Ercole amante ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Tragedia“) in einem Prolog und fünf Akten von Francesco Cavalli (Musik) mit einem Libretto von Francesco Buti nach dem neunten Buch von Ovids Metamorphosen. Sie wurde am 7. Februar 1662 im Théâtre des Tuileries in Paris mit Balletten von Jean-Baptiste Lully (Text: Isaac de Benserade) uraufgeführt.

Handlung

Kurzfassung

Prolog. Die Göttin Cinthia (Diana) vergleicht die bevorstehende Hochzeit Ludwig XIV. und Maria Teresas von Spanien mit der Heirat Ercoles (Herakles) und Bellezzas (der Schönheit, Hebe).

Erster Akt. Ercole hat sich in Iole verliebt, wurde aber von dieser abgewiesen. Die Göttin Venere (Venus) verspricht Abhilfe. Ihre Widersacherin Giunone (Juno) will das vereiteln, um die Moral zu schützen, denn Ercole ist bereits mit Dejanira (Deïaneira) verheiratet.

Zweiter Akt. Iole liebt Ercoles Sohn Hyllo (Hyllos), obwohl sie dessen Vater verabscheut. Ercole ermordete einst ihren Vater Eutyro (Eurytos), nachdem dieser ihm ihre Hand verweigerte. Ein Page unterbricht das Stelldichein, um sie zu einem Spaziergang mit Ercole einzuladen. Sie wagt es nicht, ihn zurückzuweisen. Durch den Pagen erfahren Dejanira und ihr Diener Licco (Lichas) von Ercoles Absichten. Unterdessen begibt sich Giunone zur Höhle Sonnos (des Schlafs) und überredet dessen Frau Pasithea, ihn ihr für eine Weile auszuborgen.

Dritter Akt. Venere gibt Ercole einen Zaubersessel, der bewirkt, dass sich Iole in ihn verliebt, sobald sie sich darauf setzt. Nachdem Ercole sie dazu überredet hat, ist sie bereit, ihn zu heiraten. Giunone versetzt Ercole mit Sonnos Hilfe in Schlaf und löst Ioles Verzauberung wieder. Außerdem gibt sie ihr einen Dolch, mit dem sie Ercole töten soll. Hyllo entreißt ihr jedoch den Dolch, um seinen Vater zu schützen. Da Ercole in diesem Moment von Mercurio (Merkur) geweckt wird, hält er Hyllo für den Täter. Sein Zorn wendet sich auch gegen Dejanira. Erst Ioles erneutes Eheversprechen bewegt ihn dazu, die beiden zu schonen. Er verstößt Dejanira und lässt Hyllo in einem Turm an der Küste einkerkern.

Vierter Akt. Der Page besucht Hyllo in seinem Gefängnis, um ihm einen Brief Ioles zu bringen, in dem sie ihm ihr Verhalten erklärt. Auf der Rückfahrt kommt der Page in einem Sturm um. Hyllo stürzt sich verzweifelt ins Meer. Giunone überredet Nettuno (Neptun), ihn zu retten und reist mit ihm zurück in seine Heimat. Iole beschwört den Geist ihres Vaters Eutyro, um ihn um Vergebung dafür zu bitten, dass sie seinen Mörder Ercole heiraten wird. Eutyro hat dafür kein Verständnis, sondern schwört Rache an Ercole. Dejanira teilt Iole mit, dass Hyllo ertrunken ist. Licco schlägt vor, Ercole das verzauberte Gewand des Kentauren Nesso (Nessos) zu geben. Wenn er dieses trage, werde er sich wieder in Dejanira verlieben.

Fünfter Akt. In der Unterwelt schwört Eutyro die Schatten der Könige Clerica, Laomedonte (Laomedon) und Bussiride (Busiris) auf die Rache an Ercole ein. Das Gewand des Nesso hat eine andere Wirkung als erwartet. Als Ercole es vor der Hochzeitszeremonie anlegt, erleidet er derartige Schmerzen, dass er ins Feuer springt und darin umkommt. Der totgeglaubte Hyllo erscheint auch wieder und kann nun mit Iole zusammen sein. Giunone verkündet, dass Ercole lebe und im Himmel Bellezza heiraten werde.

Prolog

Felsige Gebirgslandschaft mit den vierzehn Flüssen der von Frankreich beherrschten Gebiete

Die Flüsse, unter ihnen Tevere (der Tiber), empfangen anlässlich der Hochzeit von Maria und Ludwig die Göttin Cinthia. Diese erzählt von der Ausbreitung der Macht Frankreichs und verkündet, das nach dem jüngst beendeten Krieg eine Zeit der Freude bevorstehe. So wie einst Ercole nach langen Kämpfen Bellezza heiratete, werde jetzt der französische König nach vielen Heldentaten Hochzeit feiern.

Die Symbole der königlichen Geschlechter Frankreichs tanzen ein Ballett.

Erster Akt

Weite Landschaft mit Wäldchen, im Hintergrund die Stadt Oichalia

Szene 1. Ercole hat sich in die junge Iole verliebt, wurde aber von dieser abgewiesen. Er kann die Launen Amors nicht verstehen (Ercole: „Ah Cupido io non so già“).

mini|Ercole (Nahuel Di Pierro) und Venere (Giulia Semenzato); Opéra-Comique, November 2019

Szene 2. Die Göttin Venere steigt in Begleitung der Grazien vom Himmel herab und verspricht Ercole ihre Unterstützung (Venere/Chor: „Se ninfa a i pianti“). Er soll Iole am Abend zu einem Spaziergang im Garten einladen, wo sie mit ihrem Pfeil ihre Liebe erwecken will (Venere: „Strale invisible“). Ercole wird keinen Grund zur Traurigkeit mehr haben (Venere/Ercole/Chor: „Fuggano a vol dal bell’impero“). Venere und die Grazien verschwinden wieder im Himmel.

Szene 3. Giunone, die Beschützerin der Ehe, ärgert sich über die Einmischung ihrer Rivalin Venere. Sie beschließt, deren Pläne zu vereiteln. Schließlich ist Ercole noch immer mit Dejanira verheiratet und hat zudem Ioles Vater getötet. Außerdem liebt Iole Ercoles Sohn Hyllo. Für Giunone ist erzwungene Liebe wertlos (Giunone: „Ma in amor ciò ch’altri fura“). Sie fordert die Winde auf, sie zu den Höhlen Sonnos (des Schlafs) zu tragen, von dem sie Unterstützung erhofft.

Bei ihrem Abgang schleudert Giunone Stürme und Blitze, die das zweite Ballett tanzen.

Zweiter Akt

Großer Hof des Königspalasts

Szene 1. Hyllo und Iole schwören sich ewige Liebe und wollen sich auch nicht von Ercole, dem Mörder von Ioles Vater Eutyro, davon abbringen lassen.

Szene 2. Der Page unterbricht das Stelldichein, um Iole im Auftrag Ercoles zum Spaziergang einzuladen. Iole wagt es nicht, abzulehnen, verspricht Hyllo aber die Treue. Die beiden verabschieden sich besorgt voneinander (Hyllo/Iole: „Chi può vivere un sol istante“).

Szene 3. Der Page rätselt über die Macht Amors, den er selbst noch nicht kennengelernt hat und der mehr Kummer als Freude zu bringen scheint (Page: „E che cosa è quest’amore?“)

Szene 4. Auf dem Rückweg zu Ercole wird der Page von Dejanira und ihrem Diener Licco abgefangen, die ihre Vermutung bestätigt sehen, dass Ercole seine Frau betrügen will („E che tu sai? ch’Iole ad Ercole“). Der Page versichert ihnen, dass Iole nicht Ercole, sondern dessen Sohn Hyllo liebe.

Szene 5. Dejanira ist entsetzt über Ercoles Verhalten, das sowohl ihr eigenes Glück als auch das ihres Sohnes gefährdet (Dejanira: „Ahi ch’amarezza meschina me“). Licco rät ihr, das weitere Geschehen unauffällig zu beobachten.

Die Höhle des Sonno

Szene 6. Unterstützt von einem Chor aus sanften Winden und Bächen singt Pasithea ihrem Mann Sonno ein Schlaflied (Pasithea: „Mormorate o fiumicelli“).

Szene 7. Giunone überredet Pasithea, ihr Sonno für eine Weile zu überlassen. Pasithea bittet sie, ihn bald wieder zurückzubringen, da die Menschen den Schlaf brauchen (Giunone/Chor/Pasithea: „Dell’amorose pene“).

Die vor der Höhle ruhenden Träume tanzen das dritte Ballett.

Dritter Akt

Ein Garten in Oichalia

mini|Bühnenbild von Carlo Vigarani, dritter Akt, Szene 1

Szene 1. Mit ihrem Zauberstab beschwört Venere einen verzauberten Sessel aus dem Boden. Damit kann Ercole in Iole Liebesgefühle wecken, sobald sie darauf einschläft. Als Ercole zu bedenken gibt, dass diese Liebe nicht vom Himmel, sondern aus der Unterwelt komme, beruhigt ihn Venere. Er solle nicht darüber nachdenken, sondern sie einfach genießen (Venere: „O di questa canzon“).

