mini|Luftbild von Eckartsberga 2017 mini|Blick von der Eckartsburg auf die Stadt mini|Eckartsberga im Schlachtfeld von Auerstedt
Eckartsberga ist eine Kleinstadt im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie gehört zur Verbandsgemeinde An der Finne.
Geographie Lage Die Stadt Eckartsberga liegt an der Finne, einem Bergrücken an der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt zu Thüringen. Sie liegt im Naturpark Saale-Unstrut-Triasland und ist etwa 22 Kilometer von Naumburg (Saale) und je knapp 30 km von Jena und Weimar entfernt.
Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: An der Poststraße, Lanitz-Hassel-Tal in Sachsen-Anhalt und Bad Sulza in Thüringen.
Stadtgliederung Zu Eckartsberga gehören neben Eckartsberga die Ortsteile: Burgholzhausen Funkturmsiedlung Lindenberg Lißdorf Marienthal (mit Schloss Marienthal) Mallendorf Millingsdorf Niederholzhausen Seena Thüsdorf Tromsdorf
Geschichte Die Geschichte Eckartsbergas ist untrennbar mit der Gründung und dem Bau der Eckartsburg 966 durch Markgraf Ekkehard I. von Meißen verbunden. Grund war die Lage auf dem Sachsenberg an der wichtigen Via Regia. Der als Reihendorf angelegte Ort vor der Burg tauchte erstmals 1073 in einer Urkunde auf.
Bei Eckartsberga befinden sich die geringen Reste der sogenannten „Altenburg“. Um 1900 erwähnt der Burgenforscher Otto Piper diese Anlage in seinem Standardwerk „Burgenkunde“ als Beispiel für eine ungewöhnlich alte – wohl frühmittelalterliche – Anlage, die als gemauerte mittelalterliche Anlage aus einer älteren Wallburg hervorging. Damals sollen noch „dreifache Querwälle“ erhalten gewesen sein."(Burg) Altenburg b. Eckartsberg(a)" In: Otto Piper: Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen. R. Piper & Co., München 1912 [Neuauflage: Weltbild-Verlag, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-554-7], S. 112 Daher handelt es sich um eine abgegangene Burg des Mittelalters, einen sogenannten Burgstall.
Eckartsberga hatte im späten Mittelalter Marktrecht, Stadtrecht (seit 1288), war Münzprägeort und hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. Ab 1485 war die Stadt Sitz des gleichnamigen sächsischen Amtes. Das Stadtleben wurde bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts durch Fuhrunternehmen geprägt. Im Zuge des Sächsischen Bruderkriegs standen am 15. Juli 1450 im Raum Eckartsberga rund 60 Dörfer in Flammen.J. C. Zenker: Historisch-topographisches Taschenbuch von Jena und seiner Umgebung.Jena 1836. Ein weiterer verheerender Brand wütete 1517.Jürgen K. Fischer: Paul Langs Chronik von 967 bis 1536. JFK Selbstverlag, Elsteraue 2012, ISBN 978-3-9815211-0-8, S. 111. Eine sogenannte Brandsäule am Ortsrand erinnert an eine Hexenverbrennung von 1563.
Im Jahr 1621 hatte die Stadt eine Kippermünzstätte, in der unter den Münzmeistern Christian Gerlach und Bernd Hillard Interimsmünzen (Kippermünzen) geschlagen wurden. Das waren Kippergroschen- und Kreuzerstücke.
1806 lag Eckartsberga am Rande des Schlachtfeldes der Schlacht von Jena und Auerstedt. Das Amt Eckartsberga kam (später erweitert als Landkreis Eckartsberga) 1815 mit anderen Gebieten an Preußen.
Auf dem Sachsenberg im Osten der Stadt standen zeitweise drei Windmühlen. Die heute noch östlich des Ortsrandes, etwas abseits der B 87 auf etwa 275 m Höhe stehende funktionsfähige Mühle aus dem Jahr 1831 hat statt der üblichen vier Flügel ein zehnspeichiges Windrad mit einem Durchmesser von 14 Metern. Diese Bauweise ist sonst in Südeuropa verbreitet, in Deutschland allerdings einmalig.
Von 1952 bis 1994 lag Eckartsberga im Kreis Naumburg (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 1994 gehört die Stadt zum Burgenlandkreis.
Am 1. Juli 2009 wurden die Nachbargemeinden Tromsdorf und Burgholzhausen in die neugebildete Stadt Eckartsberga eingegliedertStBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009 und die Verwaltungsgemeinschaft An der Finne aufgelöst.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 1.995 2005 1.897 2010 2.436 2015 2.449 2020 2.322 Jahr Einwohner 2021 2.302 2022 2.250 2023 2.242 2024 2.255 2025 2.232
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion mini|Christkönigs-Kapelle Die St.-Mauritius-Kirche in Eckartsberga gehört zum Pfarrbereich Eckartsberga, zu dem außer der Kirche in Eckartsberga noch zwölf kleine Ortschaften in der Umgebung von Eckartsberga gehören. Der Pfarrbereich Eckartsberga gehört zum Kirchenkreis Naumburg-Zeitz im Propstsprengel Halle-Wittenberg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Eine weitere evangelische Einrichtung in Eckartsberga ist die Kindertagesstätte Sterntaler.
Ein katholisches Gotteshaus bekam Eckartsberga 1934 mit der Christkönigs-Kapelle, die zur Pfarrei St. Peter und Paul mit Sitz in Naumburg (Saale) im Bistum Magdeburg gehört.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Eckartsberga besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 14 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,1 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 50,4 % 8 34,4 % 5 Einzelbewerberin Theresia Schuster – – 13,9 % 1 Feuerwehr Eckartsberga – – 12,7 % 2 Eckartsbergaer Volleyballclub 1968 16,0 % 2 12,2 % 2 Einzelbewerberin Alexandra Agthe – – 8,4 % 1 Feuerwehr Burgholzhausen/Niederholzhausen 12,8 % 2 5,7 % 1 SPD 10,7 % 1 5,2 % 1 Die Linke 10,1 % 1 4,7 % – Einzelbewerber Marcus Bischoff – – 2,8 % – Insgesamt 100 % 14 100 % 13
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die Einzelbewerberin Theresia Schuster zwei Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt.
Bürgermeister seit 2002: Marlis Vogel (CDU)
Vogel wurde bei der Bürgermeisterwahl am 13. März 2016 ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen wiedergewählt. Am 9. März 2023 wurde sie mit 51,4 % der gültigen Stimmen in ihrem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. März 2023 Ihre Amtszeit beträgt sieben Jahre.
Wappen
Städtepartnerschaft Eine Städtepartnerschaft besteht mit der Stadt Zwingenberg im Landkreis Bergstraße in Hessen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur Die Eckartsburg mit ihrem 36 Meter hohen Bergfried ist das Wahrzeichen der Stadt. Im Turminneren befindet sich eine Zinnfigurenausstellung, die als Diorama den Verlauf der Schlacht bei Jena und Auerstedt zeigt. Das im Ort befindliche Heimatmuseum präsentiert in seiner Sammlung auch Fundgegenstände aus der Steinzeit. Die auf dem Sachsenberg stehende Holländerwindmühle aus dem Jahr 1831 ist die letzte von einst drei Exemplaren am Ortsrand, die jedoch durch Brände in den Jahren 1839, 1848 und 1851 zerstört wurden und danach noch mehrfach erneuert wurden. Diese letzte Mühle verfügt über ein zehnspeichiges Windrad von 14 Metern Durchmesser. Der Turm misst vom Boden bis zur Dachspitze 13 Meter. Die Mühle wurde zuletzt im Jahre 2006 technisch instand gesetzt, hierbei wurde auch eine kleine Ausstellung geschaffen. Auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Pionier-Ferienlagers nahe der Eckartsburg befindet sich ein Freizeitpark mit Irrgarten, Minigolfanlage und Sommerrodelbahn.Website Freizeitspass Eckartsberga
Verkehr mini|Bahnhof Eckartsberga (2017)
Durch die Stadt verläuft die Bundesstraße 87 (Leipzig–Ilmenau). Die Bundesstraße 250 über Bad Bibra nach Querfurt beginnt in Eckartsberga. In Richtung Westen führt eine Verbindungsstraße über Buttstädt nach Sömmerda.
Zwei Kilometer südlich von Eckartsberga befindet sich (schon auf thüringischem Gebiet) der Bahnhof Eckartsberga (Thür) an der Pfefferminzbahn Straußfurt–Sömmerda–Buttstädt–Großheringen. Seit der Einstellung des planmäßigen Personenverkehrs auf dem östlichen Abschnitt im Dezember 2017 wird der Bahnhof nur noch sporadisch im Güterverkehr bedient. Der nächstgelegene Bahnhof mit Personenverkehr ist Bad Sulza.
Die Buslinie 286 der PVG Weimarer Land verbindet Eckartsberga mit Apolda. Mit der PVG Burgenlandkreis erreicht man mit den Bus Naumburg, Buttstädt, Bad Bibra oder Bad Kösen.
Der Ökumenische Pilgerweg von Görlitz nach Vacha führt durch Eckartsberga.
Persönlichkeiten Anna von Österreich (1432–1462), Landgräfin von Thüringen und Titular-Herzogin von Luxemburg Wilhelm Christoph Eisenhuth (1755–1826), Jurist und Verwaltungsbeamter August Moßdorff (1758–1843), Revolutionär und Verwaltungsbeamter Friedrich Wilhelm Schmidt (1786–1846), Offizier und Archäologe Adolf Heinrich Gräser (1801–1879), Pfarrer und Politiker Ludwig Abel (1835–1895), Violinist und Komponist Marie Weber (1871–1952), Landschaftsmalerin Rolf Friedemann Pauls (1915–2002), Diplomat (deutscher Botschafter in Israel, den Vereinigten Staaten und China) Peter Frenkel (* 1939), Leichtathlet Hans-Jürgen Schüler (1945–2002), Wasserballer Karl Hieronymus, erster Stadtbaumeister von GleiwitzJ. Rusinowska-Trojca: Städtebau und Wohnarchitektur des 19. Jahrhunderts in Gleiwitz (Gliwice). Inaugural-Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn, 2005, . S. 40, 3. Abs. Thomas Baust (1956–2026), deutscher Musikwissenschaftler, Hörfunkredakteur und Musikproduzent
Literatur
Georg August Emsmann: Geschichte des Schlosses und der Stadt Eckartsberga. Gedruckt bei Carl August Kümmel in Halle, 1832 (books.google.de). Heinrich Otte, Gustav Sommer: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Eckartsberga. Halle/Saale 1883. Louis Naumann: Zur Geschichte der Ephorie Eckartsberga. Veröffentlicht von Eckartshaus-Verlag, 1884. Louis Naumann: Bausteine einer Geschichte der Parochie Eckartsberga. Veröffentlicht im Naumburger Tageblatt, Heimatbeilage, 1924. Louis Naumann, Emil Strümpfel: Geschichte des Kreises Eckartsberga, Eckartsberga in Thüringen. Veröffentlicht von Eckartshaus-Verlag, 1927.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Burgenlandkreis
Kategorie:Stadt in Sachsen-Anhalt Kategorie:Ersterwähnung 1073 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1288