Marcel Ophüls [] (früher Marcel Wall-Ophüls; * 1. November 1927 in Frankfurt am Main; † 24. Mai 2025 in Lucq-de-Béarn) war ein Oscar-prämierter deutsch-französischer Filmregisseur und Dokumentarfilmer.
Biografie Ophüls entstammte einer deutsch-jüdischen Familie. Er war der Sohn des deutsch-französischen Filmregisseurs Max Ophüls und der deutschen Stummfilmschauspielerin Hilde Wall. Er verbrachte einen Teil seiner Jugend auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Frankreich und den Vereinigten Staaten. Als US-Soldat war er an der Besetzung Japans beteiligt.. In: NDR, 18. Februar 2015.
Nach seinem Studium am Occidental College in Kalifornien, USA sowie an der Sorbonne in Paris arbeitete Ophüls als Regie-Assistent unter anderem von John Huston (bei Moulin Rouge, 1952) und Anatole Litvak (bei Un acte d’amour, 1953). Zwischen 1956 und 1959 war er Hörfunk- und Fernsehredakteur beim Südwestfunk in Baden-Baden. 1957 drehte er seine ersten Kurzfilme. Nach seiner Rückkehr nach Paris im Jahr 1960 realisierte Ophüls den deutschen Beitrag zum internationalen Episodenfilm L’Amour à vingt ans (1961/62). Mit Unterstützung von François Truffaut inszenierte er 1963 den Spielfilm Peau de banane mit Jeanne Moreau und Jean-Paul Belmondo, 1964 führte er Regie bei der Eddie-Constantine-Komödie Faites vos jeux, mesdames.
Ab Mitte der 1960er-Jahre machte sich Ophüls vor allem als Dokumentarfilmer einen Namen. Dabei setzte er sich immer wieder mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinander, so etwa in Munich or Peace in our Time (1967), The Memory of Justice (1976) und Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie (1988). Der Film Das Haus nebenan – Chronik einer französischen Stadt im Kriege (1969) mit der Hauptperson Christian de la Mazière sorgte in Frankreich für einen Wendepunkt in der Auseinandersetzung mit dem Vichy-Regime.
An dem Dokumentarfilm Novembertage über den Mauerfall in Berlin und die folgenden Monate konnte die Arbeitsweise Ophüls’ studiert werden. Er verwendete für den Film Ausschnitte von Fernsehberichten über den Berliner Mauerfall am 9. November 1989. Die Menschen, die darin sein Interesse weckten, suchte er nach langer Recherche in ihrer eigenen Umgebung auf und sprach mit ihnen darüber, was sie damals und in der Zwischenzeit erlebt hatten. Gleichzeitig unterhielt sich der Filmer mit Politikern und Schriftstellern darüber, wie sie die Unruhen und Umbrüche wahrnahmen und später interpretierten. Ophüls wollte Politik und Alltag in ihrem Zusammenhang darstellen.
Im Juli 2010 veranstaltete das Deutsche Historische Museum Berlin (Zeughauskino) eine umfangreiche Retrospektive mit Filmen von Marcel Ophüls.
Filmografie (Auswahl) 1955: Marianne (Drehbuch) 1963: Heißes Pflaster (Peau de Banane) nach dem Roman Banana Peel von Charles Williams 1967: Hundert Jahre ohne Krieg – Das Münchner Abkommen von 1938 (Munich or Peace in our Time) 1969: Das Haus nebenan – Chronik einer französischen Stadt im Kriege (Le chagrin et la pitié), mit der Hauptperson Christian de la Mazière 1970: The Harvest of My Lai 1970: Clavigo (Fernsehverfilmung der Inszenierung von Fritz Kortner mit Thomas Holtzmann in der Titelrolle) 1973–1976: The Memory of Justice – Über die Nürnberger Prozesse 1988: Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie 1989/90: November Days bzw. Novembertage (GB/D, 129 Min.) 1994: Veillées d’armes (The Troubles We’ve Seen). Die Geschichte der Kriegsberichterstattung 2012: Ein Reisender (Un Voyageur) . In: arte, 28. Mai 2013.
Hörspiele (Auswahl) 1958: Fred Hoyle: Die schwarze Wolke (Regie als Marcel Wall) (Hörspielbearbeitung, Science-Fiction-Hörspiel – SWF)
Literatur Widerreden und andere Liebeserklärungen. Texte zu Kino und Politik. Hrsg. v. Ralph Eue und Constantin Wulff. Vorwerk 8, Berlin 1997, ISBN 3-930916-12-6 Heiner Gassen (Red.): Marcel Ophüls – Söldner des Dokumentarfilms (& Alain Resnais – „I want to go home“ & Jean Renoir – „La Marseillaise“). Mit Denkstücken, Souvenirs und Polemiken von M. O. Revue pour le Cinema Français CICIM No. 29, Übers. Karola Bartsch. Centre d’Information Cinématographique de l’Institut Français de Munich CICIM & Münchner Filmzentrum, München 1990 (In Deutsch. Hintergrundinformationen über die wichtigsten Filme von Ophüls). Mit einem ausführlichen Werkverzeichnis (Film, Fernsehen und Radio) S. 95–103 Pia Bowinkelmann: Schattenwelt. Die Vernichtung der Juden, dargestellt im französischen Dokumentarfilm. Offizin, Hannover 2008, ISBN 3-930345-62-5 (von M. O.: „Das Haus nebenan. Chronik einer französischen Stadt im Kriege“; weitere dort thematisierte Filmemacher: Frédéric Rossif & Madeleine Chapsal: „Le Temps du ghetto“ 1961; Resnais: Nacht und Nebel; Lanzmann: Shoah und Claude Chabrol: Das Auge von Vichy 1993) Marcel Ophüls: Meines Vaters Sohn. Erinnerungen. (Mémoires d’un fils à papa.) Aus dem Französischen von Jens Rosteck. Propyläen, Berlin 2015. ISBN 978-3-549-07458-9
Auszeichnungen und Preise 1972: Ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis 1984: Wahl zum Mitglied der Akademie der Künste, West-Berlin 1988: Oscar für Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie 1988: Prix de la critique internationale bei den Filmfestspielen von Cannes für Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie 1989: Friedensfilmpreis der Heinrich-Böll-Stiftung für Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie auf der Berlinale 1991: Adolf-Grimme-Preis mit Gold für Novembertage 1992: Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum 1992: Hessischer Kulturpreis 1993: Wahl zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 2002: Bremer Filmpreis 2012: Komtur des Ordre des Arts et des Lettres 2014: Ritter der Ehrenlegion 2015: Berlinale Kamera der 65. Berlinale
Film Ein Reisender – Marcel Ophüls. Dokumentarfilm, Frankreich, 2012, 105 Min., Buch und Regie: Marcel Ophüls, Vincent Jaglin, Produktion: The Factory, arte France, Erstsendung: 28. Mai 2013 bei arte, von ARD. Filmische Memoiren.
Weblinks (zusätzlich „Ophuls“ ohne Umlaut wählen)
Ausführlicher Artikel zu Le chagrin et la pitié Max- und Marcel-Ophüls-Retrospektive im Deutschen Historischen Museum Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Hörspielregisseur Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:Träger des Hessischen Kulturpreises Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Grimme-Preisträger Kategorie:Max Ophüls Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in Frankreich Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:Preuße Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann