mini|Abzeichen der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden von 1890
Die Privilegierte Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden gilt als älteste Schützenvereinigung der Stadt Dresden. Ihre Gründung geht auf 1446 zurück.Heidrun Wozel: Die Stadt als Lebenseinheit im späten Mittelalter. In: Geschichte der Stadt Dresden – Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke, Hermann Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1927-3, S. 337.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 31. Bekannt als Ausrichter höfischer Vogelschießen und der 1977 aus dem Stadtmuseum Dresden geraubten Königskette, ist ihr Wirken eng mit dem Volksfest Dresdner Vogelwiese verbunden.
Geschichte Entstehung mini|Stadtplan der heutigen Inneren Altstadt von Dresden im Jahr 1591 mit Ratsschießgarten und (29) Schießhaus und (28) Zielhaus.
Ende des 13. Jahrhunderts war die heutige Innere Altstadt von den Dresdner Befestigungsanlagen umgeben, zu denen eine etwa fünf Meter hohe Stadtmauer gehörte,Eva Papke: Die Stadt als Lebenseinheit im späten Mittelalter. In: Geschichte der Stadt Dresden – Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1906-0, S. 280 f. die bei drohenden Angriffen von Dresdner Einwohnern verteidigt wurde.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 101. Die wirkungsvollste Waffe war dabei die Armbrust, in deren Umgang sich die Bürger regelmäßig in dem zu Friedenszeiten trockengelegten Stadtgraben übten.Heidrun Wozel: Die Dresdner Vogelwiese. Verlag der Kunst, Dresden, 1993, ISBN 3-364-00284-3, S. 5. Dieser Platz, auch als Schützengraben und später als Ratsschießgarten bezeichnet, befand sich vermutlich nach der Schleifung der alten Wehranlagen parallel verlaufend zur Schießgasse; etwa vom heutigen Kurländer Palais bis zum Pirnaischen Tor am inneren Festungswall oder im sogenannten Zwinger.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 129. In einer Ratsrechnung fand sich 1401 erstmals der Verweis auf die Existenz eines Schießhauses, das den Schützen auch als Versammlungsort diente.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 114. Geschossen wurde nach strengem Reglement auf an einer Holzwand befestigte Ziele. Zu besonderen Anlässen schoss man auf den hölzernen Vogel an „niedriger Stange“ (Höhe 20 Meter) mit „Halber Rüstung“ (Bezeichnung der Armbruststärke), sonst auf das 70 Meter weit entfernte Kranz- oder Zirkelblatt. Letzteres glich einer Schießscheibe ohne Ringeinteilung mit einem Durchmesser von 18 Zentimetern und einem in der Mitte befindlichen mit Pergamentpapier abgedeckten Loch, welches dem Durchmesser der Armbrustbolzenstärke von etwa 1,5 bis 2 Zentimeter entsprach. Den besten Treffer nannte man „Zweck- oder Cirkullschuß“; dabei ging der Bolzen unversehrt durch das Loch in eine dahinter aufgestellte Zielwand.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 43 f.Heidrun Wozel: Die Dresdner Vogelwiese. Verlag der Kunst, Dresden, 1993, ISBN 3-364-00284-3, S. 10.
Die mit einer Armbrust Bewaffneten nannte man wegen des verwendeten Stahlbogens auch Bogen-, Armbrust-, Rüstungs- oder Stahlschützen; sie galten lange Zeit als gefährlichste Krieger des Mittelalters.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 6–8.
Von 1400 bis 1486 mussten die Dresdner Armbrustschützen entsprechend geltender Wehrverfassung zusätzlich zum Wach- und VerteidigungsdienstKarlheinz Blaschke: Wirtschaft und Verfassung. In: Geschichte der Stadt Dresden – Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1906-0, S. 189 ff. 49-mal ihrem Landesfürsten HeerfolgeHeinrich Moritz Neubert: Amtliche Darstellung zur Heeresfolge. Dresden, 1872. nach Böhmen, Franken, Thüringen, Brandenburg und Schlesien leisten.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 107–110. In dieser Zeit begannen sie sich nach dem Vorbild der Zünfte und Bruderschaften zu organisieren und gesellschaftlichen Einfluss zu erlangen. Im Jahr 1446 erkannte Kurfürst Friedrich II. die Armbrustschützen durch Erteilung von Privilegien erstmals als Vereinigung an. Die Privilegien bestanden u. a. darin, dass die Schützen – wie die Zünfte und Bruderschaften auch – ihre eigenen Altäre in den Gotteshäusern mit ihren Schutzheiligen (Sebastian) unterhalten durften.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 117. Zweimal im Jahr erhielten sie die „Lundischen Hosentücher“ (Tuch aus Leyden) für die PluderhosenHeidrun Wozel: Die Dresdner Vogelwiese. Verlag der Kunst, Dresden, 1993, ISBN 3-364-00284-3, S. 13 f. und ihnen wurde das Recht zugestanden, bei Schützenauszügen und Prozessionen in voller Bewaffnung gleich hinter den Ratsherren zu gehen.Heidrun Wozel: Die Dresdner Vogelwiese. Verlag der Kunst, Dresden, 1993, ISBN 3-364-00284-3, S. 7.Jörg Oberste: Alltag und Lebenswelt im Spätmittelalterlichen Dresden. In: Geschichte der Stadt Dresden – Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1906-0, S. 325.
