mini|Der gescheiterte Attentäter: Oskar Becker mini|hochkant=1.5|Am 14. Juli 1861 wurde auf den preußischen König, Wilhelm I. in der Lichtenthaler Allee in Baden-Baden ein Attentat verübt. Nachempfundene, zeitgenössische Darstellung der Szene aus der Illustrirten Zeitung.

Oskar Wilhelm Becker () (* 18. Juni 1839 in Odessa; † 16. Juli 1868 in Alexandria) wurde bekannt durch sein Attentat auf König Wilhelm von Preußen. Er ist der erste namentlich bekannte Attentäter, der auf Wilhelm I., damals König von Preußen und ab 1871 Deutscher Kaiser, einen Anschlag verübte. 1849 hatte ein unbekannter Schütze den seinerzeitigen Prinzen von Preußen verfehlt. 1878 folgten kurz hintereinander die Attentate von Max Hödel und Karl Eduard Nobiling; diesem gelang es als einzigem, Wilhelm I. ernstlich zu verletzen. Ein vierter und letzter Anschlag, im Jahr 1883 von einer Anarchistengruppe um August Reinsdorf verübt, sollte ebenfalls scheitern.

Jugend Becker wurde in Odessa geboren, wo sein Vater Paul Adam von Becker Direktor des Lyceums war. Dessen erste Ehefrau und Oskar Beckers Mutter war Elise Wilhelmine Becker, geborene Dörstling (* 10. Februar 1818 Chemnitz; † 16. Januar 1844 Odessa). Der Vater hatte mit dem Aufstieg zum Wirklichen Kaiserlich Russischen Staatsrat () den Adelstand erworben. Der Großvater Friedrich Wilhelm Becker (* 4. Januar 1773 in Oberlichtenau; † 21. Oktober 1847 in Kiew) stammte aus Sachsen; er wurde Lehrer, Kollegienrat, Oberlehrer der deutschen Sprache am Litauischen Gouvernementsgymnasium und später Professor für römische Literatur und Hofrat. Er zog zunächst ins Baltikum und später in die Ukraine. Seine Ehefrau war Anna Margarethe Friederike Becker, geborene von Hueck (* 4. Juli 1788 in Tallinn; † 30. Oktober 1847 in Kiew).Erik-Amburger-Datenbank. Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. Oskar Becker war der Bruder von Carl Woldemar Becker und somit der Onkel der Malerin Paula Modersohn-Becker. radiobremen.de

Mit vierzehn Jahren wurde Oskar Wilhelm Becker auf ein Gymnasium in Kiew geschickt, später besuchte er von 1856 bis 1859 das Evangelische Kreuzgymnasium in Dresden.Archivalie. In: Bestand 10736 Ministerium des Innern Archivalnummer 00465 Datierung 1861 Attentat des Leipziger Studenten Oskar Becker aus Odessa auf König Wilhelm von Preußen in Karlsruhe; archiv.sachsen.de Oskar Becker studierte seit 1859 in Leipzig unter anderem Staatswissenschaften, Mathematik und orientalische Sprachen.

Attentat, Verurteilung und Begnadigung Im Sommer 1861 beschloss er, Wilhelm zu ermorden, der im Januar 1861 König von Preußen geworden war. Becker hielt ihn für ein Hindernis der Einigung Deutschlands. Er reiste am 12. Juli nach Baden-Baden, wo der König sich zur Kur aufhielt. Becker feuerte am Vormittag des 14. Juli in der Lichtenthaler Allee beide Läufe seines Terzerols auf den König ab, der zusammen mit dem preußischen Gesandten in Karlsruhe, Graf Flemming, dort entlangging. Die Kugel streifte den Hals des Königs linksseitig und verursachte eine Contusion von etwa 2½ cm Durchmesser; die „Stelle war mit Blut unterlaufen, die Verletzung aber ohne jede Gefahr“.

Becker ließ sich widerstandslos von Flemming festnehmen. Er trug ein Bekennerschreiben bei sich; darin stand zu den politischen Motiven seiner Tat:

Becker wurde vom Schwurgericht in Bruchsal zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, aber schon im Oktober 1866 auf König Wilhelms Fürsprache hin begnadigt.

Letzte Jahre Becker ging zunächst nach Belgien, wo er sich aber wieder politisch betätigte, was die preußische Gesandtschaft vor Ort nicht gerne sah. Er zog nach Chicago (USA), kehrte aber 1868 nach Europa zurück. Er starb im Juli 1868 im Alter von 29 Jahren in Alexandria.

Werk Das Buch des Fürsten (1859)

Siehe auch Liste bekannter Attentate

Literatur D. C. Gilman, H. T. Thurston, F. M. Colby (Hrsg.): Becker, Oskar. In: New International Encyclopedia. 1st ed. Dodd, Mead, New York 1905; ag-landeskunde-oberrhein.de

Weblinks

(504.) Protokoll über die Arbeitssitzung am 19. November 2010. Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e.V.

Einzelnachweise

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