Szene 2. Ercole zittert selbst vor der Begegnung mit Iole (Ercole: „O quale instillano“). Der Page teilt ihm mit, dass sie kommen wird. Ercole erfährt erst jetzt von ihrem Verhältnis mit seinem Sohn.

Szene 3. Als Iole zusammen mit Hyllo und einigen Freundinnen erscheint und ihm vorwirft, ihren Vater ermordet zu haben, weil er ihr ihre Hand verweigert hatte, erklärt Ercole, dass er unter solchen Umständen sogar den Donnergott getötet hätte. Mit den Worten, er befolge lediglich die Befehle Amors (Ercole: „Tutte son opre gloriose, e belle“) überredet er sie, sich zu setzen. Der Zauber wirkt sofort, und Iole verliebt sich in ihn. Hyllo ist erschüttert. Er will nur noch sterben und verkündet, dass er sich von der nächsten Klippe stürzen werde.

Szene 4. Iole erklärt sich einverstanden, Ercole zu heiraten, will aber zuvor im Gebet die Erlaubnis ihres toten Vaters Eutyro einholen.

Szene 5. Giunone versetzt Ercole mit Sonnos Hilfe in tiefen Schlaf, löst Ioles Verzauberung und gibt ihr einen von Vulcano (Vulcanus) geschmiedeten Dolch, mit dem sie Ercole töten kann.

Szene 6. Iole betet zur Seele ihres Vaters um Kraft, doch Hyllo entreißt ihr den Dolch, um seinen Vater zu schützen.

Szene 7. Der Götterbote Mercurio weckt Ercole. Der erblickt seinen Sohn mit der Waffe in der Hand und glaubt, Hyllo habe ihn töten wollen. Iole versucht, das Missverständnis aufzuklären.

Szene 8. Dejanira kommt mit Licco hinzu, um zu verhindern, dass sich Ercole in seinem Zorn gegen Hyllo wendet. Da sich Ercole nicht beruhigt, verspricht Iole erneut, ihn zu heiraten, sofern er Hyllo am Leben lässt. Ercole akzeptiert. Er lässt Hyllo jedoch in einen Turm sperren und verstößt Dejanira.

Szene 9. Dejanira und Hyllo nehmen mitleidsvoll voneinander Abschied.

Szene 10. Auch Licco und der Page verabschieden sich voneinander, da Licco mit seiner Herrin in die Verbannung gehen wird. Er verabscheut Amor zutiefst (Licco: „Amor, chi ha senno in sé“).

Als der verzauberte Sessel wieder in die Erde sinkt, befreien sich die darin eingeschlossenen Geister und tanzen zwischen den Statuen des Gartens das vierte Ballett.

Vierter Akt

Meer mit mehreren Türmen am Ufer; einer davon ist Hyllos Gefängnis

Szene 1. Hyllo beklagt sein Schicksal, das er einzig der Eifersucht verdankt (Hyllo: „Ahi che pena è gelosia“).

Szene 2. Der Page reist zur Küste (Page: „Zefiri che gite“), um Hyllo einen Brief Ioles zu bringen. Darin erklärt diese, dass sie, um sein Leben zu retten, in die Hochzeit mit Ercole eingewilligt habe. Der Tod wäre ihm lieber gewesen. Als sich der Page auf die Rückreise macht, bricht ein Sturm aus.

Szene 3. Hyllo beobachtet entsetzt, wie der Page von den Fluten verschlungen wird und umkommt. Er sieht keinen Sinn mehr im Leben und stürzt sich ins Meer.

Szene 4. Giunone erscheint in einem großen fliegenden Thron und fleht Nettuno an, Hyllo zu retten – das sei eine gute Gelegenheit, Ercole zu ärgern. Nettuno steigt in einer großen von Seepferden gezogenen Muschel aus dem Meer und rettet den jungen Mann. Nachdem er von diesem den Grund für seinen Selbstmordversuch erfahren hat, tröstet er ihn mit einem Lied (Nettuno: „Amanti che tra pene“). Hyllo besteigt Giunones Maschine, um in die Heimat zurückzukehren.

Szene 5. Während der Reise umspielen Zephyre Giunones Gefährt. Giunone versucht, Hyllo wieder Lebensmut zu geben (Giunone: „Congedo a gl’orridi“).

Nachdem die Maschine in den Himmel aufgestiegen ist, tanzen die Zephyre das fünfte Ballett.

Garten mit Zypressen und Königsgräbern

Szene 6. Dejanira teilt Licco mit, dass sie sterben wolle und ihn als Erben einsetze. Sie wünsche nur, in einem besonders düsteren Grab beerdigt zu werden. Licco will davon nichts hören. Als sich eine Trauerprozession nähert, rät er Dejanira, sich zu verstecken und zur Aufheiterung die Beileidsbekundungen zu belauschen.