mini|Armbrust (Halbe Rüstung) mini|Armbrustwinde (Halbe Rüstung)
Durch die rasante Weiterentwicklung der Feuerwaffen verlor die Armbrust als Fernwaffe zunehmend an Bedeutung. Jüngere und besser gestellte Armbrustschützen wechselten bereits Ende des 14. Jahrhunderts ihre Bewaffnung und wurden Büchsenschützen.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 28. Zwistigkeiten wegen unterschiedlicher Auslegung des Regelwerkes beim gemeinsamen Übungsschießen nahmen zu und machten eine neue Schützenordnung notwendig; nach deren Einführung stand diese unter strenger Aufsicht des Rates.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 29. 1549 trennten sich die Büchsenschützen folglich von den ArmbrustschützenG. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 94. und erhielten vom Rat der Stadt einen eigenen Übungsplatz vor dem Wilsdruffer Tor auf der Viehweide, am heutigen Schützenplatz. An dieser Stelle wurden bereits zuvor und gelegentlich noch bis in das Jahr 1724 gemeinsame Vogelschießen abgehalten.Heidrun Wozel: Die Dresdner Vogelwiese. Verlag der Kunst, Dresden, 1993, ISBN 3-364-00284-3, S. 9.
Ab dem zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts wurden die Bürger nicht mehr zur Heerfolge aufgeboten. Unter Kurfürst Moritz bildeten sich aus den angeworbenen Landsknechten Söldnerheere, mit denen der Kurfürst seine Kriegszüge führte. Für städtische Bewachungs- und Verteidigungsaufgaben wurden jedoch die Bürger gemäß geltender Wehrverfassung noch bis ins 18. Jahrhundert herangezogen.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 92 ff. und S. 111.
Der preußische Beschuss Dresdens während des Siebenjährigen Krieges zerstörte über 400 Häuser, öffentliche Gebäude und Palais, darunter die Kreuzkirche, das GewandhausReiner Groß: Vom Dreißigjährigen Krieg zum Siebenjährigen Krieg – Dresden als Zentrum kursächsischer Herrschaftsausübung. In: Geschichte der Stadt Dresden – Band 2: Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Reichsgründung. Hrsg. v. Reiner Groß und Uwe John, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1927-3, S. 53 f. und den Ratsschießgarten am Stadtgraben.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 133. Für den Rat gab es keinen Grund mehr, die zerstörten Baulichkeiten im Ratsschießgarten aufzubauen, zumal Notwendigkeit und Nutzen der Schießübungen mit der Armbrust nicht mehr zeitgemäß waren. Das Grundstück wurde an den damaligen Gouverneur, den Chevalier de Saxe, verpachtet und das angrenzende Wackerbarthsche Gouverneurshaus – später als Kurländer Palais bekannt – 1764 wiederhergestellt.Walter May: Städtebauliche Entwicklung. In: Geschichte der Stadt Dresden – Band 2: Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Reichsgründung. Hrsg. v. Reiner Groß und Uwe John, Theiss, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1927-3, S. 400.
Für die Bogenschützen-Gesellschaft wurde eine Neuausrichtung notwendig. Nach Jahrzehnte andauernder Uneinigkeit wurden Anfang des 18. Jahrhunderts die erforderlichen Änderungen des Gesellschaftszwecks sowie die Anpassung veralteter Schießordnungen möglich. Aus dem „Feldschießen“ nach dem Zirkelblatt wurde ein „Lustschießen“ nach dem Vogel als wesentlicher Gesellschaftszweck beschlossen.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 134. Der Rat der Stadt genehmigte diesen Beschluss; damit war der Weg zur Kommerzialisierung des nun alljährlich und öffentlich stattfindenden Vogelschießens frei.Heidrun Wozel: Die Stadt als Lebenseinheit im späten Mittelalter. In: Geschichte der Stadt Dresden – Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Hrsg. v. Karlheinz Blaschke, Hermann Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1927-3, S. 340.
Festschießen Seit Ende des 15. Jahrhunderts hielt der Rat zu Pfingsten Heerschau über die waffenfähigen Bürger. Sie galt als Inspektion von Bewaffnung und Ausrüstung und stand unter Verantwortung der für die vier Stadtviertel zuständigen „Viermeister“.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 104. Nach altem Brauch wurde zum Schluss auf Stadtkosten ein Fass Bier geleert und ein Vogelschießen durchgeführt.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 104 f. Die älteste urkundliche Erwähnung eines Vogelschießens der Armbrustschützen stammt aus dem Jahr 1440.Otto Richter: Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden. Zweite Abteilung. Dresden, 1891, Nachträge zu Band I, S. 360–361. Dokumente belegen auch, dass die Schützen des Stadtteils Altendresden (heutige Innere Neustadt) auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe ebenfalls eine Vogelstange besaßen.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 102.
1577 verlagerten die Armbrustschützen wegen der immer enger werdenden Platzsituation das Vogelschießen auf die Wiese vor dem Ziegelschlag. Dieser Platz befand sich zwischen dem südlich gelegenen Eliasfriedhof und der Elbe im Norden.Friedrich Reichert: Pirnaische Vorstadt, Zwischen Ziegelscheune und Bürgerwiese. In: Dresdner Geschichtsbuch – Nr. 14. Verlag DZA, Dresden, ISBN 978-3-936300-63-5, S. 77 ff.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 135. Er bot aufgrund seiner Größe die Möglichkeit, den Vogel an „hoher Stange“ (Höhe 40–42 Meter) mit „ganzer Rüstung“ abzuschießen. Das erste Pfingstschießen auf dem neuen Platz stattete der Rat unter Beteiligung des Kurprinzen Christian aus.Heidrun Wozel: Die Dresdner Vogelwiese. Verlag der Kunst, Dresden, 1993, ISBN 3-364-00284-3, S. 16.G. Adolph Schulze: Geschichte der Privilegierten Bogenschützen-Gesellschaft zu Dresden. Eigenverlag, Dresden, 1913, S. 228 ff.