Der Verkehrslandeplatz Bayreuth (Eigenbezeichnung Airport Bayreuth, ) ist der Flugplatz der oberfränkischen Hauptstadt Bayreuth.
Geschichte Anfänge der zivilen Fliegerei in Bayreuth Im April 1923 flog der damals 16-jährige Hans Härtl erstmals mit einem selbstgebauten Hängegleiter. Er startete mit dem nach Plänen des Bayreuther Gärtnersohns Wolfgang Vogel konstruierten Fluggerät in der Nähe des heutigen Krankenhauses am Hang der Hohen Warte und eröffnete damit das Segelflugzeitalter in seiner Heimatstadt. In jener Zeit war als Folge des Friedensvertrags von Versailles die Motorfliegerei in Deutschland weitgehend unterbunden.Bernd Mayer: Erinnerungen eines 90jährigen Flugpioniers in: Heimatkurier 5/1996 des Nordbayerischen Kuriers, S. 11 f.
Vorgänger des heutigen Flugplatzes war der Flugplatz Laineck, der im Tal unterhalb des Oschenbergs an der Bindlacher Allee lag. Am 2. August 1925 wurde er mit einem Flugtag eingeweiht, und Oberbürgermeister Albert Preu übergab die Flughalle ihrer Bestimmung.Bernd Mayer: Meine Jugend auf dem Lainecker Flugplatz in: Heimatkurier 4/2010 des Nordbayerischen Kuriers, S. 10 f. Für 15 Mark wurden Besuchern erste Rundflüge von 15 Minuten Dauer angeboten. Der Verein Flughafen und Luftverkehr Bayreuth gründete bald darauf eine Jugendabteilung, deren junge Mitglieder mit bemerkenswertem Geschick ihre zum Teil abenteuerlich anmutenden Fluggeräte selbst zusammenbauten. Sie starteten von den nahen Hängen der Hohen Warte, des Bindlacher Bergs und des Oschenbergs. Bereits 1928 wurde der Öffentlichkeit eine Segelflugausstellung präsentiert.
Die 1930 bereits als „Flughafen“ bezeichnete Anlage weckte Hoffnungen, die Verkehrsanbindung der Stadt abseits der Haupt-Eisenbahnstrecken zu verbessern. Im ersten Jahr wurden 119 ankommende und 82 abgehende „Luftfahrgäste“ gezählt. Am 5. Juli 1927 wurde eine erste Luftpostlinie zwischen Bayreuth und Hof eingerichtet. Mit der Fluglinie A konnte man 1928, mit Zwischenlandungen in Hof, Plauen und Zwickau, in 2:35 Stunden Leipzig erreichen.Schon 1927 eine Fluglinie in: Heimatkurier 3/2001 des Nordbayerischen Kuriers, S. 24. Mit der Einrichtung einer Zwischenlandemöglichkeit in der Festspielzeit auf der Strecke Berlin–München durch die Lufthansa erfuhr der Flugplatz zusätzliche Bedeutung.
Seit 1929 beherbergte er die kleine Messerschmitt-Sportmaschine der Bayreuther Fliegerin Lisl Schwab, die als Fallschirmspringerin nationale Berühmtheit erlangte. Bereits Anfang der 1930er Jahre warb Schwab auf den Tragflächen ihres Flugzeugs für nationalsozialistische-Publikationen. Zur fliegenden Bayreuther Prominenz gehörte auch der NS-Gauleiter und bayerische Kultusminister Hans Schemm, der 1935 dort beim Start tödlich verunglückte. Adolf Hitler landete als Festspielgast mit seinem persönlichen Piloten Hans Baur in einer Junkers Ju 52, die während seiner Aufenthalte dort auf ihn wartete. Der Flugplatz, der als Zivilflugplatz ausgewiesen war und auch von Segelfliegern genutzt wurde, wurde auch von Militärmaschinen angeflogen.
Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die kurze Geschichte des Lainecker Flugplatzes. Das Gelände wurde zunächst für den Aufbau eines Flüchtlingslagers und später von der Bundeswehr (Markgrafenkaserne) genutzt. Die Flughalle wurde Anfang der 1960er-Jahre abgerissen.
Auf dem Bindlacher Berg, dem Standort des heutigen Verkehrslandeplatzes, wurde währenddessen bereits 1930 erstmals ein Segelflug-Wettbewerb abgehalten.
Ausstattung und Verwendung Der Flugplatz weist vier parallele Landebahnen auf, von diesen ist eine asphaltiert, die restlichen sind als Segelflugbahnen auf Gras angelegt. Bei einer Pistenlänge der asphaltierten Landebahn von 1.034 m (inklusive Sicherheitsstreifen 1207 m) können auf ihr Flugzeuge bis max. 5,7 t Abfluggewicht (10 t PPR) starten und landen. In Ausnahmefällen kann das Luftamt Nordbayern Flugzeugen bis 20 t auf Antrag die Genehmigung erteilen.
