Quis dives salvetur () „Welcher Reiche wird gerettet werden?“ ist eine um das Jahr 200 n. Chr. verfasste Schrift des Clemens von Alexandria. Auf Griechisch geschrieben, wird sie in der Regel mit ihrem lateinischen Titel zitiert. Dieser Text ist als früher Beitrag zur Entwicklung einer christlichen Sozialethik von Bedeutung.

Clemens legte eine Deutung der Perikope vom reichen jungen Mann vor, interessanterweise nicht im Wortlaut des meist favorisierten Matthäusevangeliums, sondern des Markusevangeliums (). Er setzte sich mit einer christlichen Armenfrömmigkeit auseinander, wie sie z. B. der Hirt des Hermas vertrat. Vom Hirten des Hermas wurde empfohlen, dass ein Reicher bei seinem Eintritt in die christliche Gemeinde Buße tun und sein Eigentum verschenken sollte. Arm und Reich könnten sich gegenseitig unterstützen, der eine durch Gebet, der andere durch Almosen.

Was Clemens veranlasste, der Frage des Reichtums bei Christen systematisch nachzugehen, ist nicht bekannt. Vielleicht ist Quis dives salvetur eine Art Trostschrift für beunruhigte reiche Christen.Vgl. Quis dives salvetur, 3,2–4,1. Ausdrücklich reflektierte Clemens, wie ungerecht es von Gott wäre, jemanden, der in eine reiche Familie hineingeboren wurde, allein deshalb vom ewigen Leben auszuschließen.Quis dives salvetur, 26. Die Schrift als ganze macht aber nicht den Eindruck, an eine bestimmte Leserschaft adressiert zu sein.Andreas Lindemann: Eigentum und Reich Gottes, Tübingen 2011, S. 327.

Clemens zeigte eine Perspektive auf, wie wohlhabende Personen gleichwohl Christen sein könnten: Christus fordere nicht, seinen Besitz wegzuwerfen, sondern dieser sei wie ein Werkzeug, das richtig oder falsch eingesetzt werden könne.Quis dives salvetur, 14.

Als Almosentheorie wäre Quis dives salvetur missverstanden,Adolf Martin Ritter: Christentum und Eigentum bei Klemens von Alexandria auf dem Hintergrund der frühchristlichen „Armenfrömmigkeit“ und der Ethik der kaiserzeitlichen Stoa, Göttingen 1993, S. 302 denn Clemens verlangt vom Wohlhabenden, dass der sich fortdauernd um den armen Mitchristen bemüht: „Beeile dich, strenge alle deine Kräfte an, fürchte dich davor, daß er nichts von dir wissen will! Denn nicht er hat den Befehl erhalten, etwas anzunehmen, sondern du den Befehl, etwas zu geben. Indessen hat der Herr auch nicht gesagt: Gib! oder Gewähre! oder Erweise Wohltaten! oder Hilf!, sondern: Mach dir einen Freund! Zum Freund wird aber einer nicht infolge einer einzigen Gabe, sondern infolge einer völligen Hilfe und auf Grund eines lange währenden Verkehrs.“Quis dives salvetur, 32.

Werkausgabe Clemens von Alexandrien: Der Erzieher II-III; Welcher Reiche wird gerettet werden? Aus dem Griechischen übersetzt von Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Otto Stählin. (Bibliothek der Kirchenväter, 2. Reihe, Band 8) München 1934 (online)

Literatur Adolf Martin Ritter: Christentum und Eigentum bei Klemens von Alexandria auf dem Hintergrund der frühchristlichen „Armenfrömmigkeit“ und der Ethik der kaiserzeitlichen Stoa. In: Charisma und Caritas: Aufsätze zur Geschichte der Alten Kirche. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, S. 283–308. Andreas Lindemann: Eigentum und Reich Gottes. Die Erzählung „Jesus und der Reiche“ im Neuen Testament und bei Klemens von Alexandria. In: Glauben, Handeln, Verstehen: Studien zur Auslegung des Neuen Testaments (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament.) Mohr Siebeck, Tübingen 2011, S. 312–341. Jörg Ulrich: Clemens Alexandrinus’ „Quis dives salvetur“ als Paradigma für die Beurteilung von Reichtum und Geld in der Alten Kirche. In: Jahrbuch für Biblische Theologie 21 (2006), S. 213–238.

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