drehbrücke beim Bahnhof Norwalk in den Norwalk River. 48 Menschen starben, 8 wurden vermisst, 30 verletzt. Der Unfall war der erste größere in den USA, bei dem eine Brücke eine Rolle spielte.
mini|Unfall bei Pawtucket, Rhode Island, 1853 – ältestes bekanntes Foto von einem Eisenbahnunfall Valley Falls, Rhode Island () – Frontalkollision zweier Züge aufgrund fahrlässiger Entscheidung des Schaffners und Lokführers sowie falsch gehender Uhr: 12. August 1853 – 14 Menschen starben, 50 wurden darüber hinaus verletzt. Ein Foto dieses Unfalls gilt als das älteste bekannte von einem Eisenbahnunfall überhaupt.Lucius Beebe, Charles Clegg: Hear the train blow. Apictoral epic of America in the railroad age. E. P. Dutton, New York 1952, S. 311.
Baptiste Creek (Provinz Kanada, ) – Fahrdienstleiterfehler, Schnellzug fuhr auf Bauzug auf: 27. Oktober 1854 – Nach einer unzutreffenden Auskunft des Fahrdienstleiters des Bahnhofs Baptiste Creek an den Lokführer setzte dieser einen Bauzug auf das Streckengleis zurück. Ein um Stunden verspäteter Schnellzug, der auf der Great Western Railway von Niagara Falls nach Windsor unterwegs war, fuhr auf diesen schwer mit Schotter beladenen Zug auf. Die Energie des Aufpralls wurde weitgehend dadurch aufgefangen, dass die ersten, überwiegend aus Holz gebauten Reisezugwagen des Schnellzugs zertrümmert wurden. 52 Menschen kamen ums Leben, 48 wurden verletzt. Ein erheblicher Teil der Toten waren deutsche Emigranten auf dem Weg in die USA.
Ambler (Pennsylvania ) – Frontalzusammenstoß: 17. Juli 1856 – Bei dem Frontalzusammenstoß eines vorwiegend mit Kindern und Jugendlichen besetzten Ausflugszugs mit einem Planzug starben mindestens 59 Menschen und mehr als 100 wurden verletzt. Grund für den Unfall war eine unzureichende Zugsicherung auf der eingleisigen Strecke.
Hamilton (Provinz Kanada, ) – Nach Achsbruch entgleister Zug beschädigte Brücke und stürzte in Kanal: 12. März 1857 – Betroffen war ein Zug der Great Western Railway mit etwa 100 Reisenden an Bord von Toronto nach Hamilton. 59 Tote und eine große Zahl Verletzter waren zu beklagen. Die Ursache für den auslösenden Achsbruch konnte nie geklärt werden.
Round Oak () – Entlaufener Zugteil kollidiert mit nachfolgendem Zug: 23. August 1858 – Weil der Bremser den im Bahnhof Round Oak haltenden Zug nicht durch Feststellen der Bremse sicherte und zugleich eine Kupplung brach, rollte ein Zugteil ein Gefälle hinab und kollidierte mit dem nachfolgenden Zug. 14 Menschen starben, mindestens 50 weitere wurden verletzt. Dies war der folgenreichste Eisenbahnunfall in Großbritannien bis zu diesem Zeitpunkt.
1861–1870 mini|hochkant|Eisenbahnunfall von Mont-Saint-Hilaire (1864)