Flugplatzanlagen mit vier Parallelbahnen sind selten und sonst fast nur bei den größten Flughäfen der Welt zu finden. In Bayreuth wird diese Kapazität vorwiegend bei Segelflug-Wettbewerben und Sommerlagern von auswärtigen Segelfluggruppen benötigt. Da das normale Bezeichnungssystem auf maximal drei parallele Bahnen ausgelegt ist, werden die Grasbahnen im Funkverkehr mit 24 S1 (sprich: „zwo-vier, Sierra eins“), 24 S2, 24 S3 bzw. 06 S1 usw. bezeichnet, die Asphaltbahn heißt nur „24“ bzw. „06“ ohne Zusätze.
Navigationshilfen im Sichtanflug sind Blitzer, Landebahn- und Gleitwinkelbefeuerung (PAPI), unter Instrumentflugbedingungen noch zusätzlich RNAV und seit September 2024 auch RNP per Satellitennavigation und Anflugbefeuerung.
Der wesentliche Unterschied zur „Area Navigation“ (RNAV) besteht darin, dass bei RNP die Genauigkeit der Positionsbestimmung laufend überwacht wird. Dies geschieht durch das sogenannte „Receiver Autonomous Integrity Monitoring“ (RAIM). Dadurch erfolgt innerhalb von sechs Sekunden eine Benachrichtigung des GPS Nutzers, sollte die tatsächliche Genauigkeit der Positionsbestimmung unter den vom jeweiligen Verfahren (RNP 2, RNP 1 etc.) vorgeschriebenen Schwellenwert fallen. Im Normalfall würde dies bei RNAV erst nach drei Stunden erfolgen!
Zur Aufrechterhaltung des für die Geschäftsfliegerei so wichtigen Instrumentenflugbetriebes wurde Anfang Mai 2023 eine zertifizierte Wetterstation mit einer ATIS (automatische Wetteransage) in Betrieb genommen, die vom Deutschen Wetterdienst fachaufsichtlich betreut wird.
Da es sich um einen unkontrollierten Flugplatz handelt, ist der Luftraum um den Flugplatz als Luftraumklasse G mit Radio Mandatory Zone geregelt. Verschiedene Hangars, Betankung mit AvGas 100 LL bzw. Kerosin Jet A-1 und eine Flughafenfeuerwehr stehen zur Verfügung.
Seit dem 7. Februar 2017 ist die Stadt Bayreuth vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung mit Zeugnis Nr. 310 als Flugsicherheitsorganisation zur Erbringung von Flugplatz-Fluginformationsdienst (AFIS) anerkannt worden. Sie überwacht damit als zertifizierter Diensteanbieter den stattfindenden Flugverkehr.
Der Landeplatz dient insbesondere der Geschäftsfliegerei, aber auch der sonstigen allgemeinen Luftfahrt wie z. B. dem Luftsport, u. a. als Leistungsstützpunkt des Luftsportverbandes Bayern für den Segelflug. Charterflugzeuge mittlerer Größe können individuell gebucht werden, Direktflüge in den europäischen Raum sind somit jederzeit möglich.
Durch die Nähe zu den Flughäfen Nürnberg (etwa 90 Kilometer südlich) und Leipzig/Halle (etwa 190 Kilometer nordöstlich) besteht für den Einsatz von größeren Flugzeugen im Linienverkehr aber kein dringend notwendiger Bedarf.
Der Flugplatz gehört vollständig der Stadt Bayreuth, ihr entstehen durch seinen Betrieb im Durchschnitt jährliche Kosten i. H. v. rund 350.000 Euro.Katja Auer: "Wir haben alles rausgezuzelt." sueddeutsche.de, 29. April 2014, abgerufen am 29. April 2014
Lage und Verkehrsanbindung Der Flugplatz liegt fünf Kilometer nordöstlich der Bayreuther Stadtgrenze auf einem Hochplateau am Bindlacher Berg auf dem Gebiet der Gemeinden Bindlach und Goldkronach.
In der Nähe des Flugplatzes befindet sich das Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach zwischen den Bundesautobahnen 9 und 70, der Verkehrslandeplatz ist über die Anschlussstelle Bindlacher Berg an das Autobahndreieck angebunden. Busse der VGN-Linien 329 und 330 halten direkt an der Zufahrt zum Verkehrslandeplatz und verbinden ihn so mit der Stadt Bayreuth sowie mit den angrenzen Gemeinden.
Fliegerhorst Die deutsche Luftwaffe legte in den Jahren 1936–38 einen Fliegerhorst auf dem Bindlacher Berg an, der zum größten Militärflugplatz in Oberfranken wurde.Harald G. Dill, Karlheinz Hetz: op. cit., S. 12. Ab Mai 1939 war dort das Zerstörergeschwader I./ZG 52 stationiert. Hitler, der keine Stationierung von Kampfeinheiten in Bayreuth wünschte, ließ die Einheit im August desselben Jahres nach Biblis verlegen. Ab dem 4. September 1939 wurde der Fliegerhorst von Flugzeugführerschulen und fliegertechnischen Schulen genutzt. Es konnten 1500 Bordmechaniker an allen gängigen Flugzeugmustern der Luftwaffe ausgebildet werden, das Lehrpersonal bestand aus 350 Unteroffizieren und Feldwebeln. Alle Flugzeugtypen bis hin zur sechsmotorigen Me 323 „Gigant“ und der Doppelrumpfmaschine Heinkel He 111 Z waren vertreten.
Von der Instandsetzungskompanie 6 wurden Flugzeugreparaturen durchgeführt, zudem gab es eine Ausbildungsstätte für Flugzeugbauer im Metallflugzeugbau. Ab dem 14. Februar 1944 wurden verschiedene Nahaufklärungsgruppen stationiert, am 5. April 1945 die Nachtschlachtgruppe 2 von Erfurt-Bindersleben mit ihren fünf verbliebenen Sturzkampfbombern Junkers Ju 87 auf den Bindlacher Berg verlegt.Axel Polnik: Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich, S. 328 ff (bei Google Books)
Im Jahr 1945 umfasste der Fliegerhorst sechs Hallen. Sie lagen nördlich der sie verbindenden Rollbahn, deren Verlauf jetzt die Goldkronacher Straße folgt. Die Flugzeuge starteten und landeten, anders als heute, in Nordwest-Südost-Richtung auf einer südlich davor liegenden Grasfläche.Harald G. Dill, Karlheinz Hetz: op. cit., S. 18.
Am 11. April 1945 wurde der Fliegerhorst bei einem Bombenangriff teilweise in Brand geschossen, dort stationierte Flugzeuge wurden zerstört., abgerufen am 19. Mai 2023 Vier Tage später wurde der Flugplatz durch die US Army besetzt, die ihn als Advanced Landing Ground ALG R-26 bezeichnete und die dort die bis 1992 genutzte Kaserne Christensen Barracks errichtete. Die zur Amberger Ponds Barracks gehörende Kaserne umfasste eine nördlich des heutigen Verkehrslandeplatzes gelegene Start- und Landebahn, die als Bayreuth AAF (Army Airfield) betrieben wurde.
Verkehrslandeplatz Bayreuth In den 1950er Jahren wurde die Luftsportgemeinschaft Bayreuth e. V. gegründet und erhielt die Genehmigung, einen Sonderlandeplatz am Bindlacher Berg auf angepachteten Flächen im südöstlichen Teil des US-Militärgeländes zu betreiben., abgerufen am 4. Februar 2014mini|Terminal und Tower mini|Blick nach Norden mit Gebäuden der Luftsportgemeinschaft mini|Junkers Ju 52/3m D-AQUI der Lufthansa auf dem Bayreuther Flugplatz mini|Rollfeld mit historischer Ju 52, im Hintergrund das Gelände der ehemaligen Kaserne Christensen Barracks mini|Blick nach Südwesten zum Ende der Startbahn am Rand des Plateaus Die Stadt Bayreuth übernahm 1973 die Halterschaft des Flugplatzes,Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 3. April 2019, S. 10. die Genehmigung zum Betrieb als Verkehrslandeplatz wurde am 1. April 1974 vom Luftamt Nordbayern erteilt. Im Dezember 1975 wurde der neue Tower seiner Bestimmung übergeben.Vor 50 Jahren. Einweihung des neuen Flugsicherungstowers fiel wegen Nebels aus in: Nordbayerischer Kurier vom 2. Dezember 2025, S. 10. Die Stadt Bayreuth erwarb 1986 das Eigentum an den zuvor gepachteten Flächen von der Bundesrepublik Deutschland und erweiterte im Jahr 1996 das Gelände durch Zukauf auf insgesamt 55,511 Hektar. Damit konnten im Norden des Platzes neue Segelflugbahnen errichtet und die Grundvoraussetzungen für einen optimierten Segelflugbetrieb geschaffen werden.
Mittels hoher Zuschüsse durch den Freistaat Bayern investierte die Stadt Bayreuth in die technische Ausstattung für das Instrumentenan- und -abflugverfahren, den Ausbau der Start- und Landebahn, den Bau eines neuen Terminals mit Aussichtsterrasse und in moderne Geräte- und Maschinentechnik. Dadurch ist es möglich, auch bei Schlechtwetterbedingungen und im Winter zuverlässig Geschäftsreiseverkehr bis zehn Tonnen (PPR) Gesamtfluggewicht abzuwickeln.
Im Jahre 2023 wurde eine AWOS_Auto-Klasse 4 Wetterstation (mit ATIS) der Firma Vaisala installiert, um den gesetzlichen Forderungen zur Aufrechterhaltung des Instrumentenflugverkehrs nachzukommen.